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Bildung04.12.2012

Das Studienmodell der SRH Hochschule Heidelberg

Die neue Art des Lernens

Hochschule anders denken und leben – dieser Anspruch ist an der SRH Hochschule Heidelberg Wirklichkeit geworden. Seit Oktober 2012 studieren alle Neuimmatrikulierten nach dem CORE-Prinzip. Das neue Studienmodell rückt aktives und eigenverantwortliches Lernen in den Mittelpunkt – und verbindet eine neue Zeitstruktur, vielfältige Lehr- und Lernformen und die Freude am Lernen.

Teamarbeit (Bild: Gina Schöler, Mannheim)

Eigenverantwortlich arbeiten - unter enger fachlicher Begleitung. Wenn sich die Studierenden die Lösung selbst erarbeiten, motiviert sie das enorm.

Dienstagmorgen, 8.30 Uhr. Die Master-Studierenden im Sportmanagement der SRH Hochschule Heidelberg treffen sich zu einer Projektbesprechung im Fach Sponsoring. Seit drei Wochen arbeiten sie in Zweierteams an einer komplexen Aufgabe. Das Ziel ist klar vorgegeben: Sie sollen eine Akquisepräsentation eines Fußball-, Basketball- oder Eishockeyklubs vorbereiten, um einen neuen Sponsoringpartner zu gewinnen. Je nach Team handelt es sich dabei um eine Lebensmittelkette, einen Reiseanbieter oder eine Bank. Das Entscheidende dabei: Die Studierenden müssen alle Lehrinhalte, die ihnen in den begleitenden Seminarsitzungen vermittelt werden, in einen praktischen Kontext transferieren. So wird aus Sponsoringtheorie gelebte Sponsoringpraxis. Es gilt, den eigenen Verein zu positionieren, ein passendes Leistungsangebot zu definieren, dieses zu bepreisen sowie das Gesamtpaket in einer stringenten Präsentation zu verpacken, die den potenziellen Partner mit stichhaltigen Argumenten überzeugt. Da muss die Frage nach Zielen und Interessen des Sponsors vor allen anderen Überlegungen stehen.

„Uns ist es wichtig, dass die Studierenden Zusammenhänge ganzheitlich verstehen – sowohl innerhalb einer Disziplin als auch zwischen den einzelnen Studienfächern“, erläutert Prof. Dr. Christian Keller, Studiendekan Sportmanagement. „Das setzt aber voraus, dass wir uns fokussieren. Die Studierenden sollen die Chance erhalten, ein komplexes Thema inhaltlich durchdringen zu können, ohne parellel fünf oder sechs Lehrveranstaltungen besuchen zu müssen“, so der Professor. Keller spricht aus Erfahrung, er kennt das neue Studienmodell sehr gut. Denn im Master-Studiengang Sportmanagement wird es bereits seit Oktober 2010 umgesetzt – mit großem Erfolg. Nun ist es an allen Fakultäten für jeden Studiengang gestartet.

Aktivierendes Lernen und Lehren

Teamarbeit (Bild: Gina Schöler)

Teamarbeit fördert die Motivation und Kreativität der Lernenden. Darüber hinaus trainieren sie so ganz nebenbei soziale Kompetenzen.

Ziel der SRH Hochschule Heidelberg ist, dass ihre Studierenden nicht nur etwas wissen, sondern es auch anwenden können. „Wir wollen unseren Studierenden genau die Kompetenzen vermitteln, die sie für einen erfolgreichen Berufseinstieg benötigen. Daher war es unser Ziel, mit einem neuen Studienmodell ideale Rahmenbedingungen für kompetenzorientiertes Lernen und Forschen zu schaffen“, erklärt Rektor Prof. Dr. Jörg Winterberg. Seit 2009 arbeitete die SRH Akademie für Hochschullehre (siehe auch Artikel Seite 6) gemeinsam mit der Hochschulleitung intensiv an der Entwicklung. Dazu holte sich das Projektteam – obwohl selbst Experten in Sachen Lehre und Lernen – zusätzlich Rat bei externen Wissenschaftlern, verglich die Modelle anderer Hochschulen im In- und Ausland und diskutierte deren Vor- und Nachteile.

So ist das CORE-Prinzip entstanden. CORE steht dabei für Competence Oriented Research and Education. Anders als herkömmliche Modelle setzt das neue Studienmodell nicht auf die passive Rezeption von Informationen, sondern auf eigenverantwortliches Lernen. Die jeweiligen Ziele eines Stu-diengangs, eines Moduls sowie einer Lehrveranstaltung werden klar definiert und kommuniziert.

