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Bildung05.06.2013

Fabiana Herbel startet Hilfsprojekt in Afrika

EINE STUDENTIN MACHT SCHULE

Fabiana Herbel

Die Herzlichkeit, mit der Fabiana Herbel empfangen wurde, hat sie davon überzeugt: Hier will ich helfen.

Eigentlich war der Aufenthalt in Ghana als einmalige Aktion geplant. Fabiana Herbel wollte dort an einer Schule für Bedürftige mithelfen. Doch dann stellt die Studentin der Sozialen Arbeit an der SRH Hochschule ein Hilfsprojekt auf die Beine – dessen Erfolg sie selbst überrascht. 

Im Herbst 2010 besteigt Fabiana Herbel das Flugzeug nach Ghana. Ihr Ziel ist Ofankor, ein kleines Dorf unweit von Accra. Dort will sie drei Monate an einer Schule mitarbeiten, in der Kinder aus ärmsten Verhältnissen kostenlos unterrichtet werden. Aber es kommt anders als geplant. Sie ist bestürzt über die Zustände. „Es fehlte am Nötigsten. Es gab weder Tische noch Stühle, ge- schweige denn genug Trinkwasser“, erinnert sich die 22-jährige Kurpfälzerin. Die Lebensfreude der Menschen, die nach westlichen Standards in bitterer Armut leben, beeindruckt und berührt sie. Vor allem die Kinder wachsen ihr ans Herz. Rasch reift in ihr der Entschluss: Sie will sich weiterhin für die Dorfschule engagieren. „Die Zeit war eine der schönsten meines Lebens. Ich musste einfach weitermachen, damit die Kinder Chancen auf eine bessere Zukunft haben“, sagt Herbel. 

Ungeliebte Heldenrolle

Über ihr Ghana-Engagement zu sprechen, ist der zierlichen jungen Frau, die bereits von Kindesbeinen an einen ausgeprägten Helferinstinkt entwickelt hat, ein bisschen unangenehm. „Ich war schon immer sofort zur Stelle, wenn Not am Mann oder an der Frau war“, erzählt die Studentin, die lieber im Stillen agiert und die das Medieninteresse an ihrer Person nicht so recht nachvollziehen kann. Sich für eine gute Sache zu engagieren, ist für sie selbstverständlich, auch wenn es ihr manchmal fast zu viel wird, neben Studium und Aushilfsjobs immer wieder Zeit für einen Vortrag abzuknapsen, von ihren Erlebnissen und den Fortschritten zu berichten, um dadurch Menschen für das Projekt zu begeistern und zum Spenden zu animieren. Rund 11.000 Euro hat sie schon eingesammelt und selbst nach Ofankor gebracht – auf eigene Kosten. Mit dem Geld hat die Schule das Grundstück gekauft, zwei neue Räume gebaut und Unterrichtsmaterial angeschafft.

Der Erfolg und dass sich so viele Menschen für das Projekt interessieren, das habe sie selbst überrascht, gesteht Fabiana Herbel. Der Aufbau der Schule sei ja nicht geplant gewesen. Überhaupt sei sie nur durch Zufall nach Ghana gekommen. Ursprünglich wollte sie nach dem Abitur als Au-pair arbeiten. Doch ein dreiwöchiges Praktikum, das sie während der zwölften Klasse an einer Einrichtung für Kinder mit Behinderung in Äthiopien absolvierte, weckte in ihr den Wunsch, nach Afrika zurückzukehren. Herbel versteht sich jedoch keineswegs als Weltverbesserin. Sie kennt ihre Stärken und ihre Grenzen. Entschlossen und diszipliniert arbeitet sie auf ihre Ziele hin. „Wenn ich etwas will, dann ziehe ich das durch“, sagt sie energisch. Sie nimmt Dinge gern selbst in die Hand und kümmert sich daher persönlich darum, was mit den Spendengeldern in Ofankor geschieht: Sie macht Handwerker ausfindig, verhandelt und feilscht, immer in Be- gleitung einer Person, der sie vertraut und die weiß, wo man das Benötigte organisieren kann. „Es gibt keine Geschäfte oder Betriebe wie bei uns. Alles spielt sich auf der Straße ab, und vieles läuft über Mundpropaganda, Kontakte und Tipps. Jemand kennt einen, der handwerklich begabt ist, der wieder jemanden kennt, der einen Ofen hat, um Ziegelsteine zu brennen, und so fort“, erzählt Herbel.

