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Bildung06.06.2013

Wie Montessori-Pädagogik die Neugierde entdeckt

LERNEN MACHT SPAß

Morgenkreis der Kleinen (Foto:Timo Volz)

Der Morgenkreis der Kleinen ist fester Bestandteil des Montessori-Konzepts.

Für die Kinder der SRH Mundanis Frankfurter Stadtschule ist die Freude am Lernen ganz natürlich. Was andere Kinder möglicherweise nur schwer verstehen, ist für die Montessori-Kinder selbstverständlich.

Über dem Frankfurter Bankenviertel hängen graue Wolken. Es nieselt. Der Frühling lässt auf sich warten. Im zweiten Stock der SRH Mundanis Frankfurter Stadtschule sitzen 20 Kinder im Morgenkreis auf blauem Teppichboden und lassen sich vom Wetter die Freude an der Schule nicht verderben. „Hat jemand etwas Wichtiges zu sagen?“, fragt Jascha in die Runde. Der Achtjährige ist in dieser Woche gemeinsam mit seinem Freund Johann für die Organisation und Durchführung der Gesprächskreise verantwortlich. Eine Vielzahl kleiner Hände schnellt in die Höhe. Jascha erteilt Leo das Wort. „Ich bin froh, dass es am Wochenende 25 Grad werden!“, eröffnet dieser das Gespräch. Constantin freut sich, dass vom Geburtstag seiner Schwester noch Krümelmonstermuffins übrig sind; Davyd erzählt, dass sein Freund nach einem Spanienurlaub nun ganz orange ist. Es entbrennt eine angeregte Diskussion darüber, wie der Sonnenbrand zu behandeln sei. Einen Augenblick später ergreifen die Mitschülerinnen Donya und Sanaa das Wort und bitten darum, nur wirklich wichtige Dinge zu erzählen. „Sonst geht uns zu viel Arbeitszeit verloren.“ Nachdem klar ist, dass niemand mehr etwas Gravierendes auf dem Herzen hat, ist der Gesprächskreis beendet, und Yvonne Israel, die pädagogische Leiterin der Grundschule, ergreift das Wort. Sie plant den Tagesablauf, trifft mit einzelnen Kindern Absprachen zu verschiedenen Arbeitsvorhaben und beantwortet Fragen. Sobald alles besprochen ist, rufen Johann und Jascha die Arbeitszeit aus. Schnell strömen die Kinder an ihre Plätze und beginnen, eifrig zu lernen.

Justin (Foto:Timo Volz)

Justin schreibt eine Geschichte, und

Talia und Yvonne Israel (Foto:Timo Volz)

Talia stellt mithilfe von Yvonne Israel eine Bildergeschichte zusammen.

Forscherdrang fördern

Erst jetzt tritt Lehrerin Yvonne Israel aktiv in den Vordergrund: „Meine Rolle ist vor allem die der Lernbegleiterin und Beobachterin“, sagt die junge Frau. Das ist in der Regelschule anders. Während Lehrer beim Frontalunterricht meist im Fokus der Klasse stehen, treten die Montessori-Pädagogen bewusst in den Hintergrund. „Die Schüler sollen ihre Persönlichkeit entwickeln und sich Wissen selbstständig aneignen. Meine Aufgabe ist es, ihnen dafür den bestmöglichen Rahmen zu bieten“, erklärt Yvonne Israel das pädagogische Konzept der „vorbereiteten Umgebung“. Diese soll die kindliche Entwicklung fördern und den Schülern so den Weg in die Selbstständigkeit ebnen. Zu einer „vorbereiteten Umgebung“ gehören laut Montessori neben differenzierten Arbeitsbereichen viele offene Regale mit ordentlich aufgereihten, nach Kompetenzbereichen sortierten Montessori-Materialien wie geometrische Figuren oder geografische Puzzles.

