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Nicht ohne mein Motorrad

Abseits der Hauptstraße auf dem Weg nach Antsirabe auf Madagaskar.

Autos und Motorräder sind Madeleine Beckers Leidenschaft – beruflich wie privat. Während ihres Studiums hat sie auf zwei Rädern abenteuerliche Reisen unternommen. Und auch beruflich setzt die Kommunikationsexpertin, die derzeit für Audi in Dubai arbeitet, voll auf Jobs mit viel PS.

Was macht die junge, blonde Deutsche mitten in der Nacht auf einem in Brasilien zugelassenen Motorrad an der Grenze zu Bolivien? Dass es sich um eine Urlaubs­reise handelt, wollen die bolivianischen Grenzpolizisten jedenfalls nicht glauben. Schließlich ist die einsame, unbeleuchtete Schotterpiste in den Bergen schon bei Tageslicht anspruchsvoll, nachts ist sie lebensgefährlich. ­Allenfalls Drogen- oder Waffenschmuggler fahren hier im Dunkeln entlang – und die glauben die schwer bewaffneten Grenzbeamten soeben erwischt zu haben. 
Für Madeleine Becker rückblickend wohl einer der schlimmsten Momente ihrer Motorradtour durch Südamerika. Nach 450 Kilometern Staub und Geröll sehnt sie sich nach einer Dusche und einem Bett. Stattdessen halten ihr ein paar finstere Typen in Uniform irgendwo im Nirgendwo eine Pistole vor die Nase. „Ich hatte wirklich Angst, dass die uns mitnehmen und einsperren“, erinnert sie sich. Ihren Begleiter Daniel Lengwenus haben die Grenzpolizisten ein gutes Stück weiter vorne abgefangen. Zum Glück spricht Becker gut Spanisch. Nach vielen misstrauischen Fragen und einigen Grobheiten dürfen die beiden schließlich weiterfahren. 50 Kilometer noch bis zur nächsten kleinen Stadt, wo endlich eine Unterkunft für die Nacht wartet.
Mit dem zehnwöchigen Trip von Brasilien durch Paraguay nach Bolivien hat sich die 25-Jährige einen Traum erfüllt – aggressiven Grenzbeamten, handtellergroßen Giftspinnen und von Coca berauschten Lkw-Fahrern zum Trotz. „Meine Eltern sind begeisterte Motor­radfahrer“, erzählt sie: „Schon als Kind bin ich immer mitgefahren, und mit 18 habe ich dann gleich meinen Führerschein dafür gemacht.“ Zum Bachelorabschluss, den sie 2013 an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw gemacht hat, schenkt der Vater ihr eine geführte Motorradreise durch Spanien. „Wir haben uns sehr gut mit dem Reiseleiter verstanden, und ich habe ihm von meinem Wunsch erzählt, einmal mit dem Motorrad durch Südamerika zu fahren.“ 
Womit sie niemals gerechnet hätte: Wenige Monate später ruft der nette Guide aus Spanien – ihr späterer Reisegefährte Lengwenus – tatsächlich an: Er plane rund zweieinhalb Monate Südamerika, Schwerpunkt Bolivien, um dort neue Strecken für Motorradreisen zu erkunden. Ein schlecht kartografiertes, anspruchsvolles ­Revier, wo selbst ein erfahrener Profi nicht gerne alleine fährt. Ob Madeleine Becker Lust und Zeit habe, ihn zu begleiten?

Klar liegen nach drei oder vier Tagen ohne Asphalt schon mal die Nerven blank.

