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Gesundheit06.03.2013

Patientenbegleiter Frank Dietzel

MUTMACHER UND SCHUTZENGEL

Rund 13 Kilometer legt Frank Dietzel täglich zu Fuß für die Patienten des SRH Gesundheitszentrums Bad Wimpfen zurück. Dabei leiht er diesen aber nicht nur seine Beine, sondern schenkt ihnen auch volle Aufmerksamkeit – ein Service, der dankbar angenommen wird.

Nur keine Hektik aufkommen lassen und immer freundlich sein – das ist Frank Dietzels Devise. Der Leiter des Patientenbegleitservice hat immer ein nettes Wort auf den Lippen, wenn er im Haus unterwegs ist, egal ob für Patienten oder Kollegen. Nichts bringt den 53-Jährigen so schnell aus der Ruhe, obwohl er sich meist beeilen muss. Immerhin begleiten sein elfköpfiges Team und er einen Großteil der rund 6.000 Patienten, die jährlich aufgrund neurologischer, kardiologischer oder orthopädischer Krankheitsbilder in der Rehabilitationsklinik behandelt werden. Sobald jemand Probleme hat, sich zurechtzufinden, oder die Wege durchs Haus aus körperlichen Gründen nicht alleine bewältigen kann, sind Dietzel und seine Kollegen zur Stelle: Im Rollstuhl bringen sie die ­Patienten pünktlich zum Essen oder zur Therapie und sorgen damit für reibungslose Abläufe. Doch ihre Aufgabe gehe weit darüber hinaus, ist Dietzel sicher: „Die meisten Patienten sind aufgeregt. Da brauchen sie einen Ruhepol, jemanden, der ihnen Mut zuspricht. Auch dafür sind wir da.“

"Ich möchte helfen"

Frank Dietzel (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Mal hierhin, mal dorthin-Hauptsache unterwegs: Frank Dietzel hat nach Dienstschluss mehr Kilometer auf dem Buckel als ein Fußballer, nah einem Bundesligaspiel.

Frank Dietzel wuchs in der DDR auf, in Dorndorf in der Rhön. Nach einer Maurerlehre leistete er seinen Militärdienst ab, kam dort zu den Sanitätern. Die Arbeit gefiel ihm, und nach seiner Dienstzeit begann er eine Ausbildung als Rettungssanitäter. Über die Jahre sammelte er viel Erfahrung im Umgang mit kranken Menschen: Er arbeitete im ambulanten Pflegedienst, auf einer Wachkomastation, in der Altenpflege, nahm an ­zahlreichen Weiterbildungen teil. „Ich möchte einfach helfen, das war schon immer so“, sagt er schlicht.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Seit Juli 2011 leitet er den Patientenbegleitservice am Gesundheitszentrum. Sein Arbeitstag beginnt um Viertel vor sieben. Dann erhält er die Therapielisten mit Namen, Therapiezeiten und Zimmernummern der Patienten. Eine Viertelstunde bleibt ihm, die Aufgaben auf sein Team zu verteilen, dann geht es auch schon los: Patienten müssen zum Frühstück gebracht werden, die ersten Therapien starten um halb acht.

In zwei Schichten kümmern sich seine Kollegen und er bis acht Uhr abends um ihre Schützlinge. Neben den Essens- und Therapiefahrten holen sie Neuankömmlinge mit ihrem Gepäck am Empfang ab und bringen sie zu ihren Zimmern. Sie servieren Patienten, die ihr Bett nicht verlassen können, die Mahlzeiten oder übernehmen auch schon einmal kleinere Einkäufe im Kiosk. Und sie unterstützen die Pflegekräfte, ­packen zum Beispiel mit an, wenn ein Patient aus dem Bett gehoben werden muss. Selbst nach Feierabend übernimmt Dietzel ab und an kleinere Einkäufe, etwa wenn ein Patient keine Angehörigen mehr hat – das sei doch selbstverständlich, findet er. Begleitet er keinen Patienten, erledigt er Organisatorisches, erstellt Dienstpläne, koordiniert Vertretungen und ist außerdem Betriebsratsmitglied.

