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Gesundheit29.07.2011

Ein offenes Ohr für Patienten

Patientenfürsprecher Rüdiger Müller

Rüdiger Müller war von 1994 bis 2006 Bürgermeister und Sozialdezernent in Suhl. Unmittelbar vor seiner Wahl war der gelernte Ingenieur Dezernent für stadtwirtschaftliche Leistungen und Umweltschutz und hat unter anderem den Wasserverbund Suhl mit aufgebaut. Seit 2008 ist er ehrenamtlicher Patientenfürsprecher am SRH Zentralklinikum Suhl. In dieser Funktion erhält er Informationen, an die das Klinikum auf anderem Wege, etwa durch eine Befragung, nicht herankommen würde.

Wer die Wünsche seiner Kunden am besten erfüllt, hat im Wettbewerb Vorteile. Dazu muss man deren Anliegen kennen. Das SRH Zentralklinikum Suhl hat deshalb jemanden gesucht, dem die Patienten ihre Sorgen und Nöte anvertrauen. Einen besseren Kandidaten als Rüdiger Müller, der in Suhl zwölf Jahre Bürgermeister und Sozialdezernent war, hätte das Klinikum nicht ­finden können.

Rüdiger Müller kennt Land und Leute wie kaum ein Zweiter. Als Dezernent und Bürgermeister hat er die Geschicke der Stadt beinahe 20 Jahre entscheidend mitgeprägt. Wenn der gelernte Ingenieur und Maschinenbauer von früheren Zeiten erzählt, schwingt kein wehmütiger Unterton mit, obwohl es dafür durch­aus Gründe gäbe. Denn Suhl hat bessere Zeiten erlebt. Als Standort großer Werke, in denen Mopeds, Elektrogeräte, Spezialmaschinen und Jagdwaffen hergestellt wurden, zählte die Stadt einst zu den bedeutendsten wirtschaftlichen Zentren Thüringens. Doch im Zuge von Wiedervereinigung und Globalisierung geht seit Mitte der 90er-Jahre die Zahl der Arbeitsplätze und Einwohner zurück. Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt. Mittlerweile stellt der Gesundheitsbereich die meisten Arbeitsplätze.

Allein das SRH Zentralklinikum beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. „Es ist einer der größten Arbeitgeber und wichtig für die Region. Deshalb habe ich auch nicht lange gezögert, als mich Klinikchef Thomas Wolfram im Frühjahr letzten Jahres anrief und fragte, ob ich mir vorstellen könnte, das Amt des Patientenfürsprechers zu übernehmen“, erklärt Müller.

Die Idee kommt an

Rüdiger Müller am Bett einer Patientin

Ziel des Klinikums ist, von Patienten zu erfahren, wie sie ihren Aufenthalt im Klinikum empfinden, und somit Ver­besserungspotenziale aufzudecken. So kann das Krankenhaus seinen Service weiter optimieren und als Wettbewerber in der Region Pluspunkte sammeln.
Müller sieht sich als neutralen Vermittler zwischen Patienten und Klinikum. „Ich gebe das, was ich höre, eins zu eins an die Klinikleitung weiter. Dabei lasse ich mich nicht vor den Karren spannen, um irgendwelche Interessen durchzusetzen.“ Seit mehr als einem Jahr kommt er einmal pro Monat ins Krankenhaus. Im Erdgeschoss hat er ein Zimmer, wo ihn die Patienten aufsuchen und ihm ihre Beschwerden und Nöte mitteilen können. „Doch das Angebot nutzten nur wenige Menschen; die Hemmschwelle ist halt doch groß“, meint Müller. Deshalb hat er schon bald nach seinem Amtseintritt selbst die Initiative ergriffen. Er hinterlässt seine Handynummer an der Tür und besucht die Menschen auf der Station. Von 10 bis 14 Uhr nimmt er sich für die Patienten Zeit, und es gelingt ihm, mit 30 bis 40 Menschen zu sprechen.

