direkt zum Inhalt

Bildung05.12.2012

Neues Ausbildungsmodell für Logopäden

Sprachtherapie wird akademisch

Ein neuer Studiengang für Logopädie verbindet die praktische Lehre mit dem Bachelor-Abschluss. Möglich wird dies durch eine Kooperation der SRH Fachschulen mit der SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera.

Sprache (Bild: Timo Volz, Mannheim)

Absolventinen des neuen Ausbildungsmodells bringen sowohl die praktische Erfahrung einer Ausbildung als auch wissenschaftliches Know-how aus dem Studium mit - und damit alles, was sie zur effektiven Behandlung von Sprachproblemen benötigen.

Ausbildung oder Studium? Eine Frage, die sich inzwischen immer häufiger stellt. Gerade im Gesundheitssektor sorgt die von Fachkräften geforderte Akademisierung dafür, dass sich die Angebote der klassischen Ausbildungsberufe der Konkurrenz mit einem Studium stellen müssen. Absolventen, die praktische Kompetenz mit wissenschaftlichem Know-how verbinden, sind im Arbeitsmarkt gefragt.

Ein Trend, den die SRH Fachschulen erkannt haben. Als Einzige in Deutschland bieten sie den in die Fachschulausbildung Logopädie integrierten Bachelor-Studiengang an. Dazu kooperieren sie mit der SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera. Auf diese Weise sind sie in der Lage, einen Studiengang anzubieten, der in die Ausbildung eingebunden ist und den Studierenden Zeit und Geld spart. Ausbildung und Studium finden an einem Ort statt, die Hochschuldozenten kommen an den Ort der Fachschule. Nach dreieinhalb Jahren haben die Absolventen zusätzlich zur staatlichen Anerkennung den akademischen Abschluss in der Tasche.

Hohes Ausbildungsniveau

Im Oktober 2011 gingen in Karlsruhe die ersten Logopädie-Studierenden an den Start, die vom integrierten Ausbildungsmodell profitieren; im Juli und Oktober 2012 folgten Heidelberg, Düsseldorf und Bonn. „Die Ausbildung der Logopäden in Deutschland war schon immer auf einem sehr hohen Niveau, vergleichbar mit einem Logopädie-Studium im Ausland. Nur wird der Abschluss an unseren Schulen auf europäischer Ebene nicht als gleichwertig anerkannt. Das hat uns bewogen, Ausbildung und Studium zu kombinieren“, sagt Prof. Dr. Raimund Böckler, der maßgeblich an der Konzeption des Studiengangs beteiligt war. Auch die Geschäftsführer der beiden betroffenen Einrichtungen, Andreas Schimmer, Geschäftsführer der SRH Fachschulen, und Kai Metzner, Geschäftsführer der SRH Fachhochschule für Gesundheit in Gera, begrüßen den Schritt: „Im engen fachlichen Austausch konnten wir das Ministerium und die Akkreditierungsgesellschaft von unserem Konzept überzeugen. Die Kompetenzen und Netzwerke waren bereits da. Wir haben uns nur angeschaut, wie man diese am besten verknüpfen kann. Immerhin ging es für uns beide darum, Mehrwerte für die Schüler und Studierenden zu schaffen.“

Therapiefelder wie Schluckstörungen, Demenzerkrankungen und Sprachförderung für Kinder rücken immer stärker in den Vordergrund, und dafür entstehen neue Diagnostik- und Behandlungsmethoden. „Die akademische Ausbildung vermittelt die nötige Kompetenz, mit diesen Methoden zu arbeiten“, erklärt Gerlinde Bauer, Schulleiterin der Fachschule für Logopädie in Karlsruhe. Um beispielsweise standardisierte Tests zu beurteilen oder die Effizienz von Therapien nachzuweisen, müssten Logopäden wissenschaftliche Studien verstehen und wissenschaftlich arbeiten können. Gleichzeitig aber sollen die Logopäden von morgen auch die praktischen Fähigkeiten beherrschen, die in der klassischen Ausbildung vermittelt werden. Darauf legen die SRH Fachschulen Wert. Der vergleichsweise hohe Praxisanteil sei ein klarer Vorteil, meint Logopädie-Student Jan Hauptmann. „Es geht ja nicht allein darum, über verschiedene Therapien etwas zu wissen, wir müssen das Gelernte auch anwenden können.“

