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Gut gelaufen

Aufgeregt an der Startlinie: Insgesamt rund 3.800 Läufer gingen beim SRH Dämmer Marathon auf die Strecke.

Als neuer Titelsponsor hat die SRH ihrem Namen beim Dämmer Marathon in Mannheim alle Ehre gemacht: Mehr als 300 Mitarbeiter, darunter Vorstandschef Prof. Dr. Christof Hettich, traten einzeln oder im Team an. Auch für die SRH Laufhelden lief dank professioneller Wettkampf-Vorbereitung alles rund.

Endlich Rückenwind – in Ludwigshafen auf der Konrad-Adenauer-Brücke reißt Daniel Ruf die Arme in die Luft und lässt sich über den Rhein anschieben. Zwei Stunden und 20 Minuten ist er jetzt unterwegs. In Mann­heim läuft in diesem Moment schon der Sieger ins Ziel: Mit 2:20:50 Stunden gewinnt der Kenianer ­Hosea Tuei am 14. Mai den SRH Dämmer Marathon 2016. Ruf hat in derselben Zeit immerhin mehr als die Hälfte der Strecke bewältigt, rund 20 Kilometer liegen noch vor ihm. Für seine frühere Bestmarke von 3:30 wird es wohl nicht reichen, doch das ist ihm jetzt völlig egal: Kopf und Körper bilden eine Einheit, ab Kilometer 30 ­gelingt es ihm sogar noch, das Tempo anzuziehen: „Ein tolles Gefühl, was der Körper so alles kann“, denkt er.
Ähnlich sehen das die Zuschauer, die sich entlang der 42,195 Kilometer durch Mannheim und Ludwigs­hafen vor allem an den etablierten Action Points versammelt haben. Gut gelaunt feuern sie die Läufer an – ­internationale Top-Athleten wie den Sieger Hosea Tuei genauso wie die mehr als zehntausend Breitensportler, die an diesem Samstagabend zum größten Laufevent in der Region angetreten sind. 
Vor allem im Start- und Zielbereich am Wasser­turm herrscht Partystimmung. Rund um das bekannte Mannheimer Wahrzeichen sind Würstchenbuden und Bierstände aufgebaut, die imposante Fontäne des Springbrunnens leuchtet in bunten Farben und auf der Bühne spielen lokale Bands. Studenten der SRH Hochschule der populären Künste haben eigens einen Marathon-Song komponiert. Zwischen 19.15 Uhr und 19.30 Uhr sind die Läufer, unterteilt in sieben unterschiedlich schnelle Gruppen und angefeuert von SRH Maskottchen Edwin, von hier gestartet. Jeder Block wird von einem Pacemaker begleitet, einem ehrenamtlichen Tempo­macher, der ein Schild mit der angepeilten Zielzeit trägt. 

