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Gesundheit05.03.2013

Auf Stippvisite im SRH Wald-Klinikum Gera

SICHERHEIT HAT VIELE FACETTEN

Bettina Schneider hat das Thema Sicherheit am SRH Wald-Klinikum Gera fest im Griff. Dort kümmert sie sich außerdem um alles, was mit Qualitätsmanagement und Patientenaufklärung zu tun hat.

Das Wohl und die Sicherheit des Patienten haben in den SRH Kliniken oberste Priorität. Dafür bürgen Ärzte, Pflegepersonal und andere Angestellte, die den Patienten während seiner Zeit im Krankenhaus begleiten. Denn nur wer sich in sicheren Händen weiß, wird schneller gesund.

Für Erika R. endete der letzte sonntägliche Besuch bei ihrer Schwester völlig anders als geplant. Es war die letzte Treppenstufe, die der 76-Jährigen zum Verhängnis wurde. Als sie ihren Fuß aufsetzte, knackte es heftig, sie verlor den Halt und stürzte. „Ich wusste gleich, dass etwas Schlimmes passiert war. Ich konnte mich nicht mehr rühren, musste weinen, weil ich so fürchterliche Schmerzen hatte“, erzählt Erika R. Statt wie üblich den Zug nach Hause zu nehmen, fand sie sich im Notarztwagen wieder – auf dem Weg ins SRH Wald-Klinikum Gera. „Eigentlich wollte ich ins Krankenhaus nach Eisenberg, weil ich wegen meiner Osteoporose öfter dort bin und mich alle kennen“, erzählt die Rentnerin rückblickend. „Aber jetzt bin ich froh, dass ich hierhergekommen bin, denn alle kümmern sich so rührend um mich. Eine Mutter könnte nicht fürsorglicher sein.“

Nah am Patienten zu sein und ihn bestmöglich zu versorgen ist tatsächlich das Ziel der Klinikmitarbeiter. Dazu gehört auch die Patientensicherheit – ein Thema, das viele Aspekte berührt. Damit sie gewährleistet ist, müssen viele Puzzleteile zusammenpassen. Das können zum Beispiel bestimmte Abläufe sein. Aber auch technisches Equipment kann helfen, Fehler zu minimieren.

RAUS AUS DER ROUTINE

Das SRH Wald-Klinikum Gera und das SRH Zentralklinikum Suhl haben im vergangenen Jahr das Austauschprojekt „Tapetenwechsel“ ins Leben gerufen. Pflegekräfte können für eine gewisse Zeit den Arbeitsplatz wechseln und in den Tätigkeitsbereich der Kollegen in der Partnerklinik hineinschnuppern. Auf diese Weise lernen sie andere Arbeitsweisen kennen und sehen ihre Tätigkeit aus einem anderen Blickwinkel. So gesehen hilft das Projekt, Betriebsblindheit vorzubeugen – und damit indirekt für mehr Patientensicherheit zu sorgen.

Marlies Starke, die im Wald-Klinikum als Krankenschwester in der Klinik für Strahlentherapie arbeitet, war im Rahmen des Projekts eine Woche lang auf einer interdisziplinären Station am Zentralklinikum in Suhl eingesetzt. „Ich habe dadurch meine Arbeit wieder neu schätzen gelernt und kann daher nur jedem dazu raten; ich jedenfalls würde sofort wieder mitmachen.“

Das Sicherheitsnetz im Hintergrund

Sturzprophylaxe (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Sturzprophylaxe ist vor allem bei älteren Patienten wichtig. Dazu dienen Gehilfen. Darüber hinaus steht aber stets das Pflegepersonal bereit, gerade wenn Patienten nach längerer Liegezeit erstmals wieder auf den Beinen sind.

Dazu zählt beispielsweise ein lückenloses Datenmanagement. Es beschleunigt Diagnose und Therapie und hilft, Verwechslungen auszuschließen. Auch bei Erika R. wurden bei ihrer Ankunft im Wald-Klinikum mit ihrer Krankenkarte sofort sämtliche persönlichen Daten elektronisch in das Informationssystem eingelesen. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen, zum Beispiel zu Röntgendiagnostik und Labor, können so eindeutig nur ihr zugeordnet und vom behandelnden Personal jederzeit an jedem PC-Arbeitsplatz abgerufen werden. Ein weiteres Puzzleteil ist das Patientenarmband, das Erika R. trägt. Über den Code auf dem Armband kann ihre Identität vor jeder Untersuchung sicher festgestellt werden. So erhält sie nur die für sie geplanten Behandlungen.

