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Mister Leidenschaft

Genauso bunt wie der Hintergrund ist auch Sven Cravottas Vita: Mit großem Elan vereint er Praxis, Lehre und Forschung.

Sven Cravotta hat Chefsessel gegen Hörsaal getauscht. An der SRH Hochschule in Calw leitet der junge Professor den Fach­bereich Wirtschaft – mit ausgesprochen viel Engagement.


as macht ein Hochschulprofessor wohl an seinem vorlesungsfreien Tag? Sporteln? Rasen mähen? Einfach ausschlafen und faulenzen? Pustekuchen. Sven Cravotta kann auch dann nicht von seiner Leidenschaft BWL lassen. Seinen freien Tag verbringt der promovierte Betriebswirt an der berufsbildenden Hermann-Gundert-Schule in Calw. Als Lehrer, freiwillig, jede Woche. 
Dort bringt er Teenagern die Grund­lagen der Betriebswirtschaft bei. Unter seiner Anleitung arbeiten die 15- und 16-Jährigen gemeinsam an Businessplänen für eine eigene Geschäftsidee und kommen dabei an allen praktischen Aspekten der Unternehmensführung – vom Marketing über Finanzplanung bis zur Organisation – vorbei. Im Hauptberuf ist der 34-Jährige Professor für BWL und Marketingmanagement an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw und leitet den Fachbereich Wirtschaft. 

Prof zum Anfassen

Zum Glück für seine Schüler und Studenten hält Sven Cravotta wenig von eintönigem Frontalunterricht und grauer Theorie. „Natürlich lege ich bestimmte Regeln fest und vergebe am Ende Noten, ansonsten sehe ich mich aber eher als Mentor und Coach“, sagt er. Schüler und Studenten lernen bei ihm anhand praktischer Übungen und in kleinen Gruppen, mit Raum für eigene Ideen und Diskussionen. Das ist weder an Schulen noch an den meisten Universitäten die Regel – und kommt gut an. Und während die Studenten an vielen anderen Hochschulen ihren Dekan eher selten zu Gesicht bekommen, ist der Fakultäts­leiter in Calw sehr greifbar. Regelmäßig kommt es vor, dass Cravotta spätabends die letzten Lerneifrigen persönlich nach Hause schickt und hinter ihnen abschließt. „Offiziell ist der Campus zwar nur bis 18 Uhr geöffnet, aber genau wie ich arbeiten die Studenten gerne hier und wissen, dass ich meistens nicht vor 21 Uhr nach Hause gehe. So lange dürfen sie dann auch bleiben“, sagt er schmunzelnd. Wer Sven Cravotta trifft, merkt schnell: Da brennt einer für seinen Beruf. Obwohl ihm eine gut dotierte ­Management-Karriere offen gestanden hätte, hat er sich nach einigen Jahren in der Wirtschaft bewusst für Forschung und Lehre entschieden. „Unterrichten hat mir schon immer Spaß gemacht“, erklärt er. Vor seiner Berufung an die Hochschule Calw hat Cravotta in der Spitze bis zu sieben Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen parallel ausgeübt. Seit 2009 engagiert er sich zudem als Prüfer und Dozent bei der Industrie- und Handelskammer.

 

 

„Natürlich lege ich bestimmte Regeln fest und vergebe am Ende Noten, ansonsten sehe ich mich aber eher als Mentor und Coach.“

Professor Sven Cravotta

 

