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Gesundheit05.03.2013

Martina Frick bekämpft Erreger durch Hygiene

MIKROBEN AUF DER SPUR

Täglich geht Martina Frick am SRH Krankenhaus Oberndorf auf die Pirsch. Ihr Ziel: Erregern wie dem Norovirus durch effektvolle Hygienestandards die Lebensgrundlage entziehen – und dadurch Patienten und Personal vor Infektionen schützen.

Bei ihrer Arbeit braucht Martina Frick ganz unterschiedliche Eigenschaften: Spürsinnig wie Sherlock Holmes, fröhlich wie Pippi Langstrumpf und durchsetzungsfähig wie die ehemalige eiserne Lady Margret Thatcher bekämpft sie Erreger. „Hygienefachkraft ist mein Traumberuf“, erzählt die temperamentvolle 50-Jährige gut gelaunt. Mit energischem Schritt absolviert sie ihren täglichen Rundgang durch die Stationen und überprüft die Hygieneabläufe in den Abteilungen. Hierzu nimmt sie beispielsweise an Visiten, Untersuchungen und Verbandswechseln teil. Bei ihrer Arbeit legt Frick viele Meter zurück. „Zu wenig, um dabei abzunehmen“, meint die sportliche Fachfrau lachend, „aber genug, um sich ein genaues Bild zu machen.“ Sie notiert Auffälligkeiten, kontrolliert unter anderem den Verbrauch an Desinfektionsmitteln und schult fachgerechtes Verhalten. Geduldig zeigt sie, wie man Hände und Handgelenke mit der richtigen Technik lückenlos desinfiziert, und hält ihre Hände zum Beweis unter Schwarzlicht: Nicht die kleinste Stelle ist unbenetzt.

Regeltreue Rebellin

Martina Frick (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Im Labor lassen sich selbst Spuren von Keimen schnell und sicher nachweisen.

Fricks Begeisterung steckt an, ihre Begründungen leuchten ein und motivieren. Doch manchmal braucht sie eiserne Durchsetzungskraft, um ein­gefahrene Verhaltensmuster oder Vor­lieben zu korrigieren. So ist etwa Schmuck an Händen und Unterarmen beim Personal in den entsprechenden Arbeitsbereichen tabu. Bei solch wissenschaftlich fundierten Maßnahmen bleibt die Expertin unnachgiebig: „Hygiene ist Teamarbeit, die viel Disziplin erfordert. Nur wenn alle mitmachen, können wir die Patientensicherheit gewährleisten.“

Dabei sieht sich Frick schon mal selbst als Rebellin. Sie hinterfragt unsinnige Vorschriften, geht Dingen auf den Grund. Das war schon immer so. Bereits in der Schule züchtete sie mit Feuereifer Bakterienkulturen, um herauszufinden, wie diese Kleinstorganismen leben und sich vermehren. Im Beruf treiben sie die Faszination an der Mikrobiologie und ein ständiger Wissensdurst an. Als Krankenschwester übernimmt sie nach dem Examen zusätzliche Aufgaben, unter anderem in der Anästhesie, Hygiene und Endoskopie. Drei Jahre nach dem Schwesternexamen stürzt sie sich in die Weiterbildung zur Hygienefachkraft. Dort kommt sie erstmals mit Legionellen sowie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) in Berührung. Hinter den vier Buchstaben verbirgt sich ein multiresistenter Keim, der ­gegen gängige Antibiotika immun ist und dessen rasante Ausbreitung viele Kliniken vor Probleme stellt.

Wie ticken die Keime? Wie lassen sich multiresistente und andere Erreger in einem Krankenhaus mit 120 Betten und einem hohen Durchlauf an Patienten in Schach halten? Frick reizt diese Herausforderung. Gemeinsam mit dem Hygieneteam, dem neben ihr noch weitere Hygienebeauftragte, Ärzte, Pflegekräfte und der Ärztliche Direktor angehören, hat sie ein engmaschiges Sicherheitsnetz gespannt, das sich strikt an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hält – und teilweise sogar ­darüber hinausgeht. „Wehret den Anfängen!“ lautet dabei die Devise. So werden Risikopatienten, beispielsweise Menschen mit chronischen Wunden oder verschiedenen Antibiotikatherapien, bereits bei der Aufnahme auf Problemerreger wie MRSA untersucht.

Über das Übliche hinaus

Martina Frick (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Martina Frick ist mit Leib und Seele Hygienikerin. Die Lupe steht stellvertretend für ihren Spürsinn. Durch Einleiten der entsprechenden Maßnahmen kann sie deren Auftreten verhindern.

Um Patienten und Personal zu schützen, macht Frick häufig einen Schritt mehr als erforderlich. Sie durchforstet die ärztlichen Befunde nach Auffälligkeiten, erstellt Statistiken über Infektionen, erfasst das Auftreten von Erregern. Wie ein Schwamm saugt sie die neuesten Informationen aus Fachmedien auf, konsultiert führende Institute und tauscht sich mit anderen SRH Kliniken aus. Unermüdlich erklärt sie Hintergründe und leitet die Kollegen an, selbstständig die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Sie will Coach sein, keine Kontrolleurin. Diese Rolle übernimmt ein ungewöhnlicher Partner: „Die Gegenwart des Norovirus zeigt mir, wenn Hygieneabläufe nicht richtig funktionieren“, sagt Frick. Denn der Brechdurchfall auslösende Erreger nutzt jede Angriffsfläche wie Türklinken oder Armaturen zur Übertragung und ist schon in sehr geringer Zahl hochinfektiös. „2012 hatten wir keinen einzigen Ausbruch“, berichtet die Hygienefachfrau stolz. Die Zusammenarbeit mit Stationspersonal, Haustechnik, Reinigungsdienst und Ärzten harmoniert. Und wenn es doch einmal zu Vorkommnissen im eigenen Haus oder anderswo kommt? Dann werden die bestehenden Maßnahmen im Team unter die Lupe genommen, Defizite offengelegt und die Hygienestrukturen angepasst.

Frick, die mit ihrer Familie und zwei Hunden in einem alten Schindelhaus am Waldrand wohnt und gerne am Bodensee im Wohnwagen campt, liebt ihre Arbeit. Die Kollegen sind ihre zweite Familie. Selbst in der Freizeit lässt sie das Thema Hygiene nicht los: Sie engagiert sich in verschiedenen Netzwerken und Arbeitskreisen und hält Schulungen im Auftrag des Landesgesundheitsamts Stuttgart. Der unermüdliche Einsatz wird belohnt. So ist das SRH Krankenhaus Oberndorf die einzige kleine Klinik, die im baden-württembergischen MRE-Netzwerk (MRE = multiresistente Erreger) vertreten ist. Die SRH, der die Sicherheit von Patienten und Personal sehr am Herzen liegt, fördert die Hygie­ne­arbeit durch Veranstaltungen und Wissensaustausch. Und so brennt Mar­tina Frick auch nach 32 Jahren immer noch für ihren Beruf: „Ich erfahre immer wieder Neues und lerne ständig dazu. Die Hygienearbeit prägt mein Leben!“

Heike Link

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