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Gesundheit07.09.2012

Torsten Korb ist für sein Leben gerne Pfleger

"ICH BEKOMME IMMER WAS ZURÜCK"

Nach langer beruflicher Odyssee hat Torsten Korb am SRH Zentralklinikum Suhl sein Glück gefunden. In seinem Jahr als Bundesfreiwilligendienstler lernte er die Arbeit als Pfleger richtig schätzen. Nun absolviert er eine dreijährige Ausbildung im Klinikum.

Torsten Korb (Foto: Timo Volz)

Wenn ich für Patienten da sein kann, gibt mir das Kraft und Motivation, sagt Torsten Korb.

„Gestatten, ich bin Schwester Monika“, sagt Torsten Korb zur Begrüßung und lacht schallend. Dass ihm zuweilen der Schalk im Nacken sitzt, sorgt auf Station regelmäßig für Heiterkeit bei Patienten und Kollegen. Dabei ist die berufliche Irrfahrt, die der 39-Jährige hinter sich hat, so gar nicht zum Lachen.

Ursprünglich hat Korb nach Schule und Zivildienst eine Lehre zum Industrie- und Zerspanungsmechaniker gemacht und für verschiedene Firmen gearbeitet. „Irgendwann fingen die Asthmaanfälle an, ausgelöst durch den Staub, der beim Schleifen und Polieren frei wird“, erzählt Korb. Als sich die Attacken häuften und immer stärker wurden, musste er schließlich seinen Job an den Nagel hängen. Er machte eine Kur, meldete sich anschließend bei der Bundesagentur für Arbeit – und sattelte auf Industriekaufmann um. „Allerdings hat sich dadurch meine berufliche Perspektive nicht ein Jota verbessert“, betont Korb. Lediglich Zeitarbeitsfirmen hätten ihn angestellt. „Aber wie“, so fragt er rückblickend, „sollte ich mit 800 Euro Gehalt pro Monat meine Familie ernähren?“

Der Neustart

Daher wollte der Vater eines siebenjährigen Sohns und zweier Töchter im Alter von 13 und 16 Jahren schließlich die Reset-Taste drücken und noch einmal ganz von vorne beginnen. Und an Talenten mangelt es Torsten Korb nicht. Schon als Kind wollte er Uhrmacher werden, tatsächlich hat er immer wieder Uhren auseinandergebaut und repariert. „Ich wusste, dass ich handwerklich begabt bin und mit Technik gut umgehen kann. Aber mein Herz sagte mir etwas anderes. Ich wollte mit Menschen, nicht mit Maschinen zu tun haben“, erzählt er.

In dieser Phase dachte er viel nach, etwa über seine Kindheit in Marisfeld, ganz in der Nähe von Suhl. Obwohl er in einem Kinderheim aufwuchs, sei er glücklich gewesen. Bis heute ist er dankbar für die Zuwendung, die er dort erfahren hat. Die Erinnerung an diese Zeit ließ in ihm den Wunsch reifen, sich selbst in einem sozialen Beruf zu engagieren. Erste Erfahrungen in diesem Bereich hatte er bereits während seiner Zeit als Zivildienstleistender gesammelt, die er ebenfalls im Heim in Marisfeld verbrachte.

Als sich 2011 die Möglichkeit bot, im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes als Pfleger im Krankenhaus zu arbeiten, musste Torsten Korb nicht lange überlegen. „Das war meine Chance, und die habe ich genutzt“, sagt er lachend. Ein Jahr lang unterstützte er das Team auf Station. Er wusch Patienten, bezog ihre Betten, brachte ihnen Essen, fütterte sie bei Bedarf und leerte Urin-Beutel. „Das ist das Pflichtprogramm“, sagt Korb, „aber es sind gerade die kleinen Gefälligkeiten, über die sich Patienten am meisten freuen, wie ab und zu das Kopfkissen aufzuschütteln.“ Manchmal sei es auch wichtig, einfach nur da zu sein: still bei einem Patienten am Bett zu sitzen und zuzuhören oder ihm Mut zuzusprechen, wenn Sorgen und Ängste hochkommen. „Wenn ich Patienten Zeit und Zuwendung schenke, bekomme ich immer etwas zurück. Das motiviert mich“, sagt Korb. Der Beruf des Pflegers – das weiß er nach diesem Jahr Bundesfreiwilligendienst – ist für ihn so etwas wie ein Lebenstraum. Doch um diesen zu verwirklichen, muss er erst einmal die Ausbildung zum Pfleger absolvieren.

Ein Glücksfall für die Station

Torsten Korb (Foto: Timo Volz)

Immer fröhlich und herzlich: Torsten Korb sorgt bei Patienten

Ein Teil des Traums ist mit der Zusage des Klinikums für eine dreijährige Ausbildung bereits in Erfüllung gegangen. Pflegedirektorin Susanne Ludwig freut sich über die Entscheidung Korbs, an den Bundesfreiwilligendienst gleich eine Ausbildung zu hängen: „Jemand, der wie er mit Leib und Seele für die Patienten da ist, ist für jede Station ein Glücksfall.“ Mit seiner herzlichen Art und seinem Humor stecke er alle an und sorge für ein Arbeitsklima, in dem sich jeder wohlfühlt. Postwendend gibt Korb das Lob zurück: „Bei meinen Mädels auf Station bin ich gerne Hahn im Korb. Und wenn ich mit einem Kalauer Patienten von ihren Schmerzen ablenken kann, ist das doch das Beste der Welt.“ Er ist überzeugt, dass sich die gute Stimmung auf die Patienten auswirkt und diese dadurch möglicherweise wieder schneller auf die Beine kommen. Wichtig sei, meint er, mit den Patienten so umzugehen, als wäre alles normal, und auf diese Weise Sorgen, Krankheit und Leid erst gar nicht die Chance zu geben, in den Mittelpunkt zu rücken. Das spürten und schätzten die Patienten. Aber auch für ihn selbst ist eine gewisse emotionale Distanz wichtig. „Mitleid ist kein guter Berater. Wer schlimme Schicksale zu nah an sich herankommen lässt, hält das nicht lange durch. Denn Leid und Tod sind nun mal unsere ständigen Begleiter“, betont er. 

Daher hat Torsten Korb gelernt, abzuschalten: „Wenn ich zum Haupteingang rausgehe, lasse ich alles hinter mir.“ Auch wenn daheim die Arbeit erst richtig losgeht. Denn zu Hause baut und bastelt er an seinem neuen Heim, das er kürzlich gemeinsam mit seiner Frau erstanden hat. „Das ist mein Hobby. Dabei kann ich am besten entspannen“, erzählt er. Und wenn dann noch freie Zeit bleiben sollte, ist da ja noch der kleine Garten, der bewirtschaftet werden will.

Georg Haiber

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SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.