Die ganze Belegschaft auf den Beinen

Von der großen Veranda im ersten Stock des angrenzenden Mannheimer Kongresszentrums Rosengarten hat man einen hervorragenden Blick auf die Start- und Zielgerade. Auch hier wird geklatscht und gejubelt – vor allem für die vielen Läufer im blauen SRH-Shirt. Nach dem Chemieriesen BASF aus dem benachbarten Ludwigs­hafen stellt die SRH in diesem Jahr beim Dämmer Marathon die zweitgrößte Teilnehmergruppe. Mehr als 300 Mitarbeiter der verschiedenen Standorte verteidigen heute die Firmenehre. Denn 2016 und in den kommenden zwei Jahren ist das Bildungs- und Gesundheitsunternehmen Titelsponsor. „Das Miteinander verschiedener Generationen und Kulturen, das im Sport so mühelos gelingt, begeistert mich“, sagt Prof. Dr. Christof Hettich, selbst passionierter Läufer. Der Vorstandsvorsitzende der SRH überquert an diesem Abend sogar noch vor dem schnellen Kenianer Tuei die Ziellinie – allerdings ist er ­genau wie rund 3.800 andere Läufer nur über die halbe Distanz von 21 Kilometern angetreten. Im Rosengarten, wo sich Garderobe und Startnummernausgabe befinden, haben die SRHler ihren eigenen Bereich, können sich ungestört vom allgemeinen Trubel umziehen, sich vor und nach dem Rennen am Buffet stärken und von der Veranda aus die Lichter und die tolle Stimmung draußen auf dem Friedrichsplatz genießen. In der Physio-Area warten SRH Physiotherapeuten, um müde Sportler nach dem Lauf zu massieren.Auch Daniel Ruf, der eigentlich für ein Maschinenbau­unternehmen in Bruchsal arbeitet, trägt heute SRH-Blau und genießt den VIP-Service im ersten Stock. Er gehört zu den SRH Laufhelden, einer Gruppe von 50 ausgewählten Kandidaten, die drei Monate lang gemeinsam und unter professioneller Anleitung für den heutigen Wettkampf trainieren durften. Ein sportliches „Geburtstagsgeschenk“, das die SRH Anfang des Jahres wegen ihres 50. Firmenjubiläums 50 laufinteressierten Menschen aus der Region gemacht hat. „Ich habe zufällig im Lokalradio von der Aktion gehört. Diese Chance habe ich beim Schopfe gepackt“, sagt Ruf. Der sportliche 35-Jährige ist schon früher Marathon gelaufen, musste ­wegen gesundheitlicher Probleme jedoch länger pausieren. Jetzt ist er wieder in der Spur – fit und selbstbewusst, aber trotzdem entspannt: „Es geht mir gar nicht um die Zeit, sondern um den Genuss“, hat er vor dem Rennen erzählt. Offenbar die richtige Einstellung: Ruf kommt später mit respektablen 4:02:32 Stunden ins Ziel.Erstaunlich entspannt wirkt auch sein Trainingskollege Swen Kaufmann vor seinem allerersten Marathon: „Heute noch ankommen“, hat er sich vorgenommen. Das heißt für ihn: vor Mitternacht oder in einer Zeit von unter fünf Stunden. Mit 4:45:18 Stunden hält Kaufmann seine Wunschzeit locker ein – nicht zuletzt angefeuert von den gut gelaunten Zuschauern im Ludwigs­hafener Stadtteil Rheingönheim: „Die Stimmung dort war der Hammer. Da steppte richtig der Bär. Das tat bei Kilometer 30 richtig gut“, erzählt er. 

