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„Es nützt nichts, nur ein guter Mensch zu sein …“

In Dutzenden von Projekten setzen sich die SRH und ihre Mitarbeiter tat­­kräftig für geflüchtete Menschen ein – in ihrer täglichen Arbeit und ehren­amtlich nach Dienstschluss. Beispiele für eine große Hilfsbereitschaft.

Kraftlos steht die Wintersonne über der Ägäis. Am Horizont ein schwankender Punkt. Christoph Fehn greift zum Fernglas, um das Flüchtlingsboot zu beobachten. Mit seinem Kollegen Manfred Kuhbier patrouilliert Fehn in einem Geländewagen im Norden der griechischen Insel Lesbos. Als das Schlauchboot schließlich auf den Kiesstrand schrammt, sind Rettungsschwimmer, Ärzte und freiwillige Helfer wie Fehn und Kuhbier zur Stelle. Sie heben die durchnässten, frierenden Menschen aus dem Boot, verteilen Decken und trockene Kleidung.

Mehr als 1.500 Geflüchteten hat Christoph Fehn zwischen Dezember und Januar nach ihrer lebensge­­­fährlichen Überfahrt an Land geholfen. Fehn und Kuhbier, beide Fachlehrer an der SRH Stephen-Haw­king-Schule in Neckargemünd, setzten da­für ihre Weihnachtsferien ein, freiwillig. Nachrichten von ertrunkenen Menschen hatten den 57-Jährigen keine Ruhe gelassen. Schließlich wollten sie „mehr tun als für Hilfsorganisationen auf Facebook ͵gefällt mir’ anzuklicken“, sagt Fehn.

Für Menschen im Einsatz

So wie die beiden Männer haben viele SRH Mitarbeiter den Wunsch, sich zu engagieren. Die große Resonanz auf die SRH Initiative für Flüchtlinge hat das gezeigt. „Das liegt sicher auch daran, dass viele Mitarbeiter in helfenden Berufen arbeiten“, sagt Oliver Kitter-Ohlms, der zusammen mit Dr. Stefan Müller die SRH Initiative koordiniert. Außerdem haben viele im Arbeitsalltag Kontakt zu Asylsuchenden. Denn auch als Unternehmen ist die SRH in der Flüchtlingshilfe aktiv. „Unsere Kernkompetenzen in der SRH sind Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen. Mit diesem Know-how entwickeln wir konkrete Angebote, die Flüchtlinge brauchen“, erklärt Prof. Dr. Christof Hettich, Vorstandschef der SRH. 

So sind unter anderem die SRH Kliniken in Gera und Suhl an den Aufnahmeuntersuchungen und der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen beteiligt. Die SRH Hochschule Heidelberg plant, ein Programm für den Hochschulzugang von Flüchtlingen umzusetzen. Speziell für geflüchtete Kinder und Jugendliche hat das Berufsbildungswerk Neckargemünd Deutsch- und Integrationskurse entwickelt, die von den Kommunen nachgefragt werden. Das Berufsbildungswerk Dresden bietet      Deutschunterricht an, bis der Schulbesuch geklärt ist. Dort werden seit Januar auch 16 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Neun Vollzeitkräfte unterstützen die 15- bis 17-Jährigen aus Syrien und Afghanistan beim Lernen, Einkaufen oder Kochen.

Anpacken statt aufgeben

Alles Eindrücke, die keiner nach Feierabend einfach so vergisst. Und so packen viele SRH Mitarbeiter auch ehrenamtlich kräftig mit an. Koordinator Kitter-Ohlms berichtet von Ärzten arabischer Herkunft, die in ihrer Freizeit dolmetschen, oder von Klinikmitarbeitern, die für Neugeborene die Erstausstattung besorgen. Einem jungen Bombenopfer haben die Ärzte am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach seine Lebensqualität zurückgegeben und verzichteten dabei auf ihr Honorar. Mitarbeiter der SRH Hochschule Berlin geben Sprachunterricht. Studenten der SRH Hochschule der populären Künste produzieren mit Flüchtlingen eine professionelle CD und spenden die Einnahmen. 

Christoph Fehn und Manfred Kuhbier haben auf Lesbos von der SRH gespendete Notfallrucksäcke für die erste Hilfe am Strand im Gepäck. Schnell werden die beiden Deutschen auch als „German Carpenters“ bekannt: Kuhbier ist gelernter Schreiner, Fehn dank der schuleigenen Holzwerkstatt geübt. An der felsigen Küste bauen sie eine Rampe für Rettungsboote oder schrauben tagelang Regale für Hilfsgüter zusammen. Auch im Camp Pikpa, einem Lager für Kinder, kranke und behinderte Menschen. Doch wie hält man das viele Leid auf Dauer aus? „Man darf sich diese Schicksale nicht zu eigen machen, sonst verzweifelt man“, sagt Fehn dazu. In den Sommerferien will er wieder mit anpacken – auf Lesbos oder wo er je nach politischer Lage dann helfen kann. „Es nützt nichts, nur ein guter Mensch zu sein, wenn man nichts tut“, lautet ein Buddha-Zitat. Fehn hat es auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. 

