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Eine perfekte Kombination

Eine perfekte Kombination (Foto: Dr. Bernd Mattiesen)

Im Feldlager und im Hörsaal zugleich: Dr. Bernd Mattiesen ist Generalarzt der Bundeswehr in Kabul – und absolviert gerade den Master-Studiengang Health Care Management an der SRH FernHochschule Riedlingen.

Bernd Mattiesen hat seinen Laptop eingeschaltet und sein Headset aufgesetzt. Konzentriert verfolgt er über das Internet seine Vorlesungen und Seminare des Masterstudiengangs Health Care Management. Mattiesen ist einer von derzeit 2.800 Studierenden an der Fernhochschule Riedlingen. Wer hier eingeschrieben ist, absolviert Unterrichtseinheiten und Prüfungen nicht wie üblich im Hörsaal einer Uni, sondern überwiegend mithilfe von Computer und Internet. Bernd Mattiesen allerdings ist so weit entfernt von seiner Hochschule wie wohl kaum ein anderer seiner Kommilitonen: Der 56-Jährige ist Generalarzt der Bundeswehr und seit November 2013 als Chief Medical Advisor der internationalen Schutztruppe ISAF für den gesamten Sanitätsdienst der NATO in Afghanistan verantwortlich.

Doch der Auslandseinsatz und seine verantwortungsvolle Position hindern Mattiesen nicht daran, sein Fernstudium vom Feldlager der ISAF aus durchzuziehen. Im Jahr 2012 hatte sich Mattiesen dazu entschlossen, noch einmal die Schulbank zu drücken – mit 54 Jahren, wenn so manch ein Berufstätiger schon langsam mit Rente, Ruhestand oder Altersteilzeit liebäugelt. Sein Ziel: das eigene Wissen im Bereich Gesundheitsversorgung und -management noch einmal auf den neuesten Stand zu bringen. „Ich habe in meiner Zeit beim Verteidigungsministerium gemerkt, dass die jungen Nachwuchsführungskräfte mir zwar bei der Erfahrung nicht das Wasser reichen können, aber gleichwohl über erhebliches Wissen und Management-Fähigkeiten verfügen. Das war für mich der entscheidende Ansporn“, begründet der Mediziner seinen Entschluss.

Ein Fernstudium in Kabul – für den Generalarzt bedeutet das, regelmäßig zwischen zwei Welten wechseln zu müssen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Während Mattiesen tagsüber dafür sorgt, dass die medizinische Versorgung in den Feldlazaretten gewährleistet ist und Fachgespräche mit afghanischen Chefärzten führt, sitzt er abends in Uniform in seinem Container-Büro und fachsimpelt während einer Online-Vorlesung via Chat oder Mail mit seinen Mitstudenten und Professoren über Rechnungswesen und Managementfragen – im Hintergrund die kargen Berge des Hindukusch. 

Lebenslanges Lernen ist ein Muss

Bernd Mattiesen ist ein Paradebeispiel dafür, dass lebenslanges Lernen und Studieren weder eine Frage des Alters noch der beruflichen Position ist, sondern längst zu einem Muss für jeden Berufstätigen geworden ist: „Die rasanten technischen Weiterentwicklungen machen eine lebensbegleitende Weiterqualifizierung für alle zwingend erforderlich“, sagt Professor Peter J. Weber. Er ist Rektor der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien in Calw und beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Erwachsenen- und Weiterbildung. 

Ein Grund für die wachsende Bedeutung: Die Erwerbsbiografien von heute haben immer mehr Brüche, denn in vielen Branchen entstehen ständig neue Berufsbilder. Bildungsexperte Weber ist davon überzeugt, dass sich Berufstätige von der Vorstellung verabschieden müssen, das ganze Arbeitsleben lang einen einzigen Beruf auszuüben: „Künftig wird es ganz normal sein, seinem Lebenslauf alle fünf, zehn oder 15 Jahre eine neue Richtung zu geben.“

Ein solcher Richtungswechsel lässt sich beispielsweise mit einem Masterstudiengang einleiten. „Mit einer Spezialisierung bereite ich mich auf einen neuen Karriereschritt vor – sei es einen Branchenwechsel oder auch eine Beförderung“, sagt Professor Weber und fügt hinzu: „Das lohnt sich meist auch finanziell. Denn über einen Masterabschluss rutschen Angestellte häufig in höhere Gehaltsstufen oder qualifizieren sich beispielsweise erst für den gehobenen Dienst in der öffentlichen Verwaltung.“ Auch ihr bereits seit Jahren in der Praxis angewendetes Wissen auf den neuesten Stand zu bringen und um akademisches Handwerkszeug und Methoden zu ergänzen, motiviert viele erfahrene Praktiker noch einmal, in die Rolle des Studenten zu schlüpfen.

