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Gemeinsam Nachwuchs finden

Florian Post hat seine Laufbahn im Berufsbildungswerk Dresden gestartet. Heute ist er Chef seines eigenen Unternehmens

Azubis in handwerklich-technischen Berufen haben gute Perspektiven: Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Die Berufsbildungswerke der SRH fördern Karrieren wie die von Florian Post.

Sage und schreibe 118.400 technische Fachkräfte fehlen in deutschen Unternehmen, so meldet aktuell das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. In fast jedem dritten Ausbildungsbetrieb mussten im vergangenen Jahr Lehrstellen unbesetzt bleiben. Und es mangelt nicht nur an Azubis. Auch Meister, die einen Betrieb übernehmen können, sind rar. So benötigen laut dem Zentralverband allein im Handwerk 180.000 Unternehmen in den nächsten Jahren einen Nachfolger.
Beim Werkzeugschleifdienst Sisolefsky in Dresden ist dieses Problem erfolgreich gelöst. Vor zwei Jahren hat Florian Post den Betrieb übernommen – von seinem Chef, der somit beruhigt in Rente gehen konnte. Den Grundstein für diese Karriere legte Florian Post im Alter von 15 Jahren. Das Berufsbildungswerk (BBW) Dresden gab ihm damals die Möglichkeit, im Rahmen eines Vorbereitungsjahrs in verschiedene Ausbildungsberufe „hineinzuschnuppern“. „Ich habe schnell gemerkt, was mir liegt und mich schließlich für den Zerspanungsmechaniker entschieden“, sagt der heute 33-Jährige. „Ich fand es faszinierend, welch komplexe Werkzeugteile sich durch Drehen und Fräsen  herstellen lassen, ohne die beispielsweise ein Auto oder Flugzeug gar nicht funktionieren könnte.“ Dass der gebürtige Leipziger damals einen handwerklichen Ausbildungsberuf wählte, hat viele in seinem Umfeld erstaunt. Denn Florian Post hat von Geburt eine Fehlbildung der linken Hand. „Mich hat das aber nie eingeschränkt, weder privat noch beruflich“, betont er.

„Es fasziniert mich, komplexe Werkzeuge herzustellen.“

Florian Post

Zukunftsträchtiger Kontakt

Über das Berufsbildungswerk lernte er auch seinen späteren Chef kennen: Beim Werkzeugschleifdienst Sisolefsky absolvierte er eines seiner Pflichtpraktika in der Ausbildung. Dass er den Betrieb einmal selbst leiten würde, hätte er nie gedacht. Heute führt der ehemalige Azubi erfolgreich ein Team von 13 Mitarbeitern. „Das habe ich auch dem Berufsbildungswerk zu verdanken“, betont er. „Die Ausbildung dort ist fundiert und sehr gut. Das ist auch der Grund, warum ich selbst immer wieder gerne Leute aus dem BBW nehme. Man merkt ihnen einfach an, dass sich die Ausbilder dort viel Zeit für sie nehmen.“ Die Berufsbildungswerke finden zunächst gemeinsam mit den Jugendlichen heraus, welche Tätigkeiten ihnen liegen könnten. Ob kreative Berufe wie Mediengestalter oder Ausbildungen im Bereich Wirtschaft und Verwaltung – je nach Standort sind vielseitige Einstiege in den Beruf möglich. Ein großer Teil der von den BBWs angebotenen Ausbildungen liegt im gewerblich-technischen Bereich. „Hier können wir einen entscheidenden Beitrag leisten, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und wieder mehr junge Menschen für solche Berufe zu begeistern“, sagt Ralph Günther, Geschäftsbereichsleiter des Berufsbildungswerks Dresden.
Florian Post gibt seine Leidenschaft für den Beruf gerne weiter – und bleibt dabei seinen beruflichen Wurzeln treu. Aktuell beschäftigt er über das BBW einen Praktikanten, der sich schon sehr gut einbringt. „Wenn alles gut läuft, kann er übernächstes Jahr bei mir anfangen“, sagt Post.

Text Anne-Christin Giesen Fotos Amac Garbe

Die SRH Berufsbildungswerke Dresden und Neckargemünd bieten Jugendlichen mit gesundheitlichen Einschränkungen eine berufliche Erstausbildung. Die jungen Menschen können sich zwischen zahlreichen staatlich anerkannten Ausbildungsberufen entscheiden. Begleitend zur Lehre werden die Jugendlichen je nach Bedarf von Sozialpädagogen, Physiotherapeuten und Psychologen unterstützt (siehe auch SRH perspektiven 1/2017, S. 14). 

www.bbw-dresden.de

www.bbw-neckargemuend.de

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