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Botschafterin der guten Laune

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Wenn herzhaft über sie gelacht wird, ist Katrin Friedrich zufrieden. Denn das gehört zu ihrer Jobbeschreibung. Als Clownin Frieda besucht sie Krankenhäuser und Altenheime. Ihre Mission: Patienten und Bewohner aufmuntern.

Ringelshirt, grüner Rock über einer bunten Hose, rote Schuhe mit Glöckchen dran und auf dem Kopf ein roter Hut – so sieht Katrin Friedrichs Berufsbekleidung aus. Das wichtigste Accessoire trägt sie dabei mitten im Gesicht: eine kugelrunde, leuchtend rote Gumminase. Selbst die jüngsten Patienten im SRH Wald-Klinikum in Gera verstehen bei diesem Aufzug schnell, dass da gerade kein Mediziner vor ihnen steht, sondern ein Clown. Genauer gesagt: Clownin Frieda, so der Künstlername der 40-jährigen Erfurterin.

Alle 14 Tage besucht Frieda die Station für Kinder- und Jugendmedizin des Geraer Krankenhauses. Neben Infektionen und Unfällen werden in der Kinderklinik zum Beispiel auch junge Patienten mit Epilepsie, psychosomatischen Erkrankungen oder Diabetes behandelt. Hier rechnet erst mal niemand mit einem Clown. Ganz im Gegenteil: Den kranken Kindern und ihren besorgten Angehörigen ist oft gerade gar nicht zum Lachen zumute. Im Gegensatz zu ihren Kollegen auf der Zirkusbühne weiß Katrin Friedrich vorher also nie, was sie erwartet, wenn sie an die Tür eines Krankenzimmers klopft. „Teenagern ist mein Besuch manchmal sogar ein bisschen peinlich“, berichtet sie schmunzelnd. Doch mit der richtigen Mischung aus Charme, Frechheit und Einfühlungsvermögen lockt die fröhliche Frieda fast alle aus der Reserve. Sie überzeugt mit ihrem Können: Denn zum einen beherrscht sie allerlei clownstypische Tricks. Geschickt jongliert sie mit Bällen, formt lustige Tiere und Figuren aus Luftballons. Zum anderen verfügt Clownin Frieda über eine professionelle Ausbildung. Zwei Jahre lang hat Katrin Friedrich die Tamala Clown Akademie in Konstanz besucht und besitzt ein Zertifikat als Gesundheit!Clown®. Den Titel hat sich die Clownschule beim Europäischen Patent- und Markenamt schützen lassen. 

Mehr Berufung als Beruf

Mehrere Tausend Euro und etliche Wochenenden hat Katrin Friedrich an der privaten Akademie in ihre Ausbildung und die Entwicklung von Frieda investiert. Dabei hatte sie eigentlich schon längst einen Beruf. In Erfurt hat sie Landschaftsarchitektur studiert und anschließend in Weimar für die Naturschutzbehörde gearbeitet. „Dass ich eines Tages mein Geld als Clown verdiene, hätte ich früher selbst nicht geglaubt“, sagt sie. Dennoch kam der neue Beruf nicht ganz aus heiterem Himmel. Schon als Kind nannten ihre Eltern sie gelegentlich „Clown Dolli“, wenn sie mal wieder ihre Faxen machte. Die Verwandtschaft reagierte auf den neuen Job mit einem „Oh ja, das können wir uns gut vorstellen!“ und erinnerte sich dabei an eine vor Jahren von ihr spontan aufgeführte Otto-Imitation. Trotzdem: Im Gespräch wirkt die hauptberufliche Spaßmacherin ruhig und nachdenklich, fast in sich gekehrt. Und doch ist es gerade die Narrenfreiheit, die Katrin Friedrich am Clown-Sein fasziniert. Eher zufällig nahm sie 2004 mit Freunden an einem Theaterworkshop teil und setzte dabei erstmals eine Clownsnase auf: „Das war ein Aha-Erlebnis. Als wäre ich plötzlich in eine andere Welt getaucht“, sagt sie über diesen Tag. Als Clown darf sie frech und spontan sein, andere Leute an der Nase herumführen und auch sich selbst ganz ungeniert lächerlich machen. Ein Lebensgefühl, das ihr in ihrem Beruf als Landschaftsarchitektin fehlte. Statt sich also ernsthaft um eine gesicherte Existenz als Beamtin im Umwelt- oder Grünflächenamt zu bemühen oder ihre Energie in den Aufbau eines eigenen Planungsbüros zu stecken, schrieb sie sich noch im selben Jahr an der Clownschule ein und absolvierte während der Ausbildung bereits ihre ersten Auftritte. „Mir war schnell klar, dass Clown für mich kein Hobby ist, sondern mein Beruf“, stellt sie fest. 

Ein mitunter hartes Brot

Ein Beruf allerdings, der ihr mehr abverlangt als ein paar Späßchen und Tricks. „Der Beruf bringt es mit sich, dass ich viel alleine bin“, sagt Katrin Friedrich, die im gesamten Bundesgebiet auftritt. Seit Kurzem ist sie geschieden, Kinder hat sie nicht. Um von ihren Honoraren leben zu können, musste sie lernen, sich und ihr Programm aktiv zu vermarkten. Neben ihrem langjährigen Engagement im SRH Wald-Klinikum Gera besucht Clownin Frieda beispielsweise Alten- und Pflegeheime. Außer­dem hat sie zwei Solo-Theaterstücke entwickelt, mit denen sie in Schulen oder Kin­der­gärten, bei Gottesdiensten und Kirchentagen auftritt. Auch für Weihnachtsfeiern oder Familienfeste kann man sie buchen. „In den letzten Jahren habe ich viel akquiriert, und auch durch die steigende Bekanntheit und Weiterempfehlungen klingelt Friedas Telefon seit einiger Zeit recht oft“, berichtet die selbstständige Künstlerin. Von anfänglicher Skepsis dürfe man sich dabei nicht entmutigen lassen: So manche Pflegekraft verdreht erst mal die Augen, wenn plötzlich ein Clown den stramm getakteten Arbeitstag aufmischt. Im ​

SRH Wald-Klinikum Gera gehört Frieda dagegen nach fast acht Jahren fest zum Team: „Sie kennt sich hier bestens aus und stört absolut nicht“, sagt die Leiterin des Mutter-Kind-Zentrums Sigrid Pommer. „Wenn es sein muss, tritt sie auch mit Mundschutz auf.“ Für die Patienten sei der Clown eine schöne Abwechslung, und auch die Eltern freuten sich darüber. Und wenn es nötig ist, kann Clownin Frieda auch ganz leise sein und einfach nur zuhören.

 

Von Kirstin von Elm

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Lachen macht gesund

Lachen setzt positive Energie frei, kann Schmerzen lindern und die ­Genesung unterstützen. Immer mehr Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen engagieren deshalb regelmäßig Klinikclowns. Die Honorare finanzieren sie meist über Spendenaktionen, beispielsweise über den Verein „Rote Nasen“ oder die Stiftung „Humor hilft heilen“ von Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen, mit der zum Beispiel auch das SRH Klinikum Karlsbad Langensteinbach zusammenarbeitet. Verschiedene private Clown- und Schauspielschulen bieten berufsbegleitende Weiterbildungen oder Spezialisierungskurse für angehende Klinikclowns an, etwa die Tamala Clown Akademie in Konstanz, die Schule für Clowns in Hofheim am Taunus, die Jokers Clownschule in Hamburg oder die Humor- und Lebensschule von David Gilmore in Freudenstadt. 

www.clownin-frieda.de

www.waldklinikumgera.de

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