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Lernen gegen das Einrosten

Menschen möchten geistig und körperlich gesund altern. Prof. Dr. Claudia Wahn von der SRH Hochschule für Gesundheit Gera erklärt, warum dafür lebenslanges Lernen wichtig ist.

 

Warum ist lebenslanges Lernen derzeit ein großes Thema?

Prof. Dr. Claudia Wahn: Früher sind die Menschen nicht so alt geworden, dass kognitive Erkrankungen wie Demenzen vollumfänglich in Erscheinung treten konnten. Heute werden wir alle älter und müssen eher damit rechnen. Prävention ist also wichtig. Zudem haben sich unsere Familien- strukturen verändert. Alte Menschen müssen heute häufig alleine für sich sorgen. Lebenslanges Lernen hilft, geistig fit und flexibel zu bleiben, sich auf neue Situationen einzustellen und anzupassen. So hat es jeder ein Stück weit selbst in der Hand, wie lange er geistig alltagstauglich bleibt. 

 

„Jeder hat es ein Stück weit selbst in der Hand, wie lange er geistig alltagstauglich bleibt.“

Prof. Dr. Claudia Wahn, Studiengangsleiterin des Masterstudiengangs „Gesundes Altern und Gerontologie“ an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera

 

Lebenslanges Lernen kann Demenz beeinflussen?

Die Demenzforschung hat Spannendes herausgefunden: Menschen, die bis ins hohe Alter rege ihren Alltagsgeschäften nachgegangen sind und geistig gefordert waren, konnten noch lange voll an der Gesellschaft teilnehmen, obwohl sich bei der späteren Untersuchung ihrer Gehirne demenztypische Veränderungen zeigten. Die sind bei diesen Menschen einfach nicht durchgeschlagen. Sich ein Leben lang geistig rege zu halten, verschiebt also den Schwellenwert für das Auftreten erster Symptome einer Demenz.

 

 

 

Und was genau soll man lernen?

Wir fassen den Begriff sehr weit. Zum einen verlangt unsere schnelllebige Arbeitswelt von uns, fachlich immer am Ball zu bleiben. Sonst verlieren wir den Anschluss. Zum anderen bedeutet lebenslanges Lernen, dass wir immer mal wieder unser altes Fahrwasser verlassen. Es gibt viele Wege, das zu tun und den Geist auch im Alter zu fordern. Sei es durch Ehren­ämter, die einen ausfüllen, anspruchsvolle Hobbys oder eine rege Kommunikation zwischen den Generationen. 

 

 

 

Wie bereitwillig bleiben die Menschen geistig am Ball?

Während mittlerweile allen klar ist, dass man sich am besten ein Leben lang körperlich fit hält, ist der Aspekt, die geistige Fitness zu trainieren, immer ein bisschen zu kurz gekommen. Aber das ändert sich gerade. Früher waren ältere Menschen auch geistig älter. Sie alterten passiv, es war unüblich, das Altwerden zu gestalten. Heutzutage denken die Menschen anders. So gibt es viele verschiedene Wohn- und Lebensmodelle, die gesellschaftlich toleriert sind: von der Senioren-WG bis zu Mehrgenerationenhäusern. Senioren gehen zur Uni oder heiraten mit 75 noch einmal. 

 

 

 

Ist lebenslanges Lernen nur ein Thema der älteren Generation?

Nein, absolut nicht. Das ist auch für Jüngere wichtig. Wir raten unseren Studierenden, sich schon in jungen Jahren auszuprobieren und ihren Horizont stetig zu erweitern. Zum Beispiel durch ein Auslandssemester. Hier gilt es nicht nur, neue Erfahrungen zu machen, sondern sich vor allem flexibel auf neue Situationen einzustellen und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen. Und auch Berufstätige sollten sich weiterentwickeln. Wer erst im Alter beginnt, seine Komfortzone zu verlassen, oder wenn es die äußeren Umstände erzwingen, dem wird vieles schwerfallen, sei es im Alltag oder in neuen Situationen oder an unbekannten Orten. 

Interview Ulrike Heitze

Foto: Richard Lehmann | www.seek-us.de

 

 

SRH Studiengänge rund ums Altern

Der Masterstudiengang „Gesundes Altern und Gerontologie“ an der SRH Hochschule für Gesundheit Gera vermittelt interdisziplinäre Ansätze, wie Gesundheit und Lebensqualität verbessert werden können. Zudem lernen Studenten, wie Weiterbildungsangebote für Ältere entwickelt werden und wie neue, gene­rationenübergreifende Arbeits-, Wohn- und Lebensmodelle aussehen können. Der viersemestrige Vollzeitstudiengang findet am Campus in Karlsruhe statt.
www.srh-gesundheitshochschule.de / Studium / Master 


Der berufsbegleitende MBA-Studiengang „Betriebliches Demografie- und 
Gesundheitsmanagement“ an der SRH Hochschule Berlin bereitet Führungskräfte, Personaler, Personalberater, -Trainer und Gesundheitsbeauftragte in vier Se­mestern darauf vor, betriebliches Demografiemanagement und Gesundheitsmanagement umzusetzen. 
www.srh-hochschule-berlin.de / Studium / MBA Programme 

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