direkt zum Inhalt

Gesundheit13.09.2011

Petra Reis führt das Heidelberger Pflegehotel

Ein Gespür für Menschen

Für Petra Reis, die Leiterin des SRH Pflegehotels, und ihr Team stehen die Menschen im Vordergrund.

Menschen mit Handicap sind im Pflegehotel der SRH Berufliche Rehabilitation herzlich willkommen. Hier finden Gäste aus aller Welt eine familiäre Atmosphäre und professionelle Pflege rund um die Uhr. Denn „Hotelchefin“ Petra Reis und ihr Team gehen mit Fingerspitzengefühl und Engagement auf kulturelle Eigenheiten ein.

Petra Reis hat noch den Rosenduft in der Nase, der ihre saudi-arabische Patientin Naiema al Harbi stets umgab. Mit einem Schmunzeln erinnert sich die 53-Jährige daran, wie beruhigend es für die strenggläubige Muslimin war, stets einen Kompass in der Nähe zu haben. Nach einer Hüftoperation auf fremde Hilfe angewiesen, ließ sie sich fünfmal täglich samt Bett nach Osten drehen, dabei half das kleine Messgerät, die exakte Position für ihr Gebet in Richtung Mekka zu finden. Drei Monate lang war al Harbi Gast im Heidelberger Pflegehotel der SRH Berufliche Rehabilitation. „Mit ihr war alles ein wenig anders als sonst“, resümiert Reis, die als Bereichsleiterin Pflege auch das Hotel managt. Lange saß sie damals mit ihrer Kollegin Susanne Holl, die den Pflegedienst koordiniert, über den Einsatzplänen. Sie schoben die Schichten der Mitarbeiter hin und her, damit für al Harbi rund um die Uhr eine Frau rufbereit war. Die männlichen Kollegen durften das Zimmer der Saudi-Araberin nur in Gegenwart ihres Ehegatten betreten. „Die Organisation war schwieriger als gedacht“, stellt Reis im Rückblick fest, schiebt ihre rot gefasste Brille ins blonde Kurzhaar und lächelt. Man spürt: Naiema al Harbi ist ihr ans Herz gewachsen.

Ein Team mit vielen Nationalitäten

Als die Botschaft von Saudi-Arabien Anfang 2011 bei Petra Reis anfragte, ob das Hotel kurzfristig eine Patientin aus dem streng muslimischen Land aufnehmen könne, sagte Reis spontan zu. Mit ihrem international bunt gemischten Team aus engagierten Pflege- und Servicekräften würde sie die Aufgabe schon meistern, da war sie sich sicher. Viele der 65 Mitarbeiter ihres Pflegedienstes haben italienische, spanische oder russische Wurzeln, stammen aus Holland, Griechenland und der Türkei. Sie sind geübt darin, kulturelle Grenzen zu überwinden. Mit zwei islamischen Kollegen organisierte Petra Reis umgehend einen Schnellkurs zu den wichtigsten Regeln im Umgang mit Saudi-Araberinnen. „Wir hatten zwar schon saudische Männer zu Gast. Diese haben jedoch alle Freiheiten, während für Frauen strenge Vorschriften gelten. Auf die mussten wir uns einstellen“, erklärt Reis.

Auch Mentalitätsunterschiede gehörten dazu. Al Harbi kam ins Pflegehotel, um nach ihrer Operation in der Heidelberger Orthopädie wieder mobil zu werden für den langen Rückflug nach Riad. Aktiv zur Reha beizutragen war ihr allerdings vollkommen fremd. „Für eine saudische Frau bedeutet Kranksein Passivität. Es hat eine Weile gedauert, bis wir sie davon überzeugen konnten, wie wichtig ihre Mitarbeit ist, wenn sie schnell wieder auf die Beine kommen will“, berichtet Reis. Da waren die Sprachbarrieren schon leichter zu überwinden – nicht nur, weil die Hotelchefin auf ihre arabischsprachigen Mitarbeiter zählen konnte. Denn Reis kennt keine Berührungsängste und kommuniziert im Notfall auch mit Händen und Füßen. „Wir beide haben uns ohne viele Worte wunderbar verstanden“, schmunzelt sie.