Problemkilometer 35

Anders als der marathonerfahrene Daniel Ruf, der im letzten Viertel sogar noch mal aufdrehen kann, muss der 45-jährige Freizeitsportler am Schluss allerdings kämpfen: Die dunkle und menschenleere Parkinsel in Ludwigshafen, die berüchtigte Schneckennudelbrücke – ein ­spiralförmig ansteigender Radweg – und dann noch der kalte Gegenwind auf der Rheinbrücke zurück nach Mannheim kosten ihn Kraft und Motivation: „Am Schluss war ich wirklich fertig und wollte schon gehen“, verrät er bei der After-Marathon-Party. Aber der Pace­läufer für die Zielzeit 4:45 habe ihn die letzten zwei Kilometer dann doch noch erfolgreich mitgezogen.„Gerade für weniger routinierte Läufer wird es zum Ende hin schwer. Bei Kilometer 35 steigt so mancher aus“, erklärt Claudia Gerling. Die erfolgreiche Ultraläuferin aus Ladenburg arbeitet als Personal Trainerin und hat Kaufmann, Ruf und die anderen SRH Laufhelden drei Monate lang bis zum Dämmer Marathon gecoacht. Natürlich begleitet sie ihre Schützlinge heute persönlich durch den Wettkampf: „Es wird gefinisht, ihr kommt alle auf euren eigenen Füßen durchs Ziel“, hat sie ihnen unmittelbar vor dem Start noch ein letztes Mal eingeschärft: „Wer nicht mehr laufen kann, der geht. Und wer nicht mehr gehen kann, der krabbelt!“ Ehren­sache, dass sie heute beim gefährlichen Kilometer 35 an der Strecke Position bezieht. Ihre Laufschüler wissen das zu schätzen: Vor dem Start überreichen sie Gerling als Dankeschön für ihr Engagement beim Training eine rie­sige, selbst gebackene Torte in Form eines Sportplatzes. Das Kunstwerk aus Weincreme, Biskuit und Marzipan zieren essbare Fotos aller Läufer und ein Sportschuh Größe 46 plus aus Donauwellen-Teig. „Laufen verbindet, durch das Training ist zwischen uns eine tolle Kameradschaft entstanden“, sagt Laufheld Roland Krämer. Der Konditormeister hat stellvertretend für die Gruppe fast eine Woche lang jeden Abend an der Torte gebastelt und freut sich jetzt gut vorbereitet auf den Lauf.Teamgeist und Vorfreude spürt man auch bei den vielen SRH Laufteams, die heute gemeinsam als Staffeln die Marathonstrecke bewältigen wollen. Zum Teammarathon treten je nach Kondition und Motivation je vier bis sechs Läufer als Gruppe an. Teamnamen wie „Stiftung Wadentest“, „Mitlauf-Crisis“ oder „Der gestiefelte Muskelkater“ verraten, dass in dieser Disziplin neben der sportlichen Leistung auch der Spaß nicht zu kurz kommt. Gleich mit einem ganzen Bus sind rund 25 Läufer des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach samt Schlachtenbummlern angereist. „Egal ob Arzt, Pfleger oder Buchhalter, im Sportdress sind wir alle gleich. Das verbindet“, sagt Mischa Lange. Der Pressesprecher des Klinikums soll für sein Team heute einen Abschnitt von zehn Kilometern laufen: „Ich habe mich in den letzten Wochen knapp an die Zehn-Kilometer-Grenze heran­trainiert“, erzählt er lachend: „Hauptsache, ich muss nicht von unseren eigenen Ärzten gerettet werden.“ 

Bis zum nächsten Jahr

Nein, muss er nicht, bis auf wenige Ausnahmen kommen alle Läufer aus eigener Kraft bis ins Ziel. Die Sanitäter und auch die mitlaufenden „Running Doctors“ der SRH haben wenig zu tun. Bis weit nach Mitternacht trifft man in dieser Nacht Menschen im Sportdress in der Mannheimer Innenstadt. Läufer auf dem Nachhauseweg feuern die letzten Marathonteilnehmer kurz vor dem Ziel noch einmal an. „Zum Ende hin ist so ein Lauf echt eine Motivationssache, und ich bin sehr stolz auf mich, nicht stehen geblieben zu sein“, bringt SRH Laufheldin Natalia Cozlenco (siehe Titelbild) auf den Punkt, was viele Läufer im Ziel emp­finden. Dass sie ihre Wunschzeit von 4:15 Stunden am Ende um sechs Minuten verfehlt hat, spielt für die 27-jährige Studentin aus Heidelberg im Ziel keine Rolle mehr. Sie hat ihren ersten Marathon geschafft!Es wird bestimmt nicht der letzte bleiben: Natalia Cozlenco und auch Daniel Ruf peilen den Frankfurt Marathon im Herbst an, Ruf arbeitet zudem an seinem Traum, einmal in Boston oder New York zu starten. „Das Training mit den Laufhelden hat mir sehr viel gebracht, und ich konnte meinen Laufstil deutlich verbessern“, sagt er. Triathletin Cozlenco will sich in der nächsten Saison zudem an Wettkämpfe mit längerer Laufdistanz wagen. Auch Swen Kaufmann wird in Frankfurt über die volle Distanz starten: „Und beim SRH Dämmer Marathon 2017 laufe ich natürlich auch wieder mit!“  

Text Kirstin von Elm­
Fotos Andreas Henn

Der Applaus Tausender Fans half den Läufern über so manche Durststrecke hinweg.

