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Die Kunst des Klangs

Die Kunst des Klangs (Foto: Marc-Steffen Unger)

Jocelyn B. Smith: Die Sängerin des Titelsongs von „König der Löwen“ unterrichtet Gesang an der hdpk.

Ob Medien, Musik oder Events: An der Hochschule der populären Künste wird der Nachwuchs einer der interessantesten und kreativsten Branchen ausgebildet. Jetzt gehört die renommierte Berliner Hochschule zur SRH.

Der Applaus kommt nicht aus dem Computer. Die Musik schon. Das Publikum in der Berliner Philharmonie ist begeistert, beklatscht die neunte Symphonie von Antonín Dvorˇák. So hat es das Werk des böhmischen Komponisten noch nie gehört. Viele Zuhörer werden es nicht einmal erkannt haben. Das Deutsche Symphonie-Orchester hatte das Werk eingespielt, Julian Mannarini es in wochenlanger Tüftelei im Klanglabor auseinandergenommen, die DNA des Werkes bis ins kleinste Molekül aufgesplittet, seziert, modifiziert und transformiert. Er hat Instrumente isoliert, Akkorde und Harmonien gedehnt, Audioeffekte unterlegt, gescratched und die neunte Symphonie bis zur Unkenntlichkeit verjüngt. Etwas vollkommen Neues erschaffen.

Und das besser als jeder andere der 230 internationalen Teilnehmer am Remix-Wettbewerb „Into a new World“ des Deutschen Symphonie-Orchesters. Mit seinem vierminütigen Meisterstück „Hiawatha“ hat Mannarini zwei Welten kreativ verknüpft, die eigentlich so gar nicht zueinander passen wollen: klassische und elektronische Musik. Ende März wurde Julian Mannarini der Preis in der Philharmonie überreicht. Der 21-Jährige ist Student an der Berliner Hochschule der populären Künste, kurz hdpk. Sein Studiengang: Audiodesign. „Das ist eine Mischung aus Komposition für Filme und andere Medien – und Sound-Design“, erklärt Mannarini. Mal kreiert er einen einzelnen 

Ton, beispielsweise für eine App oder ein Computerspiel. Mal komponiert er ganze Musikstücke. Wie für den Remix-Wettbewerb, an dem er als Erstsemester teilnahm. Sein Professor Jörg Remy hatte ihn auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht.

Modernste Ausstattung in historischen Gemäuern

Es ist ein wuchtiges Gebäude, in dem die hdpk residiert. Die Potsdamer Straße 188 ist Teil des Ensembles um den Kleistpark in Berlin Schöneberg – massiv, denkmalgeschützt. Fahrstühle mit schweren Messingtüren führen hinauf in den fünften und sechsten Stock. Seit Januar 2014 mietet die Hochschule hier knapp 3.000 Quadratmeter, Platz für 30 Schulungsräume. Ton- und Foto­studios gibt es, Schneideräume, das Klanglabor und sogenannte DAWs, Digital Audio Workrooms. Alles in modernster Ausstattung. Angeboten werden die Studiengänge Medienmanagement, Mediendesign, Musikproduktion, Audiodesign und ab dem Wintersemester 2014 ein Master­studiengang Medienpsychologie mit Schwerpunkt Kunst und Musik.

Die Hochschule, die im Jahr 2009 mit 23 Studenten begonnen hatte, hat sich unter Gründungsrektor Prof. Dr. Ulrich Wünsch zu einer renommierten und preisgekrönten Bildungseinrichtung entwickelt, mit mittlerweile 19 Professoren, 52 Lehrkräften und 444 Studenten. So nahmen die Mediendesigner des vierten Semesters an dem Filmwettbewerb „Die Welt in Zahlen“ des Wirtschaftsmagazins „brand eins“ teil. Die Idee war, die Welt in Zahlen mit wenigen Farben und ein­fachen Formen lebendig zu machen. Das Ergebnis überzeugte nicht nur die Jury, auch die Leser wählten im Februar 2014 die Präsentation der hdpk auf den ersten Platz. 

„Im Mittelpunkt der Hochschule stehen die Themen Gestaltung und Technik“, sagt Wünsch. „Der Fokus liegt auf Musik, Medien und Ereignis. Aber wir sind keine reine Musik-Uni.“ Darauf legt der Rektor Wert. „Wir bilden keine Stars aus“, erklärt er. „Wir bieten eine solide Ausbildung. Unsere Absolventen sollen im Berufsleben gut unterkommen. Wenn sie dabei Stars werden – dann Glückwunsch!“ Bislang haben acht Studenten die Hochschule mit dem Bachelor abgeschlossen. „Alle haben sofort einen passenden Job bekommen“, sagt Wünsch.

