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Gesundheit17.09.2013

SRH Wald-Klinikum Gera mit logistischer Meisterleistung

Operation „Umzug“

Kartons ein- und auspacken, Möbel schleppen – jeder, der schon mal umgezogen ist, kennt den Aufwand. Was, wenn eine komplette Abteilung im Krankenhaus umzieht? Und zwar bei laufendem Betrieb? Dem SRH Wald-Klinikum Gera ist diese logistische Meisterleistung geglückt.

Ralf Helm läuft. Und läuft. Und läuft – von Gebäude zu Gebäude über das Gelände des SRH Wald-Klinikums Gera. Es ist ein Samstag mitten im April und jede Menge los. „Heute Abend werde ich die Zehn-Kilometer-Marke bestimmt erreicht haben“, mutmaßt der Mitarbeiter vom Technischen Dienst. Der Grund für sein intensives Bewegungsprogramm: Das Bettenhaus am Geraer Krankenhaus zieht um. Deshalb ist der Techniker auch schon seit sechs Uhr in der Früh auf den Beinen. Es gilt, gepackte Kartons, Möbel und Patienten in die neuen Räume zu überführen. Natürlich macht Ralf Helm das nicht allein. Alle packen mit an – angefangen beim Pflegepersonal über Ärzte bis hin zu Mitarbeitern aus der Verwaltung. Zudem unterstützt ein externes Umzugsunternehmen das Wald-Klinikum-Team beim Transport zwischen den Gebäuden. „Die 22 Männer von der Spedition sind heute mit drei Autos im Einsatz“, erklärt Helm.

Routiniers in Sachen Umzug

Vielmuth und Helm (Foto: Timo Volz)

Gute Organisation ist alles: Holger Vielmuth (r.), der Technische Leiter des SRH Wald-Klinikums, und Ralf Helm aus dem Technischen Dienst.

Insgesamt sind am SRH Wald-Klinikum Gera innerhalb weniger Wochen 24 Bereiche in das neue „Haus im Park“ mit 900 Betten umgezogen. „Es gab zwar ein paar Ecken und Kanten, etwa bei der Zuordnung von Möbeln“, sagt Pflegedirektorin Beate Kemter; angesichts der Mammutaufgabe sei dies aber kaum der Rede wert. Schließlich lief der Klinikbetrieb während der gesamten Zeit weiter wie gewohnt. Dass der Umzug dennoch so reibungslos über die Bühne ging, lag vor allem an der guten Organisation. „Das ist wie bei einem privaten Umzug: Die richtige Planung ist das A und O“, erklärt der Technische Leiter des SRH Wald-Klinikums, Holger Vielmuth. 

Die Geraer verfügen diesbezüglich bereits über einen enormen Erfahrungsschatz: „Wir sind wahre Umzugs-Weltmeister“, schmunzelt Vielmuth, der für die Planung und Koordination des gesamten Projekts verantwortlich ist. Schon zwischen
2002 und 2003 fanden über 40 Umzüge statt, eine zweite große Welle gab es 2009 mit der Fertigstellung des ersten Neubaus „Haus am Wald“. Holger Vielmuth: „Von Mal zu Mal lief es besser, mittlerweile haben wir im Möbel packen und Kisten schieben eine sagenhafte Routine entwickelt.“

Tatsächlich steht die Umzugskompetenz der Geraer außer Frage. Immerhin haben die Klinikmitarbeiter die letzte Etappe des Mammutprojekts völlig in Eigenregie gemeistert. Die Hilfe einer Beraterfirma, die 2009 noch mit im Boot saß, war diesmal nicht nötig. Holger Vielmuth und sein Team nahmen alles selbst in die Hand: Wer zieht in welche Räume? Welche Kisten und Möbel kommen wohin? Wie viele Fahrzeuge werden benötigt? Wie ist der zeitliche Ablauf? Etliche Fragen waren zu klären, helfende Hände zu organisieren und mögliche Schwierigkeiten am besten schon im Vorfeld auszuräumen. „Zum Glück kenne ich alle Gebäude wie meine sprichwörtliche Westentasche“, betont Vielmuth. „Das hat bei der Organisation ungemein geholfen.“ Wichtig war zudem eine gute Kommunikation mit den einzelnen Abteilungen. Pro Bereich wurde deshalb ein Umzugskoordinator bestimmt. Diese Mitarbeiter wurden schon im Vorfeld in den Planungsprozess miteinbezogen.

