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Wertvolle Stoßdämpfer

Dr. Guntram Krzok erklärt anhand eines Modells die Aufgaben der Bandscheiben.

Ein Bandscheibenvorfall kann sehr schmerzhaft sein und sogar Lähmungen verursachen. Manchmal ist eine Operation unvermeidbar. Am SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda operiert Wirbelsäulen­chirurg Dr. Guntram Krzok solche Patienten besonders schonend – minimalinvasiv per Endoskop. 

Gerd Mania ist ein Vereinsmensch: Er engagiert sich im Heimat- und Kulturverein seines Wohnortes Wildeck und singt in zwei Chören. Doch sein Rücken verdarb dem 50-Jährigen immer öfter die Freude an seinen Freizeitaktivitäten. „Wenn man den ganzen Tag mit Schmerzen kämpft, war ich nach der Arbeit nur noch froh, mich endlich aufs Sofa zu legen, um mich für den nächsten Tag im Job zu erholen“, sagt Mania. Also legte er schweren Herzens seine Hobbys auf Eis: „Zwei Stunden bei der Chorprobe sitzen – das ging irgendwann einfach nicht mehr.“

Tagsüber im Job musste er immer öfter zu Schmerzmitteln greifen: Gerd Mania arbeitet im Kundendienst und repariert Gabelstapler. Die Tätigkeit bedeutet einen für den Rücken fatalen Mix aus stundenlangen Autofahrten zum Kunden, schwerem Heben von Ersatzteilen und Werkzeugkiste vor Ort sowie Arbeiten in verdrehten Positionen. Schließlich die Diagnose: Vorfall der Bandscheibe mit akuter Fußheberlähmung.
Volksleiden Rückenschmerz Gerd Mania ist kein Einzelfall: Besonders Menschen im Alter zwischen 40 und Mitte 50 sind häufig von Bandscheibenvorfällen betroffen, die operiert werden müssen, sagt Dr. Guntram Krzok. Der Wirbelsäulenchirurg ist Kooperationsarzt am SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda und hat sich auf minimalinvasive Wirbelsäulen-Operationen per Endoskop spezialisiert. Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der Erwachsenen leiden mindestens einmal in ihrem Leben unter Rückenschmerzen. Zu den Ursachen gehören Stress, genetische Veranlagung sowie Fehlbelastungen der Wirbelsäule und der Bandscheiben. 
Besonders gefährdet für einen Bandscheibenvorfall sind Menschen mit einseitiger oder geringer körper­licher Belastung wie etwa Büroarbeit oder mit extremer körperlicher Beanspruchung. Zusätzliche Risikofaktoren sind Vorerkrankungen wie Skoliose oder Morbus Scheuermann, Übergewicht und generell zu wenig Bewegung. „Die Bandscheibe ernährt sich von Bewegung, dem stän­digen Wechsel von Be- und Entlastung“, erklärt Prof. Dr. Tobias Pitzen, Neurochirurg und Chefarzt am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Durch zu hohe Belastung und zu wenig Regeneration verschleißt die Bandscheibe. „Wir werden schlicht zu alt für unsere Wirbelsäule“, fügt Pitzen hinzu. Um Beschwerden vorzu­beugen, rät der Wirbelsäulenspezialist, eventuelles Übergewicht abzubauen, vor allem die Rumpfmuskulatur zu stärken und den Alltag insgesamt aktiver zu gestalten.

Vielen Patienten mit Rücken- und Bandscheibenproblemen kann mit einer konservativen Therapie, sprich Physiotherapie und Schmerzmitteln, geholfen werden. Doch in manchen Fällen ist eine Operation unumgänglich, „vor allem dann, wenn sehr starke Schmerzen bestehen oder es bereits zu neurologischen Ausfallerscheinungen kommt, wie es bei Gerd Mania der Fall war“, erklärt Wirbelsäulenchirurg Krzok. Um langfristige Schädigungen der Nerven seines Patienten zu vermeiden, blieb nur eine zeitnahe Operation. 
Schnell schmerzfrei und wieder mobil „Wenn jemand an der Wirbelsäule operiert werden muss, dann so minimalinvasiv wie möglich“, sagt Krzok. Bei seiner neuartigen Methode, die bisher in Deutschland nur wenige Spezialisten wie beispielsweise auch die Kollegen im SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach (siehe Kasten) anwenden, erfolgt die Bandscheibenoperation (Nukleotomie) per Endoskop. 