Mit ihrer offenen und zupackenden Art ist Petra Reis die Seele und treibende Kraft des Pflegehotels. Auf ihre Initiative hin nahm die SRH Berufliche Rehabilitation das Angebot im Mai 2009 ins Programm auf. „Die Idee war, Menschen mit Handicap kurzzeitige Pflege und Unterstützung zu bieten, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt oder um einfach einmal sorgenfrei zu verreisen“, erläutert Reis das Konzept, mit dem sich angesichts verkürzter Verweildauern in Kliniken eine Marktlücke schließt.

Im barrierefreien Gebäude der SRH Berufliche Rehabilitation auf dem Heidelberger SRH Campus stehen seither fünf gemütliche Einzelzimmer und modern eingerichtete Aufenthaltsbereiche für die Hotelgäste bereit. Bei hoher Nachfrage kann Petra Reis fünf weitere Zimmer im Haus als Puffer reservieren. Diese Flexibilität ist möglich, weil sie für den Hotelbetrieb die vorhandenen Ressourcen und Leistungen der SRH Berufliche Rehabilitation mit nutzt. So gelingt es Reis auch, die Einzelzimmer samt Vollpension und Pflegepauschale zu einem Preis von 67 Euro anzubieten. Die gelernte Krankenschwester mit betriebswirtschaftlicher Zusatzqualifikation weiß: „Unsere Gäste haben in der Regel kein üppiges Budget.“

Rundum sorglos verreisen

Vor allem zur Hauptreisezeit im Sommer ist das Pflegehotel meist ausgebucht. Die Nähe zur Heidelberger Innenstadt mit zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten rund ums Neckartal, das breite Freizeitangebot auf dem SRH Campus und die Versorgung durch den ambulanten Pflegedienst machen das Hotel für körperlich eingeschränkte Menschen attraktiv. Viele Gäste kommen immer wieder.

So wie Stephanos Direkis aus Griechenland, der sich schon zum dritten Mal im Pflegehotel einquartiert hat. Zwei Monate wird er dieses Jahr im Pflegehotel wohnen, bei seinem Aufenthalt in Heidelberg verbindet er Kontrolluntersuchungen in einer Klinik im nahe gelegenen Ludwigshafen mit einem Besuch bei Bruder und Schwägerin, die ein Baby bekommen haben. „Hier muss ich mich um nichts kümmern und werde bestens versorgt, ich fühle mich wie im Urlaub“, sagt der junge Mann, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. In der familiären Atmosphäre blüht Direkis regelrecht auf. Wenn er in seinem Rollstuhl durchs Haus fährt, hält er häufig für einen kurzen Plausch mit Mitarbeitern oder anderen Patienten an. Er ist in der Region aufgewachsen und spricht perfekt Deutsch.

Shoppen mit Schleier

Das lockere Miteinander im Haus ist ein Wettbewerbsvorteil. „Es liegt uns viel daran, den Gästen ein Umfeld zu bieten, in dem sich nicht alles um ihre Erkrankung dreht“, betont Petra Reis. Alle Mitarbeiter im Haus tragen dazu bei, dass sich die Menschen wohlfühlen. Oft sind es Kleinigkeiten, die große Wirkung erzielen – auch im Umgang mit ausländischen Gästen. Für Italiener etwa, denen das deutsche Abendessen um 18 Uhr viel zu früh ist, wärmt das Serviceteam die Mahlzeit gerne zwei Stunden später auf. Und holländische Gäste, die häufig zu Rollstuhl-Rugby-Turnieren nach Heidelberg kommen, freuen sich über das reichhaltige Frühstücksbuffet. Auf Wunsch organisiert das Team auch Ausflüge. Das Shoppen mit Naiema al Harbi hat Petra Reis noch in bester Erinnerung. „Wir hatten großen Spaß und sind überall aufgefallen, weil Naiema ganz verschleiert war“, sagt sie lachend. Zum Abschied organisierte Michael Schmitt aus der Verwaltung ein Gartenfest. Naiema al Harbi bedankte sich – mit Einladungen nach Riad und einem saudischen Schleier für Petra Reis.

Sabine Höfler

Kommentar hinzufügen


* Pflichtfeld

Kommentare

Keine Kommentare

Pflegehotel der SRH RehaPflege

Wer nach einem Krankenhausaufenthalt noch eine gewisse Zeit auf besondere Pflege angewiesen ist, wird im Pflegehotel optimal versorgt.

Weitere Artikel "Bildung"

Weitere Artikel aus der Rubrik "Bildung" finden Sie hier

Weitere Artikel "Gesundheit"

Weitere Artikel aus der Rubrik "Gesundheit" finden Sie hier