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Den Richtigen finden

Rund eine halbe Million Schulabgänger entscheidet sich jedes Jahr für ein Studium. Doch wie kommen sie an einen passenden, hochwertigen Studiengang? Und was sind überhaupt Akkreditierungen? Hier einige Tipps zur Orientierung.

Eine schlichte Google-Anfrage zeigt, wie sehr das Thema Studienwahl beschäftigt. Die Frage „Wie finde ich den richtigen Studiengang für mich?“ wird so häufig eingegeben, dass die Suchmaske den Wortlaut schon automatisch vorschlägt und im Ergebnis über eine halbe Million Treffer ausspuckt. Tatsächlich ist das Angebot an Studiengängen riesig und wächst beständig. Mehr als 18.000 grundständige und weiterführende Programme gibt es aktuell an deutschen Hochschulen. Kein Wunder also, dass sich Studieninteressierte bei der Entscheidung schwer­tun. Wer also vor der Qual der Wahl steht, sollte sich zunächst fragen: Was möchte ich mit meinem Studium überhaupt erreichen? Was liegt mir? In welchen Beruf, in welche Branche soll es mich führen? Diverse kostenlose Interessen- und Fähigkeitentests wie etwa der SIT oder was-studiere-ich helfen bei dieser Selbstanalyse.

Sind die persönlichen Ziele eingekreist, gilt es, einen passenden Studiengang dafür zu finden. Tipp: Wer erst vage weiß, wo es inhaltlich hingehen soll, sucht zum Beispiel besser einen sehr breit aufgestellten Studiengang, der viele Wege offen lässt. Wer sein Ziel schon genau kennt, kann ein bisschen fokussierter rangehen. Hilfestellung bei der Suche im Wust der Angebote geben Studiengangsdatenbanken wie der „Hochschulkompass“ (siehe Kasten Seite 16) oder auch Hochschulrankings, in denen die Studiengänge sogar bewertet werden. 

Das umfassendste Ranking führt das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) durch. Neben Fakten zu ­Studium, Lehre, Ausstattung und Forschung beinhaltet es Professorenempfehlungen und die Urteile von über 250.000 Studenten über die Studienbedingungen an ­ihren Hochschulen. „Der Schritt von der Schule zur Hochschule ist nicht zu unterschätzen“, weiß Matthias Staat, der alle SRH Hochschulen koordiniert (siehe Kasten unten). Deshalb rät er angehenden Studenten generell dazu, „schlechte Bewertungen, die eine Hochschule durch Studenten erhält, ernst zu nehmen.“ Werden zum Beispiel ­organisatorische Mängel kritisiert, kann einen das im Studium Zeit und Energie kosten. Da es allerdings das eine und einzige Qualitätsmerkmal für einen Studiengang nicht gibt, gilt auch bei Hochschulrankings: Genau hinschauen, wer wen nach welchen Kriterien befragt hat. Nur dann las­sen sich die Ergebnisse richtig einschätzen.

Die SRH Hochschulen

Alle neun privaten SRH Hochschulen sind vom Wissenschaftsrat institutionell akkreditiert und staatlich anerkannt. Außerdem sind die angebotenen Studienprogramme ausnahmslos von einer Fachagentur akkreditiert.


Die SRH Hochschule Heidelberg erhielt 2003 als erste private Fachhochschule in Deutschland die Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat. Angesichts von sechs Fakultäten mit insgesamt rund 40 Studiengängen ist die zuständige Qualitätsmanagerin Anna Peczynska ständig mit Akkreditierungen befasst. Denn dabei handelt es sich „nicht nur um eine Prüfung, die alle fünf oder sieben Jahre ansteht“, sagt Peczynska. Es ist ein permanenter Prozess. Der organisatorische Aufwand für ein Verfahren ist groß. Vom Vertragsabschluss mit der jeweiligen Agentur, welche die Prüfung vornimmt, über die Selbstdokumentation der Hochschule und die Begutachtung vor Ort bis hin zum Akkreditierungsbeschluss vergeht mehr als ein Jahr. Nicht nur weil die Akkreditierungen befristet sind und erneuert werden müssen, stellt die Hochschule sich kontinuierlich selbst auf den Prüfstand. Sie arbeitet stets an ihren Strukturen, feilt an Studiengangsprofilen und qualifiziert ihr Personal weiter. „Die Hochschulen bekommen die Akkreditierungen nicht geschenkt“, betont Dorothee Fricke von der Hochschulrek­torenkonferenz in Bonn.


