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Kompetenz hoch drei

Kompetenz hoch drei (Foto: Sebastian Heck)

Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach gilt als eines der besten Zentren zur Behandlung von Wirbelsäulen-Leiden. Unter der Leitung von drei Chefärzten kümmert sich das Team um Patienten aus aller Welt.

Hinter sanften grünen Hügeln liegt in der Idylle des Schwarzwaldes das international renommierte SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Die Wirbelsäulenchirurgie des Fach- und Akutkrankenhauses ist seit über 30 Jahren über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Jährlich werden dort rund 1.800 Patienten behandelt. Damit gehört das Klinikum zu den bedeutendsten Zentren für Rücken- und Wirbel­säulenerkrankungen in Europa. Seit Januar verstärkt der Orthopäde Privatdozent Dr. Michael Ruf das Chefärzte-Team. Zusammen mit dem Neurochirurgen Professor Tobias Pitzen und dem Ortho­päden Dr. Gregor Ostrowski kümmern sich jetzt drei Chefärzte um das Wohl der Patienten. Die Mediziner werden regelmäßig in den Ärztelisten von „Focus“ empfohlen. „Unser Vorteil ist, dass wir hier vor Ort fachübergreifend mit Experten aus anderen Fachbereichen – zum Beispiel mit Radio­logen, Neurochirurgen, Gefäßchirurgen, Psychologen und Therapeuten – zusammenarbeiten“, sagt Dr. Ruf. Häufig erfordern die schwierigen Operationen Teamarbeit.

Beispielsweise bei dem 15-jährigen Yannick aus Luxemburg, der am Ewing-Sarkom erkrankt ist. Dieser seltene bösartige Tumor tritt meist an den Knochen auf. In einer gemeinsamen Operation entfernten Dr. Ruf und Professor Pitzen die tumortragenden Knochen an der Wirbelsäule. Nach Karlsbad kommen Patienten aus allen Teilen Deutschlands, aber auch aus Russland, der Ukraine und aus dem Nahen und Mittleren Osten. Manche sind querschnittgelähmt, andere leiden unter schwersten Verkrümmungen der Wirbelsäule, sie haben Bandscheibenvorfälle, Frakturen oder Tumoren. Inzwischen hat die Krankenhausleitung ein eigenes International Office eingerichtet, in dem sich Dolmetscher um die internationalen Patienten kümmern. Dr. Gregor Ostrowski braucht keinen Dolmetscher. Der in Kasachstan geborene Orthopäde spricht fließend Deutsch, Russisch und Englisch. Das ist wichtig, denn „die Patienten brauchen Vertrauen“, betont Ostrowski. Ostrow­ski ist Spezialist für große Wirbelsäulenoperationen und für Revisionsoperationen. Er ist oft die letzte Hoffnung für Patienten, die an anderen Krankenhäusern abgelehnt oder ohne Erfolg ­operiert wurden. Viele seiner Patienten sind Kinder. „Es ist wichtig, junge Patienten so schnell wie möglich zu operieren“, sagt Ostrowski. Dann kann die Wirbelsäule normal weiterwachsen.

„Ich hätte die Operation besser schon früher gemacht, aber ich hatte Angst“, blickt die heute 16-jährige Jessica Grieshaber zurück. Im Alter von vier Jahren wurde bei ihr eine Skoliose festgestellt. Sie machte regelmäßig Krankengymnastik, trug sogar ein Korsett, aber die Verkrümmung nahm weiter zu. Sie bekam Rückenschmerzen. Beim Schulsport war sie schnell außer Atem. Ihr Orthopäde in Freiburg empfahl, sich im Klinikum Karlsbad-Langensteinbach vorzustellen. Im Juli 2013 operierte Dr. Ostrowski die junge Frau, Teile der Wirbelsäule musste er versteifen. „Jetzt bin ich gerade. Dass die Wirbel versteift wurden, merke ich gar nicht“, freut sich Grieshaber. Sie macht bereits wieder Krankengymnastik, am Schulsport darf sie allerdings ein Jahr lang nicht teilnehmen.

