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Eine Hand wäscht die andere

Unsere Hände sind die wichtigsten Werkzeuge, die wir haben. Und zugleich echte Keimschleudern. Das SRH Krankenhaus Oberndorf macht vor, wie sich das Risiko einer Infektion mit einfachen Mitteln senken lässt.

Hygienetipps für die Hände

Regelmäßig waschen: Nach dem Toilettengang, vor dem Essen, vor Kontakt mit Lebensmitteln, nach dem Niesen oder Naseputzen, nach dem Kontakt mit Tieren und nach einem Aufenthalt draußen. – Akribisch sein: Mindestens 20 Sekunden lang einseifen. Neben den Handflächen auch die Finger­­zwi­schenräume, Daumen und die Haut unter den Nägeln. – Seife ersetzen: Eine milde Waschlotion (rückfettend, parfümfrei, pH-neutral) schont den Säureschutzmantel der Haut mehr als Seife.  – Desinfektion statt Wasser: Wer oft die Hände ­waschen muss – und so seine Haut auslaugt –, kann auf Des­infektions­lösungen umsteigen, sofern die Hände optisch nicht schmutzig sind.  – Schnäuzen: Nur in Papiertaschen­tücher und in jedes nur einmal. Danach sofort wegwerfen. Niesen oder husten nur in die Armbeuge, nicht in die Hand.  – Bakterien & Co nicht verteilen: Die ungewaschenen Hände weg von Augen, Mund und Nase. – Wer zum Putzen Handschuhe benutzt: Nach dem Ablegen die Hände kurz trocknen lassen, erst dann ­waschen. Sonst gehen wichtige Hautsalze verloren. – Hand­tücher: Regelmäßig waschen (bei mindestens 60 Grad), immer nur für einen Zweck gebrauchen, niemals auf der Heizung trocknen (Keimschleuder).

Sie lauern auf PC-Tastaturen, Einkaufswagengriffen oder Geldscheinen: Bakterien, Viren, Pilze und andere unappetitliche Gesellen. Eine einzige Türklinke bringt es auf gut 400 Keime, wie ein TV-Experiment zeigte. Natürlich ist nicht alles, was sich auf Oberflächen ansammelt, für gesunde Menschen gefährlich, aber so manches kann doch unangenehme Folgen haben. Man denke nur an Grippe- und Magen-Darm-Infektionswellen oder Rötel- und Windpockenphasen in Kindergärten und Schulen. 

Übertragungsweg Nummer eins sind dabei un­sere Hände, stellt Martina Frick, Hygienefachkraft am SRH Krankenhaus Oberndorf, fest: „Sie sammeln fleißig ein, und sie geben eifrig weiter.“ Denn einmal das Auge gerieben, den Finger abgeleckt oder an einer Wunde gekratzt, und schon sind Keime & Co fröhlich im Körper unterwegs und fordern die Abwehrkräfte heraus. Verhindern lässt sich das durch eine bessere Hygiene, erklärt Martina Frick. Regelmäßiges Händewaschen wäre ein guter Anfang. Denn das tun die meisten viel zu selten: So wäscht sich laut der Bundeszentrale für gesundheit­liche Aufklärung (BZgA) jeder Dritte nicht konsequent die Hände, wenn er Kontakt mit einem Grippe- oder Magen-Darm-Patienten hatte. Und nach dem Gang aufs stille Örtchen sind Wasser und Seife keine Selbstverständlichkeit (siehe Kasten). Dabei rät die BZgA, mindestens nach jedem Toilettengang und vor jedem Essen die Hände ausgiebig mit Wasser und Seife zu bearbeiten.

Achtsamkeit hilft weiter

Kann schon im Alltag mangelnde Handhygiene gefährlich werden, ist die Lage in Gesundheitseinrichtungen noch kniffliger. Denn hier kommt einiges zusammen: immungeschwächte Patienten, gefährlichere Krankheitserreger, OP-Wunden, Personal mit viel und engem Kontakt zu Menschen. Im SRH Krankenhaus Oberndorf hat man sich in den letzten dreieinhalb Jahren deshalb intensiv mit dem komplexen Thema Handhygiene beschäftigt – und erreichte mit diesem Engagement das Gold-Zertifikat der „Aktion Saubere Hände“ für 2016 und 2017. Eine der wichtigsten Aufgaben, um eine gute Handhygiene zu etablieren, ist: Bewusstsein schaffen. Wann sind die Hände nicht mehr ausreichend desinfiziert? Wie sieht eine sinnvolle Reinigung aus? „Wie schnell ist man zwischen zwei Infusionen mal eben ans Telefon gegangen? Oder hat auf dem Weg zum Verbandswechsel eine Türklinke angefasst“, erklärt Hygieneexpertin Frick. „Da muss es dann gleich ‚klick‘ machen und der Griff zum Desinfek­tionsspender gehen.“ Regelmäßig schult sie deshalb ­Ärzte, Pfleger und den pflegerischen Nachwuchs. Auch Patienten und Angehörige sind wichtige Glieder in der Hygienekette. Denn Besucher schleppen möglicherweise Erreger ein und geben sie per Handschlag an die Kranken weiter. Besser wäre es zum Beispiel, Gäste würden ihre Hände beim Eintreffen desinfizieren. 

In Oberndorf bekommen Patienten schon bei der Aufnahme eine Infobroschüre, die ihnen zum Beispiel die fünf Momente erklärt, in denen Desinfektion nötig ist. So können sie während ihres Aufenthalts ein wach­sames Auge darauf haben. „Damit die Handdesinfektion allen Beteiligten möglichst leichtfällt, haben wir über 300 Desinfektionsspender im Krankenhaus aufgestellt. Und das Personal zusätzlich mit kleinen Spendern für die Kitteltasche ausgestattet“, sagt Frick. „Die Hemmschwelle muss so niedrig wie möglich sein.“ Dass sich der Aufwand – von Schulungen über Spender, Hautschutzmittel und Handschuhe bis hin zur Überwachung und permanenten Kontrolle – lohnt, zeigt die Wundinfektionsrate: „Die ist in unserem Haus sehr niedrig“, sagt Martina Frick. „Das spricht für eine erfolgreiche Handhygiene.“ 

www.krankenhaus-oberndorf.de

Text Ulrike Heitze
Illustration Jens Amende

Männer brauchen Nachhilfe im Händewaschen

Studentinnen aus dem Fach Wirtschaftspsychologie der SRH Hochschule Heidelberg haben 2015 untersucht, wie es die Deutschen mit dem Händewaschen nach dem Gang auf eine öffentliche Toilette halten. Dazu beobachteten sie knapp 400 Personen an vier verschiedenen Orten. 

Das Ergebnis: Nach dem Toilettengang ...

Frauen
92 % waschen sich die Hände
75 % von diesen benutzen Seife
8 % verzichten aufs Händewaschen

Männer
86 % waschen sich die Hände
60 % von diesen benutzen Seife
14 % verzichten aufs Händewaschen

Die –„Aktion Saubere Hände“ hat zum Ziel, das Händedesinfektionsverhalten in deutschen Gesundheitseinrichtungen zu verbessern und so die Sicherheit von Patienten und Mit­arbeitern zu erhöhen. Die Kam­pagne basiert auf einer Initiative der Weltgesundheitsorganisa­tion und wird getragen von unterschiedlichsten Gesundheitsorganisationen.

www.aktion-sauberehaende.de