direkt zum Inhalt

Gesundheit

Brustzentrum Südthüringen

Allianz gegen Brustkrebs

Dr. med. Uwe Rhein: "Wir wollen künftig an einem Strang ziehen, anstatt um Patienten zu konkurrieren."

Das Brustzentrum Südthüringen – eine gemeinsame Abteilung des SRH Zentralklinikums Suhl und des Klinikums in Meiningen – weist im Kampf gegen Brustkrebs erstaunliche Erfolge vor. So ist die Fünf-Jahres-Überlebensrate der dort behandelten Patientinnen um 6,5 Prozent höher als in umliegenden, nicht zertifizierten Kliniken.

Jahr für Jahr erkranken in Deutschland etwa 55.000 Frauen neu an Brustkrebs. Keine andere Krebsart kommt bei Frauen so häufig vor. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts ist heute im Schnitt jede neunte bis zehnte Frau betroffen.

Grundsätzlich erhöht sich mit zunehmendem Alter das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken; mit 70 Jahren ist es am größten. Und da die Lebenserwartung im Laufe der vergangenen Jahrzehnte stetig gestiegen ist, hat parallel dazu die Häufigkeit der Krankheit zugenommen – seit den 1970er-Jahren um etwa 30 Prozent. Allerdings kletterte im gleichen Zeitraum auch der Wert der Fünf-Jahres-Überlebensrate von 70 auf mehr als 80 Prozent – dank verbesserter Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten. „Entscheidend zu der positiven Entwicklung beigetragen haben die inzwischen deutschlandweit mehr als 200 Brustzentren. In diesen auf Brustkrebs spezialisierten Abteilungen sind alle nötigen medizinischen Fachkompetenzen gebündelt“, erläutert Dr. med. Uwe Rhein, Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Leiter des Brustzentrums in Suhl.

Suhl mit Vorreiterrolle

Als zweite Einrichtung in den neuen Bundesländern überhaupt erlangte das Brustzentrum am SRH Zentralklinikum Suhl im Jahr 2004 erstmals die Zertifizierung, wenig später zog die Klinik in Meiningen unter Leitung von Dr. med. Heiko Graf nach, und im darauf folgenden Jahr erfolgte erstmals eine gemeinsame Zertifizierung. „Wir sollten immer im Dienst der Patienten agieren. Daher haben wir uns damals dazu entschieden, im Kampf gegen den Brustkrebs an einem Strang zu ziehen, anstatt um Patienten zu konkurrieren“, erklärt Rhein. Inzwischen zeitigt das Gemeinschaftsprojekt Erfolge, die direkt messbar sind.

So waren bei Patientinnen, die im Südthüringer Brustzentrum behandelt wurden, die Fünf-Jahres-Überlebensraten 2009 um fünf, im Jahr 2010 sogar um 6,5 Prozent besser als in umliegenden Kliniken Südthüringens. Damit solche Aussagen überhaupt möglich sind, werden sämtliche klinischen Daten im Regionalen Tumorzentrum Suhl e. V. erfasst, mit dem das Klinikum kooperiert. Je mehr Zahlen im Zentrum eingehen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die meisten Daten werden von niedergelassenen Ärzten geliefert, denn sie behandeln und beobachten die Frauen nach ihrer Entlassung aus dem Klinikum über einen längeren Zeitraum. „Rund 70 Prozent der Ärzte haben in den vergangenen beiden Jahren Daten an das Tumorzentrum übermittelt, das sind erfreulich viele“, meint Rhein. Die hohe Motivation der Ärzte, beim Sammeln der Daten mitzumachen, führt er auf die guten Therapieergebnisse zurück: Diese sprächen eben auch für die Behandlungsqualität der niedergelassenen Kollegen.