Eine lückenlose Datenbasis kann gerade bei der Vorbereitung auf eine Operation lebenswichtig sein. Der Anästhesist und der operierende Arzt müssen wissen, ob es sich bei dem Versehrten um einen Herzpatienten oder jemanden mit Nierenfunktionsstörung handelt, um die Narkose entsprechend darauf abzustimmen. Im OP selbst macht das Team vor dem Eingriff einen letzten Sicherheitscheck, ein sogenanntes Team-Time-out. „Hier versichern wir uns noch einmal bewusst, dass alles vorbereitet ist, wir den richtigen Patienten vor uns haben und diesen auch am richtigen Bein operieren“, erklärt Carsten Wisner, der behandelnde Orthopäde von Erika R.

Die richtige Arznei zur richtigen Zeit

Wie sich schnell herausstellte, hatte Erika R. bei ihrem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch erlitten. Gleich am nächsten Tag nach ihrer Einlieferung wurde sie operiert. Da sie aufgrund vorheriger Operationen bereits eine Prothese am rechten Bein hat, konnten die Ärzte nur eine kürzere Schiene als üblich einsetzen. „Folglich darf die Patientin das Bein nicht gleich wieder belasten. Der Knochen muss sich erst festigen. Das heißt aber nicht, dass sie einfach nur passiv daliegt“, erläutert Wisner. Und so macht bereits einige Stunden nach der Operation eine Physiotherapeutin mit Erika R. ein erstes Kräftigungstraining. Zudem üben die beiden den Rollstuhltransfer.

Gegen ihre Schmerzen bekommt die 76-Jährige Medikamente. Auch hier geht das behandelnde Team mit Bedacht vor. Denn die Medikamente dürfen auf keinen Fall mit den anderen Arzneimitteln wechselwirken, die Erika R. sonst noch einnehmen muss. So lauten die Vorgaben zur Arzneimittel­sicherheit. Damit diese uneingeschränkt gegeben ist, benutzen Ärzte, Apotheker und Pflegepersonal im Wald-Klinikum seit 2011 eine spezielle Arzneimittelverordnungssoftware. Das System ermöglicht eine sichere Medikation. Die Verantwortlichen erkennen auf einen Blick, welche Medikamente in welcher Dosis für den einzelnen Patienten geeignet sind und in welcher Form das Pflegepersonal diese vorbereiten muss. „Früher erfolgte die gesamte Krankenhausdokumentation handschriftlich. Das führte leicht zu Fehlern, etwa wenn der Name des Medikaments oder die verordnete Menge nicht eindeutig entziffert werden konnten“, erläutert Bettina Schneider, die am Wald-Klinikum für Qualitätsmanagement zuständig ist. Zu ihren Aufgaben zählt auch die Entwicklung einer immer besseren Patientensicherheit.

In dieser Funktion tauscht sich Schneider zum Beispiel regelmäßig mit Banu Topaloglu von der SRH Kliniken GmbH aus, die das Thema klinikübergreifend steuert (s. Interview: Plädoyer für ein Höchstmaß an Transparenz). Denn Ziel der SRH ist es, einheitliche Standards an all ihren Kliniken zu etablieren. Zum Teil existieren solche Richtlinien bereits. So gibt es beispielsweise eine einheitliche Sicherheitscheckliste für den OP-Bereich, anhand derer das OP-Team bestimmte Fragen klären kann: „Haben wir es mit einem Risikopatienten zu tun? Wurde der Patient aufgeklärt?“

Damit sich die einzelnen Kliniken untereinander über gemeinsame Projekte und Strategien austauschen und abstimmen können, treffen sich ihre Vertreter einmal pro Quartal im Rahmen sogenannter Pflege-Boards, Medical-Boards und Qualitätsmanagement-Boards. „Somit wird das Thema Patientensicherheit von allen Berufsgruppen mit hoher Priorität behandelt, um in allen SRH Kliniken gleichermaßen den Patienten eine sichere Behandlung zu garantieren“, erklärt Schneider. Sie selbst ist mit strategischen Aufgaben wie der Planung notwendiger Patienteninformation betraut. Zurzeit bereitet sie eine Patientensicherheitsbroschüre vor, die jedem Neuzugang ausgehändigt werden soll. Darin wird zum Beispiel auch die Sicherheitsfunktion der Armbänder beschrieben. „Natürlich ist das Tragen freiwillig. Der Patient sollte aber alle für ihn vorteilhaften Argumente kennen und dann selbst entscheiden können. Wir wollen schließlich einen mündigen und informierten Patienten“, erklärt Schneider.

Fürsorge über das Krankenhaus hinaus

Informiert und beraten zu werden ist für den Patienten auch dann wichtig, wenn es gegen Ende des stationären Aufenthalts um die Frage der Nachsorge geht: Wie kann die Wundversorgung zu Hause sichergestellt werden, und wer übernimmt sie, Sanitätshäuser oder der ambulante Pflegedienst? Welche Reha-Möglichkeiten gibt es, und welche Kliniken kommen dafür infrage? An dieser Stelle kommen die Mitarbeiter des Sozialdienstes ins Spiel. Sie regeln das Überleitungsmanagement und klären offene Fragen mit den Patienten und deren Angehörigen. Darüber hinaus koordinieren sie auch erste Versorgungstermine und kümmern sich um den Schriftverkehr mit der Krankenkasse.