Austausch mit Kommilitonen motiviert

Wie Mediziner Bernd Mattiesen, der den Rollentausch auf Zeit sehr genießt. Auch wenn das Gros seiner Kommilitonen mit 25 bis 35 Jahren eher im Alter seiner eigenen Söhne ist und dem 56-Jährigen­ das lockere „Du“ zwischen den Studenten zumindest am Anfang eher schwergefallen ist, „weil Duzen im Bundeswehr-Alltag eher unüblich ist“, erklärt er. „Ich finde den Austausch mit den anderen Studierenden spannend und bereichernd – und sehe den Kontakt über die Berufstätigkeit hinaus als eine ausgesprochen angenehme Erweiterung meines Horizonts“, sagt Mattiesen, der voraussichtlich im Herbst sein Studium abschließen wird. Auch wenn er beruflich bereits sehr viel erreicht hat, sieht der Generalarzt in seiner derzeitigen Position oder auch bei künftigen Aufgaben innerhalb der Bundeswehr, etwa bei der Leitung eines Bundeswehrkrankenhauses, zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten des Gelernten. Und auch nach einem späteren Ausscheiden aus den Streitkräften kann sich Bernd Mattiesen eine Tätigkeit beispielsweise als Berater im Gesundheitswesen vorstellen. 

So unterschiedlich die Gründe für eine Weiterbildung sind, so vielfältig sind auch die Möglich­keiten, ein berufsbegleitendes Studium zu absolvieren: So bieten die SRH Hochschulen zahlreiche berufsbegleitende Studiengänge an – in verschiedenen Varianten. Beim berufsbegleitenden Präsenzstudium etwa finden Vorlesungen und Seminare meist in den frühen Abendstunden und an den Wochenenden oder in intensiven Blockwochen statt. Einige der regulären Masterstudien­gänge werden aber auch von Angestellten genutzt, die beispielsweise in Teilzeit arbeiten und deshalb die Veranstaltungen vor Ort besuchen können.

Klarer Vorteil der Präsenzphasen: Die Vereinsamungsgefahr ist geringer. „Man darf nicht unterschätzen, dass Lernen auch ein sozialer Prozess ist, denn in der Diskussion festigt sich der Lernstoff, und das Miteinander motiviert“, weiß Professor Weber. Deshalb sind auch bei den Fernstudien­gängen der SRH Hochschulen regelmäßige Präsenztage vorgesehen. Bei Online-Seminaren und -Vorlesungen findet ein reger Austausch über Skype, Chat oder E-Mail zwischen Dozenten, Pro­fessoren und Studierenden statt.

Prüfungen des dritten Semesters im ISAF-Feldlager in Kabul

Denn nicht jeder Job lässt sich mit Vor-Ort-Präsenz vereinbaren, wie das Beispiel von Generalarzt Mattiesen zeigt. Als er sich für das Fernstudium an der Riedlinger Hochschule entschied, ahnte er zwar noch nichts von seinem bevorstehenden Afghanistan-Einsatz, „aber auch in Deutschland war ich viel unterwegs und zeitlich sehr eingebunden, deshalb wollte ich ein Studium mit möglichst angepasster Pflichtanwesenheit“, sagt der Bundeswehr-Mediziner. Und mit großer Flexibilität. „Als ich von meiner Versetzung nach Kabul erfuhr, habe ich meinen Professor angerufen und gesagt, jetzt können Sie unter Beweis stellen, dass Sie eine echte Fernhochschule sind“, erinnert sich der Generalarzt lachend. Seine Prüfungen des dritten Semesters legte Mattiesen im ISAF-Feldlager in Kabul ab – unter der Aufsicht eines erfahrenen Bundeswehr-Ausbilders und zeitgleich mit seinen Kommilitonen im mehr als 5.000 Kilometer entfernten Deutschland. Auch seine Seminararbeit im Fach Projektmanagement präsentierte Mattiesen via Internet von seinem Dienstzimmer in Kabul aus: „Erst hatten wir Probleme mit der Internetverbindung, aber schließlich konnte ich doch noch mit Headset und Folien meine Arbeit präsentieren“, erzählt der 56-Jährige.

