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Diabetes-Trainings im Check

Belinda Martschinke, EBS Universität für Wirtschaft und Recht

Diabetiker müssen häufig ihren Lebensstil umstellen. Spezielle Coachingprogramme können dabei helfen. Eine Studie zeigt, worauf Patienten bei der Auswahl solcher Angebote achten sollten.

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland haben Diabetes, die meisten von ihnen Diabetes mellitus Typ 2. Um die Erkrankung in den Griff zu bekommen, raten Ärzte ihren Patienten, mehr Sport zu treiben, abzunehmen und weitgehend auf Zucker, Salz und Fett zu verzichten. Viele Menschen schaffen dies nur mit Unterstützung. Deshalb sind gezielte Coachingprogramme im Kommen. Dabei begleitet ein speziell ausgebildeter Coach in Einzelgesprächen den Patienten individuell beim Umstellen seiner Gewohnheiten, legt mit ihm Ziele fest, tröstet bei Ängsten und motiviert nach Rückschlägen. Diese Programme werden von privaten Gesundheitsdienstleistern angeboten. Patienten müssen sie in der Regel selbst finanzieren. Daher ist es umso wichtiger, zu wissen, ob und wann diese Trainings tatsächlich Erfolge erzielen. Das hat Belinda Martschinke, Mitarbeiterin am Health Care Management Institute der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, in ihrer Doktorarbeit analysiert.

Sie haben den Erfolg von Coachingprogrammen für Diabetes-Typ-2-Patienten untersucht. Für wen sind Ihre Erkenntnisse nützlich?

Belinda Martschinke: Meine Arbeit soll in erster Linie Anbietern solcher Programme helfen, ihre Coachings besser auszugestalten. Zugleich liefert sie aber Patienten Anhaltspunkte, worauf sie bei der Auswahl eines Trainings achten sollten. 

Wie wirksam sind die Programme denn unterm Strich?

Ein niedrigerer Blutzuckerspiegel war die Messlatte für den Erfolg. Meine Auswertung weltweiter Studien 
über die Wirksamkeit von Coachingprogrammen ergab, dass bei 40 Prozent der darin untersuchten Trainings der Blutzuckerspiegel der Patienten tatsächlich gesenkt worden war.

Warum sollten Patienten bei einer Erfolgsquote von 40 Prozent überhaupt eines absolvieren?

Meine Untersuchung belegt, dass sich ein Therapieerfolg nicht automatisch einstellt, nur weil jemand ein solches Coaching durchläuft. Aber es wirkt tatsächlich – wenn es richtig angelegt ist.

Welche Merkmale sprechen für ein gutes Konzept?

Langfristige Trainings mit häufigen Terminen waren zum Beispiel tendenziell wirkungsvoller. Ein Programm sollte mindestens sechs Monate dauern. Besser sogar ein bis zwei Jahre. Ein Patient braucht Zeit, um seinen Lebensstil umzustellen, und in dieser Zeit entsprechende Unter­stützung. Anfangs sollte man den Trainer wenigstens al­le zwei, drei Wochen sprechen, später reicht es dann seltener.

Wie wichtig ist es, den Coach persönlich treffen zu können?

Es zeigte sich, dass es für das Ergebnis nicht entscheidend ist, ob das Programm Präsenztermine oder Beratung per Telefon vorsieht. Der Patient kann also wählen, was ihm lieber ist. Zudem machte auch die Dauer der Sitzungen keinen Unterschied: 60-Minuten-Termine waren nicht wirkungsvoller als die mit 20 Minuten. 

Welchen Einfluss haben die Trainer auf das Ergebnis?

In den erfolgreichen Programmen waren sie tendenziell intensiver für ihre spezielle Aufgabe geschult worden. Das überrascht nicht wirklich, belegt aber, dass es allein mit medizinischer Kompetenz rund um Diabetes nicht getan ist. Ein Trainer muss seinen Patienten mit Motivations­techniken zum Durchhalten bewegen können. Das lernt man nicht an einem Nachmittag. Patienten sollten sich also über die Ausbildung ihres Coaches informieren. 

www.ebs.edu, www.ebs-hcmi.de

Interview Ulrike Heitze

 

Diabetes mellitus Typ 2 ist eine chronische Stoffwechsel­erkrankung. Früher als Alters­zucker oder Altersdiabetes bekannt, wird sie inzwischen immer häufiger bei Jüngeren diagnostiziert. Der Körper entwickelt dabei eine Insulinresistenz. Das Hormon Insulin kann die Zuckermoleküle nicht mehr in die Zellen weiterleiten. Sie stauen sich im Blut an. Langfristig schädigt das Nerven, Blutgefäße und andere Organe. Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle steigt rapide. Ursachen für den Typ 2 sind neben genetischer Veranlagung vor allem Übergewicht und zu wenig Bewegung.

www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de