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Bildung07.12.2012

Für jeden investierten Euro fünf Euro Gewinn

Reha lohnt sich

Dr. Axel Reimann (Bild:Deutsche Rentenversicherung Bund)

Dr. Axel Reimann ist seit 2005 Mitglied des Direktoriums der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Mehr Menschen brauchen eine Rehabilitation, aber die Mittel der Rentenversicherung sind gedeckelt. Das folgende Interview mit Dr. Axel Reimann, Direktor der Deutschen Rentenversicherung Bund, erschien in „zukunft jetzt“, dem Magazin der Deutschen Rentenversicherung.

Welche Bedeutung hat die Rehabilitation für unsere Wirtschaft?

Dank medizinischer und beruflicher Rehabilitation können Beschäftigte trotz chronischer Krankheit oder anderer gesundheitlicher Beeinträchtigungen im Erwerbsleben bleiben beziehungsweise wieder eine Arbeit aufnehmen. Der Wirtschaft bleiben so wichtige Fachkräfte erhalten.

Kann man das in Cent und Euro ausdrücken?

Die rund 5,5 Milliarden Euro, die die Rentenversicherung jährlich für Rehabilitation ausgibt, rechnen sich allein dadurch, dass Erwerbsminderungsrenten vermieden oder zumindest hinausgeschoben werden. In der gesamten Volkswirtschaft stehen jedem für Rehabilitation ausgegebenen Euro fünf Euro als Gewinn gegenüber, hat die Prognos AG errechnet.

Versicherte, Arbeitgeber, Rentenversicherung – wo liegen die gemeinsamen Interessen bei der Reha?

Erfolgreiche Rehabilitation hilft allen: Die Versicherten profitieren gesundheitlich und können weiterarbeiten – ohne Erwerbsminderungsrenten oder staatliche Hilfen. Den Arbeitgebern bleiben dringend benötigte Fachkräfte erhalten. Und die Rentenversicherung erhält weiter Beiträge, statt Renten zahlen zu müssen.

Die Reha-Leistungen sind gesetzlich gedeckelt. Weshalb ist mehr Geld für die Reha nötig?

Der Reha-Bedarf steigt: Wegen des demografischen Wandels und der in den letzten 20 Jahren wirksam gewordenen Maßnahmen zur Anhebung der Altersgrenzen kommen mehr Versicherte in ein Alter, in dem man häufig Rehabilitation braucht. Daher reicht das sogenannte Reha-Budget, also die Geldsumme, welche die Rentenversicherung jährlich für Rehabilitation ausgeben darf, nicht mehr aus, obwohl wir umfassend Einsparmöglichkeiten ausgeschöpft haben und weiter ausschöpfen werden.

Wie lassen sich Erfolg und Wirksamkeit der Reha messen?

Im Rahmen unserer Reha-Qualitätssicherung analysieren wir regelmäßig, wie viele Versicherte nach der Reha wieder arbeiten. Obwohl die Erwerbsfähigkeit der Rehabilitanden zum Zeitpunkt der Antragstellung gemindert oder erheblich gefährdet war, bleiben gut 80 Prozent in den beiden Jahren nach einer medizinischen Reha im Erwerbsleben.

Wo kann die Reha ihr Potenzial noch ausbauen?

Zum einen schneiden wir die Reha stärker auf die beruflichen Anforderungen zu, um die für den Erhalt oder die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit notwendigen Instrumente und Verfahren noch zielgenauer einzusetzen. Zum anderen wollen wir im Zusammenwirken mit den Betrieben so früh wie möglich auf Gefährdungen der Leistungsfähigkeit reagieren: mit präventiv orientierten, in der Regel ambulanten Maßnahmen.

Welche Rolle spielt die Reha für die Rente ab 67?

Wenn die Beschäftigten länger als bisher arbeiten sollen, dann müssen sie dazu auch gesundheitlich in der Lage sein. Rehabilitation trägt dazu bei.

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