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Bildung19.12.2013

FLEXIBLE AUS- UND WEITERBILDUNG AN DER SRH

DIE ZUKUNFT: HYBRIDMODELLE

Die Zukunft - Hybridmodelle (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Clemens Rapp, deutscher Meister über 200 und 400 Meter, ist gut organisiert. Er passt sein Studium an sein tägliches Training an.

Noch vor rund 60 Jahren hatten junge Erwachsene nach ihren Wanderjahren als Gesellen oder nach ihrem Meisterbrief ausgelernt. Die Zeit des Lernens beschränkte sich auf Phasen wie Lehre oder Studium. Das hat sich grundlegend geändert. Wesentliche Einflussgrößen sind neben dem enormen Tempo technischer Entwicklungen und damit des Wissens auch die Globalisierung und der demografische Wandel. Die Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft ist verbunden mit den Veränderungen in der Gesellschaft und verstärkt die Notwendigkeit, Wissen lebenslang zu erweitern und anwenden zu können. Lernen ist dabei nicht nur Basis für die eigene berufliche Karriere und persönliche Entwicklungsmöglich­keiten, sondern auch ein wesentlicher Faktor für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Der Staat hat somit ein hohes Interesse an der Flexibilisierung von Aus- und Weiterbildung. 2008 hat die Bundesregierung das Konzept des „Lernens im Lebenslauf“ lanciert mit der Überzeugung, damit Deutschlands wichtigste Ressource – nämlich Bildung – stärker für wirtschaft­liche Dynamik und persönliche Aufstiegschancen zu erschließen. Ganz eindeutig: Die Lust am lebensbegleitenden Lernen nimmt zu, und nicht erst seit 2008. Verständlicherweise sind vermehrt Berufstätige nicht bereit, für die Weiter­bildung ihren Arbeitsplatz aufgeben, Alleinerziehende wollen nicht warten, bis die Kinder groß sind, um Qualifizierungen zu starten, oder Leistungssportler beispielsweise wollen nicht erst nach ihrer aktiven sportlichen Hochzeit eine zweite Karriere beginnen. Sie alle suchen passende Hybridmodelle.

Die SRH hat sich mit flexiblen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und einem hohen Maß an Durchlässigkeit buchstäblich vorbildlich positioniert. Dazu fünf Beispiele:

Präsenzstudium Heidelberg

Die Zukunft - Hybridmodelle (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Zwischen Training und Wettkämpfen studiert Handball-Nationalspieler Uwe Gensheimer an der SRH in Heidelberg.

Jeden Morgen um 7 Uhr springt Clemens Rapp ins Wasser, um für rund zwei Stunden seine Bahnen zu ziehen. Jeden Nachmittag ab 16 Uhr folgen weitere drei Stunden Training für den amtierenden deutschen Meister über 200 und 400 Meter Freistil, Europameister und Vierten bei den Olympischen Spielen mit der 4-x-200-Meter-Freistilstaffel. Zu diesem Pensum kommen Wettkämpfe im In- und Ausland. Die Messlatte liegt hoch. Um mit diesem Alltag ein Studium zu kombinieren, braucht es nicht nur Disziplin, sondern ein ausgetüfteltes Modell. Für ihn ist die Kooperation der SRH Hochschule Heidelberg mit dem Olympiastützpunkt ideal. „Das ermöglicht mir, zu studieren und das harte Training zu bewältigen“, betont ­Clemens Rapp. Mittlerweile studiert er im siebten Trimester Wirtschaftsingenieurwesen und wird lediglich rund ein Jahr länger für seinen Bachelor benöti­gen als seine Kommi­litonen. Dass Präsenzzeiten, Phasen des Lernens und Prüfungen effizient mit dem Trainingspensum kombiniert werden, dafür sorgt die persönliche Betreuung durch seine Mentorin an der SRH. Studiende­kanin Professor Dr. Katja Kuhn weiß jederzeit, wann Clemens Rapp vor Ort in Heidelberg ist oder beispielsweise im Höhentraining, welche Module even­tuell geschoben oder Prüfungen, aufgrund sportlicher Einsätze an anderen Orten organisiert werden müssen. Dazu steht sie auch in regelmäßigem Austausch mit Clemens Rapps Trainer. „Ausschlaggebend für die effiziente Anpassung des Studiums an seinen Leistungssport ist die Flexibilität, die uns das CORE-Modell bietet, und das Vertrauensverhältnis, das die enge Abstimmung schnell und zielführend möglich macht“, ist Professor Dr. Katja Kuhn überzeugt.