Hohe Patientenzufriedenheit

Der Therapieerfolg spiegelt sich letztlich auch in einer sehr hohen Patientenzufriedenheit wider. Dies haben Umfragen ergeben, die im Zuge der Zertifizierung vorgenommen wurden. So spüren die Patientinnen genau, dass alle Partner hinsichtlich Behandlung und Nachsorge für sie da sind und Prozesse reibungslos laufen. „Dafür bürgt die Zusammenarbeit des Brustzentrums mit mehr als 50 Partnern wie niedergelassenen Ärzten, Selbsthilfegruppen, Sanitätshäusern und Reha-Einrichtungen. Aus diesem harmonischen Miteinander erwächst die nötige Fachkompetenz und die Vielzahl therapeutischer Möglichkeiten“, erläutert Rhein.

Herzstück des Brustzentrums ist die Tumorkonferenz, die in wöchentlichem Rhythmus abwechselnd in Suhl und Meiningen stattfindet. Dort bewerten Vertreter aller wichtigen Fachdisziplinen gemeinsam sämtliche Befunde vor und nach der Operation und berücksichtigen dabei Vorerkrankungen sowie das soziale Umfeld der Patientinnen. Da die Diagnose Krebs für die betroffenen Frauen ein harter Schicksalsschlag ist, werden sie auch psychologisch betreut.

Ständige Mitglieder der Konferenz sind ein Radiologe, ein Operateur, ein Onkologe, ein Pathologe, ein Strahlentherapeut, eine Psychoonkologin sowie eine „Breast Care Nurse“ und eine Studienschwester. Der Pathologe etwa bestimmt den Typ des Karzinoms, der Radiologe lokalisiert die Tumorherde. Die „Breast Care Nurse“ wiederum begleitet eine Patientin von der Diagnose über alle Behandlungsschritte bis hin zur Nachsorge und/oder Reha. Und die Studienschwester kümmert sich um Patientinnen, die mit neuen Präparaten therapiert werden und in Studien eingebunden sind. Im Schnitt nimmt jede fünfte Patientin an solchen Studien teil; die Auswahl erfolgt jeweils anhand bestimmter medizinischer Parameter wie Tumorart oder Stadium der Krankheit.

„In unserem Brustzentrum bieten wir alles an Diagnose- und Therapieoptionen, was weltweit verfügbar ist – und das auf einem sehr hohen Qualitätsniveau“, betont Rhein. Allerdings erfordere das auch besondere Maßnahmen wie die Teilnahme an einer regelmäßigen Zertifizierung oder etwa einen regelmäßigen fachlichen Austausch im Rahmen von Qualitätszirkeln. Bei solchen Treffen kommen einmal im Quartal Brustkrebsspezialisten aus der Region zusammen und tauschen sich über neue Therapieformen wie moderne Bestrahlungstechniken aus.

Doch nicht nur die Mediziner, auch die Patientinnen selbst können dem Brustkrebs ein Stück weit seine tödliche Bedrohung nehmen, etwa indem sie regelmäßig zur Früherkennung gehen. Seit 2008 führt das Mammografie-Screening-Programm Thüringen ein systematisches Screening durch. Dazu werden alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zu einer Kontrolluntersuchung eingeladen. Rhein sieht darin eine große Chance: „Dadurch lassen sich viel mehr Tumore in einem frühen Stadium entdecken und brusterhaltend operieren. 50 bis 60 Prozent der Frauen, die wir angeschrieben haben, nutzten das Angebot im vergangenen Jahr. Wenn wir diesen Anteil nach und nach auf 80 Prozent steigern könnten, wäre das ein schöner Erfolg.“

Georg Haiber

Kommentar hinzufügen


* Pflichtfeld

Kommentare

Keine Kommentare

SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.

Südthüringer Brustzentrum Suhl/Meiningen

Die gemeinsame Einrichtung des SRH Zentralklinikums Suhl und des Klinikums Meiningen ist das erste zertifizierte Brustzentrum in Südthüringen.

Weitere Artikel "Gesundheit"

Weitere Artikel aus der Rubrik "Gesundheit" finden Sie hier

Weitere Artikel "Bildung"

Weitere Artikel aus der Rubrik "Bildung" finden Sie hier