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Gesundheit04.09.2012

Wie Medizin für Kinder erfahrbar wird

WILLKOMMEN IN DER KINDER-UNI

Für den Herzspezialisten, Ärztlichen Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, Prof. Dr. med. Werner Haberbosch, ist es eine Herzensangelegenheit, Kindern medizinisches Wissen zu vermitteln. Mehrmals im Jahr lädt er Schulklassen zu einer Vorlesung ins SRH Zentralklinikum Suhl ein. Die Kinder sind begeistert – und auch die Erwachsenen können noch etwas lernen.

Keine Zuhörer (Foto: Timo Volz)

Aufgepasst: Wird medizinisches Wissen spannend aufbereitet und richtig erklärt, sind Kinder gute Zuhörer und arbeiten begeistert mit.

Wo sonst gestandene Ärzte den Vorträgen von Spezialisten lauschen, sitzen an diesem Vormittag Ende Juni 36 Schülerinnen und Schüler der Klassen 4a und 4b der Grundschule Suhl-Lautenberg und spitzen die Ohren. Das Thema der Vorlesung ist das Herz. „Geht es euch gut?“, fragt Prof. Haberbosch in die Runde, und ein lautes „Jaaa“ schallt ihm entgegen. „Wisst ihr denn, was eine Uni ist?“, fragt er weiter. „Ja, mein Vater war schon mal da“, sagt einer. „Und da sitzen viele Leute.“

Nach dieser kurzen Einführung geht es dann los: Der Mediziner zeigt verschiedene Herzmotive: „Wie sieht ein menschliches Herz aus? Ist es aus Glas wie dieses? Oder aus Lebkuchen, mit dem Spruch: ‚Ich liebe dich‘? Apropos: Wer von euch war schon mal verliebt?“ Die Kinder kichern und tuscheln in den Bänken. Aber mit der nächsten Frage lenkt Prof. Haberbosch die Aufmerksamkeit wieder auf das Thema: „Was meint ihr, kann man sein Herz in Heidelberg verlieren?“

Mit viel Humor führt Prof. Haberbosch die Kleinen durch die Vorlesung, zeigt, wie das Herz aufgebaut ist, wie es funktioniert, was es antreibt. Er erklärt, dass es rund 900 Millionen mal geschlagen haben wird, bis jeder der hier anwesenden Knirpse 20 Jahre alt ist. Natürlich pumpe das Herz manchmal schneller, zum Beispiel wenn jemand Sport treibt. Spaßig geht es auch weiter: Der Kardiologe führt den Kindern ein Video vor. Darin wird eine Gazelle von einem Gepard durch die Steppe gehetzt. Kurz bevor er sie packen kann, rennt ein Mensch von rechts ins Bild, überholt den Gepard, schnappt die Gazelle, klemmt sie unter den Arm und verschwindet im Busch. Der Gepard bleibt verdutzt zurück, und die Kinder jubeln und lachen herzhaft. „Übrigens“, fährt Prof. Haberbosch fort, „haben auch die Tiere Herzen, eine Mücke hat sogar viele, und das Herz eines Elefanten wiegt bis zu 25 Kilogramm.“

NOTOPERATION AM TEDDY

SRH Wald-Klinikum Gera

Angebote für Grundschüler gibt es auch im SRH Wald-­Klinikum Gera. Im Juni etwa gab es dort einen besonderen Notfall zu versorgen: Mit schweren Bauchkrämpfen wurde ein Teddy eingeliefert und sofort operiert. Das OP-Team bestand aber nicht aus Ärzten und Schwestern des Klinikums, sondern aus Schülerinnen und Schülern der Klasse 2c der Christian-Andersen-Grundschule. Sie besuchten das Klinikum im Juni vor den Sommerferien.

Einer der Höhepunkte ihres Besuchs war die besagte Teddy-OP. Geschickt ging der achtjährige Tim mit dem Skalpell zu Werk und schnitt dem Patienten die Bauchdecke auf. Zur Überraschung der Kids kamen tatsächlich Lunge, Darm und andere Plüschorgane zum Vorschein. „Ich habe den Darm gesehen. Dort drinnen wird nämlich das Essen verdaut“, sagte eines der Kinder stolz. Und nicht wenige waren so begeistert, dass sie nun Arzt oder Ärztin werden wollen.