Nur so sind Spitzenleistungen und Studienerfolg vereinbar, weiß auch Uwe Gensheimer, der in Heidelberg Betriebswirtschaftslehre studiert. Der Handballer des Jahres 2012 ist als Linksaußen für die deutsche Nationalmannschaft stets auf Achse. An der SRH Hochschule Heidelberg steht ihm Professor Dr. Julia Rózsa als Mentorin zur Seite. Gemeinsam entwickeln sie zunächst eine Studienverlaufsplanung und stimmen dann jeweils aktuell vor jedem Studien­abschnitt die Anforderungen mit den sportlichen Verpflichtungen ab. Dabei zeichnet sich schnell ab, welche regulären Veranstaltungen Uwe Gens­heimer besuchen kann, wo er alternative Kurse belegen sollte und welche Prüfungstermine in­frage kommen. Absolute Priorität hat für Uwe Gensheimer der Leistungssport. Deshalb ist für ihn ein Hybridmodell ideal, das die grundsätzliche Vereinbarkeit bietet, sekundär ist der Zeitrahmen. „Das modular aufgebaute Studium bietet mir eine hohe Flexibilität. Dadurch habe ich die  Möglichkeit, zu ­verschiedenen Terminen ein ­bestimmtes Modul zu besuchen und zu schauen, wie es in meinen Terminplan passt“, erklärt er zufrieden. Für ihn wäre ein Fernstudium nicht infrage gekommen. Er schätzt den engen Kontakt vor Ort zu seiner Mentorin und den Austausch mit den Kommilitonen. „Private Hochschulen haben bei der Ausdifferenzierung flexibler Studienange­bote die Führerschaft übernommen“, betont Professor Dr. Henning Werner, Dekan der Fakultät Wirtschaft an der SRH Hochschule Heidelberg.

Fernstudium Riedlingen

Moritz Fürste hat sich für ein anderes Modell entschieden. Seit 2005 spielt der heute 29-Jährige in der deutschen Hockey-­Nationalmannschaft und ist seit vielen Jahren als deren Kapitän im Einsatz. Nach einem dualen Bachelorstudiengang in Hamburg macht er nun seinen Master in Wirtschaftspsychologie an der SRH FernHochschule Riedlingen und beginnt in Kürze seine Masterarbeit. Sein Alltag steht manchem Topmanager kaum nach. Neben dem regulären Training füllen Bundesligaspiele seinen Wochenplan. Dazu kommen Trainingscamps mit der Nationalmannschaft, Qualifizierungsspiele weltweit für Europa- oder Weltmeisterschaften oder die Vorbereitungen zur Teilnahme an der Olympiade, bei der er mit der deutschen Mannschaft bereits zweimal Gold geholt hat. Dieses „Arbeitsleben“ lässt sich mit einem klassischen Studienplan nicht vereinbaren. Mit dem Studium in Riedlingen bekam er – wie alle anderen Studenten – die Flexibilität, an zwölf Studien- und Prüfungszentren bundesweit Präsenzveranstaltungen zu besuchen oder Prüfungen zu schreiben. Mittlerweile gibt es auch einen Standort in Hamburg. „Da konnte ich zu meiner letzten Prüfung mit dem Fahrrad hinfahren. Das ist sehr komfortabel“, erklärt der gebürtige Hamburger. Seine Lernphasen passt er in seine Wettkampfpausen ein. Die passenden Unterlagen erhält er per Post oder digital direkt aus Riedlingen. Ein Mentorenprogramm stellt jedem Studierenden einen Professor an die Seite ebenso wie einen festen Betreuer in der Verwaltung, sodass inhaltliche wie organisatorische Fragen schnell geklärt werden können. „Nur durch diese Flexibilität vonseiten der SRH konnte ich mein Studium sehr effizient organisieren“, weiß Moritz Fürste. Mit nur einem Urlaubs- und einem Teilzeitsemester kann er jetzt sein Studium beenden. „Gerade der intensive Mentoringprozess ermöglicht die individuelle Beratung zum Beispiel zur realistischen Einteilung der Studieninhalte und somit einen erfolgreichen Studienverlauf“, ist Dr. Rüdiger Reinhardt, Professor für Wirtschaftspsychologie und Mentor von Moritz Fürste, überzeugt. 

