direkt zum Inhalt

Große Pläne für die Zukunft

Große Plaene fuer die Zukunft (Foto: Wolfram Scheible)

Mehr als die Hälfte aller deutschen Kliniken schreibt rote Zahlen. Vor allem Krankenhäuser außerhalb großer Ballungszentren tun sich schwer. Im schwäbischen Sigmaringen ist die SRH nun angetreten, zu zeigen, dass eine medizinische Versorgung mit Zukunft auch auf dem Land funktioniert.

Die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland liegt weltweit auf einem Spitzenplatz. Doch ausgerechnet dort, wo Tausende Mediziner ihren Patienten von Tag zu Tag zu neuer Gesundheit verhelfen, zeichnet sich seit ein paar Jahren eine Entwicklung ab, die Experten große Sorgen macht: Jede zweite deutsche Klinik schrieb im Jahr 2012 rote Zahlen, hat das Deutsche Krankenhaus Institut (DKI) in seiner Studie „Krankenhaus Barometer 2013“ ermittelt. 62 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

25 Millionen Euro für eine langfristig sichere Zukunft

Ländliche Krankenhäuser, die meist unter kommunaler Regie stehen, haben es besonders schwer. Weil bei den Kommunen selbst Ebbe in der Kasse ist, fehlen seit Jahren an zahlreichen Standorten die finanziellen Mittel für dringend notwendige Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen – mit der fatalen Folge, dass gerade diese Kliniken sowohl für Patienten, aber vor allem auch für medizinisches Personal immer unattraktiver werden. Wer sich im Krankenhaus behandeln lassen muss oder hier sein Geld verdient, fährt aufgrund der moderneren Einrichtung oder der sichereren Zukunftsperspektive lieber einige Kilo­meter bis in die nächste Großstadt.

Dass es auch anders geht, will die Heidelberger SRH in den kommenden Jahren auf der Schwäbischen Alb beweisen. Rückwirkend zum Jahresbeginn 2014 hat sie die Mehrheit an der Kreiskliniken Sigmaringen GmbH übernommen. Zu dem Unternehmen gehören die Krankenhäuser in Pfullendorf, Bad Saulgau sowie das Kreiskrankenhaus in Sigmaringen. Investitionen von rund 25 Millionen Euro sowie eine Schärfung des Profils der drei Kliniken sollen sie fit für die Zukunft machen, damit sie auch weiterhin eine nachhaltige Gesundheitsversorgung in diesem ländlichen Raum leisten können.

Durchgesetzt hat sich die SRH in einem umfangreichen Ausschreibungsverfahren gegen mehrere privatwirtschaftliche Mitbewerber nicht nur aufgrund ihrer rechtlichen Konstruktion als gemeinnützige Stiftung, sondern vor allem aufgrund der langjährigen Erfahrung als Klinikbetreiberin. Zusammen mit den Kliniken im Landkreis Sigmaringen betreibt die SRH zwölf Krankenhäuser und fünf medizinische Versorgungszentren.

„Wir hätten keinen besseren Partner finden können“

Wie die Zukunft der drei schwäbischen Kliniken in etwa aussehen könnte, ist nur rund eine Autostunde entfernt am Rande des Schwarzwalds zu besichtigen. Hier, in Oberndorf am Neckar, hat die SRH bereits bewiesen, dass ihre wirtschaftlichen Konzepte für ländliche Krankenhäuser auf­gehen. Nach der Übernahme des Krankenhauses in Oberndorf Anfang 2011 investierte die SRH 20 Millionen Euro in den Umbau und für neue Medizintechnik. Heute steht die Klinik auf einem soliden wirtschaftlichen Fundament und bietet ihren Patienten in den Fachbereichen Innere Medizin sowie Chirurgie/Unfall-, Gefäß- und Viszeralchirurgie eine medizinisch erstklassige Qualität. „Wir hätten für unser Krankenhaus keinen besseren Partner als SRH finden können“, sagt Hermann Acker, Oberbürgermeister der Stadt Oberndorf, die 25 Prozent der Anteile hält. „Die Zusammenarbeit ist sehr harmonisch, vertrauensvoll – und das ursprünglich geplante Investitionsvolumen hat SRH inzwischen deutlich überschritten.“

Skaleneffekte und Kooperationen führen zu mehr Effizienz

„Möglich gemacht hat die erfreuliche Entwicklung vor allem, dass die Kolleginnen und Kollegen in Oberndorf bei Betrieb und Einkauf nicht mehr auf sich allein gestellt, sondern nun Teil des SRH Klinikverbunds sind“, sagt Prof. Klaus Hekking, Vorstandsvorsitzender SRH Holding. „Dadurch erreichen wir Skaleneffekte, die einer einzelnen Klinik in dieser Form nicht möglich wären.“ In einzelnen Bereichen, wie zum Beispiel der Versorgung besonders schwer erkrankter Patienten, kooperieren die Ärzte in Oberndorf seit einigen Monaten zudem mit ihren Kollegen am Universitätsklinikum Tübingen und an der SRH Klinik Karlsbad-Langensteinbach. Das Ziel: Jedes Klinikum konzentriert sich auf die eigenen Kernkompetenzen und bietet damit seinen Patienten die bestmögliche Versorgung. So soll das Krankenhaus in Sigmaringen zu einem Zentrum für Altersmedizin und Gerontopsychiatrie ausgebaut werden. Gleichzeitig wird die heutige Abteilung Psychiatrie im vierten Stock deutlich ausgebaut. Das medizinische Konzept für Pfullendorf sieht vor, dass neben dem Ausbau der Gefäßmedizin vor allem die neurologische Rehabilitation erweitert wird. Im Krankenhaus Bad Saulgau schließlich entsteht ein neues Bettenhaus für die Akutmedizin sowie eine Kurzzeitpflege mit rund 20 Plätzen.