Darüber hinaus gab es auf dem Rundgang durchs Klinikum noch vieles zu entdecken. So besuchten die Kinder unter anderem die Entbindungsstation. Von dieser Art Sachkundeunterricht waren alle begeistert. Auch Kerstin Weber, die Lehrerin, sieht diese Art des Lernens als wichtige Ergänzung zum Unterricht in der Schule. Und das Ganze hat einen schönen Nebeneffekt: Die Kinder verlieren ein Stück weit ihre Angst vor dem Krankenhaus.


Das SRH Wald-Klinikum Gera öffnet alle zwei Wochen seine Türen für Schulen und Kindergärten. Interessenten können sich anmelden bei:
Eva Teicher, Leiterin Marketing/Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: (03 65) 82 88 107
E-Mail: Eva.Teicher@wkg.srh.de

Quiz mit Aha-Effekt

Die Kinder-Uni (Foto: Timo Volz)

Prof. Werner Haberbosch ist vom Konzept der Kinder-Uni überzeugt: „Es kommt darauf an, das Wissen kindgerecht zu verpacken.“

Immer wieder versetzt der Chefarzt die Schülerinnen und Schüler in Staunen, und alle sind mit Spaß und Engagement dabei. Dazu tragen nicht zuletzt die vielen Quizfragen bei, die Haberbosch immer wieder einstreut. Die eine oder andere Lösung überrascht selbst so manchen Erwachsenen. Hand aufs Herz: Hätten Sie beispielsweise auf Anhieb gewusst, dass das Blut nur eine Minute braucht, um einmal durch den Körper zu fließen? Oder gedacht, dass ein Herz täglich bis zu 8.000 Liter Blut – so viel wie in einen Tanklastzug passt – durch den Körper pumpt? Das sei, so der Mediziner, eine enorme Leistung, die ein Herz allerdings nur in gesundem Zustand erbringen kann. „Und damit das so bleibt, ist Sport treiben für euch absolute Pflicht. Nur dann könnt ihr nämlich so schnell rennen wie der Mann in dem Video.“

Aufklärung, meint Haberbosch, könne diesbezüglich nie früh genug beginnen. Es komme allerdings darauf an, das Wissen möglichst kindgerecht zu verpacken. Auf die Idee der Kinder-Uni brachte ihn schließlich ein Kollege, und das Konzept ging voll auf. Die erste Vorlesung für Kids fand bereits Ende März statt; damals besuchten vier Schulklassen mit insgesamt 70 Schülerinnen und Schülern das Zentralklinikum. Die Schulen nehmen das Angebot dankend an. Steffi Knebel und Birgit Reder, die beiden Lehrerinnen der Viertklässler an der Lautenberg-Grundschule, haben aus der Zeitung davon erfahren und ihre Klassen spontan angemeldet. „Wir haben in der Schule gerade ein Projekt zum Thema gesunde Ernährung durchgeführt. Als Belohnung für die Kinder und um das Thema abzurunden, sind wir nun hierhergekommen“, berichtet Steffi Knebel.

Gemüse statt Pommes

Dr. med. Werner Haberbosch (Foto: Timo Volz)

Aufklärung muss möglichst früh beginnen, sagt Prof. Werner Haberbosch. Daher hält er regelmäßig Vorlesungen für Grundschüler.

Am Ende der Vorlesung betont Prof. Haberbosch denn auch eindringlich, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist. Ein Erwachsener brauche auch nicht, wie die Mehrzahl der Kinder angenommen hat, 8.000 kcal und mehr am Tag, ­sondern lediglich 2.000 bis 3.000. „Und die erreicht man am besten durch den Verzehr von viel Obst und Gemüse“, sagt Haberbosch. Wer dagegen jeden Tag Pommes, Hamburger und Schokolade in sich hineinmampfe und sich obendrein kaum bewege, dessen Herz würde früher oder später schlappmachen.

