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Interview mit Prof. Dr. Susanne Lang

Den Patienten wieder Luft geben

Luft ist Prof. Dr. Susanne Langs Metier. Ihr Ziel, dass die Patienten wieder richtig durchatmen können - und ohne Probleme einen Ballon aufpusten können.

Das SRH Wald-Klinikum Gera behandelt alle Erkrankungen der Atemwege und hat sich auf die fachübergreifende Diagnostik und Therapie des Lungenkrebses spezialisiert. Als einzige Klinik in der Region verfügt es über einen neuen endobronchialen Ultraschall. Perspektiven sprach mit Prof. Dr. Susanne Lang, die seit Dezember 2007 die Klinik für Hämatologie und Onkologie, Pneumologie und Infektiologie, Akutgeriatrie und Diabetologie leitet.

Wollten Sie schon als Kind Ärztin werden?
Ja. Meine Großeltern waren beide Mediziner, mein Vater auch. Ärztin zu sein ist das, was ich immer wollte und was mir Spaß macht. Mein Schwerpunkt ist die Lungenheilkunde, und es ist toll, wenn ich meinen Patienten wieder Luft geben kann. Außerdem sind zwei meiner fünf Geschwister wie ich Mediziner geworden. Das liegt dann wohl in der Familie.


Weshalb haben Sie sich 2007 für das SRH Wald-Klinkum Gera entschieden?
Ich möchte die Menschen in den Mittelpunkt meiner Medizin rücken. Mich hat es überzeugt, dass die SRH das auch tut. Außerdem ist das SRH Wald-Klinikum Gera ein breit aufgestelltes Klinikum mit einem riesigen Spektrum. Was die Lungenheilkunde betrifft, findet sich selten so viel interdisziplinäre Kompetenz unter einem Dach. Und trotz der Größe gibt es dank der guten Kollegialität „kurze Wege“. Das ist ein Vorteil für uns und gut für unsere Patienten.

Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Ja, ich habe den Eindruck, es ist der SRH wichtig, dass sich die Mitarbeiter in Gera ernst genommen und wohl fühlen. Das finde ich gut. Und ich habe ein wirklich tolles Team, auf das ich mich verlassen kann. Unser Ziel ist es, den Patienten zu helfen. Natürlich gelingt es nicht immer allein mit medizinischen Mitteln, alle Krankheiten zu heilen. Aber ich kann die Menschen dabei unterstützen, mit ihrer Krankheit besser umzugehen oder ihre körperliche Belastbarkeit und Lebensqualität zu verbessern. Meine Mitarbeiter signalisieren, dass sie zufrieden sind und ihnen die Arbeit Spaß macht. Das spüren auch die Patienten.


Was kann denn die gesunde menschliche Lunge leisten?
Sie hat eine riesige funktionelle Reserve. Ein gesunder Erwachsener atmet normalerweise etwa sechs bis acht Liter Luft pro Minute. Spitzensportler können diesen Wert bis auf 250 Liter steigern. Auch Höchstleistungen wie das Apnoetauchen, bei dem es darum geht, mit einem Atemzug möglichst lange unter Wasser zu bleiben, sind nur dank der enormen Luftreserve möglich. Manche Taucher schaffen etwa acht bis zehn Minuten.


Und welche Lungenkrankheiten behandeln Sie hier im Wald-Klinikum am häufigsten?
Insgesamt behandeln wir rund 4.600 vor allem ältere Patienten pro Jahr in unserer Abteilung. Die meisten Patienten werden wegen Lungenerkrankungen, häufig Lungenkarzinomen, stationär behandelt. An zweiter Stelle stehen die Lungenentzündungen, gefolgt von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen wie Bronchitis oder Lungenemphysem. „Obstruktiv“ bedeutet, dass die Atemwege verengt sind. Neben Karzinomen begünstigt der Bergbau die sogenannte Staublunge oder Silikose. Wir begutachten regelmäßig eine Gruppe von rund 50 Patienten mit dieser Erkrankung. Und gemeinsam mit der Hautklinik untersuchen wir allergische Reaktionen, die sich in der Lunge abspielen, zum Beispiel beim Asthma.


