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Bildung12.06.2012

Interview mit Prof. Klaus Hekking

"Wir wollen die Besten, nicht die Größten sein"

Seit fünf Jahrzehnten leistet die SRH mit ihren Dienstleistungen einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen. Im Interview zeigt Vorstandsvorsitzender Prof. Klaus Hekking die Kernpunkte der aktuellen „Strategie 2015“ auf und erläutert, wie sich die SRH künftig auf Entwicklungen im Bildungs- und Gesundheitsmarkt einstellen und dabei weiterhin unternehmerisches Handeln mit sozialer Verantwortung verbinden will.

Prof. Klaus Hekking (Timo Volz)

"Wir wollen besser, nicht größer als unsere Wettbewerber sein. Und wir möchten Qualität nicht nur behaupten, sondern nachweisen." – Prof. Klaus Hekking

Weshalb sind neue Strategierichtlinien nötig?
Unsere letzte grundlegende Strategiebestimmung fand im Jahr 2000 statt. 
Damals haben wir die SRH neu ausgerichtet – von einer Rehabilitationseinrichtung zum Bildungs- und Gesundheitsdienstleister. Nun wurde es Zeit, zu schauen, wo wir stehen und wie wir uns am besten auf die anstehenden Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft einstellen. Auf Basis dieser Mega­trends haben wir Ziele und Strategien für die nächsten Jahre definiert.

Welche Trends sind das?
Wir sind in zwei für die Volkswirtschaft äußerst wichtigen Branchen aktiv – im Bildungs- und im Gesundheitsmarkt. Beide sind wettbewerbsintensiv, wachsen langfristig und bieten uns gute Perspektiven. Im Bildungsbereich haben wir vier Trends im Blick. Erstens: Der Bedarf an hoch qualifizierten Mitarbeitern wächst. Zweitens: Die Akademisierung der Gesellschaft schreitet voran. Damit steigt der Bedarf an Studiengängen, den die staatlichen Hochschulen alleine nicht decken können. Drittens: Berufsbegleitendes Lernen wird zur Regel. Die Zahl derer, die neben dem Job studieren, steigt. Viertens: Private Bildungseinrichtungen gewinnen an Zulauf; Bildung wird differenzierter. Schulen und Hochschulen müssen auf den Wunsch nach mehr Vielfalt und Individualität reagieren.

Und beim Thema Gesundheit?
Dem Konjunkturforscher Leo A. Nefiodow zufolge ist Gesundheit einer der Schlüsselmärkte der Zukunft. Das früher weitgehend staatliche Gesundheitswesen wandelt sich zu einer dynamischen Branche – mit mehr privaten Anbietern, rund 4,5 Millionen Beschäftigten und einem Marktvolumen, das Experten zufolge bis 2030 auf mehr als 450 Milliarden Euro steigen wird. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Die Menschen werden immer älter. Dadurch wächst der Bedarf an Gesundheitsleistungen. Gleichzeitig führt der medizinische Fortschritt zu einem größeren Angebot. Immer mehr Patienten fragen zudem vermehrt nach Angeboten rund um Fitness, Wellness und Ernährung. Last but not least führt der verstärkte Wettbewerb zu einer Ökonomisierung der Medizin. Ich gehe davon aus, dass sich mittelfristig im deutschen Klinikbereich alles auf maximal zehn große Anbieter konzentriert.

Wie reagiert die SRH auf diese Entwicklungen?
Unsere Strategie lässt sich mit zwei Begriffen zusammenfassen: wachstumsstark und werteorientiert. Damit wir als privates Unternehmen unabhängig bleiben, benötigen wir eine kritische Größe. Wir wollen daher etwas stärker als der Markt wachsen, etwa indem wir Bestehendes ausbauen, Unternehmen akquirieren oder neu gründen. Dabei konzentrieren wir uns auf wachstumsstarke Geschäftsfelder, in denen wir bereits Kompetenzen haben oder diese rasch entwickeln können. Außerdem werden wir künftig unsere Bereiche Bildung und Gesundheit noch stärker verzahnen. Schon heute nutzen wir Synergien erfolgreich, etwa in der Gesundheitsbildung. So hat die SRH Fachhochschule für Gesundheit in Gera ‚Flexicare 50+‘ entwickelt, ein Lernmodell, das die berufliche Bildung von Pflegekräften über 50 fördert. Und wir bieten den bundesweit bislang einzigen dualen Masterstudiengang für Neurorehabilitation an (siehe Artikel Master nach Mass).

Unser Ziel lautet: Qualitätsführerschaft. Als mittelständisches Unternehmen kann sich die SRH nicht durch Kosten- oder Marktführerschaft differenzieren. Wir wollen also besser, nicht größer als unsere Wettbewerber sein. Und wir möchten Qualität nicht nur behaupten, sondern auch nachweisen.

Prof. Klaus Hekking (Timo Volz)

Prof. Klaus Hekking

Wie gelingt Ihnen das?
Indem wir künftig noch stärker auf Qualitätssicherung setzen. Unsere Hochschulen etwa lassen wir durch den Wissenschaftsrat akkreditieren. Zusätzlich prüfen wir über ein internes Kennziffernsystem regelmäßig die einzelnen Leistungen – Qualität der Lehre, der Forschung, des Lehrkörpers, der Dienstleistungen, der Infrastruktur. Unsere Kliniken wiederum engagieren sich in der Initiative Qualitätsmedizin (IQM). Diese definiert klare Kriterien, die es zu erreichen gilt. Denn nur im direkten Vergleich mit anderen erkennen wir, wo wir heute schon stark sind und wo wir nachbessern müssen.

Und wie hebt sich die SRH vom Wettbewerb ab?
Im Dienstleistungsmarkt gibt es üblicherweise drei Unternehmenstypen: die weltanschaulich-religiös geprägten, die öffentlichen und die profitorientierten Anbieter. Die SRH hingegen ist ein werte­orientiertes Unternehmen: Wir möchten mit dem, was wir tun, nicht nur Geld verdienen, sondern die Gesellschaft aktiv mitgestalten, Systeme verändern und Innovation vorantreiben.

Und wie hebt sich die SRH vom Wettbewerb ab?
Im Dienstleistungsmarkt gibt es üblicherweise drei Unternehmenstypen: die weltanschaulich-religiös geprägten, die öffentlichen und die profitorientierten Anbieter. Die SRH hingegen ist ein werte­orientiertes Unternehmen: Wir möchten mit dem, was wir tun, nicht nur Geld verdienen, sondern die Gesellschaft aktiv mitgestalten, Systeme verändern und Innovation vorantreiben.

Wie setzen Sie diesen Anspruch in die Praxis um?
Die SRH verbindet Unternehmertum mit sozialer Verantwortung. Als Stiftung nutzt sie die Möglichkeit, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Durch unsere Förderstiftung etwa schütten wir jährlich eine Million Euro für gemeinnützige Projekte aus. Zudem ist die SRH ein innovatives und experimentierfreudiges Unternehmen, das Pionierarbeit leistet. Als es Anfang der 1990er-Jahre noch kaum private Hochschulen gab, haben wir auf private Hochschulbildung gesetzt. Das Gleiche gilt für den Klinikbereich. Zudem waren wir die Ersten, die mit ihrem Angebot der beruflichen Rehabilitation den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes entgegengekommen sind, indem wir Filialen eröffnet haben. Heute tun das alle. Und wir haben die erste private Schule für Hochbegabte in Baden-Württemberg eröffnet, den ersten Studiengang aufs iPad gebracht.

Die SRH Werte auf einen Blick

  • Unternehmergeist
    Die SRH erschließt ständig neue Marktchancen, um 
Wachstum und Rentabilität zu steigern und Arbeitsplätze zu sichern.

  • Integrität
    Die SRH verspricht nicht mehr, als sie halten kann, und sie hält, 
was sie verspricht.
  • Humanität
    Die SRH verbindet Professionalität mit Wertschätzung für Kunden, Mitarbeiter und Partner.
  • Innovation
    Die SRH entwickelt kontinuierlich neue Ideen und setzt sie in 
nützliche Dienstleistungen um.

  • Exzellenz
    Die SRH beweist Exzellenz in Ergebnissen, Prozessen und Strukturen und schafft damit einen hohen Nutzen für ihre Kunden.

  • Effizienz
    Die SRH hält Strukturen schlank und Prozesse flexibel.

Welche Maßnahmen planen Sie 
für die nahe Zukunft?
Im Hochschulbereich werden wir unser Studienangebot ausweiten, das 
wissenschaftliche Profil schärfen, Forschungsschwerpunkte setzen sowie für mindestens eine Hochschule das Promotionsrecht erwirken. Und wir werden vermehrt berufsbegleitende Studiengänge anbieten sowie neue Hoch-
schulen gründen – auch im Ausland. So planen wir gerade mit der Union Industrial Paraguaya die Gründung einer binationalen Universität in der Hauptstadt Asunción.