Neun von zehn Patienten finden die Idee des Patientenfürsprechers gut. „Sie sind froh über jedes gute Wort, das man an sie richtet. Für viele bin ich ein ganz normaler Besucher, dem man sein Herz ausschütten kann. Ich unterbreche dann nicht und lasse die Menschen erzählen; und ich erfahre auf diesem Weg, wenn jemand aus irgendeinem Grund mit der Klinik unzufrieden ist“, sagt Müller.

Gerade ältere Menschen berichten von allen möglichen kleinen und manchmal auch größeren Widrigkeiten, die ­ihren Krankenhausaufenthalt beschwerlich machen: Mal quietschen die Rollen am Bett, mal hängt der Haken für die Waschlappen zu hoch. Mal bemängeln sie, dass sie keine Sitzgelegenheit in der Dusche haben; mal, dass zu wenige Rollatoren auf der Station zur Verfügung stehen oder sich keine Aufstehhilfen am Bett befinden.

Zuweilen kommt der Vorwurf, der Rhythmus der Medikamentengabe würde nicht eingehalten werden. Manchmal kommt es auch zu Missverständnissen zwischen Arzt und Patient wie in folgendem Beispiel: Eine Magenspiegelung steht an, und der Arzt sagt: „Das ist keine große Sache, das ist schnell ­erledigt.“ Der Patient denkt: „Er macht das oberflächlich, um schneller fertig zu sein.“ Dabei will der Arzt den Patienten nur beruhigen.

Für viele bin ich ein ganz normaler Besucher, dem man sein Herz ausschütten kann. Ich unterbreche dann nicht und lasse die Menschen erzählen.

Rüdiger Müller

Pluspunkt Popularität

„Ob mir ein Aspekt unwichtig oder wichtig erscheint, spielt erst einmal keine Rolle“, sagt Rüdiger Müller. Er notiert sich alle Punkte fein säuberlich in ein Protokollheft und bespricht diese mit den leitenden Angestellten im Krankenhaus, etwa mit Susanne Ludwig, der Pflegedirektorin am SRH Zentralklinikum Suhl. Sie sieht das Amt des Patientenfürsprechers als wichtige Ergänzung, zum Beispiel zur Befragung der Patienten, die in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe METRIK durchgeführt wird und an der sämtliche  ­SRH Kliniken teilnehmen. „Wir nehmen die Kritik der Patienten sehr ernst und beheben die Mängel nach Möglichkeit umgehend“, erklärt sie.

So konnten die Klinikverantwortlichen die Wartezeiten in der Notaufnahme wesentlich reduzieren. Und Ärzte werden geschult, damit sie den Patienten medizinische Sachverhalte angemessen erklären und Missverständnisse künftig vermeiden können.

Rüdiger Müller sieht sich in seiner Rolle bestätigt: „Für mich sind es die schönsten Momente, wenn ich sehe, dass das Krankenhaus aufgrund meiner Gespräche Dinge zum Positiven hin verändert.“

Sein Ansehen und seine Bekanntheit hier am Ort erleichtern ihm seine Aufgabe enorm. Durch sein ehemaliges Wirken als Bürgermeister und seine ­vielen Ehrenämter – so ist er leitendes Mitglied im Seniorenbeirat, als Vorstand im Sportverein sowie als Sprecher der Agenda 21 tätig – kommt er mit vielen Menschen in Kontakt.

Darunter sind auch viele niedergelassene Ärzte und ehemalige Patienten, die ihm von ihren Erfahrungen mit dem SRH Zentralklinikum Suhl berichten. Immerhin ein Drittel der gesamten Informationen, schätzt Müller, erhalte er durch Gespräche außerhalb des Krankenhauses. „Mitunter“, erzählt er, „sprechen mich sogar Menschen an, wenn sie mich auf der Straße sehen.“

Georg Haiber



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SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.

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