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Gesundheit

Johannes Weidelts Augenlicht wurde gerettet

Geschenkte Augen-Blicke

Wurde vor dem Erblinden bewahrt: Heute sieht Johannes Weidelt auf seinem rechten Auge so gut wie vor dem Zentralarterienverschluss.

Seit seiner Geburt sieht Johannes Weidelt auf dem linken Auge nichts. Weil ein Blutgerinnsel die Arterie seines rechten Auges verstopfte, drohte er nun völlig zu erblinden. Dem interdisziplinären Team des SRH Wald-Klinikums Gera gelang es, das Gerinnsel aufzulösen – und Weidelt vor ständiger Dunkelheit zu bewahren.

Den 28. Februar 2009 wird Johannes Weidelt nie vergessen. An diesem Freitag stecken der frischgebackene Rentner und seine Frau Ute mitten in den Vorbereitungen für den Winterurlaub in Südtirol; am nächsten Morgen wollen sie aufbrechen. Gegen 15 Uhr bemerkt der Maschinenbauingenieur, dass mit ihm etwas nicht stimmt. „Meine Frau war gerade beim Einkaufen, und ich wollte noch einen Brief schreiben, als plötzlich alles vor meinem Auge verschwamm“, erzählt der heute 65-Jährige. „Ich sah wie durch einen immer dichter werdenden grauen Schleier, wusste nicht, was ich tun sollte, fühlte mich völlig hilflos.“ Sein Zustand verschlechtert sich rasant; schließlich erkennt Weidelt nur noch schemenhafte Konturen. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Er leidet an einem Zentralarterienverschluss (ZAV), einer Art Schlaganfall im Auge (siehe Kasten 1). Nun zählt jede Minute. Als Ute Weidelt gegen 16 Uhr nach Hause kommt, findet sie ihren Mann wie betäubt in seinem Sessel sitzend. Sie reagiert schnell und bringt ihn ins nahe gelegene SRH Wald-Klinikum Gera.

Ein Schlaganfall im Auge

Die Netzhaut des menschlichen Auges wird über eine zentrale Arterie mit Blut und Sauerstoff versorgt. Bei einem Zentralarterienverschluss (ZAV) ist sie blockiert, etwa durch ein Gerinnsel. Die Blutzufuhr stoppt, und das betroffene Auge erblindet plötzlich nahezu vollständig und schmerzfrei – ein in vielen Fällen dauerhafter Zustand. Ist nicht die Zentralarterie, sondern ein Arterien ast betroffen, ist die Sehkraft teilweise eingeschränkt, es kommt zu Gesichtsfeldausfällen.

Im Mittel liegt das Alter der Patienten mit ZAV bei etwa 60 Jahren. Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes. Männer sind doppelt so häufig von arteriellen Verschlüssen der Netzhaut betroffen wie Frauen.

Interdisziplinäre Hilfe

Chefarzt Dr. Jörg Seewald hat Johannes Weidelt behandelt.

Auch dort verliert man keine Zeit: Johannes Weidelt wird sofort in die Augenklinik aufgenommen, und Chefarzt Dr. Jörg Seewald kann umgehend mit der augenärztlichen Untersuchung beginnen. „Mir war bald klar, dass Herr Weidelt an einem ZAV litt, glücklicherweise aber noch im Anfangsstadium“, erinnert sich der Arzt. „Viele Patienten erleiden einen solchen Arterienverschluss im Schlaf und bemerken erst am nächsten Morgen, dass sie auf einem Auge blind sind.“ Dann jedoch kommt meist jede Hilfe zu spät. Denn ist die Zentralarterie des Auges blockiert, werden die Netzhautzellen nicht länger mit Blut und Sauerstoff versorgt; sie beginnen abzusterben. Nach etwa 18 bis 24 Stunden sind sie unwiderruflich zerstört.

