direkt zum Inhalt

Gesundheit11.03.2011

Praxisanleiterin Gerlinde Brand

"Ich liebe meine Arbeit"

"Die Pflege ist auch immer das Aushängeschild eines Krankenhauses", sagt Gerlinde Brand.

21 Jahre war Gerlinde Brand Krankenschwester, seit nunmehr 16 Jahren bildet sie als Praxisanleiterin Gesundheits- und Krankenpflegeschüler am SRH Zentralklinikum Suhl aus. Zur Routine sind ihr beide Tätigkeiten trotz ihrer Erfahrung nie geworden. Sie liebt ihren Job wie am ersten Tag und ist gerne Vorbild für die Jungen.

Gerlinde Brand steht am Medikamentenschrank, zieht eine Schublade nach der anderen auf und erklärt der Auszubildenden, welche Präparate bei welcher Kinderkrankheit verabreicht werden. Sie nimmt jede Packung in die Hand, öffnet die Schachtel, zieht den Beipackzettel heraus und weist akribisch auf die Besonderheiten der jeweiligen Arznei hin. Sorgfältig zu sein bei allem, was sie tut, war zeitlebens Gerlinde Brands Credo, und ihr Wille, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen – egal ob Patient oder Schüler –, ist ausgeprägt.

Ihre Leidenschaft für den Beruf der Krankenschwester entdeckte sie im Alter von zwölf Jahren. Damals besuchte sie ihren nierenkranken Vater in der Klinik und beobachtete die Schwestern bei ihrer Arbeit. Die Vorstellung, anderen Menschen helfen zu können, fand sie auf Anhieb reizvoll. „Als Kind hatte ich mich auch für die Landwirtschaft und die Arbeit mit Tieren interessiert, aber das war doch eher ein Flirt als richtige Liebe. Etwas Großes wäre es dagegen, so sagte ich mir, Menschen zu helfen.“

Damit war Gerlinde Brands Weg vorgezeichnet. Nach Abschluss der mittleren Reife bewarb sie sich 1971 um einen Ausbildungsplatz im städtischen Klinikum zu Arnstadt. „Ich hatte ein längeres Gespräch mit der Oberin. Den Personalbogen, den sie mir anschließend aushändigte, habe ich gleich ausgefüllt und wieder zurückgeschickt. Wenig später hatte ich die Zusage.“

Neuanfang in Suhl

Auch nach ihrer dreijährigen Ausbildung 1974 blieb sie zunächst im Arnstädter Krankenhaus und arbeitete dort in der inneren Abteilung. Eher zufällig erfuhr sie vom Bau einer neuen Klinik in Suhl und davon, dass den Bediensteten dort auch Wohnungen angeboten wurden. „Ich bewarb mich spontan, denn Wohnraum war zu dieser Zeit knapp, und die Aussicht auf eine neue Aufgabe reizte mich“, erzählt die 56-Jährige.

In Suhl war sie zunächst stellvertretende Stationsleiterin der inneren Abteilung; später übernahm sie dort die Leitung. Mit der Wende Ende der 1980er-Jahre veränderte sich vieles, vor allem im Berufsalltag. „Wir wurden mit einer Vielzahl neuer medizinischer Arbeitsmaterialien konfrontiert. Ich denke da zum Beispiel an die Einwegspritze; bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir alle unsere Spritzen selbst sterilisiert“, sagt Brand.

Mit den arbeitstechnischen Umstellungen und veränderten Abläufen stiegen auch die Anforderungen an die Pflege: So müssen die Krankenschwestern nicht nur grundlegende Handgriffe wie das Anlegen von Verbänden und Infusionen beherrschen, sondern in zunehmendem Maße auch medizinische Geräte bedienen. „Die Rolle der Pflege insgesamt hat sich gewandelt. In meiner Anfangszeit als Krankenschwester stand die Medizin im Vordergrund, und der Patient hat einfach darauf vertraut, dass ihm die bestmögliche medizinische Hilfe zuteil wird“, sagt Brand. Heute treten die Patienten selbstbewusster auf; viele informieren sich aus dem Internet und aus Büchern und wollen zusätzlich über Behandlung und Therapie aufgeklärt werden. Darauf müssen Krankenschwestern und Pfleger entsprechend vorbereitet sein.