„Auch in der praktischen Umsetzung achten wir auf eine konsequente Kompetenzorientierung“, macht Keller deutlich. Dafür ist die geballte Vermittlung von Wissen in Form von Vorlesungen im Regelfall nicht effektiv. Deshalb hat sich an der Hochschule auch die Methodik des Lehrens drastisch verändert – und zwar hin zu aktivierenden Lernformen. So lernen die Studierenden unter anderem im Rahmen von Fallstudien, Seminaren, Gruppenarbeiten, Präsentationen und Rollenspielen, eigenverantwortlich zu arbeiten und sich zu organisieren. Welche Lehr- und Lernform letztlich zum Zuge kommt, richtet sich konsequent nach dem jeweiligen Lernziel.

Zudem wird an der Hochschule nicht in Semestern oder Trimestern, sondern in ganzen Studienjahren gedacht. Statt mehrere Kurse über lange Zeit parallel abzuhalten, werden sie im neuen Studienmodell in kurzen, intensiven Fünf-Wochen-Blöcken zusammengefasst, die inhaltlich aufeinander aufbauen. Die Studierenden beschäftigen sich mit einem Problem oder einem Projekt, das umfassend betrachtet und behandelt wird.

Die Qualität des CORE-Prinzips

  • Kompetenzorientiert lernen - Unsere Absolventen sollen nicht nur etwas wissen, sondern es auch anwenden können.
  • Effizient organisiert – Das Studium gliedert sich in Fünf-Wochen-Blöcke, in denen sich die Studierenden intensiv mit praxisnahen Aufgaben befassen.
  • Offen kommunizieren – Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, die zum Lernen motiviert. Unsere Kommunikation ist stets offen, direkt und wertschätzend.
  • Im Team stark – Wir gehen aufeinander zu und unterstützen uns gegenseitig. Unsere Dozenten begleiten die Studierenden fachlich intensiv.
  • Unser Erfolg ist messbar – Lehr-, Lern- und Prüfungsform wählen wir passend zum Thema. So gelingt es uns, bestmöglich zu überprüfen, was wirklich bei den Studierenden angekommen ist.

Der Gesamtauftritt ist entscheidend

Präsentation (Bild: Gina Schöler, Mannheim)

Das Lernziel bestimmt die Prüfungsform. Dazu gehört es auch, Inhalte sauber vorzubreiten und zu präsentieren.

Für die Sportmanagement-Studierenden heißt es nun in Sachen Sponsoring noch einmal richtig Gas geben. In einer Woche stehen die Prüfungen für diesen Block an. „Sie bestehen aus einer Akquisepräsentation und deren Vorstellung im Rollenspiel beim potenziellen Sponsor. Bewertet werden Struktur und Inhalt des Angebots, Layout und Form sowie der persönliche Auftritt“, erklärt Keller. Es geht also nicht nur darum, schön gestaltete Folien zu zeigen. Wichtig ist der Gesamtauftritt, der möglichst realitätsnah sein soll. Dabei kommt es auf ein angemessenes Äußeres, die Gesprächsführung und die Fähigkeit an, eine emotionale Beziehung zum Gegenüber herzustellen. Der besondere Nervenkitzel: Die Präsentationen finden nicht nur vor Professoren und Kommilitonen statt. Häufig sind auch Praxisvertreter anwesend, die den Studierenden hinterher wertvolle Tipps geben.

Daraus wird deutlich, dass sich in Heidelberg auch die Art der Prüfung verändert hat. An die Stelle geballter Prüfungsphasen sind kontinuierliche Leistungsnachweise getreten. Neue Prüfungsformen sollen die Studierenden motivieren, über ein reines Auswendiglernen hinauszugehen und beim Lernen ein vertieftes Verständnis des Stoffes anzustreben. Dazu stehen vielfältige Möglichkeiten wie Präsentation, Kolloquium, Studien- oder Projektarbeit, Referat, Recherche und Dokumentation, Rollenspiel, Fallarbeit, Essay, Exposé, mündliche Prüfung, Lerntagebuch oder Portfolioprüfung zur Verfügung. Die Form selbst richtet sich dabei nach Ziel und Thema eines Moduls. „Nur so können wir herausfinden, was wirklich bei den Studierenden angekommen ist. Erfolg wird so direkt messbar“, betont Christian Keller. Ein weiterer Vorteil: Durch dieses Vorgehen vermeidet die Hochschule den wenig produktiven Klausurstress, der normalerweise am Ende eines Semesters oder Trimesters entsteht und die Studierenden allzu oft am vertieften, kompetenzorientierten Lernen hindert.

