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Clever renovieren

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Wer rechtzeitig Barrieren entfernt, profitiert doppelt. SRH Experten zeigen, wie man die eigenen vier Wände altersgerecht modernisiert und dabei viel Geld spart.

Neben einer robusten Gesundheit haben die Deutschen fürs Alter vor allem einen Wunsch: möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sagen fast zwei Drittel der Befragten ausdrücklich, dass sie dies anstreben. „Kaum jemand denkt jedoch frühzeitig über entsprechende Vorkehrungen für ein altersgerechtes Wohnen nach“, erläutert Prof. Dr. Susanne Edinger, Dozentin für Ingenieurwesen und Architektur an der SRH Hochschule Heidelberg. Stattdessen beschäftigen sich viele Menschen erst mit dem Thema, wenn im Alter körperliche Einschränkungen auftreten.

 

Um auch junge Leute frühzeitig für das Thema zu sensibilisieren, fördert die SRH Hochschule Heidelberg mit dem Studiengang Architektur bereits seit Jahren Forschung und Lehre zu alters­gerechtem Bauen. Das Ergebnis dieses Engagements kann sich sehen lassen: So hat die Hoch­schule etwa in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft GAG Ludwigshafen eine Musterwohnung gebaut und ein Handbuch für die altersgerechte Wohnraumgestaltung erstellt. Zudem hat die Forschung der SRH die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) dabei unterstützt, Förderrichtlinien für die Vergabe zinsgünstiger Finanzierungskredite zu entwickeln.

 

Von diesem Angebot kann insbesondere profitieren, wer ohnehin plant, eine Immobilie zu kaufen oder zu renovieren. „Die altersgerechte Anpassung des Wohnraums muss dabei nicht gleich mit dem Einbau eines Treppenlifts einhergehen“, bemerkt Prof. Edinger. Schon geringfügige Anpassungen können hilfreich sein, damit die Bewohner ohne größere Schwierigkeiten und möglichst ohne Hilfe auch im Alter die eigene Wohnung genauso nutzen können wie in den Jahren davor.

Im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit an der SRH Hochschule Heidelberg hat Susanne Edinger zahlreiche Maßnahmen für altersgerechtes Wohnen konzipiert. Die folgenden Empfehlungen sind besonders für den frühzeitigen Einbau geeignet, da sie auch für junge Menschen Erleichterungen schaffen:

Türen

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Damit sich auch Personen mit Rollstühlen und Rollatoren problemlos von Raum zu Raum bewegen können, sollten Türen mindestens 80 Zentimeter breit sein. Auch hinderliche Türanschläge am Boden sollten grundsätzlich vermieden werden. Wenn sie technisch dennoch unbedingt erforderlich sind, sollten sie eine Höhe von zwei Zentimetern nicht überschreiten. Eine neben der Wohnungstür angebrachte Gegensprechanlage mit Türöffner ist ebenfalls sinnvoll, damit die Bewohner fragen können, wer an der Haustür ist, ohne sie vorher öffnen zu müssen.

Fenster

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Wer ohnehin neue Fenster einbauen möchte, sollte auf Modelle mit tiefergesetzten Griffen zurückgreifen. So ist es auch Rollstuhlfahrern problemlos möglich, die Fenster aus der Sitzposition heraus zu öffnen. Aber auch bereits vorhandene Fenster können oftmals ohne größere Umstände mit einem niedrigen Griff nachgerüstet werden.

Schwellen und Stufen

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Schwellen sollten nicht nur innerhalb der Wohnung, sondern auch zwischen Wohnung und Balkon oder Terras­se vermieden werden. Auch hier gilt, dass sie nicht höher als zwei Zentimeter sein sollten, falls sie technisch unbedingt erforderlich sind. Stufen sollten nicht unterschnitten sein, da man sonst leicht mit den Fußspitzen an überstehenden Kanten hängen bleiben kann.

Küche

Bereits mit geringfügigen Anpassungen können Immobilienbesitzer das Unfallrisiko in der Küche erheblich re­duzieren: So macht etwa ein Fußboden mit trittsicherem Bodenbelag das Gehen deutlich sicherer. In Sitz­höhe erreichbare Schränke und Geräte bieten zusätzlichen Komfort. Grundsätzlich sollte bei der Planung darauf geachtet werden, dass genügend Arbeitsfläche zur Verfügung steht und Stolperfallen sowie störende Möbelkanten vermieden werden. Eine ausreichende Zahl von Steckdosen, Stromanschlüssen und tragfähigen Wänden zur Montage von unterfahrbaren Küchenelementen versetzen den Bewohner bei Bedarf in die Lage, die Küche an persönliche Bedürfnisse anzupassen.

Badezimmer

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Im Badezimmer erlauben bodengleiche Duschen einen erleichterten Zugang und erhöhen gleichzeitig die Bewegungsfläche. Vor allem im Duschbereich sorgen rutschfeste Bodenbeläge dafür, dass auch bei Nässe keine Gefahr besteht. Eine Fußbodenheizung ersetzt hinderliche Badematten und schafft durch die Einsparung von Heizkörpern zusätzliche Bewegungsfreiheit. Ein weiteres und besonders wichtiges Sicherheitskriterium ist eine im Notfall nach außen öffnende und zu entriegelnde Tür, damit eine am Boden liegende hilflose Person oder ein Rollstuhl das Öffnen der Tür nicht verhindert. Anstrengungen und lange Wege können vermieden werden, wenn die Waschmaschine nicht im Hausgemeinschaftsraum, sondern im Badezimmer angeschlossen ist.

Julian Kerkhoff

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Prof. Dr. Susanne Edinger:
Expertin für barrierefreies Wohnen

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