Reisezeiten zum Lernen nutzen

Studieren unter erschwerten Bedingungen – das ist für den angehenden Master-Absolventen Alltag in Kabul: „Wir haben hier im Camp zwar eine gute Internetverbindung, aber besonders spätabends kommt es schon mal zu Überlastungen und langen Ladezeiten“, sagt Mattiesen, der auch zu Hause überwiegend abends und am Wochen­ende seine Studienmaterialien von der Hochschule durcharbeitet. „Da ich im Feldlager wenig private Ablenkungen etwa durch Familie und Freunde habe, ist das Lernen eine ausgesprochen willkommene Abwechslung“, sagt der Generalarzt, der zwei erwachsene Söhne und zwei Enkeltöchter zu Hause in Deutschland hat. Freitags sitzt Mattiesen besonders häufig über seinen Schulungsunterlagen, denn der Freitag entspricht in einem muslimischen Land wie Afghanistan dem Sonntag. Als er noch in Deutschland stationiert war, nutzte er auch längere Reisezeiten im Dienstwagen oder in der Bahn zum Lernen.

Keine Zeit zum Weiterbilden – Master-Student Mattiesen zeigt, dass diese Ausrede nicht zählt. Ohne Disziplin, Durchhaltewillen und eine gehörige Portion Motivation geht es allerdings nicht. Denn Lernen muss sein – und das kostet viel Freizeit. Im Schnitt, so schätzt Mattiesen, hat er zwischen 16 und 20 Stunden pro Woche in sein Masterstudium investiert. Neben dem Job. Eine Investi­tion, die sich aus Sicht des 56-jährigen Generalarztes gelohnt hat: „Das Studium war eine sehr gute Entscheidung: Ich erkenne jetzt sofort, wenn mich jemand mit Management-Kauderwelsch und leeren Worthülsen zu blenden versucht – und habe damit eine weitere akademische Basis für das geschaffen, was ich ohnehin seit Jahren mache, nämlich als Führungskraft und Manager im Gesundheitswesen zu arbeiten.“

„Das Thema hat in den letzten Jahren eine neue Dynamik bekommen“

Eine perfekte Kombination (Foto: SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien)

Professor Dr. habil. Peter J. Weber, Rektor an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien in Calw, über die Bedeutung von lebenslangem Lernen und die Einführung von Bachelor und Master.

 

Lebenslanges Lernen ist zur Bringschuld für jeden geworden, sagen Sie. Ist das ein neuer Trend?

Nein, der Grundgedanke der Erwachsenenbildung beschäftigt die Wissenschaft schon seit den 70er-Jahren. Das Thema hat aber in den vergangenen Jahren unter anderem durch die rasante Technisierung des Lebens und der Arbeitswelt eine neue Dynamik bekommen. Weitere Gründe sind drama­tische gesellschaftliche Entwicklungen wie eine durch den demografischen Wandel alternde Gesellschaft, der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft und die Zunahme der globalen Konkurrenz. Lebenslanges Lernen ist kein deutsches Phänomen, sondern ein europäisches, ein internationales.

 

Welche Rolle spielt die Einführung von Bachelor und Master?

Durch die Hochschulreform im Rahmen des Bologna-Prozesses wurde die Grundlage für das lebensbegleitende Lernen nicht nur an den Hochschulen gelegt: Der Bachelor ist dabei der erste berufsqualifizierende Abschluss im Hochschulbereich. Der darauf aufbauende Master führt dann erst zur rich­tigen Akademisierung, im Idealfall nicht nur einmal im Leben. 

Hier bieten besonders private Hochschulen eine große Flexibilität und pass­genaue Zuschneidung der Angebote auf die individuellen Bedürfnisse von Berufstätigen, Arbeitswelt und Gesellschaft.

 

Ein Studienabschluss alleine reicht also heutzutage nicht mehr aus?

