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Keine Frage des Geschmacks

COTES steht für Compe­tence Oriented Transparent Evaluation System.

In Gestaltungsfächern laufen Dozenten schnell Gefahr, subjektiv zu bewerten. Studenten haben dann oft Probleme, ihre Noten nachzuvollziehen – und es beim nächsten Mal besser zu machen. Forscher der SRH Hochschule Heidelberg haben deshalb eine transparentere Benotung entwickelt.

Prüfungen und Noten – ein Kapitel für sich. Besonders wenn es um kreative Fächer geht. Gerade bei Gestaltungsaufgaben, in denen es kein Richtig oder Falsch gibt, ist eine faire Bewertung oft schwierig. Und eine Note, die sich eher am Geschmack des Benotenden als an objektiven Kriterien orientiert, gibt Schülern und Studenten wenig Feedback über ihren Leistungsstand. 
Prof. Guido Kühn, Christoph Hahn und Michael Hebel von der Fakultät für Information, Medien und Design an der SRH Hochschule Heidelberg sind angetreten, dieses Dilemma zu lösen. Sie entwickelten  COTES: ein transparentes Verfahren zur Notengebung in Gestaltungsfächern, bei dem der Entstehungsprozess und nicht das Endprodukt im Vordergrund steht. „Im Studium geben wir unseren Studenten Methoden an die Hand, sodass sie jede Problemstellung lösen können. Wir schulen sie im Prozessdenken. Also müssen wir auch ihre Leistungen im Prozess bewerten und nicht das Endergebnis“, erklärt Kühn. Ergo sieht COTES vor, dass Studenten bei Entwurfsfächern Bewertungen auf Zwischenstände oder für die Variationsbreite bekommen. „Wir bewerten, ob die Begründung für die finale Version inhaltlich nachvollziehbar ist. Ganz egal ob uns die Variante gefällt oder nicht.“ 

Standardisierte Kriterien 

Zudem wollen die Forscher über COTES die Noten für alle Beteiligten nachvollziehbarer machen. Also entwarfen sie Kriterienkataloge für verschiedenste Studienleistungen: fächerübergreifende, die zum Beispiel definieren, wonach eine Präsentation zu beurteilen ist, und fachspezifische, die klären, was etwa von einer Illustra­tion oder einer journalistischen Arbeit zu erwarten ist. Diese Kriterien geben die Dozenten ihren Studenten bei jeder Projektaufgabe vorab mit auf den Weg. „Durch die Standardisierung werden wir subjek­tive Störeinflüsse weitgehend los“, sagt Guido Kühn. Zudem geben immer mehrere Dozenten ihre Einschätzung ab. Auch die Studenten sind aufgerufen, ihre Leistung zu bewerten. „So sind sie mehr als zuvor gezwungen, sich mit ihrer eigenen Arbeit auseinanderzusetzen“, erläutert COTES-Forscher Christoph Hahn. Das bewusste Erfahren der Schnittmenge aus Selbst- und Dozenteneinschätzung hilft den Studenten bei der Orientierung. Zum Abschluss eines Projekts erhält jeder Student neben seiner Note eine detaillierte Übersicht, wie sich die Zensur zusammensetzt. „So kann er noch Monate später die Notengebung nachvollziehen“, sagt Michael Hebel. In einer Nachbesprechung erhält jeder Teilnehmer zudem entlang des Kritierienkatalogs Tipps, wie er sich noch verbessern kann. Seit Herbst 2016 ist das Bewertungsverfahren modellhaft in den Design- und Gestaltungsfächern der SRH Hochschule Heidelberg im Einsatz. Bei Dozenten wie Studenten kommt es gut an. „Mittelfristig möchten wir es auch in anderen gestalterischen Fächern wie der Architektur einführen“, sagt Kühn. Im Oktober stellte er das Forschungsprojekt auf einer Fachkonferenz für Designlehrende vor. Seitdem interessieren sich auch Kollegen anderer Hochschulen für die Notengebung via COTES. 

Text Ulrike Heitze  Foto: GaudiLab/shutterstock

„Mit COTES werden Noten nachvollziehbarer.“

Guido Kühn, Design-Professor an der SRH Hochschule Heidelberg

Kreatives studieren

Die Fakultät für Information, Medien und Design der SRH Hochschule Heidelberg bietet Studiengänge an der Schnittstelle zwischen Gestaltung, Technik und Wirtschaft. Interessierte können wählen aus fünf Bachelorstudiengängen – Crossmedia Design, Wirtschaftsinformatik, Virtuelle Realitäten mit drei alternativen Schwerpunkten – und den Masterstudiengängen Applied Computer Science, Big Data and Business Analytics. 

www.hochschule-heidelberg.de – Fakultäten

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