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Mund auf gegen Blutkrebs

Viele Menschen, die an Blutkrebs erkranken, sind auf eine Stammzellspende angewiesen. Ein Spender lässt sich eher finden, wenn sich möglichst viele Menschen typisieren lassen – wie jüngst an der SRH Hochschule Heidelberg. 

Thomas Attner hatte Glück im Unglück: Der 47-jährige SRH Mitarbeiter war an Leukämie erkrankt, und nur noch eine Stammzelltransplantation konnte sein Leben retten. Glücklicherweise stimmten die Gewebemerkmale seiner Schwester so mit seinen überein, dass sie ihm die nötigen Stammzellen spenden konnte. Doch so viel Glück hat nicht jeder. Nur jeder dritte Blutkrebs-Patient, der eine Stammzellspende benötigt, findet einen Lebensretter in der eigenen Familie. Die Mehrheit ist darauf angewiesen, dass sich im Rest der Welt jemand findet, der in puncto Gewebemerkmale passt und zu einer Spende bereit ist. 

6 Millionen Menschen

sind in Deutschland als potenzielle Spender registriert.

Damit die Suche nach der Nadel im Heuhaufen überhaupt Aussicht auf Erfolg haben kann, gibt es Spenderdateien wie etwa die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Menschen, die sich vorstellen können, Blutkrebspatienten mit einer Stammzellspende zu helfen, können sich hier „typisieren“ lassen. Das Verfahren ist denkbar einfach: Mit einem Wattestäbchen wird ein Abstrich von der Wangeninnenseite genommen. Aus der Speichel- oder alternativ aus einer Blutprobe ermitteln DKMS & Co die Gewebewerte und melden alles anonymisiert an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland. Sollte dann im Laufe der Jahre jemand mit ähnlichen Gewebewerten eine Stammzellspende benötigen, wird der potenzielle Spender angefragt, ob er willens ist zu helfen. Eine Typisierung kann man in Eigenregie in Angriff nehmen – etwa ein Registrierungsset bei der DKMS anfordern – oder aber an einer der zahlreichen bundesweiten Typisierungsaktionen teilnehmen. Eine sehr erfolgreiche hat Studentin Juliane Knabe im Frühjahr an der SRH Hochschule Heidelberg initiiert (im Bild rechts beim Infogespräch). Die Benefizaktion galt Prof. Dr. Manuel Nodoushani. Der 42-jährige SRH Dozent ist an Lymphkrebs erkrankt und benötigt eine Fremdspende.

Zusammen mit der DKMS, die das Info- und Typisierungsmaterial stellte, rührte die SRH Psychologiestudentin an allen Fakultäten kräftig die Werbetrommel und gewann Kommilitonen für Infostände in der Mensa. „Wir waren erstaunt, wie wenig die Menschen über das Thema wissen“, sagt die 22-Jährige. „Kaum einer konnte etwas mit Typisierung und Stammzellspende anfangen. Da ist es dann auch kein Wunder, wenn viele abwinken.“ 

Ihre Mühen um mehr Aufklärung wurden belohnt: 473 Personen – Studierende, Professoren, Beschäftigte des SRH Campus und einige Heidelberger – ließen sich von Juliane Knabe und ihren Mitstreitern ein Wattestäbchen reichen. Darüber hinaus wurden 1.750 Euro gespendet, die die SRH auf über 5.000 Euro aufstockte. Thomas Attner, der auch fleißig informiert und geworben hat, freut sich über die große Resonanz: „Wenn man selbst betroffen war und weiß, dass ein Leben davon abhängt, dann ist es schön zu sehen, dass den Menschen solch ein Schicksal nicht gleichgültig ist.“ 

Für Professor Nodoushani war bei der Typisierung an der Hochschule kein passender Spender dabei, aber mittlerweile wurde für ihn einer über die ZKRD gefunden. Ein Argument mehr, sich typisieren zu lassen. 

Von Ulrike Heitze

Mehr zu Typisierung und Stammzellspende

Zentrales Knochenmark­spender-Register Deutschland (ZKRD): www.zkrd.de
Deutsche Knochenmark­spender­-datei (DKMS): www.dkms.de

Blutstammzellen können auf zwei Wegen gespendet werden. Bei 80 Prozent der Spender kommt die periphere Blutstammzellentnahme zum Einsatz. Dabei erhält ein Spender fünf Tage lang ein Medikament, durch das Stammzellen vom Knochenmark ins periphere Blut – das Blut, das durch die Adern fließt – übergehen. Anschließend werden die Zellen über die Armvene wie bei einer Dialyse entnommen. Dies dauert einige Stunden. Bei der klassischen Knochenmarkspende werden unter Vollnarkose ein bis anderthalb Liter Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen. Das dauert eine Stunde, ein paar Tage Auszeit muss man trotzdem einplanen. Stammzellen und Knochenmark bilden sich binnen zwei Wochen nach.