direkt zum Inhalt

Gesundheit06.09.2012

Aromapflege setzt auf die Wirkung ätherischer Öle

SANFTES HEILEN

Sanftes Heilen (Illustration: Norbert Fuckerer)

Im SRH Zentralklinikum Suhl und im SRH Wald-Klinikum Gera arbeiten einige Stationen in der Pflege mit ätherischen Ölen. Die verschiedenen Mischungen lindern so manche psychischen und physischen Beschwerden.

Lavendel beruhigt und hilft bei Hautverletzungen. Zitrone wirkt anregend und desinfizierend und beugt darüber hinaus Übelkeit vor. Teebaumöl ist ein Stimmungsaufheller und beseitigt Warzen. „Jedes Öl hat eine psychische und eine physische Wirkung“, erklärt Cordelia Präßler, Krankenschwester in der Stroke Unit des SRH Wald-Klinikums Gera. Sie arbeitet bereits seit zwei Jahren mit ätherischen Ölen.

In der Aromapflege kommen verschiedene Ölmischungen zum Einsatz, um einerseits das Wohlbefinden der Patienten zu steigern und andererseits verschiedene Symptome von Krankheiten zu lindern oder sogar zu verhindern. „Es geht nicht nur darum, dass es gut riecht, es soll helfen“, sagt Präßler. So beugt die Aromapflege zum Beispiel dem Wundliegen vor. Präßler und ihre Kolleginnen reiben die Haut der Patienten mit dem sogenannten Fersen- und Gesäßöl ein, benannt nach den am häufigsten betroffenen Stellen. Die Mischung enthält Öle von Mandel, Lavendel, Rosmarin, Rosengeranie und Niaouli, der Rinde einer australischen Baumart. Mit dieser Ölkomposition lassen sich Hautverletzungen vermeiden, bereits offene Stellen können sogar heilen. „Bei manchen Patienten bewirkt sie regelrecht Wunder“, sagt Stefanie Adolph von der Pal­liativstation im SRH Zentralklinikum Suhl. Auch sie hat vor zwei Jahren mit der Aroma­pflege begonnen, nachdem sie in einer Fortbildung davon hörte. „Anfangs waren wir alle skeptisch“, erzählt sie. „Aber die Wirkung hat mich und meine Kollegen überzeugt.

Mannigfaltige Anwendungen

Am häufigsten sind in Suhl und Gera Anwendungen zur Prophylaxe gegen das Wundliegen und solche zur Mundpflege. Wenn Patienten zum Beispiel einen trockenen Mund, eine rissige Zunge oder Schluckstörungen haben, werden Mundhöhle und Zunge mehrmals mit einer Pflegeölmischung eingerieben. In der Suhler Palliativstation enthält diese beispielsweise Pfefferminze, in der Stroke Unit in Gera ist es Mandelöl mit Sanddorn.

Auch auf der Intensivstation in Suhl werden ätherische Öle eingesetzt. Sie sollen Ängste lösen, Patienten beim Einschlafen helfen und Depressionen entgegenwirken. „Gerade für den seelischen Bereich sind solche Aromen wichtig“, sagt Krankenschwester Martina Reinhardt. „Auf diese Weise könnte in Einzelfällen sogar auf die Gabe von klassischen Beruhigungsmitteln verzichtet werden.“

Wie die ätherischen Öle angewendet werden, ist unterschiedlich: Sie werden eingerieben, dem Waschwasser beigegeben, oder sie kommen in Wickeln, Auflagen und Duftlampen zum Einsatz. Über die Haut und beim Einatmen über Schleimhäute und Lunge gelangen die natürlichen Wirkstoffe in den Blutkreislauf, über die Nase werden Duftsignale ausgelöst, die stimmungsaufhellend wirken können.

Die Krankenschwestern haben inzwischen viele Duftmischungen im Repertoire, etwa gegen Schlaflosigkeit, schuppige Haut, Juckreiz, übelriechende Wunden, Blutergüsse, Atembeschwerden und noch einiges mehr. Bei den Patienten komme die sanfte Therapie sehr gut an, berichten die drei. „Sie finden es beispielsweise angenehm, dass es nicht nach Krankenhaus riecht“, sagt Stefanie Adolph, und Cordelia Präßler ergänzt: „Aber auch uns tun die mannigfaltigen Düfte gut. Wenn ich einen Patienten mit Zitronenöl wasche, geht es mir gleich viel besser.“

Nebenwirkungen der Aromatherapie, wie Reizungen und Allergien, können auftreten, sind aber selten. Dabei ist auch die Qualität der Öle entscheidend: Sie sollten 100 Prozent naturrein und ohne synthetische Bestandteile sein. Darauf achten die Klinikapotheken.

Julia Koch

Kommentar hinzufügen


* Pflichtfeld

Kommentare

Keine Kommentare

SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.

SRH Wald-Klinikum Gera

Mit 90.000 Patienten im Jahr in 24 Fachbereichen ist das SRH Wald-Klinikum Gera das größte Krankenhaus der Region Ostthüringen.