„Diese Beratung hat mir sehr geholfen, viele Fragen haben sich für mich dadurch geklärt. Und ich hoffe natürlich, dass ich in meinem Alter nochmals auf die Beine komme“, ­erzählt Erika R., die knapp eine Woche nach ihrer OP wieder aus der Klinik entlassen werden konnte. Sobald sich der Knochen stabilisiert hat, wird sie eine Kur antreten. „Das sehne ich schon herbei. Aber ich bin wirklich dankbar für die sehr gute Versorgung und Fürsorge im Wald-Klinikum.“ Und wer weiß? Vielleicht kann sie ja schon im Frühsommer wieder ihre Schwester in Weida besuchen.

Georg Haiber

PLÄDOYER FÜR EIN HÖCHSTMAß AN TRANSPARENZ

Banu Topaloglu (Foto: SRH Kliniken GmbH)

Drei Fragen an Banu Topaloglu, Bereichsleiterin Qualitäts- und Projektmanagement SRH Kliniken GmbH:

Seit wann ist Patienten­­­sicherheit ein Thema?

Aufgekommen ist das Thema mit der Veröffentlichung der US-Studie „To Err is Human. Building a Safer Health System“ im Jahr 1999. Der Studie zufolge starben in den US-Kliniken 1999 rund 98.000 Patienten an den Folgen eines unerwünschten Ereignisses. Diese Zahlen erstaunten die Fachwelt. Fortan kam es zur Gründung mehrerer Institu­tionen, die sich mit dem Thema Patientensicherheit auseinandersetzen.

In Deutschland wurde im April 2005 das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. ins Leben gerufen. Dort sind Vertreter aller Gesundheitsberufe, Institutionen des Gesundheitswesens und Patientenorganisationen zusammengeschlossen. Auch die SRH ist mit dabei. Ein wichtiger Schritt in Richtung Patientensicherheit ist das Patientenrechtegesetz, das bereits den Bundesrat passiert hat und in Kürze in Kraft treten wird. Es soll die Position der Patienten gegenüber den Behandlern stärken und mehr Rechtsklarheit und -sicherheit schaffen.

Welche Rolle spielt Patientensicherheit im strategischen Konzept der SRH?
Eine zentrale! Die SRH stellt mit gezielten Präventivmaßnahmen sicher, dass es gar nicht erst zu Komplikationen während des Krankenhausaufenthalts kommt. Wir betrachten das Thema Patientensicherheit ganzheitlich und beleuchten es von allen Seiten. Dazu haben wir konzernweit Standards für Hygiene, medizinisches Risikomanagement und Arzneimittelsicherheit eingeführt. Auch die Verwendung von Patientenarmbändern stärkt die Patienten­sicherheit. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess wird durch interne Peer-Review-Verfahren und Zertifizierungen vorangetrieben. In 2013 werden wir unsere Kliniken nach der neuen Norm DIN EN 15224 zertifizieren. Darüber hinaus haben wir ein benchmarkfähiges Kennzahlensystem etabliert, das die erbrachte Qualität und Patienten­sicherheit kontinuierlich messbar macht.    

Wie offen sollten Kliniken mit Daten und Zahlen rund um die Patientensicherheit umgehen?
Dies wird tatsächlich kontrovers diskutiert – und behandelt. Ein grundsätzlicher Schritt zu mehr Transparenz in Bezug auf Patientensicherheit ist die Förderung einer offenen Kommunikation innerhalb der Kliniken. Durch die Einführung von CIRS, einem Risikomanagementsystem, wird den an der Behandlung Beteiligten die Möglichkeit gegeben, sanktionsfrei Fehler oder Beinahe-­Fehler zu melden, um diese in Zukunft zu vermeiden und damit die Patientensicherheit zu stärken.

Auch als Gründungsmitglied der Initiative Qualitätsmedizin bekennt sich die SRH ausdrücklich zu einem offenen Umgang mit Daten und Zahlen rund um die Patientensicherheit. Seit 2008 veröffentlichen wir regelmäßig anonym die Ergebnisse unserer Untersuchungen über unsere Homepage. Denn wir möchten unseren Patienten ein Höchstmaß an Transparenz bieten. Deshalb werden wir noch in diesem Jahr erstmals unsere Infektionsraten bekannt machen. Damit setzen wir ein  weiteres Signal in Richtung mehr Offenheit. In Zukunft wird der offene Umgang sowohl innerhalb der Klinik als auch nach außen hin eine signifikante Rolle spielen, um das Vertrauen der Patienten zu stärken.

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