Madeleine Becker,Kommunikationsexpertin und Motorradreisende

 

Krummlegen für einen Traum

Zeit hat Becker eigentlich nicht, denn mittlerweile steckt sie in Calw bereits im Masterstudium Media Management und Public Communications. Doch diese Chance will sie sich nicht entgehen lassen. Mit einer großen Portion Extraeinsatz und diversen Überstunden am Schreibtisch schafft sie sich den nötigen Freiraum im Studium und fliegt im März 2014 nach Brasilien.Auch wenn sie mit ihrer Ducati Diavel bis dahin eigentlich nur auf asphaltierten Straßen gefahren ist, fühlt sie sich dennoch auf der geliehenen Gelände­maschine sofort wohl. Und bereut ihre mutige Ent­scheidung nicht: Großartige Landschaft und viele gast­freundliche Menschen entschädigen für nerven- und kräftezehrende Fahrten durch Staub und Schlamm. Oft ohne vorher zu wissen, was bis zum nächsten Etappenziel auf sie zukommt. „Klar liegen nach drei oder vier ­Tagen ohne Asphalt schon mal die Nerven blank“, gibt sie lachend zu, „aber unterm Strich habe ich jeden Tag genossen.“Von ihrer außergewöhnlichen Reise hat Made­leine Becker persönlich und beruflich profitiert. Genau wie ihr Reisegefährte arbeitet sie inzwischen freiberuflich für die Motor Presse Stuttgart. So konnte sie während ­ihres Masterstudiums noch zwei weitere Motorradreisen unternehmen: Im Frühjahr 2015 war sie mit einer kleinen Reisegruppe in Indien und im Himalaja unterwegs, im Herbst erkundete sie Madagaskar.

 

 

Die SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw

Kleine Lerngruppen, Praxisorientierung und der persönliche Kontakt mit Professoren und Dozenten zählen zu den Pluspunkten der SRH Hochschule in Calw im Nordschwarzwald. Rund 370 Studenten lernen hier in verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen in den Bereichen Wirtschaft, Medien- und Kulturmanagement. Im Oktober startet ein neuer Master: „Internationales Mittelstandsmanagement“. Infos aus erster Hand bieten die nächsten Studieninformationstage: Montag, 3. Oktober, und Mittwoch, 16. November.
www.hochschule-calw.de

 

Erst Karriere, dann Panamericana

Aktuell hat das Motorrad Pause, genau wie die beiden Oldtimer, die sie sich zwischenzeitlich noch zugelegt hat. Unmittelbar nach ihrem Masterabschluss im März 2016 ist Madeleine Becker nach Dubai geflogen. Noch bis Ende September macht sie dort bei Audi Middle East ein Auslandspraktikum im Eventmarketing. „Ich könnte auch länger bleiben, aber ich vermisse mein Motorrad. Hier in Dubai fahren nur ein paar Verrückte“, sagt sie. An ihr Studium in Calw denkt sie gerne zurück. Nicht nur, weil man von dort aus so schöne Motorradtouren durch den Nordschwarzwald machen kann, sondern vor allem wegen der familiären Atmosphäre und der engagierten persönlichen Betreuung an der kleinen privaten Hochschule. „Ich vermisse meine Kommilitonen wirklich sehr“, sagt sie. Als großes Plus sieht sie auch die flexible Studienorganisation, die ihr genug Zeit ließ, um parallel zum Studium als Werkstudentin bei Ducati, Bosch und Porsche Consulting praktische Erfahrungen in ihrer Lieblingsbranche zu sammeln.Natürlich hat die begeisterte Zweiradfahrerin schon die nächsten Reisepläne im Kopf: „Einmal im Leben die Panamericana von Alaska nach Feuerland fahren“, lautet ihr neuer Traum. Doch der 26.000-Kilometer-Trip über zwei Kontinente muss wohl noch etwas warten: „Am liebsten würde ich gleich starten, aber jetzt hat erst mal die Karriere Vorrang.“ 

Text Kirstin von Elm

 

 

Zwei Tage entspannen am Strand von Morondava, ebenfalls auf Madagaskar.

Blumenpflückpause auf 4.000 Metern über dem Meer zwischen Tarija und PotosÍ in Bolivien.

Bolivien: Fahrt von Aiquile nach Santa Cruz.

Bushaltestelle in Malaimbandy auf Madagaskar.

Eindrücke von ihren Reisen durch Südamerika, den Himalaja und Madagaskar im Blog von Madeleine Becker: www.madeleinebecker.com

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