Kindern ein normales Leben ermöglichen

Die jüngsten Patienten in Karlsbad sind erst ein Jahr alt. „Für die Eltern ist die Operation ihres Kindes eine Ausnahmesituation“, weiß Privatdozent Dr. Michael Ruf. Sie dürfen während des Kran­kenhausaufenthaltes im Zimmer der Kinder übernachten. Deformationen des Rückgrates bei Kindern gehören zu Dr. Rufs Spezialgebiet, auf dem er auch wissenschaftlich arbeitet. Ideal ist eine Operation in Abstimmung mit den großen Wachstumsschüben der Wirbelsäule: Sie wächst besonders schnell zwischen dem zweiten und dem fünften Lebensjahr und zwischen dem zehnten und 15. Lebensjahr. Aber nur bei wenigen Kindern wird die Fehlbildung schon in frühester Kindheit entdeckt.

Bei Marie Claire Brunner fällt die Skoliose im Alter von zwei Jahren auf. „Sie hat nicht richtig laufen gelernt und ist ständig hingefallen. Es war schlimm“, erinnert sich ihre Großmutter Brigitta Brunner. Der Hausarzt im saarländischen Homburg empfiehlt der Familie das über 150 km entfernte Klinikum in Karlsbad. Im Oktober 2011 operiert Dr. Ruf das Mädchen. Er zieht die Wirbelsäule auseinander. Zwei Stäbe, fixiert an Brust- und Lendenwirbelsäule, stützen nun das Rückgrat. „Von 7.30 bis 15.30 Uhr hat die Operation gedauert“, erinnert sich Brigitta Brunner noch genau. Schon nach wenigen Tagen hat sich das kleine Kind erholt. „Sie war nach der Operation zehn Zentimeter größer als vorher“, blickt Brunner voller Freude zurück. Etwa alle sechs Monate werden die Stäbe nachjustiert und um fünf bis zehn Millimeter verlängert. „So wird die Instrumentation dem Wachstum des Mädchens immer wieder angepasst“, erklärt Dr. Ruf. Inzwischen ist Marie Claire fünf Jahre alt. „Sie ist jetzt ein anderes Kind, ganz normal. Sie springt, hüpft, tanzt“, freut sich ihre Großmutter. Später könnten die Stäbe eventuell gegen magnetisch verlängerbare Stäbe ausgetauscht werden, sagt Dr. Ruf. „Diese sind allerdings voluminöser und waren bei dem sehr schlanken und kleinen Mädchen nicht zu implantieren. Ich denke aber, dass wir in den nächsten ein bis zwei Jahren auf die magnetisch verlängerbaren Stäbe übergehen werden“, erklärt Chefarzt Ruf. 

Ein weiterer Schwerpunkt der Wirbelsäulenchirurgie in Karlsbad-Langensteinbach sind minimal-invasive Eingriffe. Der Neurochirurg Prof. Tobias Pitzen operiert minimalinvasiv Bandscheibenvorfälle, entfernt ­Knochenanbauten und behandelt Entzündungen. Sein Spezialgebiet sind Operationen an der Halswirbelsäule. Die meisten Beschwerden seien genetisch bedingt, erklärt Pitzen. Falsche Belastung und Übergewicht verstärkten das Problem zusätzlich.

Komplizierte Operationen sind an der Tagesordnung

Vor 20 Jahren kam Pitzen als zivildienstleistender Arzt zum ersten Mal an das Klinikum Karlsbad. „Hier wurde mein Interesse an der Biomechanik der Wirbelsäule geweckt“, blickt er zurück. Das Thema ist Gegenstand seiner Habilitationsschrift geworden und fasziniert ihn auch privat: Pitzen 

widmet sich dem Bogenschießen – mit selbst gebautem Bogen. „Bei mir dreht sich viel um Mecha­nik“, sagt der gebürtige Saarländer. Mehrere Tage im Jahr fährt er an die Universitätsklinik des Saarlandes nach Homburg und hält dort Lehrveranstaltungen. Die Universitätsklinik hat ihn in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Forschung im Oktober vergangenen Jahres zum außerplanmäßigen Professor ernannt. Das Magazin „Focus“ führte ihn darüber hinaus in seinen bekannten Ärztelisten mehrfach als einen der führenden Fachärzte für Wirbelsäulenchirurgie in Deutschland.