Fabiana Herbel

Die Kinder von Ofankor sind Fabiana Herbel ans Herz gewachsen.

Getrennte Welten 

Dreimal war die Studentin bereits in Ofankor. Und jedes Mal ist es für sie wie ein kleiner Schock, wenn sie wieder nach Deutschland kommt. Wo sich die Menschen über schlechtes Wetter aufregen. Wo fünf Euro kaum etwas wert sind. Womit man in Ghana jedoch eine Impfung bezahlen, ein Menschenleben retten kann. Sie weiß, solche Gedanken zermürben nur; sie zieht daher eine klare Linie zwischen den beiden Welten. Dabei hilft ihr auch das Studium an der SRH Hochschule Heidelberg. „Wir lernen, durch Selbstreflexion einen gesunden Abstand zur Arbeit zu halten, damit wir uns durch schwere Schicksale, mit denen wir später im Beruf konfrontiert werden, nicht komplett vereinnahmen lassen und Gefahr laufen, seelisch auszubrennen“, erklärt die junge Frau. 

Die engagierte Kurpfälzerin ist froh, an der SRH Hochschule zu studieren. Die praxisnahe Aus- bildung genießt einen hervorragenden Ruf in der Branche. Der Unterricht macht Spaß, weil die Dozenten im Beruf stehen und Inhalte wie Familienrecht, Psychologie oder Jugendarbeit anschaulich vermitteln können. „Wir werden sehr gut auf den Berufsalltag vorbereitet. Das ist nicht selbstverständlich“, weiß Herbel aus ihrem Freundeskreis. Zudem werden viele Bereiche abgedeckt. So kann sie erst einmal schauen, ob sie später mit gehandicapten Menschen oder doch lieber in der Entwicklungshilfe arbeiten will.

Praxiserfahrung hat sie bereits zuhauf: An zwei Wochenenden im Monat betreut sie geistig und mehrfach behinderte Menschen an einer Einrichtung der Lebenshilfe Wiesloch; in den Ferien arbeitet sie sogar noch mehr. Zusätzlich hat sie eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft an der SRH Hochschule Heidelberg. Damit finanziert sie ihren Lebensunterhalt. Die Studiengebühren bezahlen ihre Eltern. Job und Studium halten sie häufig bis in die Nacht auf Trab. „Ghana ist mein Ausgleich“, sagt die Vielbeschäftigte. An dem Projekt hängt ihr Herzblut, obwohl es manchmal Segen und Fluch zugleich ist, weil es an Zeit und Geld fehlt. Dennoch sagt Herbel wieder zu, ein Interview zu geben. Und trotzdem schafft sie es erneut, die Reisekosten aus eigener Tasche zu finanzieren. Im Winter will sie wieder nach Ofankor. Davor muss sie aber noch kräftig die Werbetrommel rühren und Spendengelder sammeln, damit sich der Flug lohnt und das Projekt voran- kommt. Dieses Mal soll endlich der Waschraum mit Toilette gebaut werden. 

HEIKE LINK

KINDERN EINE CHANCE GEBEN

Rund 80 Kinder im Alter zwischen vier und elf Jahren werden an der Schule in Ofankor kostenlos unterrichtet. Die Gründerin Elizabeth Bervell, eine ehemalige Lehrerin, finanzierte das Projekt bislang mit ihrer kleinen Rente. Jede Unterstützung ist willkommen. 

Fabiana Herbel, Kontonummer: 10282918

BLZ: 67292200

Volksbank Kraichgau

Spendenbescheinigungen können erst nach Gründung des Fördervereins im Sommer dieses Jahres ausgestellt werden.

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