Die Stimmung dort war der Hammer. Da steppte richtig der Bär. Das tat bei Kilometer 30 richtig gut

Swen Kaufmann, SRH Laufheld und Marathon-Finisher

Gemeinsam in Blau unterwegs: die SRH Laufhelden und die SRH Mitarbeiter.

Statt Autos stauten sich an diesem Abend Läufer auf den Straßen Mannheims und Ludwigshafens.

So gelingt ein Marathon

Langfristig angehen: Wer zum SRH Dämmer Marathon 2017 antreten möchte, sollte jetzt mit dem Training beginnen. Sechs Monate gelten für Lauf­anfänger als Minimum, besser sind zwölf oder 18 Monate. Achtung: Zehn- oder Zwölf-Wochen-Trainingspläne aus dem Internet dienen nur der ­finalen Wettkampfvorbereitung für fitte Läufer.

Fettverbrennung ankurbeln: Um einen Marathon durchzustehen, muss der Körper lernen, Fettreserven im Körper anzuzapfen. Das klappt nur bei langen Läufen. Zum Training in den letzten drei bis vier Monaten vor dem Wettkampf gehören deshalb unbedingt regelmäßig Laufeinheiten von 150 bis 180 Minuten.


Wasser trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für Läufer sehr wichtig. Wer aber im Training zu kohlehydratreichen Getränken oder Traubenzucker greift, schmälert den Trainingserfolg – statt Fett abzubauen (siehe oben), kann der Körper hier einfach zugreifen.

Kontrolliert laufen: Zum Marathon-Finisher wird man durch lange und eher langsame Läufe. Faustregel: Für lange Trainingsläufe mindestens eine Minute mehr pro Kilometer einplanen als die angepeilte Wettkampfzeit. 
Optimal ist ein herzfrequenzorientiertes Training mit Pulsuhr.


Prioritäten setzen: Wettkämpfe über zehn oder 21 Kilometer sind keine ideale Marathonvorbereitung. Die Wochenenden besser für lange Trainingsläufe nutzen.

Während die schnells­ten Teilnehmer noch im Hellen ankamen, lief das Gros stimmungsvoll im Dämmerlicht ein.

Marathon-Fakten: Schon gewusst?

 

50.564 
Läufer kamen beim New-York-Marathon 2014 ins Ziel – Finisher-Rekord.

 

2:02:57 
Stunden = Weltrekord der Herren, aufgestellt von Dennis Kimetto aus Kenia in Berlin 2014.

 

2:15:25 
Stunden = Weltrekord der Damen, seit 2003 gehalten von der Britin Paula Radcliffe. 

2:36:39
Stunden = schnellster deutscher Läufer beim SRH Dämmer Marathon 2016. Das reichte für Platz vier. Bis 1913 hätte diese Zeit noch für einen Welt­rekord gereicht. 

2.500 bis 3.500 
Kalorien werden bei einem ­Marathon ungefähr verbraucht, abhängig von Tempo und ­Gewicht. 

500.000 
US-Dollar Preisgeld gewinnt der beste Läufer der World Marathon Majors. Dazu gehören die Läufe in Berlin, Boston, ­Chicago, London, New York, ­Tokio und außerdem noch Olympia in Rio.

200
Marathonläufe finden mittlerweile jährlich in Deutschland statt, fast doppelt so viele wie zur Jahrtausendwende.

133.000
Läuferinnen und Läufer in Deutschland haben bereits einen Marathon zu Ende gebracht.

 

Der SRH Dämmer Marathon

Der nächste SRH Dämmer Marathon startet im Frühjahr 2017 Infos zu Terminen und zur 
Anmeldung unter: www.daemmermarathon-mannheim.de 
Eindrücke vom diesjährigen Lauf: www.daemmermarathon-mannheim.de/der-marathon/impressionen

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