Die digitalen Lernmöglichkeiten der SRH FernHochschule Riedlingen schätzt Moritz Fürste sehr. Er hätte sich auch ein reines Mobile-Learning-Studium vorstellen können.

Das gibt es in Riedlingen seit 2011 für mittlerweile drei Bachelorstudiengänge. Alle Studieninhalte stehen über ein iPad orts- und zeitunabhängig zur Verfügung. Eine Mischung aus Text, Video, Podcast oder Vorlesungsaufzeichnungen unterstützen die Studenten. Das sind auch neue Anforderungen an die Dozenten, die ihre Inhalte entsprechend der medialen Mittel aufbereiten und präsentieren. Mit der zunehmenden Flexibilisierung stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit einer fixen Semesterbindung. Riedlingen hat diese Frage beantwortet: Künftige Bacherlorstudenten müssen sich nicht mehr an den Semesterbeginn zum Winter- oder Sommer­semester halten, sondern können ihr Studium jederzeit beginnen und das Tempo des Lernfortschritts selbst bestimmen. 

Gerade im Bereich der Masterausbildungen nimmt Professor Reinhardt eine jährlich steigende Nachfrage an privaten Einrichtungen wahr, unter anderem aufgrund mangelnder Kapazitäten an staatlichen Hochschulen. Immer häufiger starten Studenten nach ihrem Bachelorabschluss deshalb direkt ins Berufsleben. Für eine Masterausbildung wollen sie dann den Arbeitsplatz nicht aufgeben, entsprechend interessant wird somit ein Platz an einer Fernuniversität. „Aktuell steigt die Nachfrage nach einer berufsbegleitenden Ausbildungsmöglichkeit an einer Fernhochschule jährlich um durchschnittlich zehn Prozent“, erklärt der Wirtschaftspsychologe.

Fachschule mit Teilzeitausbildung

Die Zukunft - Hybridmodelle (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Moritz Fürste, Kapitän der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, ist als „Global Player“ viel unterwegs und studiert flexibel auch unterwegs.

Die Frage der Vereinbarkeit verschiedener Verpflichtungen kennen nicht nur Leistungssportler. Die ist eine Herausforderung für jeden Berufstätigen oder Alleinerziehenden. Gerade für sie sind Hybridmodelle interessant. Diese Beobachtung macht auch Dr. Stefan Gebhard, Schulleiter der SRH Fachschulen für Sozialwesen in Heidelberg. Seit 2009 bietet die Fachschule die Ausbildung zum/zur staatlich anerkannte/n ­Erzieher/in mit Schwerpunkt Jugend- und Heimerziehung als Teilzeitausbildung, die statt 24 Monate über 30 Monate läuft.Dieses Angebot ist regelmäßig mit 20 Teilnehmern besetzt. 

Anders als in der klassischen Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher sind Männer hier in der Teilzeitausbildung weniger stark vertreten.Die Mehrheit der Teilnehmerinnen hat ein oder mehrere Kinder und ist oftmals alleinerziehend. „Es ist interessant, zu sehen, dass nach den bisherigen Erfahrungen die Leistungen und Ergebnisse der Gruppen tendenziell besser sind als in der Vollzeitausbildung, was meines Erachtens für eine besondere Motivation spricht“, erklärt der Schulleiter. 