„Professor Pitzen hat mir die Angst vor der Operation genommen“, blickt Marcel Zillekens zurück. „Am Vorabend des Eingriffs, an einem Sonntag, ist Professor Pitzen extra noch einmal zu mir gekommen und hat mir die Operation genau erklärt“, berichtet Zillekens. Der ambitionierte Golfspieler hatte einen gutartigen Tumor an der Halswirbelsäule, der auf die Nervenwurzeln drückte. Die Folge: Sein rechter Arm wurde taub. Sein Orthopäde in Düsseldorf suchte lange nach einer geeigneten Klinik und empfahl ihm schließlich das SRH Klinikum. In einer neunstündigen Operation entfernt Prof. Pitzen im November 2013 den Tumor und stabilisiert die Halswirbelsäule mit zwei kleinen Platten. Seit ein paar Wochen steht Zillekens schon wieder auf dem Golfplatz. „Mir geht es gut. Ich bin bei etwa 85 Prozent meiner Leistungsfähigkeit angekommen“, sagt er.

Als Skoliose wird die dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule bezeichnet. Betroffen sind vor allem Mädchen im Grundschulalter. Die Ursachen für die Entstehung einer Skoliose sind in den meisten Fällen unklar.

Beim Menschen besteht die Wirbelsäule aus 24 Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich miteinander verbunden sind, sowie acht bis zehn Wirbeln, die zu Kreuz- und Steißbein verwachsen sind. 

Bei minimalinvasiven Operationsverfahren werden die Haut und die Weichteile während der Operation durch kleinere Schnitte so wenig wie möglich verletzt. Vorteil: weniger Schmerzen und raschere Heilung.

Volkskrankheit Rückenschmerzen

Kompetenz hoch drei (Foto: Fotolia)

Rund 70 Prozent der Erwachsenen leiden unter Rückenschmerzen. Zu den Ursachen gehören häufig Stress, Unzufriedenheit und Überforderung am Arbeitsplatz. 60 Prozent der Arbeitnehmer, die länger als sechs Monate wegen einer Rü­ckenerkrankung krankgeschrieben sind, kehren nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurück. Allerdings haben rund 98 Prozent der Menschen mit Rückenschmerzen keine ernsthafte Erkrankung. Häufig ist die Muskulatur verspannt, sind Nerven irritiert oder Bandscheiben verrutscht. Den meisten dieser Patienten kann mit einer konservativen Therapie, das heißt mit Physiotherapie und Schmerzmitteln, geholfen werden.

 

Petra Prenzel

Auf einen Blick

Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach­ ist ein Fach- 

und Akutkrankenhaus sowie ein 

aka­demisches Lehrkrankenhaus.

Das Klinikum umfasst folgende

Fachbereiche:

- Wirbelsäulenchirurgie

- Endoprothetik und Unfallchirurgie

- Innere Medizin

- Gefäßchirurgie

- Zentrum für Schmerztherapie

- (Neuro-)Psychologie

- Psychiatrie und Psychotherapie

- Radiologie

- Anästhesie

- Endoprothetik

- Neurologie und Frührehabilitation

- Zentrale Notaufnahme

Skoliose

Als Skoliose wird die dreidimensionale Verkrümmung der Wirbelsäule bezeichnet. Betroffen sind vor allem Mädchen im Grundschulalter. Die Ursachen für die Entstehung einer Skoliose sind in den meisten Fällen unklar.

Wirbelsäule

Beim Menschen besteht die Wirbelsäule aus 24 Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich miteinander verbunden sind, sowie acht bis zehn Wirbeln, die zu Kreuz- und Steißbein verwachsen sind. 

Minimalinvasiven Operationsverfahren

Bei minimalinvasiven Operationsverfahren werden die Haut und die Weichteile während der Operation durch kleinere Schnitte so wenig wie möglich verletzt. Vorteil: weniger Schmerzen und raschere Heilung.