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Gemeinsam die Zukunft planen

Gemeinsam die Zukunft planen (Foto: SRH Holding)

Prof. Klaus Hekking, Vorstandschef der SRH, entwirft die Strategie für ein Klinikum gemeinsam mit Hunderten von Mitarbeitern – und betritt damit Neuland im Gesundheitswesen.

In einem Krankenhaus sind von der Verwaltung über Ärzte bis hin zu Pflegekräften zahlreiche Berufsgruppen vertreten. An erster Stelle steht das Wohl des Patienten, aber natürlich ist es ebenso wichtig, dass sich ein Krankenhaus finanziell trägt. Wie eine Strategie am besten aussehen soll, lässt sich herausfinden, indem Management und Mitarbeiter miteinander reden und jeder seine Sicht der Dinge einbringt. Das ist allerdings noch kein Standard, besonders nicht im Gesundheitswesen. Die SRH wagt eine neue Herangehensweise und bezieht die Meinung der Beschäftigten aktiv in den Planungsprozess mit ein. 

Zur ersten Open-Space-Veranstaltung am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach sind mehr als 300 Mitarbeiter gekommen. Sie sind gespannt, was sie erwartet. Vorne steht der Vorstandsvorsitzende der SRH, Prof. Klaus Hekking, und hält eine Präsentation zur aktuellen Lage. Die wirtschaftliche Situation, aber auch Abläufe innerhalb der Fachabteilungen und Visionen für die Zukunft werden präsentiert. Auf 16 Flipcharts sind die Folien der Präsentation nochmals angepinnt. Auf den Tischen liegen Post-its, um Anmerkungen direkt neben die Folien kleben zu können. Es herrscht interessierte Stille. So allumfassend wird die Situation des Klinikums selten dargestellt – und schließlich ist jeder direkt angesprochen, sich einzubringen. Nach dem Vortrag können die Mitarbeiter entweder direkt Fragen an den Vorstand und die Geschäftsführung richten oder ihre Ideen, Wünsche und Vorstellungen auf die Klebezettel schreiben und anpinnen. Prof. Hekking und Geschäftsführer Jörg Schwarzer gehen von Tisch zu Tisch, hören sich die Meinungen an, führen Dialoge und machen sich Notizen. 

Intensiver Austausch zwischen Mitarbeitern und Vorstand

Für die meisten Mitarbeiter ist es etwas ganz Neues, mit dem obersten Vorstand und der Geschäftsführung zu sprechen. Von vielen wird die Chance gerne genutzt. Oliver Persitzky ist Pfleger in der neurologischen Frührehabilitation und sagt: „Alles in allem eine gelungene Veranstaltung. Als Mitarbeiter der neurologischen Reha interessiert mich natürlich besonders die Zukunft in diesem Bereich. Ich wünsche mir, dass der Dialog weiterhin so transparent geführt wird.“ Die Veranstaltung soll nicht nur eine Brücke zwischen Hierarchieebenen schlagen. Auch die Fach-abteilungen untereinander tauschen sich auf diese Weise verstärkt aus und können Synergien erschließen.  

Vier Monate später ist es dann so weit – der Vorstand ist wieder im Klinikum. Der Geschäftsführer stellt die Strategien und Maßnahmen mit den eingearbeiteten Vorschlägen der Mitarbeiter vor. „Wir haben durch das direkte Gespräch wertvolle Erkenntnisse gewonnen und diese in konkrete Maßnahmen für das Zukunftsprogramm gegossen. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, lassen sich bereits erreichte Ziele halten und gesteckte Ziele einfacher erreichen“, sagt SRH Vorstandsvorsitzender Prof. Klaus Hekking. Wie bei der ersten Open-Space-Veranstaltung sind Flipcharts mit den Folien der Ergebnis-Präsentation aufgebaut. Es ist ebenso wichtig, die Meinung der Mitar­beiter zur abschließenden Strategie und den konkreten Maßnahmen zu erfahren, wie es die Rückmeldung zur Bestandsaufnahme am Anfang war. 

Konkrete Ergebnisse und umfangreiche Veränderungen

Allgemein konzentriert sich das SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach wieder mehr auf seine Aufgaben als Fachkrankenhaus und möchte seinen überregionalen Bekanntheitsgrad ausbauen. Die fünf Säulen des Klinikums, die Orthopädie, die Innere- und Gefäßmedizin, die Neurologie, die Abteilung für Paraplegiologie und die Psychiatrie, sollen gestärkt werden. Weitere Maßnahmen sind, die beiden letzten, bisher nicht sanierten Ebenen des Hauses 1 zu erneuern. Die Stationen sind nach über 36 Jahren stark renovierungsbedürftig. Auch der direkt am OP angesiedelte und zurzeit ungenutzte Intensivbereich im Haus 1 soll in den kommenden Jahren wieder in Betrieb genommen werden.

Zwei neue Chefärzte, Prof. Erwin Blessing (Innere Medizin/Angiologie) und Dr. Christof Chan (Endoprothetik/Unfallchirurgie) wurden eingestellt. Um eine noch breitere Palette an Reha-Versorgungsstufen anzubieten, soll die Neurologische Rehabilitation um die Phasen C und D erweitert werden. Das wird derzeit geprüft. Ein Konzept zur Etablierung der Rehabilitation von Querschnittpatienten wird erarbeitet. Für die Mobilisierung von Querschnitt- und Schlaganfallpatienten wurde bereits ein robotergesteuerter Gangtrainer, ein sogenannter Lokomat, angeschafft. Er unterstützt die Patienten dabei, die Motorik beim Laufen zu trainieren und die Restmuskelkraft aufzubauen sowie die Rumpfstabilität zu verbessern. Außerdem wirkt sich die Gangbewegung positiv auf den Kreislauf aus. Die SRH in Karlsbad-Langensteinbach ist einer der wenigen Standorte in Deutschland, die einen Gangtrainer einsetzen. 

Der Umbau der Psychiatrie ist vom Ministerium in das Bauförderprogramm 2015 aufgenommen worden. Vor allem die Wege zwischen Tagesklinik, Ambulanz­räumen und Stationsräumen sollen kürzer werden. Um die Anzahl qualifizier­ter Mitarbeiter zu erhöhen, wurden zehn Pflegekräfte aus Bosnien-Herzegowina eingestellt. Sie verfügen über sehr gute Deutschkenntnisse und haben sich bereits gut eingearbeitet. Durch die Einführung von Kennzahlen und regelmäßigen Patientenbefragungen wird die Qualität der Arbeit messbar und transparenter gemacht und kann daraufhin zielgerichtet optimiert werden.

Anette Mayer

Bildergalerie

Open Space

„Open Space“ ist eine Konferenzmethode für große Gruppen, die in den 80er-Jahren entwickelt wurde. Sie bedeutet so viel wie „freier Raum, um über alles reden zu können“. Ziel ist es, in kurzer Zeit mit einer großen Zahl von Menschen ein umfassendes Thema lösungsorientiert zu bearbeiten und eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Je nach Zielsetzung und Durchführungsvariante kann am Ende der Veranstaltung eine Handlungsplanung stehen, in der sich Teilnehmer zur Umsetzung von Ideen aus den Arbeitsgruppen verabreden.

Paraplegiologie

Paraplegiologie ist der Fachbegriff für Querschnittlähmung. Sie tritt auf, wenn zum Beispiel durch einen Unfall die Nervenleitung im Rückenmark unterbrochen wird. In Deutschland erleiden pro Jahr rund 1.000 Menschen eine Querschnittlähmung, 80 Prozent davon sind Männer. 

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