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Bildung19.12.2013

INTERVIEW MIT PROFESSOR KLAUS HEKKING

SRH WIRD INTERNATIONAL

SRH wird international (Foto: SRH Hochschule Heidelberg)

Professor Klaus Hekking und Hochschulkoordinator Dr. Matthias Staat besprechen gemeinsam die Entwicklung der neuen Hochschule in Paraguay.

Im März 2014 soll bereits der erste Jahrgang der neu gegründeten deutsch-paraguayischen Universität in Asunción starten. 

Was sind die Beweggründe für die SRH, diesen Schritt in die Internationalität zu gehen?

Die SRH Hochschulen haben sich ein ehrgeiziges Wachstumsziel von 10.000 Studierenden bis zum Jahr 2015 gesetzt. Leider hat Deutschland aufgrund des demografischen Wandels das Problem, dass ab 2020 die Zahl der Studienanfänger zurückgehen wird. Es liegt nahe, dass wir uns im Hochschulbereich internationalisieren. Hierbei konzentrieren wir uns auf die Länder, die demografisch eine positive Entwicklung aufweisen, und das ist in Paraguay in besonderer Weise gegeben. 

Warum Paraguay? Warum gibt es für ein deutsches Unternehmen wie die SRH gerade in Paraguay gute Voraussetzungen für ein Bildungsangebot? 

Unser Engagement in Paraguay hat verschiedene unternehmerische Gründe. Zunächst: Paraguay ist ein Land, in dem 30 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt sind. Wir sprechen also von einem Land, in dem sehr viele junge Menschen mit Ausbildungsbedarf leben. Außerdem besteht eine hohe und wachsende Bildungsbeteiligung sowie ein hoher Qua­lifizierungsbedarf. Dann: Paraguay ist ein Land im wirtschaft­lichen Aufbau, man kann sagen, es herrscht dort Pionier­stimmung. Die Menschen dort haben Lust auf Neues, auf Veränderung und Aufbruch. Und nicht zuletzt: In Paraguay leben viele deutsche Einwanderer, sodass es auch hier eine Basis für ein deutsches Hochschulprojekt gibt.

Welche Kooperationspartner konnten gewonnen werden? 

Als ich 2012 das erste Mal nach Paraguay gereist bin, um dort Vertretern aus Politik und Wirtschaft meine Idee – zum damaligen Zeitpunkt noch eine Vision –, eine binationale Universität zu eröffnen, darlegte, stieß ich dort in allen Gremien auf durchweg positive Resonanz. Für die Gründung der Hochschule wurde in Paraguay sogar innerhalb von kürzester Zeit ein neues Gesetz verabschiedet. Sie sehen, wir haben beim Aufbau unserer „Universidad Paraguayo-Alemana de Ciencias Aplicadas“ volle Rückendeckung, und das nicht nur von unserem dortigen Partner, der Industrievereinigung von Paraguay, sondern auch die des Staatspräsidenten, des Parlamentspräsidenten und der Vorsitzenden aller relevanten Ausschüsse. 

Welche Kompetenzen werden in Paraguay gebrauchtMit welchen Studienangeboten startet die neue Universität im März 2014? 

Paraguay ist ein Land, das zweistellige Wachstumsraten verzeichnet und sich industrialisieren will. Da liegt es nahe, eine Universität mit wirtschaftlich-technischem Profil zu errichten.In der ersten Runde wollen wir drei Bereiche ansprechen, nämlich erstens Wirtschaftsingenieure, zweitens Energiemanagement, drittens die betriebswirtschaftliche Ausbildung für die mittlere Führungsebene. 

Sicherlich gibt es für junge Menschen in Paraguay bereits viele Ausbildungsangebote. Welche neuen Möglichkeiten werden den künftigen Studenten an der deutsch-paraguayischen Universität geboten?

In Paraguay gab es 2011 bereits 52 Universitäten, von denen acht staatlich und die übrigen privat betrieben werden. Fachhochschulen, in denen Theorie und Praxis verbunden werden, kennt Paraguay nicht, von daher sind Politik und Wirtschaft sehr an der Realisierung eines solchen Modells interessiert. Nach paraguayischem Recht als Universität anerkannt, soll die Hochschule auch in Deutschland staatlich anerkannt werden. Das letzte Studienjahr soll zur Erlangung eines in Deutschland anerkannten Abschlusses an einer SRH Hochschule in Deutschland absolviert werden. Dies beinhaltet ein Praktikum bei einem deutschen Unternehmen sowie das Verfassen der Bachelorarbeit in deutscher Sprache. Die Studierenden absolvieren das Studium außerdem in Spanisch und Deutsch.

Was ist aktuell der Stand? Ist das Kollegium bereits rekrutiert?

Wir haben den Vizerektor aus Deutschland bestellt und sind in Gesprächen mit paraguayischen Kandidaten für den Rektor. Aktuell finden Gespräche zur Rekrutierung des Kollegiums für das kommende Jahr statt.

Was freut Sie persönlich besonders an dieser Neugründung?

Zum einen, dass wir es mit einem Team hochengagierter Mitarbeiter geschafft haben, in einem weit entfernten Land so ein Projekt aufzustellen. Das zeigt, welche Kompetenz und welche Motivation die SRH mobilisieren kann. Zum anderen, dass ich die Gelegenheit hatte, ein hochinteressantes Land und hochinteressante Menschen kennenzulernen, die uns sehr offen und freundschaftlich begegnen. Das ist eine menschliche Bereicherung. 

Gibt es Pläne der SRH, auch in anderen Ländern zu wachsen?

Ich habe es in der SRH immer so gehalten, dass ich mit Pilotprojekten in neue Sektoren gegangen bin und geschaut habe, was wir hinbekommen.Wir fangen jetzt in Paraguay an, und wenn wir damit Erfolg haben, dann können wir daran denken, das zu multiplizieren.

Iki Kühn