Statt im gesamten Klassenverband gemeinsam ein Thema zu bearbeiten, beschäftigen sich die Montessori-Schüler mit ihren individuellen Projekten. Klar, das kann durchaus Spaß machen. Doch birgt es nicht auch die Gefahr, dass man sich nur mit dem beschäftigt, was man gut kann und gerne macht? „Ganz und gar nicht“, schmunzelt die Klassenlehrerin. Jedes Kind verfüge über einen natürlichen Entdecker- und Forscherdrang, den es zu wecken gelte. Aufgabe der Pädagogin sei es, Lernbereitschaft, Motivation und Durchhaltevermögen zu fördern – auch und gerade auf den Gebieten, wo das Kind noch nicht alles kann. „Gelingt dies, sind beeindruckende Ergebnisse möglich“, weiß Israel.

Ein Blick in die konzentriert arbeitende Runde belegt diese These: Da recherchiert der lebenslustige Davyd per Internet und Buch für eine umfassende Präsentation über Brot, während Anna auf dem Boden liegend die Grenzen europäischer Länder samt den dazugehörigen Hauptstädten in ihr persönliches Arbeitsbuch überträgt. Quian Zhen, die erst seit sechs Monaten in Deutschland lebt, tippt an einem Vortrag über Wasserpflanzen, Rechenkünstler Johann korrigiert mithilfe des Dudens die Rechtschreibfehler in seiner Bildergeschichte. 

Hilfe zur Selbsthilfe

Und noch etwas unterscheidet die Klasse von der Regelklasse direkt nebenan: Es gibt keine homogene Altersstruktur, Kinder zwischen sechs und zehn Jahren lernen hier gemeinsam. Das fördert Sozialkompetenz und Lernerfolg gleichermaßen. Denn getreu dem Montessori-Leitmotiv „Hilf mir, es selbst zu tun“ leistet nicht nur die Lehrerin Hilfestellung bei der persönlichen Entwicklung, die Schüler unterstützen sich auch gegenseitig – und können so ihr Wissen weiter vertiefen. Meist mit Erfolg: Etliche Studien belegen, dass Montessori-Schüler anderen Schülern nicht nur im Sozialverhalten, sondern auch in Mathematik und Lesen überlegen sind.

Auch Benjamin tut das Montessori-Konzept sichtlich gut: „Während seine ältere Schwester sich in der Regelschule mit dem Lesen stets schwergetan hat, war das Thema für ihn von Beginn an positiv besetzt“, erklärt seine Mutter Charlotte Cirkel-Egner. „Er hat das Lesen als Schatz für sich selbst entdeckt. Und weniger als etwas, das ihm die Schule oder wir aufgedrängt haben.“ Auch andere Eltern bestätigen: Die Kinder freuen sich morgens auf die Schule und erfahren – nicht zuletzt dank täglicher Rückmeldungen von Lehrerin und Mitschülern im sogenannten Mittagskreis –, dass Wissenserwerb etwas Positives ist. „Das ist von unermesslichem Wert“, finden Leos Eltern Tanja und Mustafa Balci. Denn damit sei der Grundstein für ein erfülltes und erfolgreiches Leben auch jenseits der Schulzeit gelegt. 

KIRSTEN SCHMIDT

EINE FÜR ALLE

Zur SRH Mundanis Frankfurter Stadtschule gehören neben der Montessori-Grundschule auch ein Montessori-Kinderhaus, eine Regelgrundschule sowie ein alt- und neusprachliches Gymnasium. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 2010 erfreut sich die Ganztagsschule wachsender Beliebtheit: Inzwischen besuchen mehr als 300 Kinder die SRH Mundanis Frankfurter Stadtschule sowie das angeschlossene Kinderhaus. „Damit gehören wir zu den am stärksten wachsenden Privatschulen in Hessen“, freut sich Schulleiter Detlev Drascher. 

Das ganzheitliche Konzept der Schule stellt teamorientiertes Arbeiten in den Mittelpunkt. „Das heißt: offene Klassenräume, offener Unterricht, individuelle Förderung, ganzheitliche Erziehung und vor allem auch klare ethische Grundsätze und Wertmaßstäbe wie Fairness, Hilfsbereitschaft und ein höflicher Umgang, die nicht nur auf dem Papier stehen, sondern aktiv gelebt werden“, betont Drascher. 

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