Grundsätzlich nimmt die Akademisierung therapeutischer Berufe zu, beobachtet Simon Ruf, Geschäftsführer der SRH Fachschulen, und sieht in den nächsten fünf bis zehn Jahren einen stark wachsenden Bedarf entsprechend ausgebildeter Fachkräfte. Für diese ergänzende Qualifizierung werden seiner Einschätzung nach auch berufsbegleitende Ausbildungsmöglichkeiten eine große Rolle spielen. Darauf stellt sich die Fachschule heute schon ein. Aktuell wird beispielsweise das Konzept einer Teilzeitausbildung für Ergotherapeuten geprüft.

Kooperation mit IHK

Wer sich neben dem Beruf weiterqualifizieren will, ist hoch motiviert. Das weiß auch Professor Dr. habil. Peter J. Weber, Rektor und Geschäftsführer der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw. An seiner Hochschule werden derzeit geradezu exemplarisch die bildungspolitischen Forderungen nach mehr Bildungsbeteiligung, Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs und mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem umgesetzt. Im Januar 2014 startet der Bachelor „BWL Teilzeit“ in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald.

Der Nordschwarzwald ist zwar eine dynamische Region, doch beklagt die Wirtschaft gerade vor dem Hintergrund der Zukunftssicherung den Mangel an Fachkräften. Für Berufs­tätige wiederum sind die Möglichkeiten begrenzt, sich weiterzuqualifizieren. Jetzt haben SRH Calw und die IHK Nordschwarzwald ein Paket für einen Teilzeitstudiengang BWL geschnürt, explizit für Absolventen der IHK. Voraussetzung sind die IHK-Abschlüsse als Wirtschaftsfachwirt und Betriebswirt. Beide Weiterbildungen können Berufstätige, die als ­Basis eine kaufmännische Lehre mitbringen, in Teilzeit in rund 3,5 Jahren abschließen. Diese Zielgruppe kennt somit genau die Belastungen einer berufsbegleitenden Ausbildung. Spannend ist dieses Paket für die IHK-Absolventen, da laut Landeshochschulgesetz bis zu 50 Prozent der Leistung aus außerhochschulischer Bildung anerkannt werden können. Genau das ist hier der Fall. Die künftigen Studenten können so in nur zwei Jahren (statt in „normaler“ Teilzeit in sechs Jahren) den Bachelorabschluss erwerben. 

„In der Region zwischen Nagold, Pforzheim und Stuttgart sind wir damit die Einzigen, die Berufstätigen die Möglichkeit bieten, den Bachelor berufsbegleitend zu absolvieren“, erklärt Professor Dr. Weber. Zweimal die Woche kommen die Studenten dann nach der Arbeit nach Calw sowie jeden zweiten Samstagvormittag. Das entspricht dem zeitlichen Muster der Weiterbildungen der IHK, das hier fortgeführt wird. 

 „Die Inhalte entsprechen denen des BWL-Vollzeitstu­diums“, betont Dr. Jutta Maute, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der SRH Hochschule Calw, die das Konzept von Anfang an betreute, „doch die Flexibilität ermöglicht die Vereinbarkeit mit Beruf und Familie.“ Geplant ist, dass bei entsprechendem Interesse jedes Trimester ein Kurs beginnen kann, dann haben die Studenten die Möglichkeit, Module entsprechend ihren Bedürfnissen zu organisieren oder auch mal nachzuholen. Ergänzend bereitet die SRH ein klassisches Teilzeitstudium BWL vor, das ohne IHK-Vorbildung in sechs Jahren zu bewältigen ist. „Für unsere Hochschule ist dies eine Möglichkeit, neue und wichtige Zielgruppen zu erschließen“, ergänzt Professor Weber.

Iki Kühn

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