Wer seine Sache besonders gut macht, erhält spezielle Anerkennung: So bekam beispielsweise die SRH Hochschule Berlin für ihren Studiengang International Management von der Agentur FIBAA das „Premium-Siegel“, das herausragende Qualität bescheinigt. Bundesweit tragen nur neun Studiengänge diese Auszeichnung. Das FIBAA-Urteil deckt sich mit dem Urteil der Studenten: Im CHE-Ranking gaben die Berliner SRH Studenten ihrer Hochschule Bestnoten in vier von fünf Kategorien.

www.srh-hochschulen.de

 

Ins Innere der Hochschule blicken 

Wer eine Handvoll interessanter Studienangebote ausgemacht hat, findet auf den Homepages und in den Info­broschüren der Hochschulen nähere Details über Studieninhalte, -ablauf etc. Aufschlussreich ist dabei der Blick ins Modulhandbuch. Hier wird beispielsweise ersichtlich, wie welche Kompetenzen erworben werden oder mit welchem Arbeitsaufwand zu rechnen ist.

Nichts geht allerdings über den persönlichen Kontakt: Tage der offenen Tür oder Infotage der Fachschaft bieten eine gute Gelegenheit, persönlich mit Studenten und Dozenten zu sprechen. Fragen sollten zum einen das Konzept sowie das Profil des Studiengangs betreffen: ­Vermittelt er relevante Fach- und Schlüsselkompetenzen? Sind Praktika und Auslandssemester integriert? „Die inhaltliche Ausrichtung und Anschlussperspektiven sowie die Leistungs- und Prüfungsanforderungen sollten dem Interessenten verständlich und klar sein“, sagt Anna ­Peczynska, Qualitätsmanagerin an der SRH Hochschule Heidelberg. Zweitens sind die Rahmenbedingungen des Studiums wichtig: Wie groß sind die Lehrveranstaltungen? Wie ist die Bibliothek ausgestattet? Bietet die Hochschule Unterstützung bei der Praktikumssuche oder in Karrierefragen etwa durch Netzwerke oder Mentoren? Vor Ort können Interessierte zudem die Atmosphäre der Hochschule erspüren. Wie fühlt sich das Ganze an? Was sagt der Bauch? „Ein Studium ist wie eine Ehe auf Zeit“, meint Michael Hartmann, Vizepräsident für Lehre an der SRH Hochschule Berlin, „da muss die Chemie stimmen.“

Der Staat prüft Studium und HochschuleEin Auge sollten Studieninteressierte auf Qualität und Renommee der Hochschule haben. Rund 95 Prozent der Hochschulen hierzulande werden vom Staat finanziert und befinden sich daher in staatlicher Trägerschaft. Bei den übrigen handelt es sich, wie bei den SRH Hochschulen, um private Einrichtungen. Wer hier studiert, schätzt meist die kleinen Studiengruppen, die enge Anbindung an die Wirtschaft und die internationale Ausrichtung, muss dafür aber Studiengebühren zahlen. Wer sich für eine private Hochschule interessiert, sollte darauf achten, dass sie staatlich anerkannt ist. Denn nur dann kann sie – wie die staatlichen Hochschulen – auch einen staat­lich anerkannten Abschluss vergeben. Diesen be­nötigen Absolventen, um weiterführend studieren zu können, und damit ihre Studienleistungen auf dem Arbeitsmarkt anerkannt werden.

Für die staatliche Anerkennung müssen private Hochschulen vom Wissenschaftsrat, dem wissenschaftspolitischen Beratungsgremium für Bund und Länder, „institutionell akkreditiert“ werden. Das heißt, der Wissenschaftsrat prüft, ob die Einrichtung in der Lage ist, Lehre und Forschung nach anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben zu leisten. Außerdem nimmt er die personelle und sachliche Ausstattung sowie die Finanzierung der Hochschule unter die Lupe. Zusätzlich zur institutionellen Akkreditierung wurde nach der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge die „Programmakkreditierung“ eingeführt: Hochschulen müssen ihre Studiengänge einzeln prüfen lassen, damit die Qualitätsstandards hoch­gehalten werden und vergleichbar sind. Zuständig sind dafür zehn Fachagenturen. 