Mit „Kreativwirtschaft“ und „Digitaler Wirtschaft“ umschreibt der Rektor die Branchen für die Ausbildung an der hdpk. Es ist eine Mischung aus Kreativität, Musik, Design, dem Umgang mit den Medien, kombiniert mit Management, Wirtschaft und Recht sowie dem Training von Sozialkompetenzen. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Wünsch. „In dieser Kombination haben wir wenig Konkurrenz.“

Seit Anfang Mai ist die hdpk Teil der SRH – und damit die neunte private Hochschule der Stiftung. Erst zu Beginn des Jahres hatte sich die SRH an der design akademie berlin beteiligt. Für Rektor Wünsch ist die SRH der „optimale Partner“. Und das nicht nur wegen möglicher Kooperationen mit der design akademie und anderen Hochschulen im SRH Verbund. Das Thema Gesundheit, sagt er,

sei sehr interessant. „Stichwort: Klangtherapie! Da könnte sich ein neuer Bereich für unsere Hochschule entwickeln.“ Ideen für die Zukunft hat Wünsch viele. Masterstudiengänge, Unterricht auf Englisch, um ausländische Studenten anzulocken, internationale Kooperationen mit anderen Hochschulen. Und natürlich den Ausbau der Kontakte in die digitale Wirtschaft.

Die Projektaufgabe: Gründe eine Plattenfirma!

Als Lucas Schneider sich an der hdpk einschrieb, spielte er noch Flügel. Jetzt drischt er auf ein Schlagzeug ein. Es ist sein Hauptfach-Instrument, er bekommt Einzelunterricht wie alle Studenten und spielt in Ensembles mit Kommilitonen. Das ist ein Teil des Studiums. „Irgendwie“, sagt er, „ist Schlagzeug dann doch cooler als Piano.“ Silbern glänzt die Schallisolierung an den Wänden des Studios, absorbiert jeden Schlag des 27-Jährigen. Schneider studiert Musikproduktion, und das bereits im achten Semester. Er war einer der ersten Studenten an der Hochschule. Eigentlich müsste er seinen Bachelor längst in der Tasche haben. „Aber die letzten zehn Monate kam wirklich viel dazwischen“, sagt er, grinst und zuckt fast entschuldigend die Schultern. „Aufträge! Und nicht gerade wenige.“

Als Pianist begleitete er Hans Werner Olm, spielte in Musicals und trommelte in der Philharmonie. Er komponierte die Titelmusik für den Film „Mephisto-Effekt“, der diesen Juni in die Kinos kommt, und ist mit „Faust – Die Rockoper“ auf Tour. „Es lebt sich ganz gut so, wie es ist“, sagt Schneider. Jedenfalls hat er keine Angst mehr, „als Schlagzeuger in einer Coverband ein Leben lang auf Volksfesten nur ‚Viva Colonia‘ zu spielen.“ Sein Traum: ein eigenes kleines Studio mit Probe­räumen. Am Businessplan feilt er schon – und ist zuversichtlich. Denn neben Komponieren, Texten und Produzieren hat er an der hdpk auch Vermarktung, Medienrecht und Vertrieb gelernt. Und er profitiert von dem Netzwerk, das er während des Studiums aufbauen konnte, weiß, an wen er sich wann und wo wenden kann – auch dank Marcus Adam.

Auf das Telefon des Geschäftsführers der hdpk dürften etliche Boulevardblätter neidisch sein. Wer im internationalen Musikgeschäft Erfolg hat, dessen Name ist in Adams Adressbuch abgespeichert. Bevor Adam 2011 zur hdpk wechselte, galt er als „Mister-MTV“, war Musik-Chef des Senders – später auch verantwortlich für Viva – und prägte somit über Jahre den Geschmack einer ganzen Generation. Wer Karriere im Musikbusiness machen wollte, kam an MTV und Viva, und damit an Adam, nicht vorbei. Und so kennt er die Künstler, Manager, Produzenten und Plattenfirmen wie kein Zweiter. Kontakte, die er heute für die hdpk nutzt. Ein Mentorenprogramm hat er beispielsweise initiiert, bei dem ein Mentor einen Studenten ein Jahr lang betreut.