Die Vorteile: „Es ist keine Vollnarkose notwendig, und Patienten können oft nach zwei Tagen schon wieder nach Hause entlassen werden. Die Rehabilitation ist beschleunigt, durch den nur maximal fünf bis sechs Milli­meter großen Hautschnitt verringert sich die Narbenbildung und das Infektionsrisiko nimmt im Vergleich zu herkömmlichen Methoden ab“, fasst Krzok zusammen. Außerdem wird durch die schmale Sonde kaum umliegende Muskulatur beschädigt. Genau diese Punkte haben Gerd Mania überzeugt. „Bereits am Tag nach der OP war ich schmerzfrei und habe seither keine Schmerzmittel mehr benötigt“, sagt er. Wenige Tage später konnte er mit einfachen Übungen anfangen, bald darauf Nordic Walking machen und sich fast wieder ganz normal bewegen.

Vorbeugung – was hilft?

Doch wie beugt man Rückenproblemen vor? „Das ist gar nicht so leicht, weil Ernährungsstörungen der Bandscheibe und ein langsamer Verschleiß sich häufig lange Zeit nicht bemerkbar machen – bis zum Vorfall“, sagt Wirbelsäulen-Experte Krzok. Er rät daher, erste Alarmsignale des Körpers ernst zu nehmen, wie etwa einen Hexenschuss. „Das ist eine Warnung unseres Rückens, spätestens dann sollten wir anfangen, uns mehr oder anders zu bewegen.“ Gut sind unter anderem Schwimmen, Radfahren und Muskelaufbau für Bauch und Po. 

Dank der Operation hat Gerd Mania seine Lebensqualität wiedergefunden – und auch den Spaß an Bewegung. „Ich treibe wieder regelmäßig Sport, mache Nordic Walking und Krafttraining. Und ich bereite mich mit meinen Chören gerade auf mehrere Konzerte vor“, erzählt er begeistert. Auch seinen Beruf konnte er bereits nach gut acht Wochen wieder ausüben, wenn auch mit ein paar kleinen Änderungen. „Künftig packe ich meine Werkzeugkiste leichter und laufe lieber zwei- oder dreimal, damit ich nicht mehr so schwer tragen muss.“

Wenn jemand an der Wirbelsäule operiert werden muss, dann so minimalinvasiv wie möglich.

Dr. Guntram Krzok, Wirbelsäulenchirurg am SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda

Patient Gerd Mania (l.) ließ sich von Dr. Guntram Krzok am Rücken operieren. Mit Erfolg.

In den besten Händen

Einige SRH Kliniken gehören mit ihren Spezialisten zu den besten Zentren für Wirbelsäulenleiden. Im SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda etwa werden Patienten von Dr. Guntram Krzok minimalinvasiv per Endoskop an der Wirbelsäule operiert. Die Klinik ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Marburg. Das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ist Fach- und Akutkrankenhaus sowie akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Herzstück ist unter anderem das Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie und Traumatologie. Das Leistungsangebot umfasst sowohl traditionell offene chirurgische als auch minimalinvasive Eingriffe an der Wirbelsäule; zudem verfügt das Krankenhaus über eine hoch spezialisierte Kinder-Wirbelsäulenchirurgie.

www.krankenhaus-waltershausen-friedrichroda.de

www.klinikum-karlsbad.de

Text Katja Stricker Fotos Roger Hagmann

Die 23 Bandscheiben der Wirbelsäule übernehmen die Funktion eines Stoßdämpfers und machen unseren Rücken beweglich. Bei einem Bandscheibenvorfall tritt Gewebeflüssigkeit aus dem Kern der Bandscheibe. Diese Flüssigkeit drückt auf Nerv oder Rückenmark. Je nachdem in welchem Teil der Wirbelsäule der Vorfall auftritt, treten unterschiedliche Symp­tome auf wie Schmerzen in Schultern, Armen und Händen oder Rücken, Beinen und Füßen.

Eine Nukleotomie ist ein minimalinvasives Verfahren zur Behebung eines Bandscheibenvorfalls, bei dem hervorge­tretenes Bandscheibenmaterial entfernt wird. Eine solche Operation wird notwendig, wenn durch die vorgefallenen Bandscheibenteile Druck auf das ­Rückenmark oder Nerven ausgeübt wird – und dadurch Schmerzen, Kribbeln, Lähmungserscheinungen bis hin zu Harn- oder Stuhlinkontinenz auftreten.