Aus zwei mach eins

Nach sechs Semestern haben die SRH Studierenden die staatliche Anerkennung und damit die Berufserlaubnis als Logopäde in der Tasche, nach sieben zusätzlich den Bachelor of Science. Die Inhalte von Studium und Ausbildung ergänzen sich sinnvoll. Während sich die Teilnehmer in der Ausbildung beispielsweise mit Anatomie und Psychologie beschäftigen, erlernen sie im Studium unternehmerisches Handeln und Qualitätsmanagement. Darüber hinaus erwerben sie Kenntnisse in den Neuro- und Therapiewissenschaften und werden mit Themen wie Medizinrecht, Organisationspsychologie und Projektmanagement vertraut gemacht. Die Studierenden profitieren dabei von der engen fachlichen Betreuung an den SRH Einrichtungen. Die Dozenten der Hochschule Gera kommen nach Karlsruhe, wenn die entsprechenden Lerneinheiten und Lehrveranstaltungen auf dem Programm stehen. Seit dem 1. Oktober 2012 ist Frau Professor Dr. Claudia Wahn Studiengangsleiterin für das neue Studienangebot.

Im Vergleich zu reinen Fachschülern haben Absolventen des ausbildungsintegrierten Studiums bessere Chancen, später in Führungspositionen aufzusteigen und beispielsweise die Leitung logopädischer Abteilungen zu übernehmen. Außerdem bringen sie alle Kompetenzen mit, um in der Forschung oder in der Lehre zu arbeiten. Tatsächlich ist bei immer mehr Stellen ein akademischer Abschluss erwünscht oder sogar Voraussetzung. Vor allem in der Lehre und Forschung ist der akademische Abschluss obligatorisch. Damit können die Absolventen auch im Ausland arbeiten. „Mit dem Bachelor in Logopädie sind sie auf dem europäischen Arbeitsmarkt mehr als konkurrenzfähig“, betont Gerlinde Bauer. „Denn in unseren Nachbarländern ist ein akademischer Abschluss für Logopäden bereits Standard.“

Das neue Angebot sei an allen vier Standorten gut angenommen worden, berichtet sie. Jeder zweite Einsteiger entscheide sich für die Kombination aus Ausbildung und Studium. „Ich erwarte, dass sich der Anteil künftig sogar noch erhöht, wenn das Studium bekannter geworden ist.“ Insgesamt haben 2012 in Karlsruhe, Heidelberg, Düsseldorf und Bonn knapp 70 Logopädie-Studierende mit dem Studium begonnen. Die Kooperation mit der Fachhochschule läuft laut Bauer sehr gut. Manche Prozesse müssten sich eben am Anfang noch einspielen, etwa wenn es um Entscheidungen oder Abstimmungen ginge. Ebenso mussten das Thüringer Hochschulrecht und die Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Logopäden miteinander in Einklang gebracht werden. Aber nicht nur für die Studierenden, auch für die Mitarbeiter sei die Kooperation bereichernd, so Bauer: „Wir können einfach viel voneinander lernen.“

Für die Zukunft ist geplant, gemeinsame Arbeitskreise zu entwickeln, in denen sich die Mitarbeiter auf der fachlichen sowie der Verwaltungsebene austauschen können. Bei diesen Treffen werden die Lerninhalte überprüft und neue Schwerpunkte und Akzente gesetzt. Doch nicht nur das Logopädie-Studium wird weiterentwickelt.

Auch für den Fachbereich Physiotherapie ist das bundesweit einzigartige Integrationsmodell von Fachschulausbildung und Bachelor-Studium inzwischen übernommen worden. Beide Studiengänge sind für die Ausbildungsorte Heidelberg, Karlsruhe, Bonn, Düsseldorf und Leverkusen akkreditiert und vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur genehmigt worden. Im nächsten Schritt wird nun eine Ausweitung des Modells geprüft – und zwar in Physiotherapie für den Standort Stuttgart und im Fachbereich Ergotherapie für Düsseldorf.

Julia Koch

Kommentar hinzufügen


* Pflichtfeld

Kommentare

Keine Kommentare

SRH Fachschulen

Der individuelle Charakter unserer Ausbildungen hat neben der Verknüpfung von Theorie und Praxis auch die Vermittlung von sozialen Kompetenzen zum Ziel.

SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera