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Alles unter einem Hut

Simone Thomas ist Meisterin im Zeitmanagement. Nur so gelingt es der fünffachen Mutter, Job, Familie und ein berufsbegleitendes Fernstudium zu verbinden.

Über dem Herd und am Kühlschrank von Simone Thomas hängen DIN-A4-Blätter – vollgeschrieben mit Notizen und Definitionen, alles bunt markiert und mit Klebefähnchen versehen. Das gleiche Bild im Badezimmer und beim Bügelbrett. Wenn die Zettelwirtschaft im Hause Thomas ­regiert, wissen alle: Es ist wieder Klausurphase bei Simone Thomas. Die 46-jährige Mutter von fünf Kindern im Alter von 5, 7, 9, 18 und 24 Jahren und Oma einer Einjährigen studiert derzeit an der SRH Fernhochschule – The Mobile University  Prävention und Gesundheitspsychologie und steht kurz vor ihrem Abschluss.
Der bunte Blätterwald in der Wohnung hilft der berufstätigen Mutter beim Lernen: „Wenn ich koche, Gemüse schnippele oder Wäsche falte, werfe ich zwischendurch immer mal einen Blick auf meine Spickzettel – so prägt sich alles besser ein“, erklärt Thomas ihre Lernstrategie.

Fernstudium für beruflichen Neustart

Mit Anfang 40, während der Elternzeit für das jüngste Kind, begann Simone Thomas endlich, ihren Traum vom Studium zu verwirklichen. Beruflich hatte die ausgebildete Hutmacherin bereits einige Erfahrung: Sie arbeitete zunächst in einem Modeunternehmen, danach als Assistentin der Geschäftsführung und später als stellvertretende Geschäftsführerin bei einem Bauträger. Nach einigen Jahren sattelte sie um und machte eine Ausbildung zur Zytologie-Assistentin. Seither arbeitete sie in der Früh­erkennung von Krebserkrankungen, untersuchte im Labor Zellpräparate und übernahm die Laborleitung.
„Doch in meinem Hinterkopf hatte ich immer den Wunsch, meine berufliche Erfahrung, die ich bereits als Führungskraft sammeln durfte, zu fundieren“, erinnert sich die heute 46-Jährige. Ihr Studiengang verbindet beides: Fachwissen aus dem Gesundheitswesen und der Prävention mit Betriebswirtschaftslehre und Management.

Ohne Disziplin geht es nicht

Um Studium, Familie und ihre aktuelle Teilzeitstelle im Vorsorgelabor vereinbaren zu können, kam für Simone Thomas nur ein berufsbegleitendes Fernstudium, wie es die  Mobile University anbietet, infrage: „Anders wäre es zeitlich für mich gar nicht machbar gewesen, da mein Mann Vollzeit arbeitet.“ Die Präsenzphasen an den Wochen­enden managen die Studentin und ihr Mann gemeinsam. Von ihrem Wohnort Ubstadt-Weiher bei Bruchsal ist es nicht weit bis zu den nächsten Studienzentren der SRH Fernhochschule in Heidelberg oder Stuttgart.

„Außerdem passen mein 18-jähriger Sohn, der noch zu Hause wohnt, oder meine Mutter auch mal auf die drei Kleinen auf, wenn ich freitags und samstags im Seminarraum sitze“, sagt Thomas. „Diese Vor-Ort-Termi­ne sind mir wichtig, um mich mit den anderen Stu­denten und den Dozenten auszutauschen.“ Auch virtuelle Vorlesungen und Online-Lerngruppen nutzt sie: „Manchmal lasse ich eine Veranstaltung im Hintergrund laufen, wenn ich beispielsweise gerade bügele.“

Nachtaktiv zum Bachelorabschluss

Lernen, an Hausarbeiten oder der Bachelorthesis schreiben – das Gros des Studiums findet in den Abendstunden statt, wenn es ruhig wird im Hause Thomas. Nach dem gemeinsamen Abendessen klinkt sich Simone Thomas aus und verschwindet an den Schreibtisch. Ehemann Ingo bringt die Kinder ins Bett, räumt den Tisch ab. „Von 19 Uhr bis kurz vor Mitternacht sitze ich wochentags meist über Büchern und Lernmaterial von der Hochschule“, sagt die Fernstudentin und fügt lachend hinzu: „Zum Glück bin ich eine Nachteule und komme mit wenig Schlaf aus.“ 

Muss sie auch. Denn der Wecker klingelt spätestens um sechs Uhr, dann warten die drei jüngeren Kinder aufs Frühstück, der Familienhund will Gassi gehen – und „ich laufe möglichst täglich ein Runde, um fit zu bleiben“, erzählt Thomas. Ein durchgetakteter Alltag. Während die Kinder in Schule und Kindergarten sind, kümmert sie sich um den Haushalt und arbeitet an drei Tagen pro Woche in einer Praxis.

Zum Glück bin ich eine Nachteule und komme mit wenig Schlaf aus.

Simone Thomas, Studentin an der SRH Fernhochschule

Vorleben, was möglich ist

Warum sie sich den Stress antut? „Mir macht es Spaß, zu lernen und mich beruflich weiterzuentwickeln. Außerdem möchte ich meinen Kindern ein Vorbild sein, ihnen zeigen: Ihr könnt alles schaffen – und eure Träume leben, wenn ihr hart dafür arbeitet und dranbleibt“, erklärt die fünffache Mutter. Vor allem ihre beiden großen Söhne, die selbst bereits im Berufsleben stehen, sind mächtig stolz auf ihre Mutter, die in Kürze ihren Bachelorabschluss macht. 

Auch die drei jüngeren Geschwister wissen ganz genau: Wenn Mama nachmittags mit ihren Unterlagen auf dem Sofa oder am Küchentisch sitzt und ihre Ohrstöpsel drin hat, heißt das „Bitte nicht stören, Mama muss jetzt lernen.“ Dann beschäftigen sich die drei alleine. „Selbst die Kleinen sind schon sehr selbstständig“, fügt Thomas hinzu. Das ist auch nötig, denn sobald ihre Mutter ihren Bachelorabschluss in der Tasche hat, möchte sie gerne im Personalwesen oder Gesundheitsmanagement einen Job finden oder eine Weiterbildung im Bereich Psychoonkologie, also der psychologischen Betreuung von Krebspatienten, 
draufsatteln. „Da würde sich dann der Kreis mit meiner bisherigen Labortätigkeit schließen.“ Die Zettelwirtschaft wird Familie Thomas wohl noch ein bisschen erhalten bleiben. 

Text Katja Stricker Fotos Sebastian Heck

Links: Zettelwirtschaft in der Küche − beim Kochen wiederholt Simone Thomas wichtigen Stoff.

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