In vielen Branchen werden in den kommenden Jahren mehrere sich ergänzende Master-Abschlüsse zur Normalität werden. Das gilt vor allem für IT-Berufe oder Ingenieur- und Naturwissenschaften. Auch in Wirtschaft, Personal und Marketing ist der Wandel groß. Es muss aber sicherlich nicht immer gleich ein komplettes Studium sein. In vielen Fällen reichen kontinuierliche Weiterbildungen, um den Anschluss nicht zu verpassen. Ganz ohne Weiterqualifizierung wird aber heutzutage keiner mehr 40 bis 50 Jahre Berufstätigkeit erfolgreich absolvieren können. Das steht fest.

Katja Stricker

ISAF

Die Abkürzung ISAF bedeutet International Security Assistance Force oder auf deutsch Internationale Sicherheitsunter-stützungstruppe. Sie ist eine aus knapp 130.000 Soldaten bestehende Militäreinheit, die unter Führung der NATO die öffentliche Sicherheit in Afghanistan herstellen und aufrechterhalten soll. 

Job und Studium verbinden

Fernstudium oder Präsenzschulung – wer sich zusätzlich zum Job weiter-bilden will, findet an den SRH Hochschulen ein breites Angebot. Auch zahlreiche reguläre Masterstudiengänge eignen sich für Berufstätige, da die Lehrveranstaltungen nur an zwei oder drei Tagen pro Woche stattfinden.

SRH FernHoch-schule Riedlingen

Eine perfekte Kombination (Foto: SRH FernHochschule Riedlingen)

Die SRH FernHochschule Riedlingen ist auf flexible Studienmodelle spezialisiert und bietet insgesamt acht Bachelor und sechs Masterstudiengänge berufs- beziehungsweise ausbildungsbegleitend an. So zum Beispiel die Bachelorstudiengänge Betriebswirtschaft, Medien- und Kommunikationsmanagement, Gesundheitsmanagement sowie Lebensmittelmanagement und -technologie. Das Master-Angebot umfasst unter anderem Spezialisierungen in den Fachrichtungen Health Care Management, Wirtschaftspsychologie sowie Corporate Management und Governance. Daneben können im Fernstudium auch Weiterbildungen in den Bereichen Betriebswirtschaft, Management und Gesundheitsökonomie für Mediziner absolviert werden.

SRH Hochschule Heidelberg

Eine perfekte Kombination (Foto: SRH Hochschule Heidelberg)

Das Institut für wissenschaftliche Weiterbildung und Personalentwicklung (IWP) an der SRH Hochschule Heidel­berg bietet Berufstätigen mit und ohne Hochschulreife berufsbegleitend die Möglichkeit, praxisnahe Seminare, Trainings und Qualifizierungen zu absolvieren, unter anderem Sicherheitsmanagement im Fußball, Arbeits­integrationsmanagement, Management und Leadership in sozialen Organisationen sowie eine Fortbildung zum Kommunikations- und Teamtrainer. Die Ausbildungsdauer liegt in der Regel bei sieben bis 15 Monaten. Zudem gibt es einen berufsbegleitenden Masterstudiengang Management und Leadership.

SRH Hochschule Berlin

Eine perfekte Kombination (Foto: SRH Hochschule Berlin)

An der SRH Hochschule Berlin steht Internationalität im Fokus: Dort studieren und lehren Menschen aus mehr als 40 Nationen. Speziell für Berufstätige, die Job und ein weiterführendes Studium verbinden wollen, bietet die Hochschule derzeit zwei Executive-Programme an: den Master of Business Administration, der sich an Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung richtet, sowie den MBA Healthcare Management, der für erfahrene Berufstätige aus dem Gesundheitswesen konzipiert wurde, die ihre sektorspezifischen Kenntnisse mit Management- und Führungskompetenz ergänzen möchten.

SRH Hochschule für Logistik und Wirtschaft Hamm

Eine perfekte Kombination (Foto: SRH Hochschule Hamm)

Die SRH Hochschule Hamm hat sich auf die Zukunftsbranchen Logistik und Energiewirtschaft spezialisiert und bietet unter anderem die auf Berufstätige zugeschnitte­nen Bachelor-Fernstudiengänge Logistik und Energiewirtschaft an. Das berufsbegleitende Bachelor­programm wird durch den Studiengang Betriebswirtschaft komplettiert. Darüber hinaus können die Masterstudiengänge Logistics Management, Management Energiewirtschaft sowie Supply Chain Management auch im Fernstudium absolviert werden.

Ausführliche Informationen zum Aus- und Weiterbildungsangebot der SRH Hochschulen unter 

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