Projekte aus und für den Alltag

Sein langer Arbeitstag ist nicht allein den Studenten geschuldet. Theorie und Praxis eng zu verzahnen, lautet sowohl sein eigener Anspruch als auch der seiner Hochschule. Und so engagiert sich der Wirtschaftsprofessor parallel zu seinem Lehrauftrag in zahlreichen Praxis- und Forschungsprojekten, aus denen sich oft spannende The­men für Studien- und Abschlussarbeiten ergeben. So wie aktuell: Da plant Sven Cravotta zum Beispiel ein Café als Treffpunkt für Calwer Studenten und Schüler. Die Studenten, so die Idee, werden dazu eine Markt­erhebung entwerfen und unter den Schülern durch­führen. „Die Schüler gewinnen dabei gleich einen prak­tischen Einblick ins Studium und können Fragen zum Hochschulalltag stellen“, erläutert er. 
Grundsätzlich wünscht sich Cravotta mehr Schnittstellen zwischen Schule und Hochschule. Dementsprechend sieht er seinen Einsatz als Lehrer als eine Art Ehrenamt, mit dem Ziel, Schülern eine Idee davon zu vermitteln, was und wo sie studieren können. „Natürlich möchte ich auch ein bisschen Flagge für Calw zeigen“, fügt er hinzu. Wer sich für Wirtschaft oder Medien interessiert, sollte zumindest wissen, dass es hier die passende Hochschule gibt.

Mit dem eigenen Namen einstehen

Bei so viel beruflichem Einsatz bleibt kaum Zeit fürs Privatleben. Kein Beinbruch, findet Cravotta. Freundschaften pflegt der Single überwiegend im Job. Und wenn er, wie kürzlich, sogar seinen Urlaub dafür nutzt, um bei ­einem befreundeten Kollegen an dessen Hochschule zu unterrichten, ist das für ihn mehr Vergnügen als Arbeit. Anstelle eines Hobbys widmet er sich lieber spannenden Forschungsfragen.
Zu seinen Lieblingsthemen zählen Familienunternehmen, von denen es gerade in Baden-Württemberg viele erfolgreiche Vertreter gibt. In so einem Betrieb hat Sven Cravotta vor vielen Jahren selbst seine Diplomarbeit geschrieben. Anschließend stieg er dort bis zum International Marketing Manager auf. Sein Chef, selbst Inhaber eines Doktortitels der US-Eliteuniversität Stanford, überzeugte ihn davon, zu promovieren. Das Thema ergab sich – typisch Cravotta – unmittelbar aus der Praxis: „Ich habe Mehr-Generationen-Familienunternehmen mit hybrider Geschäftsführung untersucht, also alteingesessene Firmen­, bei denen neben den Inhabern auch externe Manager an der Spitze stehen“, erläutert er. Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Witten/Herdecke öffneten ihm viele renommierte Familienbetriebe die Türen. Von die­sen Kontakten und Einblicken profitieren heute auch seine Studenten.
Ein wichtiges Ergebnis seiner Forschungsarbeit: Sich als externer Manager mit einer Unternehmerfamilie zu arrangieren, sei ein sehr intensives Bündnis und verlange viel persönliches Engagement. „Das muss man mögen“, sagt er und zieht Parallelen zur Lehrtätigkeit an einer kleinen privaten Hochschule, wo die Studenten sehr persönlich und intensiv betreut werden. Und ähnlich wie ein Familienunternehmen, das mit seinem Namen für die Qualität seiner Produkte einsteht, sieht sich denn auch Cra­votta persönlich in der Pflicht: „Mir ist wichtig, dass meine Studenten später im Berufsleben zeigen, dass sie hier viel gelernt haben und Projekte erfolgreich umsetzen können.“ Aufgabe genug, wer braucht da noch ein Hobby? 

Text Kirstin von Elm
Foto Marc Holzner

 

 

Was mit Wirtschaft und Medien

Die SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien liegt in Calw, einem malerischen Fachwerkstädtchen im Nordschwarzwald. Die Hochschule wurde im Jahr 2000 gegründet, hat Partnerhochschulen in fünf Ländern und bildet zurzeit mehr als 300 Studenten aus. Das Studienangebot umfasst aktuell fünf praxisorientierte Bachelorstudiengänge (BWL, Controlling, Medien- und Kommunikationsmanagement, Kulturmanagement, Marketingmanagement) sowie einen interdisziplinären Master in Media Management, der auch berufsbegleitend absolviert werden kann. 
www.hs-calw.de

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