Wie wichtig ein Netzwerk ist, das erfahren die Studenten schon während des Studiums. Jedes Semester gibt es ein Projekt, das alle Studienfächer einbezieht. Im Studiengang Medienmanagement lautet die Aufgabe: Gründet eine fiktive Plattenfirma, die einen Künstler rausbringt. Aus dem Kreis der Studenten wird ein Musiker gecastet. Die Musikproduzenten und Audiodesigner texten, komponieren und produzieren. Die Medienmanager kümmern sich um Marketing und Events. Die Mediendesigner drehen das Video und entwerfen das Plattencover. Das jüngste Projekt ist der Künstler Joseph Feinstein, das Video ist auf Youtube zu sehen. 

Die US-amerikanische Jazzsängerin Jocelyn B. Smith, bekannt als Sängerin des Titelsongs des Disney-Films „König der Löwen“, ist noch durch die harte Schule des Musikbusiness gegangen. Hätte sie als junge Musikerin an einer Schule wie der hdpk studieren können, ihr wäre vieles erspart geblieben. „Wie oft wir über den Tisch gezogen wurden…“, sagt sie und lacht laut auf. „Das passiert diesen Studenten hier nicht mehr.“

Jocelyn B. Smith unterrichtet Gesang an der hdpk. Das Musikgeschäft habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, sagt sie. Wer ohne juristischen und wirtschaftlichen Background eine Karriere anstrebe, der müsse sich warm anziehen. „Ich kenne keine andere Hochschule, die so umfangreich ihre Studenten vorbereitet“, lobt sie. „Du kommst als Musiker und gehst als Medienfachmann.“

Studiengänge der hdpk Berlin

Die Kunst des Klangs (Foto: Marc-Steffen Unger)

Medienmanagement

Die Medienlandschaft ist im ständigen Wandel. Print, Online, Hörfunk oder Fern­sehen. Events, Veranstaltungen oder Festivals. Alles muss zugeschnitten werden auf den Geschmack der Zeit, muss erkannt und vermarktet werden. Das ist die Aufgabe eines Medienmanagers. Kernmodule des Studiums sind Medien­produk­tion, betriebliches Management, Kommunikationswissenschaften und Event­gestaltung. Hinzu kommen Qualifikationen in den Bereichen Journalismus, Medienpsychologie, -geschichte und -recht.



Mediendesign

Kommunikationsdesign, Interaction Design und Motion Design sind die drei Studienrichtungen im Studien­gang Mediendesign. Dabei geht es jeweils um den Einsatz digitaler Technik bei künstlerisch-gestalterischen Konzeptionen, um Ideen und deren konzeptionelle Umsetzung. Bei Kommunikationsdesign liegt der Fokus auf Fotografie und Grafikdesign, bei Interaction Design auf der Gestaltung von digitalen Anwendungen und bei Motion Design auf der Gestaltung von Kurzfilmen, Spots und Musikvideos.



Musikproduktion

Musikproduzenten gestalten und betreuen die Entstehung eines Titels. Komposition, Interpretation und Aufnahmetechnik gehören zu ihren Kernkompetenzen. Sie sind hervorragende Live- und Studiomusiker, sie haben ein gut ausgebildetes Gehör und Gespür für Interpretationen. Sie kennen sich mit Tontechnik aus und haben ein breit aufgestelltes Wissen in der Musiktheorie.



Audiodesign

Was wäre die Welt ohne Töne, ohne Klänge? Auf alle Fälle langweilig! Der Audiodesigner kreiert Klänge – für Filme, Games und Werbung –, oder er produziert Soundtracks für alle Medien. Er komponiert Musik, schreibt Songs, entwickelt akustische Special Effects. „Der Laptop ist das Musikinstrument der Zukunft“, sagt Studiengangleiter Jörg Remy.

Die Kunst des Klangs

Christian Maertin

Die Kunst des Klangs (Foto: Marc-Steffen Unger)

Julian Mannarini

die neunte Symphonie bis zur Unkenntlichkeit verjüngt

Die Kunst des Klangs (Foto: Marc-Steffen Unger)

Prof. Dr. Ulrich Wünsch, Gründungsrektor

„Unser Fokus liegt auf Musik, Medien und Ereignis, aber wir sind keine reine Musik-Uni.“

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