Aber auch der Einsatz der übrigen Mitarbeiter – egal ob Ärzte, Pflegekräfte oder Verwaltungsangestellte – war gefordert. Sie mussten nicht nur ihre Urlaubspläne nach den Umzugsterminen ausrichten, sondern auch selbst tatkräftig mit anfassen. Immerhin galt es, vom Fieberthermometer über Bettpfannen bis hin zu Monitoren und Druckern sämtliche Materialien in Kartons ein- und anschließend auch wieder auszupacken. Insgesamt waren dafür 1.500 Pappkartons und 400 PC-Wannen im Einsatz. „Was die Mitarbeiter an Tonnage eingepackt, teilweise an den Zielort bewegt und wieder ausgepackt haben, nötigt größten Respekt ab“, lobt Holger Vielmuth. Dieses großartige Engagement habe es überhaupt erst möglich gemacht, alle Termine auf den Tag einzuhalten. Angesichts der Größe und des Umfangs der Aktion eine beachtliche Leistung. Schon allein deswegen, weil die Patienten möglichst wenig davon mitbekommen haben. „Unser Credo lautete: Der Patient merkt im Vorfeld von allem nichts und legt sich auf der neuen Station ins fertige Bett“, macht der Leiter vom Technischen Dienst deutlich. Das habe auch zu 99 Prozent geklappt, berichtet er stolz.

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Wie am Schnürchen

Wie etwa beim Umzug der Chirurgie: Die Abteilung musste 2009 schon einmal die Räume wechseln und war nun erneut betroffen. Wie viele andere Verwaltungsmitarbeiter war auch Pflegedirektorin Beate Kemter an diesem Tag in einen weißen Kittel geschlüpft und packte tatkräftig mit an. „Morgens habe ich noch kurz meine Unterschriftenmappe abgearbeitet, danach ging es auf Station“ berichtet sie. Zum ersten Mal seit 18 Jahren verteilte die Pflege-Chefin wieder Essen an die Patienten. So bekam sie hautnah mit, ob die Umzugspläne aufgingen. „Es lief alles wie am Schnürchen.“

Bereits am Vormittag leerte sich die chirurgische Abteilung, die auch am Tag des Umzuges voll belegt war. Von den 62 Patienten wurden 18 kurzfristig in andere Bereiche gebracht. Die anderen gingen in einem der 180 neu angeschafften Betten auf Reise in die bezugsfertigen, modernen Zwei-Bett-Zimmer. „Wir haben jetzt den Mercedes unter den Klinikbetten“, sagt die Pflege-Chefin stolz. Die Patienten hätten damit vielseitige Möglichkeiten, ihre Liegeposition zu verändern. Zudem haben die Betten eingebaute Lampen, die in der Wunschfarbe dezent den Boden beleuchten. So können die Patienten mühelos im Dunklen ihre Schuhe finden, wenn sie mal zur Toilette müssen. 

Dass der Umzug ohne nennenswerte Zwischenfälle ablief, berichtet auch Schwester Cornelia Arlt. „Alle waren die gesamte Zeit über sehr gut versorgt“, erzählt sie. Jeder habe pünktlich sein Essen bekommen und sei sicher in den neuen Räumen angekommen – und zwar mit dem richtigen Gepäck. „Wir haben abends auch noch einmal durchgezählt. Es ist niemand verloren gegangen“, schmunzelt sie und freut sich gleichzeitig über das Lob der Patienten. „Viele haben sprichwörtlich den Hut vor uns gezogen – eine wunderbare Anerkennung für die ganzen Anstrengungen“, so die Krankenschwester. Sie seien zwar alle Profis – allein Cornelia Arlt hat in all den Jahren acht Umzüge mitgemacht –, selbstverständlich sei ein fehlerfreier Ablauf bei solch einem Großprojekt aber keinesfalls. Zumal im Vorfeld auch neue Pflegeteams für zusammengelegte Bereiche gebildet werden mussten. Denn mit dem Neubau war auch eine Umstrukturierung des Klinikums verbunden. Dabei wurden einige Bereiche zusammengelegt, schon geschaffene Strukturen noch enger verzahnt. Zum Beispiel im Eltern-Kind-Zentrum: Heute befinden sich Geburtshilfe, Kinderklinik und Neonatologie auf einer Ebene. Das schafft kurze Wege und erleichtert die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Und das gilt nicht nur hier, sondern im ganzen Haus. Das gesamte Gebäude ist sehr kompakt angelegt, die kurzen Wege haben Prinzip. „Davon profitieren auch die Patienten. Sie können zu Untersuchungen sozusagen in Pantoffeln über den Flur gehen“, erklärt Holger Vielmuth, der bereits über den nächsten Plänen brütet. Denn nach dem Umzug ist vor dem Umzug – zumindest in Gera. So werden 2014 die Psychiatrie, die Strahlentherapie sowie die Palliativtherapie neue Räume bekommen. Dass auch diese „Operation“ ein voller Erfolg werden wird, steht für Holger Vielmuth außer Frage. Schließlich liegen Planung und Umsetzung wieder in bewährten Händen.

Susan Bohle

SRH Wald-Klinikum Gera

Mit 90.000 Patienten im Jahr in 24 Fachbereichen ist das SRH Wald-Klinikum Gera das größte Krankenhaus der Region Ostthüringen.