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Herr über Vitamine und Kalorien

40 Jahre ein und derselbe Job – das ist heute kaum noch attraktiv. Die Laufbahn von SRH-Absolvent Oliver Schlatter zeigt, wie eine Ausbildung zum Diätassistenten für spannende und erfolgreiche Veränderungen sorgen kann.

Die Leidenschaft für Lebensmittel und deren Zubereitung packt Oliver Schlatter schon früh: „Nach der mittleren Reife wusste ich, dass ich Koch werden wollte”, erinnert sich der 48-Jährige. Heute ist er für die Ernährungsberatung in einer Schweizer Fachklinik zuständig und gibt mit Hingabe sein Wissen rund um Nährstoffe, Genuss und optimale Ernährung weiter. Sein kulinarisches Handwerk lernt Schlatter als Teenager in einem gut bürgerlichen Restaurant in Waldshut und steigt anschließend in der Küche eines Vier-Sterne-Hotels in der Schweiz auf. „Aber bald habe ich gemerkt, dass mir das bloße Kochen zu eintönig war. Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben.“ 

Mit 27 entscheidet sich der gebürtige Badener für eine Fortbildung zum Diätetisch geschulten Koch. „Nun musste es also nicht mehr nur schmecken, sondern auch gesund sein“, erklärt er lachend. Oliver Schlatter arbeitet als Diätkoch in verschiedenen Schweizer Kliniken, leitet dort zuletzt eine Diätküche und findet seine Berufung darin, Menschen per Ernährungsumstellung zu einer besseren Gesundheit zu verhelfen. 

Deutsche Ausbildung ist gefragt

Wie wichtig es ist, auf seine Gesundheit zu achten, erfährt Oliver Schlatter am eigenen Leib: Als mehrere Bandscheibenvorfälle und ein kaputtes Knie die körperlich strapaziöse Arbeit in der Küche unmöglich machen, ist guter Rat erst einmal teuer. Doch der Vater dreier Kinder hat Glück im Unglück. Er setzt auf eine von der Deutschen Rentenversicherung unterstützte dreijährige Umschulung zum Diätassistenten an den SRH Fachschulen in Heidelberg. Anders als der Beruf des Diätkochs zählt die Diätassistenz zu den Heilberufen. Das heißt, Diätassistenten arbeiten in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen in Sachen Ernährung sehr eng mit Ärzten, Patienten und deren Angehörigen zusammen.

„Toll war, dass ich bei der Ausbildung auf meine berufliche Erfahrung aufbauen konnte“, findet der passionierte Lebensmittelexperte. Noch heute profitiert er von der Praxisnähe seiner Ausbildung bei der SRH: „Hier habe ich viel über die Organisation einer Großküche gelernt und wie man Patienten und Angehörige berät.“ Der Abschluss zum staatlich anerkannten Diätassistenten und die Zertifizierung durch den Verband der Diätassistenten werden zum Karrierekick für Oliver Schlatter, der im Grenzgebiet zur Schweiz lebt: „Die deutsche Ausbildung ist in der Schweiz sehr anerkannt. Deshalb sind deutsche Diätassistenten dort als Ernährungsberater gefragt.” Seine Rechnung geht auf: Kaum aus Heidelberg in den Schwarzwald zurückgekehrt, wird ihm in der Fachklinik für kardiale und psychosomatische Rehabilitation in Gais, im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden, die Leitung der Ernährungsberatung übertragen. Die Anerkennung zum diplomierten Ernährungsberater (SRK) durch das Schweizer Rote Kreuz gibt es ohne zusätzliche Prüfung dazu.

