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Gesundheit17.09.2013

Interview mit Dr. Rando Karl Winter

Beweglichkeit bis ins hohe Alter

Dr. Rando Karl Winter: „Menschen wollen unein-geschränkt mobil sein.“

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts ersetzten Mediziner erstmals defekte Gelenke durch künstliche. Seitdem hat die Forschung enorme Fortschritte gemacht. Was moderne Endoprothetik heute leistet, erklärt Dr. Rando Karl Winter, der seit Juni dieses Jahres die Orthopädie am SRH Wald-Klinikum Gera leitet. 

Herr Dr. Winter, was hat sich in den letzten Jahren in der Endoprothetik verändert, und welche Vorteile haben Patienten dadurch?

Ein wichtiger Trend ist der Teilgelenkersatz. Unter dem Motto „So viel wie nötig und so wenig wie möglich“ versuchen wir, körpereigene Strukturen weitgehend zu schonen und nur die geschädigten Gelenkanteile zu ersetzen. Der Vorteil für die Patienten: Wir schonen wertvollen Knochen, der in der Zukunft als Grundstock für perspektivische Wechseloperationen benötigt wird. Darüber hinaus lassen sich die Implantate aufgrund ihrer Größe und der verbesserten Instrumente minimalinvasiv einsetzen. Das schont umgebende Weichteilstrukturen und führt zu einer schnelleren Rehabilitation der Patienten.

Was hat sich im Bereich Werkstoffe getan?

Die Qualität der Werkstoffe hat sich enorm verbessert. Heute bestehen die beweglichen Komponenten der Implantate aus hochvernetzten Polyethylenen oder aus speziell gehärteter
Keramik. Dies stellt eine wesentliche Verbesserung der Haltbarkeit von „Verschleißteilen“, der Pfannenauskleidungen am Hüftgelenk bzw. der Lager im Kniegelenk, dar. Dadurch sinkt beispielsweise das Risiko, dass Implantate vorzeitig versagen. Wir setzen den Patienten heute weitgehend wartungsfreie Kunstgelenke ein.

Wie lange halten moderne Hüft- und Knieprothesen, und was kommt danach?

Große Studien zeigen, dass neun von zehn Patienten ab dem 65. Lebensjahr länger als 16 Jahre mit ihrem Kunstgelenk leben können. Bei jüngeren Menschen hingegen beobachten wir kürzere Standzeiten. Grund hierfür ist unter anderem eine höhere Belastung. Im Fall eines relevanten Verschleißes tauschen wir gemäß des Baukastenprinzips die geschädigten Teile aus und versuchen, Knochen- sowie Bandfunktionen zu rekonstruieren. Das ist sogar mehrmals möglich. So können wir die Beweglichkeit bis ins hohe Alter sicherstellen. 

Stimmt es, dass bereits immer jüngeren Patienten ein künst­liches Hüft- bzw. Kniegelenk eingesetzt wird?

Diese Tendenz ist zweifellos zu beobachten. Zum einen liegt das sicherlich an den modernen Implantaten mit den schon genannten Vorteilen. Zum anderen wollen viele Menschen möglichst uneingeschränkt mobil sein, weshalb Patienten gelenkerhaltende Maßnahmen immer seltener in Betracht ziehen.

Was kann die Endoprothetik in Zukunft noch leisten?

Die Forschung konzentriert sich vor allem darauf, Materialien sowie die Verankerung künstlicher Gelenke im Knochen weiter zu verbessern. Wenn es uns gelänge, körpereigenes Gewebe wie Knorpel und Knochen zu regenerieren, wäre das ein weitaus größerer Fortschritt. Erste Achtungserfolge wurden bereits erzielt; bis zur routinemäßigen Anwendung ist es aber noch ein weiter Weg. Bis dahin bleibt die optimale Behandlung der Patienten mit hochgradigem Verschleiß an Knie- und Hüftgelenk die Aufgabe der Endoprothetik.

 

Kirsten Schmidt

SRH Wald-Klinikum Gera

Mit 90.000 Patienten im Jahr in 24 Fachbereichen ist das SRH Wald-Klinikum Gera das größte Krankenhaus der Region Ostthüringen.

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