Ähnlich wie in Oberndorf vor gut drei Jahren hätte auch der Landkreis Sigmaringen die in den Kliniken anstehenden Renovierungsmaßnahmen nicht allein stemmen können. „Alles in allem handelt es sich bei den Umbauten um große Eingriffe, die viel Geld kosten und für die wir allein nicht optimal aufgestellt waren“, sagt Willi Römpp, Geschäftsführer der Kliniken des Landkreises Sigmaringen. „Deshalb haben wir schon vor geraumer Zeit über einen Verbund nachgedacht, der insbesondere bei finanziellen Fragen Hilfestellung geben kann, wenn es zum Beispiel um das Einwerben von Fördergeldern oder die Projektierung eines solchen Großumbaus geht.“

So plant Römpp wie seine Kolleginnen und Kollegen in Oberndorf ebenfalls Kooperationen mit anderen Kliniken des Verbunds. Das hat nicht nur Vorteile für die Patienten, sondern vor allem auch für die Attraktivität der Krankenhäuser als Arbeitgeber. Denn bislang können angehende Fachärzte nicht immer ihre komplette Ausbildungszeit in einer der drei Kliniken absolvieren, weil die jeweiligen Fachbereiche zu klein sind. „In der Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern können wir ihnen diese Möglichkeit aber bieten, was natürlich unsere Chancen im Wettbewerb um gute Köpfe deutlich verbessern wird.“

Betriebsrat begrüßt die Garantie für Arbeitsplätze

Auch Betriebsrat Horst Arndt und sein Stellvertreter Klaus-Dieter Halder begrüßen die Entscheidung für die SRH: „Wir haben uns im Vorfeld natürlich ausführlich informiert. Als Betriebsräte sind wir in den Krankenhäusern gut miteinander vernetzt und haben bei unseren Recherchen recht schnell festgestellt, dass die SRH genau der richtige Partner für die Zukunft ist“, erklärt Horst Arndt. Überzeugt hat ihn besonders, dass SRH die Arbeitsplätze an den drei Krankenhäusern garantiert und ein tragfähiges Unternehmenskonzept für die Zukunft vorgelegt hat.

Klaus-Dieter Halder, der als leitender Pfleger in der urologischen Abteilung tätig ist, erhofft sich von der SRH vor allem Impulse, die auch in der tariflichen Entwicklung sicherstellen, dass die drei Krankenhäuser ein attraktiver Arbeitgeber für gutes Personal bleiben: „Schön wäre es eben, wenn wir Leute aus der Region binden könnten, die ihr Krankenhaus schätzen und für sich auch eine Perspektive sehen.“

„Eine hohe medizinische Qualität für die Patienten und langfristige Zukunftsperspektiven für die Mitarbeiter entstehen im heutigen Krankenhausmarkt nicht nur durch moderne medizinische Einrichtungen, sondern vor allem durch Spezialisierung“, betont Prof. Klaus Hekking. „Es ist wichtig, dass sich jede Klinik darauf konzentriert, genau das zu machen, was sie wirklich gut kann.“ Deshalb wird die SRH das Krankenhaus in Sigmaringen in den kommenden Jahren zu einem Zentrum für Altersmedizin und Gerontopsychiatrie, also die Seelenheilkunde bei älteren Menschen, ausbauen. Weitere Schwerpunkte sind – zusammen mit der Klinik in Pfullendorf – die Errichtung eines neurologischen Versorgungszentrums sowie der Umbau der Tagesklinik Onkologie und Psychiatrie. Die Krankenhäuser in Pfullendorf und Bad Saulgau werden ebenfalls modernisiert und ihre Leistungen eng verknüpft mit dem Klinikum in Sigmaringen sowie weiteren SRH Einrichtungen in Baden-Württemberg.

Vorteile für alle Beteiligten

„Am Ende des Tages ist unser Ziel, dass wir in Sigmaringen eine Win-win-win-Situation schaffen: den Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung bieten, den Mitarbeitern einen attraktiven Arbeitsplatz sichern und die Kommune finanziell entlasten“, fasst Prof. Hekking zusammen. Das haben wir an anderen Standorten bereits mehrfach erreicht und werden es zusammen mit dem Team vor Ort auch in Sigmaringen schaffen.“

www.klksig.de

Nicole Wildberger

Große Plaene fuer die Zukunft (Foto: Wolfram Scheible)

Die kleine Eliana kann schon wieder lachen. Ihr gebrochener Arm ist gut versorgt.

Bildergalerie

Große Plaene fuer die Zukunft (Foto: Wolfram Scheible)

Willi Römpp, Geschäftsführer

„Kooperationen mit anderen SRH Kliniken  steigern unsere Attraktivität als Arbeitgeber.“

Die SRH Kliniken im Überblick

• 500.000 Patienten
• neun Krankenhäuser
• drei Reha-Kliniken
• vier Medizinische Versorgungszentren (30 Standorte)
• 3351 Betten