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Gesundheit13.09.2011

Ausländische Ärzte und Patienten in den SRH Kliniken

Willkommen in Deutschland

Gut verständlich: Dolmetscher Abed Fayad (r.) übersetzt Untersuchungsergebnisse für einen Patienten.

Die hohe Qualität der medizinischen Versorgung lockt immer mehr Ärzte und Patienten aus dem Ausland an deutsche Krankenhäuser. Wie sich die SRH Kliniken auf diese Gäste einstellen, hat PERSPEKTIVEN auf einem Streifzug erkundet.

Eigentlich wollte Abed Fayad in Italien Optik studieren. „Doch ich habe noch vier Brüder und drei Schwestern, daher konnte mein Vater die Ausbildung nicht bezahlen – im Nachhinein ein Glücksfall für mich“, sagt er und lächelt. Seit 2004 arbeitet der in Kuwait geborene Jordanier für das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach als Dolmetscher für Patienten aus dem arabischen Raum – ein Job, der ihm wie auf den Leib geschnitten ist. „Etwas Schöneres kann ich mir nicht vorstellen. Ich helfe kranken Menschen dabei, ihren Aufenthalt hier zu organisieren, und trage so meinen Teil zu ihrer Genesung bei“, erklärt der 38-Jährige.

Fayad scheint unter Strom zu stehen: Das Handy immer am Ohr, ist er ständig auf dem Sprung, auch nachts um drei, wenn es sein muss. Doch sein Engagement sieht er als selbstverständlich an: „Es motiviert mich, zu sehen, wie sehr wir Menschen in unserer Klinik helfen können.“ Manche der ehemaligen Patienten würden ihm noch nach Jahren Postkarten schreiben, erzählt er.

Die Tür zu Fayads Büro steht fast immer offen; Patienten gehen ein und aus. Sie kommen aus Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Jordanien und Ägypten, weil sie sich im SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach eine bessere Behandlung als in ihrem Heimatland erhoffen. Und Abed Fayad ist für sie da: Er erklärt Abläufe, spricht Mut zu, hilft beim Ausfüllen von Formularen oder bucht für die Angehörigen ein Zimmer im Hotel oder Wohnheim. Meist holt er die Patienten sogar am Flughafen ab. „Ich bin der geborene Makler: Bestimmt könnte ich unserer Klinik auch gute Ärzte vermitteln“, sagt er augenzwinkernd.

Wer Deutsch kann, hat Vorteile

Gut versorgt: Sekretärin Helga Reblin half Dr. Mohamed Eshaefi bei der Wohnungssuche.

Zum Beispiel jemanden wie Dr. Mohamed Eshaefi. Der gebürtige Libyer hat im Juli seine Facharztprüfung bestanden und arbeitet als Orthopäde in der Abteilung Wirbelsäulenchirurgie unter der Leitung von PD Dr. Tobias Pitzen und Dr. Gregor Ostrowski. Eshaefi kam im Sommer 2007 gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls Ärztin ist, als Stipendiat nach Deutschland. „In erster Linie wegen des guten Rufs der deutschen Medizin“, erinnert sich Eshaefi. „Wir sind sehr dankbar, dass uns die Klinik in der Anfangszeit nach Kräften unterstützt hat. Frau Reblin beispielsweise, die Sekretärin von Prof. Harms, war immer für uns da, wenn wir Fragen hatten, egal ob es um die Wohnungssuche ging oder darum, für unsere Kinder einen Platz im Kindergarten zu finden.“ Helga Reblin, die neben ihren Aufgaben im Sekretariat auch für „international patients“ zuständig ist, war selbst lange Zeit im Ausland und kennt die Anlaufschwierigkeiten in der Fremde aus eigener Erfahrung. Sie hat daher gerne geholfen. „Im Ausland habe ich immer gute Erfahrungen gemacht und gebe davon gerne etwas weiter, vor allem an so nette Kollegen wie Herrn Eshaefi“, erzählt sie. „Daher freue ich mich sehr darüber, dass sich die Familie gut eingelebt und zum Beispiel ein so herzliches Verhältnis zu ihren Vermietern hat.“ Die Eshaefis selbst können sich vorstellen, noch eine Weile in Deutschland zu bleiben, bevor sie irgendwann in ihre Heimat zurückkehren. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, betont Mohamed Eshaefi.