Wie sieht die Behandlung im SRH Wald-Klinikum aus?
Die einzelnen Disziplinen, von der Strahlen- und Chemotherapie über die Thoraxchirurgie bis hin zur Palliativstation, arbeiten eng zusammen. Einmal pro Woche tagt ein Tumorboard: Dort besprechen Röntgenspezialisten, Strahlentherapeuten, Pneumologen, Lungenchirurgen und Onkologen die Fälle und beratschlagen, was zu tun ist. Gerade bei Tumoren ist Zeit ein wichtiger Faktor. Deshalb ist es von Vorteil, dass wir alle Phasen der Behandlung, etwa bei Karzinomen, in unserem Haus abdecken.

Zudem werden unsere Patienten psychologisch und in Ernährungsfragen beraten. Unsere Physiotherapeuten helfen den Patienten, die richtige Sportart zu finden, und zeigen ihnen, wie sie ihre Atemnot lindern können. Atmung und Bewegung zu koppeln ist beispielsweise eine Möglichkeit. Inzwischen bieten wir die Atemphysiotherapie auch ambulant an. So sind wir in der Lage, unsere Patienten über die stationäre Behandlung hinaus zu betreuen.

 
Worin unterscheidet sich Ihre Klinik von anderen?
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Breite des Angebots sind ungewöhnlich. Selten sind Disziplinen wie Pneumologie, Strahlentherapie und Thoraxchirurgie unter einem Dach vereint. Ein weiterer Vorteil ist unser Erfahrungsschatz. Wir behandeln viele Patienten, operieren viel. Allein im vergangenen Jahr haben wir 2.000 Bronchoskopien durchgeführt, das ist im Vergleich zu vielen anderen Kliniken eine große Anzahl. Und wir verfügen über ein Schlaflabor, in dem wir Patienten behandeln können, die eine Maskenbeatmung brauchen.

Auch medizintechnisch sind wir auf dem neuesten Stand. Unsere Endoskopie arbeitet beispielsweise seit 2008 mit dem endobronchialen Ultraschall (EBUS), um bei Verdacht auf einen Tumor Gewebeproben zu entnehmen. Dabei kombiniert das EBUS-Gerät die Bronchoskopie mit dem Ultraschall. Mit dem Ultraschallkopf lokalisiert der Arzt einen Herd. Dann wechselt er von Schall auf Sicht. So sieht er genau, an welcher Stelle die Nadel den Tumor punktiert. Die neue Methode ist damit wesentlich sicherer als bisherige. Meines Wissens sind wir die einzige Klinik in der Region, die den endobronchialen Ultraschall einsetzt.


Welche Ziele haben Sie für Ihre Abteilung?
Wir haben uns einiges vorgenommen. Wir wollen vermehrt an Studien teilnehmen und unser Angebot speziell für Patienten über 65 verbessern. Hier in Gera behandeln wir sehr viele Ältere, und wir möchten uns stärker auf die geriatrische Onkologie ausrichten. Wir müssen erkennen, welche spezifischen Bedürfnisse ältere Menschen haben. Auch deshalb wollen wir medizinische Konzepte speziell für die Geraer Bevölkerung entwickeln und ortsverbundene Ärzte für unser Klinikum gewinnen, die sich langfristig für die Menschen hier in der Region engagieren.

 Gabriele Jörg

 

Prof. Dr. Susanne Lang studierte Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. 1986 erhielt sie die Approbation als Ärztin, ein Jahr später promovierte sie. Nach dem Erwerb der Gebietsbezeichnung Internistin, des Teilgebiets Pneumologie (Lungenheilkunde) und der Zusatzbezeichnung Allergologie habilitierte Dr. Lang 2001 an der LMU München. Sie besitzt zudem die Zusatzqualifikationen Sozialmedizin und Medikamentöse Tumortherapie. Seit Frühjahr 2008 ist sie parallel zu ihrer Tätigkeit als Chefärztin im SRH Wald-Klinikum Gera als Professorin an der LMU München tätig. Die gebürtige Berlinerin lebt mit ihrem Mann in der Nähe von Gera und in München, wo sie auch aufwuchs.

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