Text Liane Borghardt Fotos: privat 

Einige Beispiele, wie sich SRH Mitarbeiter einsetzen

Spiel ohne Grenzen

Fotos: SportStift e.V.; Asylarbeit Nordhausen Spiel ohne Grenzen

Eine der größten Flüchtlingsunterkünfte in Heidelberg liegt am Stadtrand. Christian Kempf, 28, und Johannes Sauerwein, 30, wollen etwas tun, um Asylsuchende in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Deshalb haben die beiden Absolventen des Masterstudiums Sportmanagement an der SRH Hochschule Heidelberg einen Verein zur Inklusion über Sport gegründet. Startschuss für den „SportStift“: ein „SPIELTAG“ für 24 Flüchtlingskinder im Grundschulalter, die sich auf dem Hochschul-Campus beim Hindernislauf oder Fußball austoben. Ausgestattet mit neuen Turnschuhen und Trikots aus Spenden der SRH und der TSG 1899 Hoffenheim. Neben einem guten Sportleressen – „Pasta, was sonst?“ – halten Kempf und Sauerwein ein Memoryspiel mit Lerneffekt parat: Wer hat zweimal Steffi Graf oder das deutsche Grundgesetz? Zum Abschied rufen die Kinder den Organisatoren ein begeistertes „Dankeschön!“ zu. Kempfs Fazit: „Ich habe es sehr genossen. Aber ich war platt.“ Es wird nicht der letzte „SPIELTAG“ gewesen sein, der nächste ist schon in der Planung.

Mobil auf Rädern

Zum Deutschkurs in den Nachbarort radeln, der Enge entkommen: Fahrräder sind in der örtlichen Flüchtlingsunterkunft begehrt, erfährt Manuela Wölk, die sich in der Bürgerinitiative engagiert. Die 45-jährige Krankenschwester am SRH Krankenhaus Waltershausen-Friedrichroda kontaktiert das Fund­büro und startet einen Aufruf in der Bevölkerung. Über 30 gebrauchte Räder kommen im ersten Anlauf zusammen. Zwei Helfer machen sie mit Ersatzteilen aus SRH Spenden flott. Demnächst soll neben der Flüchtlingsunterkunft auch eine Fahrradwerkstatt eingerichtet werden: „Eine Beschäftigung für die Menschen, die gerne etwas tun wollen“, sagt Wölk.

Sprache schenken

Fotos: SportStift e.V.; Asylarbeit Nordhausen Sprache schenken

Pädagogin mit Faible für Fremdsprachen: Stephanie Erne bringt alles mit, was man für Sprach- und Spielkurse in der Flüchtlingsunterkunft Nordhausen braucht. Lebhaft geht es zu, wenn dort mehr als 30 Kinder und Jugendliche von eins bis 15 Jahren zusammenkommen. „Viele von ihnen sind keinen geregelten Besuch von Kindergarten oder Schule gewöhnt“, sagt Erne, Sonderschullehrerin an der SRH Stephen-Hawking-Schule. Belohnt wird die 38-Jährige vom Wissensdurst der Kinder. Um die schnellen Lernerfolge zu unterstützen, hat die zweifache Mutter mit SRH Spenden für den Asylkreis Nordheim/Nordhausen 30 Bild- und Sprachwörterbücher angeschafft. So können die Eltern in Eigenregie mitlernen.

Nähe zeigen

„Wir sind da, und wir denken an euch“: Diese Botschaft möchte Heidrun Gerold den vielen Flüchtlingen bringen, die in direkter Nachbarschaft zu ihrem Arbeitsplatz untergebracht sind. Passend zu Nikolaus fing sie damit an. Die 60-Jährige arbeitet als Krankenschwester im SRH Wald-Klinikum Gera und organisierte mit acht Kollegen 400 Geschenktütchen mit Süßigkeiten für die Kinder. Am 6. Dezember überreichte sie der Nikolaus persönlich. Eine Dolmetscherin erklärte deutsche Bräuche und übersetzte syrische Kriegserfahrungen. Das Eis war gebrochen.

Mit der SRH Initiative für Flüchtlinge fördert das Unternehmen seit September 2015 das Engagement seiner Mitarbeiter. Diese bekommen bis zu vier Tage Sonderurlaub pro Jahr für ihr Ehrenamt. Darüber hinaus stehen insgesamt 30.000 Euro bereit, um Hilfsprojekte, die Mitarbeiter vorschlagen, auch finanziell zu unterstützen. Bis zu 1.000 Euro kann jedes einzelne erhalten. Das Angebot kommt an: Bisher hat die SRH mehr als 20 Projekte mit rund 13.000 Euro fördern können. Weitere sind auf dem Weg.

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