Im Fall von Johannes Weidelt bleibt dem interdisziplinären Team aus Augenärzten, Neurologen, Internisten und Radiologen jedoch Zeit, den Patienten umfassend zu untersuchen. Per Ultraschall ermitteln die Neurologen beispielsweise die genaue Lage und Größe des Gerinnsels. „Diese Voruntersuchungen verschiedener Disziplinen sind wichtig. Damit können wir uns ein genaues Bild über den allgemeinen körperlichen Zustand des Patienten und die Ursachen für den ZAV machen, Vor- und Nachteile einer Therapie abwägen und so die individuell beste Lösung finden“, betont der Chefarzt, der mit seinem Team jedes Jahr etwa zehn bis zwölf Patienten mit ZAV behandelt. Die meisten von ihnen erhalten per Infusion spezielle Arzneimittel, die den Augendruck senken oder das Blut verdünnen und so den Thrombus auflösen sollen. Bei Johannes Weidelt jedoch entscheidet sich das Team nach eingehender Beratung für die örtliche Lysetherapie (siehe Kasten 2). „Herr Weidelt gehörte zu den eher seltenen Fällen, bei denen die Lyse überhaupt infrage kommt: Denn er war rechtzeitig bei uns und insgesamt körperlich fit“, erläutert Seewald. „Außerdem waren wir uns sicher, dass ihm die übliche Infusionstherapie aufgrund von Lage und Größe des Gerinnsels nicht helfen würde. Die Lyse war in diesem Moment die einzige Möglichkeit, sein gesundes Auge – und damit ja sein Augenlicht insgesamt – zu retten.“ Nachdem ihn Seewald über Vor- und Nachteile der Therapie aufgeklärt hat, stimmt Weidelt dem Eingriff zu. „Ich musste nicht lange überlegen, denn ich habe mich im Wald-Klinikum gut aufgehoben und beraten gefühlt“, sagt er.

Ein Katheter fürs Auge

Hat sich, etwa bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, im Körper ein größeres Gerinnsel gebildet, setzen Ärzte spezielle Medikamente ein, die den Thrombus auflösen sollen. Dieser Vorgang wird als Lyse bezeichnet, was wörtlich übersetzt so viel wie „Trennung/Auflösung“ bedeutet. Die Lyse gibt es in zwei Varianten: Entweder wird das Medikament per Katheter so dicht wie möglich am Thrombus in die Blutbahn gebracht (örtliche Lyse) oder über eine Infusion im ganzen Körper verteilt. Für die meisten Patienten ist die Lyse jedoch ungeeignet, denn sie kann nur innerhalb von etwa sechs bis acht Stunden nach Auftreten der ersten Symptome und ausschließlich in dafür eingerichteten Zentren durchgeführt werden – und nur, wenn beim Patienten keine Gegenanzeigen wie Diabetes vorliegen.

Symptome und Ursachen bekämpfen

Dank des Eingriffs klappt es heute auch wieder mit dem Lesen bei Johannes Weidelt.

Die nächsten Stunden erlebt Johannes Weidelt wie in Trance. „Ich hatte während der Lyse keine Schmerzen. Aber komisch angefühlt hat es sich schon, irgendwie dumpf“, berichtet er. Dr. Krellmann, leitender Oberarzt der Radiologie, dirigiert den Katheter durch die Leistenarterie über die Halsschlagarterie bis hinauf zum Auge. Nach knapp einer Stunde ist der Arzt so nahe wie möglich an den Thrombus herangekommen; nun kann er den Wirkstoff, der den Pfropfen auflösen soll, in die Blutbahn spritzen. „Ich glaube, das habe ich sogar gespürt“, erzählt Weidelt.