Auch Edit Pordány-Bagoly hat sich inzwischen gut in Deutschland eingelebt – vor allem dank ihrer guten Deutschkenntnisse, die die Ungarin bereits im Kindergarten erwarb. Seit anderthalb Jahren macht sie am SRH Zentralklinikum Suhl eine Facharztausbildung in Neurologie. Bekannte, die bereits in Deutschland arbeiteten, empfahlen ihr, den Schritt hierher zu wagen. Zwar sei die Ausbildung in ungarischen Kliniken auch gut, mitunter fehle es jedoch an vielem, so Pordány-Bagoly. „Am Klinikum in Pecs, wo ich vorher gearbeitet habe, stellten die Krankenschwestern beispielsweise die Tupfer selbst her, indem sie Watte zusammenrollten“, berichtet sie. „Auch Ärzte müssen dort viel improvisieren, etwa um einen Katheteranschluss anzupassen. In Deutschland hingegen habe ich dafür ein komplettes Set zur Verfügung.“ Neben der hochwertigen Ausstattung schätzt sie vor allem die Hilfsbereitschaft ihrer Arbeitskollegen und der Personalabteilung. „Das Arbeitsklima ist prima, und wenn ich Hilfe brauche, weiß ich, dass ich mich jederzeit an Daniela Mohr von der Personalabteilung wenden kann. Sie hat mir immer sehr nett weitergeholfen“, erzählt Pordány-Bagoly.

Über jede Unterstützung freuen sich auch Simona-Angela Moga und ihr Lebensgefährte Catalin-George Tatuti. Die beiden Rumänen absolvieren seit Anfang des Jahres am SRH Wald-Klinikum Gera eine Facharztausbildung zum Anästhesisten. „Unsere Mentoren Dr. Christian Schmidt und Dr. Sabine Slowinski sind immer für uns da. Die ersten Monate haben wir sie im Haus begleitet und so alle Tätigkeiten kennengelernt; seit Juli dürfen wir in eigener Verantwortung Dienste wahrnehmen, und das freut uns“, erzählt Simona-Angela Moga. Dennoch sei gerade die Anfangszeit in Deutschland sehr anstrengend gewesen. „Besonders das Ausfüllen der vielen Formulare, zum Beispiel für die Landesärztekammer oder zur Anerkennung der Approbation, war für uns aufgrund fehlender Sprachkenntnisse schwierig. Das hätten wir alleine nie geschafft. Zum Glück hat uns Petra Loch von der Personalabteilung immer wieder geholfen und uns ermutigt“, betont die Ärztin.

Neben Moga und Tatuti beschäftigt das SRH Wald-Klinikum Gera noch 25 weitere Mediziner aus dem Ausland. „Damit sie sich möglichst schnell einleben, unterstützen wir die Neuankömmlinge bei Behördengängen, vermitteln ihnen Kinderbetreuungsplätze und organisieren Sprachkurse“, erklärt Sandra Schöneich, Leiterin der Personalabteilung am SRH Wald-Klinikum Gera. „Manchmal bestellen wir sogar Deutschlehrer ins Krankenhaus.“ Denn gerade in Fachrichtungen, in denen Ärzte viel mit Patienten kommunizieren, sei das schnelle Erlernen der Sprache enorm wichtig.

Starthilfe geben

Gut beraten: Petra Loch (l.) aus der Personalabteilung unterstützte die beiden Ärzte Simona-Angela Moga und Catalin-George Tatuti beim Ausfüllen der nötigen Formulare.

An der Vielzahl der Services lässt sich ablesen: Medizinische Fachkräfte aus dem Ausland sind in den SRH Kliniken jederzeit willkommen. An Anwärtern mangelt es in Deutschland momentan nicht. Bundesweit bewerben sich immer mehr Absolventen aus dem Ausland an deutschen Kliniken. Laut Bundesärztekammer waren dort im Jahr 2009 mehr als 7.700 Ärztinnen und Ärzte aus Mitgliedstaaten der EU tätig, die meisten davon aus Österreich und Griechenland. Nach den neuesten Zahlen aus dem Tätigkeitsbericht der Bundesärztekammer 2010 kamen allein im vergangenen Jahr 1.479 Mediziner aus den europäischen Staaten nach Deutschland, davon alleine 383 aus Rumänien.

Auch die Verantwortlichen in der Politik begrüßen diesen Trend. Sie wollen sich künftig dafür einsetzen, unnötige bürokratische Hürden für ausländische Bewerber zu beseitigen. Ein erster Schritt ist die Novelle des sogenannten Freizügigkeitsgesetzes: Sie entbindet Bewerber aus den EU-Staaten von der Pflicht, dem Arbeitgeber eine Arbeitsgenehmigung der Bundesagentur für Arbeit vorzuweisen.