„Das muss die Ausbildung leisten. Die Schüler brauchen Unterstützung und konkrete Ansprechpartner, die ihnen zur Seite stehen. Früher war das leider anders. Ich erinnere mich an meine eigene Ausbildung: Wir Frischlinge haben häufig anstelle von Ratschlägen nur ein ‚Da musst du durch‘ als Antwort erhalten. Das wollte ich ändern.“

Der Wechsel in die Lehre

Als das Klinikum in Suhl Anfang der 1990er-Jahre eine Lehrschwester suchte, sah Gerlinde Brand ihre Chance gekommen. Sie drückte noch einmal die Schulbank und wurde am Ende mit dem Titel „Praxisanleiterin“ belohnt. Die neue Aufgabe sieht sie als Beruf und Berufung gleichermaßen. Bis heute hat die Tätigkeit für sie nichts an ihrer Faszinationskraft eingebüßt.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Mandy Lange betreut Gerlinde Brand vorwiegend Gesundheits- und Krankenpflegeschüler. Zudem ist sie für den praktischen Einsatz von Auszubildenden aus anderen Berufen, etwa Kosmetikern, Logopäden, Altenpflegern und medizinisch-technischen Assistenten, zuständig. „Wir nehmen sie in Empfang, sind für sie während ihrer Zeit hier im Haus Ansprechpartner. Darüber hinaus sind wir auch klinikübergreifend für die Organisation verantwortlich und teilen jeder Abteilung Schüler zu“, erklärt Gerlinde Brand.

Mit dem Krankenpflegegesetz, das seit 2004 gilt, haben sich auch die Schwerpunkte der Lerninhalte verschoben. Die Theorie hat mehr Anteil gewonnen. Daher ist es umso wich¬tiger, die Gesundheits- und Krankenpflegeschüler praktisch anzuleiten und zu unterweisen.

An neuen Aufgaben wachsen

Seit einem Jahr läuft am Klinikum in Suhl das Projekt „Optimierung der praktischen Ausbildung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter“. Ziel ist es, die einzelnen Ausbildungsphasen in den verschiedenen Abteilungen noch besser aufeinander abzustimmen, damit alle Lernmodule abgedeckt sind. „Wir begleiten die Schüler auf die jeweilige Abteilung und besprechen gemeinsam mit den jeweiligen Verantwortlichen und den Auszubildenden, welche Tätigkeiten sie noch erlernen müssen und an welchen Stellen sie ihr Wissen noch vertiefen sollten. So binden wir die Lernenden aktiv ein“, sagt Gerlinde Brand.

Gerne erinnert sie sich an den Jahrgang 1999. „Das war eine Top-Klasse. Die Schüler haben immer mitgedacht, wollten viel wissen und haben uns dadurch viel abverlangt“, berichtet sie und lacht. „Aber an solchen Aufgaben wachsen ja auch wir.“ Sich über aktuelle Pflegestandards auf dem Laufenden zu halten ist für Brand und Lange selbstverständlich. Dazu dient auch der einmal im Quartal anberaumte Qualitätszirkel, zu dem sich Praxisanleiter des SRH Zentralklinikums Suhl treffen und sich austauschen, etwa über aktuelle Trends in der Pflege. Regelmäßig werden dazu auch die Lehrer aus der Schule eingeladen, um Theorie und Praxis besser aufeinander abzustimmen.

Die wesentlichen Dinge, so Gerlinde Brand, veränderten sich trotz allen Wandels allerdings nicht. Früher wie heute stehe der Patient mit all seinen seelischen Nöten im Vordergrund. „Eine gute Krankenschwester hat gelernt, ihm die Wünsche von den Augen abzulesen und Dinge von sich aus anzubieten; das können schon Kleinigkeiten wie eine Tasse Tee sein.“ Und vor allem eines gibt Gerlinde Brand ihren Schützlingen immer mit auf den Weg: „Patienten messen ihre Zufriedenheit vor allem an der Freundlichkeit und fachlichen Kompetenz der Schwestern. So gesehen ist die Pflege auch immer das Aushängeschild eines Krankenhauses.“

Georg Haiber

Kommentar hinzufügen


* Pflichtfeld

Kommentare

Keine Kommentare

SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.

Weitere Artikel "Bildung"

Weitere Artikel aus der Rubrik "Bildung" finden Sie hier

Weitere Artikel "Gesundheit"

Weitere Artikel aus der Rubrik "Gesundheit" finden Sie hier