Die Lyse wirkt: Innerhalb weniger Minuten löst sich das Gerinnsel auf, und der graue Schleier verschwindet langsam. Gegen 23 Uhr erkennt Weidelt wieder Details. Doch nach Hause darf er noch nicht, da er zunächst noch auf der Intensivstation überwacht werden muss. Außerdem forschen die Ärzte nach der Ursache für den ZAV, und dank eines Ultraschallbildes der Halsschlagader werden sie fündig: Weidelts Halsarterien sind auf beiden Seiten verengt, und es haben sich dort auch sogenannte Plaques abgelagert. Eine dieser Ablagerungen hat sich gelöst und ist zur Zentralarterie des Auges gewandert. „Es hätte auch mein Gehirn oder Herz treffen können, ich hatte also Glück im Unglück“, sagt Weidelt. Im Abstand von ein paar Monaten wird er noch zweimal operiert: Die Gefäßchirurgen des SRH Wald-Klinikums entfernen die Ablagerungen – und senken damit das Risiko für einen erneuten Schlaganfall.

Ein Stück Normalität

Heute sieht Johannes Weidelt wieder genauso gut auf seinem rechten Auge wie vor dem ZAV. „Das empfinde ich als großen Segen“, erzählt der gebürtige Zwickauer. Darüber, was ihm erspart geblieben ist, möchte er nicht nachdenken; er wolle sich nicht im Nachhinein noch verrückt machen. Stattdessen kümmert er sich lieber um Haus und Grundstück und fährt im Sommer regelmäßig mit seiner Frau zum Segeln; die beiden besitzen ein kleines Boot. „Mir geht es gut – mal davon abgesehen, dass ich nach den Operationen ziemlich zugenommen habe, weil ich anfangs alles etwas langsamer angehen musste“, sagt er und grinst verschmitzt. „Damit ist jetzt Schluss. Also habe ich mir vor Kurzem einen Hund zugelegt.“ Der junge Golden Retriever hält ihn ganz schön auf Trab – ebenso wie seine beiden sechs- und neunjährigen Enkel. Mit ihnen verbringt der stolze Großvater so viel Zeit wie möglich. Und er ist dankbar, dass er sie aufwachsen sehen kann – mit eigenem Auge.

Gabriele Jörg

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Kommentare

Marcel Enders, 26.11.2013 13:08

Hallo,

Kann Herrn J. Weidelt nur beglückwünschen das er wieder sehen kann,ich kann es leider nict mehr,zZ jedenfalls.
Hatte auch ein plötzlichen "aussetzer" im linken Auge gehabt,bin dann erst nähsten Tag ins Krankenhaus, dort wurde mir leider nicht mitgeteil "sofort hier bleiben",lange rede kurzer Sinnmich hing erstmal dann 5 tage am Tropf mit sehr hohe dosierungen wie ich mitbekommen habe,aber wie gesagt ich bin auch erst48 Jahre, treibe Sport und fühle mich gesund,also habe ich dies alles vertragen. Na klar kommt die Frage ob ich Raucher bin,ja bin ich,wenn ich nicht Rauchen würde könnten die Ärzte ja auch nicht immer was vorschieben was dafü verantwortlich ist,super.
Jetzt bekomme ich erstmal für eine Weile Tabletten,weiß aber nicht ob das so wirklich helfen soll da mein Blutdruck auch schon seid Jahren bei 105/60 liegt, Tabletten sind die Ass 100, gibt es da noch stärkere um das gerinsel weg zu spülen,keine Ahnung habe ich da.
Zu mir, 48 Jahre, 186 cm groß bei ca 81 kg,denke mal sollte gesund sein.
Hatte mal einen Tumor an der linken Seite gehabt in höhe des Ohres unterhalb,aber Ultraschall hat ergeben das ,daß Blut da nur so hoch unter runter läuft wie es sein sollte,Herz zeigt auch keine Negativen ergebnisse.
ich nehme die Tabletten jetzt 1 Woche nach den Infusionen ein und hoffe das sich doch noch ein wenig wieder bessereung einstellt,würde gerne die meihnung anderer mal hören und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Marcel Enders

SRH Wald-Klinikum Gera

Mit 90.000 Patienten im Jahr in 24 Fachbereichen ist das SRH Wald-Klinikum Gera das größte Krankenhaus der Region Ostthüringen.

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