Der Bereich Bildung ist historisch geprägt durch die berufliche Rehabilitation. Da das von der öffentlichen Hand geförderte Geschäft rückläufig ist, müssen wir handeln. Wir wollen daher das privat finanzierte Bildungsgeschäft ausbauen, etwa im Bereich der allgemeinbildenden Schulen und der frühkindlichen Förderung. Die Gründung der Mundanisschule in Frankfurt 2010 war bereits ein Schritt in diese Richtung. Auch den Bereich Fachschulen wollen wir weiter ausbauen. Ihre Abschlüsse wurden im Deutschen Qualifikationsrahmen ja aufgewertet und rangieren nun auf einer Höhe mit dem Bachelor. Enorme Wachstumschancen sehen wir zudem in der Fort- und Weiterbildung, etwa von Führungskräften.

Prof. Klaus Hekking (Timo Volz)

Prof.Klaus Hekking

Und welche Pläne hat die SRH beim Thema Gesundheit?
Hier möchten wir uns verstärkt als Rundumversorger positionieren – von der Prävention über ambulante und stationäre Medizin bis hin zur Nachsorge. Wir werden verstärkt interdisziplinäre Behandlungszentren etablieren mit möglichst reibungslosen Abläufen für unsere Patienten. Und wenn wir eine Klinik übernehmen, muss diese in unser Portfolio passen. Besonders wichtig ist uns die Patientensicherheit: Wer zu uns kommt, soll wissen, dass er nicht nur freundlich und fachlich kompetent, sondern auch sicher behandelt wird. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor bei alldem wird eine authentische Kommunikation sein. Wir müssen deutlich sagen, was die Menschen von uns erwarten können und was nicht, dürfen nicht mehr versprechen, als wir halten können. Meine Erfahrung zeigt: Diese Ehrlichkeit zahlt sich langfristig aus.

Und was bedeutet die „Strategie 2015“ für die Mitarbeiter?
Sie prägen die SRH wesentlich. Daher ist eine solide Personalpolitik extrem wichtig für uns. Die SRH soll als positive Arbeitgebermarke wahrgenommen werden, als ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter wertschätzt. Schon jetzt bieten wir flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildungen, betriebliche Altersvorsorge, Kinderbetreuung, Essenszuschüsse. Sicher können wir hier aber noch mehr tun. Wir bieten unseren Mitarbeitern Freiräume und Chancen. Aber mit der Strategie 2015 nehmen wir sie auch in die Pflicht, etwa wenn es darum geht, sich gemeinsam auf Veränderungen einzulassen und gerade in unsicheren Zeiten Pionierarbeit zu leisten und Neues zu wagen.

Die Konzernstrategie 2015 auf den Punkt gebracht

Wachstum

Die SRH wächst organisch sowie durch Akquisition und Gründung von Unternehmen und konzentriert sich dabei auf wachstumsträchtige Geschäftsfelder, in denen sie Kompetenz hat oder entwickeln kann.

Qualitätsführerschaft


Die SRH strebt die Qualitätsführerschaft, gemessen an objektiven Kriterien, an. Sie will nicht größer, sondern besser sein als die relevanten Wettbewerber.

Synergien durch Konzernintegration


Die SRH mobilisiert Synergien durch konzernweite Standards für das Management der strategischen Erfolgsfaktoren, damit der Konzern mehr ist als die bloße Summe von Einzelunternehmen.

Die Konzernziele bis 2015

  • Wachstum – den Umsatz von 552 Mio. (2010) auf 700 Mio. Euro steigern

  • Rentabilität – eine durchschnittliche Umsatzrendite von 7 Prozent errreichen
  • Unternehmenswert – das Eigenkapital von 384 Mio. (2010) auf 550 Mio. Euro erhöhen

Befürchten Sie nicht, dass in Zeiten knapper Kassen weniger bereit sind, in Bildung und Gesundheit zu investieren?
Nein. Studien belegen: Wer entschlossen ist, an einer privaten Hochschule zu studieren, für den ist die Kostenfrage zweitrangig. Natürlich haben staatliche Leistungen ihre Berechtigung. Bestimmte Dinge erreichen wir aber nur durch privates Engagement. Wir können und dürfen nicht alles dem Staat überantworten. Hierfür in der Gesellschaft ein Verständnis zu wecken und echte Alternativen aufzuzeigen ist Ziel der SRH. Auch dafür steht die Strategie 2015.

Gabriele Jörg

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