Viel Verantwortung, viel Abwechslung

In der Klinik wacht der Diätassistent und Ernährungsberater nun mit Argusaugen über die Ernährung von mehr als 140 stationären Patienten. Sie leiden an Herzerkrankungen, Niereninsuffizienz, Krebs, Allergien oder psychosomatischen Beschwerden und sind zum Teil auf spezielle Kost angewiesen. Ein Job mit einer nicht zu unterschätzenden Verantwortung. „Das Schlimmste, was bei der falschen Zubereitung einer Mahlzeit normalerweise passieren kann, ist, dass es nicht schmeckt. Bei diätetischen Patienten hingegen kann falsches Essen den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten“, sagt Oliver Schlatter. Er nimmt seinen Beruf da sehr genau und erwartet auch von seinen Mitarbeitern sorgfältiges Arbeiten. Von seinem Wissen profitieren auch die vielen ambulanten Patienten, die in seine Sprechstunden kommen, um sich zu Übergewicht, erhöhtem Cholesterinspiegel, Diabetes oder Lebensmittelallergien beraten zu lassen. „Viele Krankheiten sind einfach auf ungünstige Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen“, stellt der Experte nüchtern fest. 

Dass er selbst nur noch zu Lehrzwecken in den Töpfen der klinikeigenen Küche rührt, findet Schlatter nicht weiter schlimm. Ohnehin fehle ihm mittlerweile schlicht die Zeit zum Kochen. Wenn er nicht gerade Patienten berät und Ernährungspläne für sie erstellt, hilft er als freier Dozent an den SRH Fachschulen in Heidelberg bei der Ausbildung des Nachwuchses mit. Darüber hinaus organisiert er Kochschulungen und hält Vorträge zu den Grundlagen einer gesunden Ernährung. Was dann noch an freier Zeit übrig ist, füllt der Familienvater und neuerdings auch stolze Opa am liebsten mit Streifzügen durch die Natur mit Frau, Kindern und Hund – oder einfach mit einem tollen Essen und einem Glas Rotwein. Besonders gern räumt Oliver Schlatter mit Vorurteilen auf. „Viele Menschen glauben beispielsweise noch immer, dass ihnen der Verzicht auf Kohlenhydrate oder gar das Auslassen von Mahlzeiten beim Abnehmen hilft. Das ist aber weder gesund noch besonders erfolgversprechend“, erklärt er energisch. „Lieber sollte man auf das Teller-Modell setzen. Da wird das richtige Maß automatisch eingehalten.“ 

Eine Laufbahn als Diätassistent empfiehlt er gerne weiter: „Der Beruf ist wirklich abwechslungsreich, und die Nachfrage nach Diätassistenten steigt im In- wie im Ausland stetig – es ist ein Job mit Perspektive“, meint Schlatter, der nach wie vor voller Tatendrang steckt. Zuletzt hat er die dritte Auflage seines klinikinternen Kochbuchs mit dem Titel „Fettbewusste mediterrane Ernährung nach Schweizer Art“ veröffentlicht. Viele Patienten nehmen es bei ihrer Entlassung für sich selbst, aber vor allem auch für Freunde und Bekannte mit. „Ich will zeigen, dass gesundes mediterranes Essen so leicht nachzukochen ist und zudem schmeckt. Das ist mein Beitrag, Menschen zu helfen. Im Idealfall noch bevor sie zu mir in die Klinik kommen.“

Von Julian Kerkhoff

Diätassistent werden

Herr ueber Vitamine und Kalorien (Foto: SRH Fachschulen für Gesundheit)

Die Ausbildung zum Diätassistenten an den SRH Fachschulen in Heidelberg ist modular aufgebaut und legt großen Wert auf praktische Inhalte. Nach drei Jahren absolvieren die Teilnehmer eine Abschlussprüfung zum staatlich anerkannten Diätassistenten. Die Ausbildung startet jeweils im Oktober. 

Herr ueber Vitamine und Kalorien (Bild: Schweizerische Gesellschaft für Ernährung)

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung empfiehlt einen ausge-wogenen Nahrungsmittel-Mix. Wenn es nach Oliver Schlatter geht, können der Obst- und Gemüseanteil noch etwas größer und die Kohlenhydrate-Zufuhr durch Brot & Co etwas kleiner ausfallen.

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