Diese Vorgehensweise kommt auch gut bei den Dozenten an: „Ich kann im Jahresverlauf sehen, wie sich jeder Einzelne steigert – die ideale Grundlage für individuelle Förderung“, sagt Keller. Dazu gehört auch, die Selbst- und Sozialkompetenz jedes Studierenden zu unterstützen. Die Rolle des Lehrenden hat sich dabei vom Wissensvermittler zum Moderator von Lernprozessen gewandelt. „Wir Dozenten müssen uns immer bewusst sein, dass wir Vorbilder sind. Und als Mentoren und Coaches begleiten wir die Studierenden eng – fachlich, organisatorisch und persönlich“, erzählt Keller. „Bei uns ist Bildungspartnerschaft nicht nur eine Worthülse, sondern gelebter Alltag.“ Dazu tragen auch sehr kleine Lerngruppen bei, die ein zentrales Element des Lehrkonzeptes der SRH Hochschule Heidelberg sind. Die maximale Gruppenstärke beträgt 35 Teilnehmer in den Bachelor-Studiengängen sowie 25 in den Master-Studiengängen.

Offen, direkt und wertschätzend

Prof. Dr. Jörg M. Winterberg

Drei Fragen an Prof. Dr. Jörg M. Winterberg, Rektor der SRH Hochschule Heidelberg, zum neuen Studienmodell.

Alle Studiengänge umzustrukturieren ist ein gewaltiger Kraftakt. Was hat Sie dazu bewogen?

Nachdem wir im Zuge der Bologna-Reform alte Strukturen durch Bachelor- und Master-Studiengänge abgelöst hatten, stellten wir uns die Frage, ob und wie wir den Lehrstoff noch besser vermitteln können – insbesondere unter dem Aspekt der konsequenten Kompetenzorientierung. Das hat einen regelrechten Paradigmenwechsel in Lehre und Studium angestoßen, und wir haben angefangen, Hochschullehre ganz neu zu denken und zu gestalten.

Wodurch unterscheidet sich das CORE-Prinzip von anderen Ansätzen?

Bei unserem Modell sind die Studierenden gefordert, aktiv und eigenverantwortlich zu lernen. Erkenntnisse der Lernforschung zeigen, dass sich Wissen nicht linear vermitteln lässt. Das heißt: Was Dozenten in Vorlesungen lehren, kommt bei den Lernenden nicht zwangsläufig an. Wir begreifen Lernen deshalb als einen Prozess, der vor allem vom Lernenden selbst gesteuert wird. Lehren bedeutet für uns demzufolge das „Ermöglichen von Lernen“.

Und wie ermöglichen Sie es Ihren Studierenden, zu lernen?

Für den Lernerfolg entscheidend sind neben sinnvollen Inhalten und adäquaten Praxisbeispielen auch geeignete Rahmenbedingungen. Die Lernumgebung muss also so gestaltet werden, dass sie Lernen möglich macht. Dabei spielt übrigens das Kommunikationsklima eine wesentliche Rolle. Unsere Kommunikation – egal ob unter Kollegen, zwischen Studierenden und Dozenten oder nach außen hin – ist deshalb immer offen, direkt und wertschätzend. Zu den weiteren Bausteinen, die zu einer entsprechenden Lernkultur beitragen, zählen Selbstorganisation, Eigenverantwortung und Persönlichkeitsförderung.

Praxistest bestanden

Die angehenden Sportmanager haben es nun fast geschafft, jetzt steht nur noch eine Feedbackrunde aus. „Die ist enorm wichtig, denn hier bekommen sie über die Note hinaus eine umfassende Rückmeldung zu ihrem aktuellen Leistungsstand“, so der Studiendekan. Es gilt zu reflektieren, ob sie die vorher definierten Kompetenzen und das angestrebte Wissen erworben haben. Schritt für Schritt erarbeiten sie sich so alles, was sie für ihren späteren Beruf brauchen: Wissen, Können und Schlüsselqualifikationen. „Entscheidend ist die Fähigkeit, nach dem Studium in der Praxis zu bestehen“, sagt Christian Keller. Deshalb stellt die ausgeprägte Praxisorientierung in jedem Studiengang an der SRH Hochschule Heidelberg das zentrale Ausbildungsmerkmal dar. Oberstes Ziel ist die effektive und gründliche Vorbereitung der Studierenden auf den Beruf. Dafür pflegt die Privathochschule enge Kontakte zu Unternehmen und Berufsständen und vermittelt Praktika. „Wir bekommen regelmäßig Lob für unsere Praktikanten. Das zeigt mir: Unser Konzept geht auf“, freut sich Studiendekan Christian Keller.

Jetzt gilt es, den Erfolg des Piloten auf die anderen Fachbereiche der Hochschule zu übertragen. Dabei werde es natürlich auch Reibungspunkte geben, sagt Rektor Winterberg. Denn dahinter stecke ein organisatorischer Kraftakt. „Das CORE-Prinzip ist ein grundlegender Kulturwandel in Sachen Lernen. Umso wichtiger ist, dass wir alle offen miteinander sprechen und uns gegenseitig helfen. Aufgrund der positiven Erfahrungen im Sportmanagement bin ich sicher, dass wir schon jetzt sagen können: Wir machen Bologna richtig.“

Gabriele Jörg/Georg Haiber

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