Durch derlei Maßnahmen wird Deutschland für ausländische Mediziner immer attraktiver. So könnten sich künftig Engpässe bei der Besetzung offener Stellen ausgleichen lassen. Denn für Ärzte, die in den Ruhestand gehen, rücken aus demografischen Gründen nicht genügend Landsleute nach. Zudem wandern immer noch viele deutsche Mediziner aufgrund besserer Verdienstmöglichkeiten ins Ausland ab, vorrangig in die Schweiz und nach Österreich. Andere wiederum schlagen nach ihrer Ausbildung berufsfremde Karrierewege ein, etwa bei Krankenkassen oder in der freien Wirtschaft. Auf diese Weise gehen sie den Krankenhäusern als Fachkräfte verloren.

„Wir haben bei uns hier im Wald-Klinikum bislang keine Probleme, vakante Positionen zu besetzen“, sagt Sandra Schöneich. Sie führt das unter anderem auf ein breites und attraktives medizinisches Angebot zurück. Entscheidend sei aber auch der gute Ruf der Klinik, der nicht zuletzt auch von den Medizinern selbst abhänge. „Wir haben hier mittlerweile viele Topärzte. Mit ihnen wächst automatisch unser Renommee“, erklärt die Personalverantwortliche. Auch Forschungsprojekte machten ein Krankenhaus für gute Nachwuchskräfte interessant – egal ob aus dem In- oder Ausland (s. Seite 6). Schöneich nennt als Beispiele die Eröffnung des neuen Studienzentrums (s. Seite 4), die Entwicklung des Kehlkopfschrittmachers (s. Ausgabe 1/2007, S. 6) sowie das Projekt zur nichtinvasiven Behandlung von Lungentumoren aus der Thorax- und Gefäßchirurgie.

Attraktives Partnerprojekt

Dass Medizin „made in Germany“ gefragt ist, zeigt auch die jüngste Kooperation des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach mit der türkischen Investorengruppe Gökçen und dem Klinikbetreiber Romatem. Dieser wird Anfang 2012 in Bursa ein Reha-Zentrum mit etwa 100 Betten eröffnen. Die Verantwortlichen wollen aber nicht nur die natürlichen Gegebenheiten vor Ort nutzen, etwa indem sie die heimischen Thermalquellen zur Wassertherapie einsetzen. Vor allem möchten sie eine moderne Orthopädie und Neurologie aufbauen, die medizintechnisch auf dem neuesten Stand ist.

Als Partner für ihre Pläne haben die Türken das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach ausgewählt. Nach dessen Vorbild planen sie zudem den Bau einer Akut-Klinik. „Im Juni war eine Delegation aus Bursa bei uns und im SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen, um sich Anregungen und Ideen für das eigene Projekt zu holen“, erzählt Karl-Heinrich Noffz, Leiter der Ergotherapie, der die Kooperation mit dem türkischen Klinikbetreiber eingefädelt hat. „Ende Juli war dann eine deutsche Delegation zum Gegenbesuch in der Türkei.“

Von solchen internationalen Kooperationen profitieren beide Seiten: Denn der rege Austausch stärkt auch die Kompetenz der beteiligten Ärzte. Und das ist es, was letztlich für die Patienten zählt. Um seinen Job macht sich Abed Fayad daher keine Sorgen. Es gebe viele fähige Mediziner am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, und die Zahl der ausländischen Patienten steige stetig, betont er. Inzwischen betreut er selbst über 100 Patienten aus den arabischen Ländern pro Jahr. Abed Fayad hält kurz inne und sagt dann: „Vielleicht habe ich ja auch selbst ein bisschen dazu beigetragen. Für arabische Gäste habe ich nämlich die Texte der Website ins Arabische übertragen.“

Georg Haiber

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Kommentare

heba fayad, 03.01.2012 15:40

hey brother Abed ,, regards to u from jordan :)

SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach

Das Klinikum – Fachkrankenhaus und Akutklinik in einem – verfügt über 538 Betten in den Bereichen Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie, Neurologie, Innere Medizin, Gefäßchirurgie und Psychiatrie.

SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.

SRH Wald-Klinikum Gera

Mit 90.000 Patienten im Jahr in 24 Fachbereichen ist das SRH Wald-Klinikum Gera das größte Krankenhaus der Region Ostthüringen.