„Dieses Thema aus der medizinischen Perspektive zu sehen, fand ich spannend. Auf jeden Fall habe ich dazugelernt, und den einen oder anderen Aspekt können wir künftig sicher in den Unterricht einbauen“, sagt Lehrerin Birgit Reder abschließend. Und auch die Kinder sind von der Vorlesung begeistert. „Am lustigsten fanden wir den Film mit dem Gepard und der Gazelle“, sagt Luise, und Robin ergänzt: „Aber auch das mit dem Tanker voll Blut fand ich spannend.“ Dass sie selbst ein gesundes Herz haben, davon sind fast alle Kinder überzeugt, „denn wir treiben alle viel Sport. Adrian und ich spielen Fußball“, sagt Paul. Lena macht Langlauf, Alyssa und Nele sind Rodlerinnen. Und dann erzählen alle, welche Hobbys sie haben und was sie so nach der Schule unternehmen.

Zum Abschluss gibt es gesunde Schnittchen und Obst, bevor es mit dem Bus zurück in die Stadt geht. Und von  dort laufen alle zu Fuß zurück zur Schule, denn Bewegung – so haben die Kinder ja gerade gelernt – ist für das Herz das Beste.

Georg Haiber

PARTNER IN SACHEN PRÄVENTION

Aufklärungskampagne (Foto: Timo Volz)

Per Spezialbrille erleben die Jugendlichen, wie es sich anfühlt, betrunken zu sein.

Sowohl das SRH Wald-Klinikum Gera als auch das Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach arbeiten eng mit Schulen zusammen, vor allem wenn es darum geht, dem Konsum von Alkohol vorzubeugen.

„Kumpel Alkohol“ ist vielen Jugendlichen ein Begleiter, der keine Menschen neben sich duldet. Er löst mit beharrlicher Konsequenz Freundschaften, Bekanntschaften, Ehen, Arbeitsverträge und am Ende sogar Leber und ­Gehirnzellen auf. Laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung wurden im Jahr 2010 knapp 26.000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Allerdings hat das sogenannte Rauschtrinken mittlerweile an Beliebtheit eingebüßt. Waren es 2004 noch 22,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen, die einmal pro Monat fünf Gläser Alkohol oder mehr hintereinander getrunken haben, sank dieser Wert im Jahr 2011 auf 15,2 Prozent. Mitverantwortlich für den Rückgang könnten die zahlreichen Aufklärungskampagnen unter anderem in Schulen sein. So ermutigen die aktuellen Zahlen auch die Verantwortlichen an den Kliniken in Gera und Karlsbad Langensteinbach, mit ihrer Aufklärungsarbeit fortzufahren.

SODA statt Bier

Sehr erfolgreich ist zum Beispiel das „Stark-ohne-Drogen“-Aktionsprogramm (SODA) in Kooperation mit der Polizei und der Suchtberatung Ettlingen. Es wurde vor vier Jahren vom Team um Prof. Dr. Matthias Weisbrod, Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, ins Leben gerufen. Mehr als 30 Klassen mit insgesamt über 700 Jugendlichen – die meisten im Schnitt 14 Jahre alt – durchliefen seitdem das Programm. An einem der Projekttage sind die Schüler in der Klinik und können unter anderem mit einem jungen, ehemals drogenabhängigen Patienten sprechen. Darüber hinaus klärt sie Dr. med. Hans-Georg Bär, Oberarzt auf der Inneren Medizin, über gesundheitliche und körperliche Folgen von Drogenkonsum auf. „Mit SODA möchten wir Einfluss auf die Haltung von Klassengemeinschaften zum Thema Alkohol und Drogen nehmen“, sagt Weisbrod.

Das gleiche Ziel verfolgen die Verantwortlichen am Wald-Klinikum in Gera. Vor einigen Monaten weilten rund 50 Schülerinnen und Schüler des Geraer Goethe-Gymnasiums im Rahmen der Projektwoche „Prävention“ am Klinikum. Sie nahmen an Workshops teil und diskutierten über Themen wie gesunde Lebensweise, Sexualität und Schwangerschaft, Spiel- und Computersucht sowie über Alkohol- und Drogenmissbrauch. Einer der Höhepunkte für die Jugendlichen war die Simulation eines Rauschzustands mithilfe einer Spezialbrille. So erfuhren die Zehntklässler hautnah, wie stark Alkohol die Wahrnehmung einschränken kann.

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SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.