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Ganz in seinem Element

Nachwuchs-Paralympionike Jonathan Kluckert im Hallenbad Köpfel in Heidelberg, wo er mehrmals in der Woche trainiert.

Jonathan Kluckert schwimmt Best­zeiten. Nicht das Einzige, was der 17-Jährige mit Leidenschaft anpackt.

„Ich starte immer aus dem Becken“, erklärt Jonathan Kluckert und bringt sich im Wasser in Position, während seine Konkurrenten sich auf den Startblöcken bereit machen. „Meine Spenderniere würde den Sprung vom Block nicht verkraften“, ergänzt er trocken. „Die anderen Schwimmer fliegen beim Start an mir vorbei, diesen Vorsprung muss ich immer erst mal wieder aufholen.“ 

Dass er das echt gut hinbekommt, hat der Schüler der SRH Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd zuletzt mit 46,5 Sekunden auf 50 Meter Brust bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in Remscheid bewiesen. Dort ging es unter anderem um eine Qualifika­tion für die Paralympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Einige Wochen zuvor war Jonathan auch schon mit seinem Team beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Paralympics“ angetreten. Für ihn schon das dritte Mal. Beim Einzug in die Schwimmhalle durfte er mit der baden-württembergischen Flagge vorangehen. „Ziemlich aufregend“, so sein Fazit. 

Während Gleichaltrige viel Zeit an der Spielkonsole verbringen, lebt sich Jonathan Kluckert beim viel­seitigen Angebot seiner Schule aus, spielt Saxophon in der Schulband, zieht zweimal pro Woche seine Bahnen durchs Wasser. Der Bus zur Schwimmhalle startet direkt am Campus, Training und Stundenplan sind aufeinander abgestimmt. „Eine Riesenhilfe, damit ich alles unter einen Hut kriege“, sagt der Neuntklässler. Neben dem Hauptschulabschluss steht nächstes Jahr der Motorbootführerschein an. „Wasser ist einfach mein Element.“ Auch wenn er dabei seine körperlichen Grenzen respektieren muss. Denn Jonathan Kluckert wurde mit dem Pflaumenbauch-Syndrom geboren. „Ich war noch ein Baby, als meine einzige Niere versagte und ich zur Dialyse musste“, erzählt der 17-Jährige, der seit 2004 mit einem Spenderorgan lebt.

„Ich wusste schon als kleiner Junge, dass ich möglicherweise nicht so alt werde wie meine Freunde“, erinnert sich der Teenager, der mit Eltern und zwei Brüdern in Heidelberg lebt. „Damals habe ich mir fest vorgenommen, im Leben alles zu tun, was ich liebe.“ Dass es mit der Paralympics-Qualifikation nicht geklappt hat und das Team auch im Bundesfinale nur im Mittelfeld landete, ist da nicht so wichtig. Die Urkunden kommen trotzdem in seine Vitrine zu den Pokalen und Medaillen. „Das Leben ist kurz, ich möchte keinen meiner besonderen Momente vergessen.“ 

Text Kristina Junker Foto Andreas Reeg

Das Pflaumenbauch- oder Prune-Belly-Syndrom ist eine schwere angeborene Fehlbildung, mit der etwa eines von 30.000 Kindern, meist Jungen, auf die Welt kommt. Ein Merkmal ist, dass die Bauchmuskeln ganz oder teilweise fehlen, sodass die Bauchdecke des Babys dünn und wie eine Dörrpflaume (englisch: prune) gefältelt ist. ­Zudem sind Organe wie Nieren, Harnwege oder die Lungen unterschiedlich stark fehlgebildet. Die Ursache für das Syndrom ist bislang nicht bekannt.

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