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Bildung12.06.2012

Nina Platt vertritt die "Generation Facebook"

Lotsin durch digitale Welten

Nina Platt (Timo Volz)

Inmitten moderner Medien fühlt sich die Auszubildende Nina Platt ganz wie zu Hause.

Computer, Internet und Mobiltelefon sind Nina Platt von klein auf vertraut. Die Auszubildende zur Mediengestalterin am SRH Berufsbildungswerk (BBW) Neckargemünd gehört zu den „digital Natives“. Bei der Medienoffensive am BBW, die Chancen digitaler Technologien für die Ausbildung auslotet, zeigt sie den Älteren, wie die Jungen medial ticken.

Sie ist jung, kreativ – und nahezu rund um die Uhr online. Für die Auszubildende Nina Platt gehören Internet und soziale Medien so selbstverständlich zum Leben wie das Zähneputzen. Ihr Smartphone verbindet die 24-Jährige, die am SRH Berufsbildungswerk (BBW) Neckargemünd eine Ausbildung zur Mediengestalterin Print und Digital absolviert, mit den Informations-, Kontakt- und Unterhaltungsangeboten des Cyberspace. „Mein digitaler Alltag beginnt morgens kurz vor sechs mit dem Klingeln des Handy-Weckers und endet abends gegen 22 Uhr, wenn ich zum letzten Mal die Mails checke“, berichtet sie. Dazwischen informiert sie sich über das aktuelle Weltgeschehen, schlägt Englisch-Vokabeln nach, hört Musik, tauscht über Facebook Arbeitsthemen mit anderen Auszubildenden aus, studiert das Fernsehprogramm oder schreibt SMS. Und telefoniert natürlich.

Wie bei den meisten ihrer Altersgenossen der „Generation Facebook“ prägen soziale Medien den Alltag von Nina Platt. In Schule und Berufsausbildung spielen die Möglichkeiten des Web 2.0 allerdings kaum eine Rolle. Das liegt nicht an der technischen Ausstattung der Einrichtungen, sondern an der meist geringen Erfahrung von Menschen jenseits der 40 mit Facebook, Twitter und Co. „Unsere Lehrer und Ausbilder nutzen diese Angebote häufig selbst nicht“, meint die junge Frau und streicht eine Strähne ihres Ponys aus dem Gesicht. „Sie wissen daher auch nicht, dass wir Informationen anders aufnehmen als sie und anders miteinander kommunizieren.“

Auf den fahrenden Zug aufspringen

Während der Medienoffensive im BBW hilft Nina Platt nun, diese digitale Kluft zwischen den Generationen zu überwinden. Bei dem im vergangenen September gestarteten Projekt vertritt sie die Sichtweise der Jugend. Ein Jahr lang lotet die Medienoffensive die Chancen neuer Medien für die Ausbildung aus und macht auf Risiken wie das Cybermobbing oder Fragen der Datensicherheit aufmerksam. Sie endet mit einer Fachtagung (siehe Kasten). Initiator der Offensive ist Nina Platts Ausbilder Carsten Sievers, der Leiter der Medienwerkstatt des BBW. „Die Auszubildenden sind ihren Ausbildern und Lehrern in Sachen digitale Technologien meilenweit voraus. Wir müssen aufpassen, dass dieser Zug nicht ohne uns abfährt.“ Die Medienoffensive soll nun dazu beitragen, wieder Anschluss zu bekommen.

Nina Platt wirkt bei dem Projekt im Hintergrund mit. Als angehende Mediengestalterin kümmerte sie sich um das grafische Erscheinungsbild: Sie entwickelte das Logo der Medienoffensive und gestaltete die gesamte Palette der Werbemittel von klassischen Plakaten und Flyern bis zum Facebook-Auftritt. Ihr Ziel: möglichst viele Jugendliche für das Projekt zu begeistern, damit sie mit eigenen Beiträgen, etwa via Handy-Video oder Twitter-Reportagen, dazu beitragen.

Inzwischen fungiert sie vor allem als „Beraterin“ von Ausbildern und Lehrern bei den Arbeitsgruppen zur Medien­offensive. Als Vertreterin der Auszubildenden ist sie bei allen Sitzungen mit von der Partie. „Ich lenke den Fokus auf die Perspektive von uns jungen Leuten“, erklärt sie. Etwa auf der Gesamtlehrerkonferenz der Berufsschule des BBW, bei der sie einen typischen digitalen Tagesablauf skizzierte. Das löste nicht nur beim Publikum Aha-Erlebnisse aus: „Ich war selbst überrascht, dass ich so oft online bin“, berichtet sie. Und sie ist überzeugt: „Unsere Ausbildung kann von sozialen Medien enorm profitieren.“

Update für Medienkompetenz

Am 18. und 19. Oktober dreht sich im SRH BBW Neckargemünd alles um Social Media und Web 2.0. Auf der Medienfachtagung „united future. digitale (ohn)macht!? leben und lernen im web X.0“ diskutieren Experten aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Medien, Kommunen sowie Arbeitsverwaltung, wie sich digitale Trends für Ausbildung und Beruf nutzen lassen. Die Tagung, koordiniert von Ulf Kager, dem Leiter der Berufsschule im SRH BBW Neckargemünd, bildet den Abschluss der Medienoffensive.


www.united-future.de

Das Plus an Praxis

Seit September 2010 erlernt Nina Platt am BBW Neckargemünd ihren Traumberuf Mediengestalterin. Für Werbung interessiert sie sich schon lange. Bereits als Schülerin schnitt sie aus Zeitschriften Anzeigen aus, die ihr gefielen. Nach einem Praktikum in den Schulferien stand ihr Berufsziel fest: „Ich will als Mediengestalterin bei einer Agentur arbeiten“, sagt sie auch heute mit Nachdruck. Der Weg dorthin verlief zunächst ganz nach Plan: Nach ihrem Realschulabschluss schaffte sie die Aufnahmeprüfung für ein Fachgymnasium, wo sie das Abitur mit Schwerpunkt Gestaltung absolvierte. Anschließend begann sie mit einer Ausbildung in einer Werbeagentur, die sie nach einem Jahr aus persönlichen Gründen abbrechen musste. Daher war sie überglücklich, als sie am SRH Berufsbildungswerk Neckargemünd einen der begehrten Ausbildungsplätze zur Mediengestalterin erhielt. Zumal sie im BBW viele Projekte weitgehend eigenverantwortlich bearbeiten kann. Die Auszubildenden erledigen „echte Aufträge“ von externen Kunden oder interne Aufträge aus dem Marketing der SRH. „Nur wenige Werbeagenturen lassen ihre Auszubildenden von Anfang an auf ihre Kunden los“, weiß Nina Platt. „Wir können hier Aufträge von Anfang bis Ende abwickeln. Ich habe in den ersten drei Monaten am Berufsbildungswerk mehr gelernt als in meinem gesamten Lehrjahr in der Agentur“, schwärmt sie.

Im September 2013 wird die junge Frau ihre Ausbildung beenden. Sie hat bereits Pläne, wie es danach weitergehen könnte: „Ich würde gerne Kommunikationsdesign studieren – schließlich lernt man ja nie aus.“

Sabine Höfler

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Stationäre und ambulante Dienstleistungen der beruflichen Rehabilitation und Arbeitsmarktintegration für junge Menschen mit besonderem Förderbedarf

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