Bei wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen tritt zum Beispiel die Foundation for International Business Administration Accreditation, kurz: FIBAA, in Aktion. Die Agentur stellt ein Gutachter-Team aus Professoren und Studenten anderer Hochschulen sowie Vertretern aus der Berufspraxis zusammen. Diese prüfen zum einen das Studiengangskonzept nach Kriterien wie wissenschaftlicher Fundiertheit, Aktualität und Anforderungen des Arbeitsmarktes, zum anderen die Studiengangsorganisation hinsichtlich Betreuung, Ausstattung oder Beratung.

„Ein Studium ist wie eine Ehe auf Zeit – da muss die Chemie stimmen.“
Michael Hartmann, Vizepräsident für Lehre an der SRH Hochschule Berlin

 

Akkreditierungen sichern Qualität

Salopp wird die Programmakkreditierung auch der „Stu­diengang-TÜV“ genannt. Dr. Olaf Bartz, Geschäftsführer des Akkreditierungsrates, der die Agenturen koordiniert, rät Studienanfängern dazu, „auf jeden Fall“ auf dieses Gütesiegel zu schauen. Bei den privaten Anbietern sei dies nicht nur Voraussetzung für die staatliche Anerkennung, sondern auch Ausweis der Seriosität. „Eine schöne Webseite kann jeder bauen“, sagt Bartz. Genauso be­stätige die Zertifizierung bei den staatlichen Hochschulen, dass Dritte das Angebot positiv beurteilt haben. 

Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass ein noch nicht akkreditierter Studiengang schlecht sein muss. Aber es besteht das Risiko, dass andere Hochschulen oder Arbeitgeber die Studienleistung nicht (voll) anerkennen. Wird einer Hochschule oder einem Studiengang die (Re-)Akkreditierung versagt, genießen Studenten zwar Vertrauensschutz und können zu Ende studieren. „Motivierend ist das aber nicht“, stellt SRH Professor Hartmann fest. Wer möchte schon den Abschluss in einem Studiengang machen, der bald nicht mehr existiert? Hartmann appelliert deshalb an die „Sorgfalt der Bewerber“: Um buchstäblich keine Pleite zu erleben, sollten sie besonders bei privaten Hochschul-Neugründungen auf eine gewisse Größe sowie auf einen starken Träger achten. Nur so ist die Finanzierung auf Dauer gesichert.

Unterm Strich muss bei der Studienwahl der Gesamteindruck stimmen – wie bei jeder großen Entscheidung. „Die Hochschule sollte Interesse am persönlichen Erfolg des Einzelnen haben“, sagt SRH Hochschulexperte Matthias Staat. 

Text Liane Borghardt
Illustrationen Stephan Schmitz

Nützliches im Netz


- CHE-Ranking: das größte deutsche Ranking zu Hochschulen und Studiengängen. www.che-ranking.de

- Hochschulkompass: Verzeichnis aller staatlichen und staatlich anerkannten Hoch­schulen sowie deren Studienangebote. www.hochschulkompass.de

- Akkreditierungsrat: Zentrale Datenbank mit allen akkreditierten Studiengängen und Hochschulen inklusive Details zur Zulassung. www.akkreditierungsrat.de

- Wissenschaftsrat: Infos zur institutionellen Akkreditierung nichtstaatlicher Hochschulen sowie eine Liste der abgeschlossenen Verfahren mit Urteilen und Fristen. www.wissenschaftsrat.de

„Grundständig“ steht für einen Studiengang, der zu einem ersten vollständigen Hochschulabschluss führt. Seit der Umstellung vom Diplom- und Magister- auf das Bachelor- und Mastersystem sind dies ­Bachelor-Abschlüsse. Master-Studiengänge sind weiterführende Programme, weil sie in der Regel einen grundständigen Abschluss erfordern.

- SIT: www.studiengaenge.zeit.de/sit 

- was-studiere-ich: www.was-studiere-ich.de

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