Meist ist er jedoch unterwegs – und das ist ihm auch am liebsten. Dass er bei seiner Arbeit durch das weitläufige Klinikgebäude fast genauso viel läuft wie ein Postbote, stört ihn nicht. „Bei einer Schrittzähleraktion im letzten Jahr hat sich gezeigt: Jeder von uns macht täglich im Schnitt etwa 18.000 Schritte, das sind rund 13 Kilometer“, erzählt Dietzel und fügt schmunzelnd hinzu: „Aber inzwischen haben sich meine Beine daran gewöhnt.“ Die größere Herausforderung sieht er hingegen in den eng getakteten Terminplänen. „Dadurch müssen wir uns schon immer beeilen“, sagt er. Wichtig sei aber, dies die Patienten nicht spüren zu lassen – und dennoch Zeit für eine kurze Unterhaltung zu haben. „Viele suchen das Gespräch, auch solche, die unseren Service gar nicht brauchen.“

Ein Gespür für Menschen

Frank Dietzel (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Frank Dietzel: „Die meisten sagen, dass viele Abläufe jetzt viel besser als früher sind.“

Bei den täglichen Begegnungen entsteht so mitunter ein intensiver Austausch über „Gott und die Welt“, bei dem Dietzel häufig viel Persönliches von seinem Gegenüber erfährt. Manchmal wird er als kleines Dankeschön auf einen Kaffee eingeladen, manchmal melden sich ehemalige Patienten. Und er ist stolz auf das ihm entgegengebrachte Vertrauen, auch wenn es ihn verlegen macht, wenn Patienten ihn als Mutspender oder gar als Schutzengel bezeichnen. So wie eine Patientin, die unter Platzangst litt und daher panische Angst vor Aufzügen hatte. Dietzel setzte alle Hebel in Bewegung, damit sie in ein anderes Zimmer verlegt wurde und die meisten Wege ohne Aufzug machbar waren.

„In unserem Job müssen wir eben ein Gespür für Menschen haben, uns auf jeden individuell einstellen“, betont er. Das sei manchmal gar nicht so einfach: Einige Patienten sind 16, andere 90. Viele kommen für die Behandlung extra aus dem Ausland ans SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen. Kulturelle Unterschiede seien da an der Tagesordnung, und nicht jeder Patient spreche Deutsch, erklärt Dietzel. Verständigungsprobleme kennt er dennoch keine. Kommt er mit Englisch nicht weiter, versucht er es eben mit „Händen und Füßen“. „Wir müssen eben einfach offen sein“, sagt er.

Wie wichtig diese Offenheit ist, das will er auch an seine jungen Teamkollegen weitergeben. Bis auf zwei fest angestellte Kräfte arbeitet er mit jungen Frauen und Männern zusammen, die bei ihm ein freiwilliges soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst leisten. Also setzt er sich regelmäßig mit ihnen zusammen, gibt Tipps und tröstet, wenn an einem Tag nicht alles wie geplant läuft. So gelingt es ihm, trotz der häufigen Wechsel immer ein gutes Team auf die Beine zu stellen. Und das kommt nicht nur bei den Patienten gut an, sondern auch bei den Kollegen. „Die meisten sagen, dass viele Abläufe jetzt viel besser als früher sind“, zitiert Dietzel ein bisschen stolz. „Ich sehe uns als wichtiges Bindeglied zwischen Ärzten, Therapeuten, Pflegekräften und Patienten. Mir macht es unheimlich viel Spaß, mit all diesen Menschen zusammenzuarbeiten und sie auf unterschiedliche Weise zu unterstützen.“ So springt er zum Beispiel, wenn Not am Mann ist, immer gerne als Krankenpflegehelfer auf Station ein.

Doch nicht nur während seiner Arbeitszeit stehen für Frank Dietzel seine Mitmenschen im Mittelpunkt. Als Reiki-Meister bietet er zum Beispiel Meditationen an – und gibt so auch in seiner Freizeit etwas von seiner positiven Energie an andere weiter.

Gabriele Jörg

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SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen

Das SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen ist eine Fachklinik für Prävention, Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung mit 327 Betten.

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