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Neues Lernen, alte Werte

Neue Technologien verändern unsere Arbeitswelt nachhaltig. Prof. Dr. Ottmar Schneck, Rektor der SRH Fernhochschule – The Mobile University, erklärt, warum das neue Bildungsangebote nötig macht und wie wir künftig studieren werden.

Warum benötigen wir eine neue Form von Bildung?

Prof. Dr. Ottmar Schneck: Die Digitalisierung, die hinter dem Schlagwort Industrie 4.0 steckt, verändert unsere Welt. Sie werden künftig kaum noch einen Arbeitsplatz finden, an dem nicht mit Informatik und mit digi­talen Medien gearbeitet wird. Unsere Innovations- und Produktlebenszyklen werden kürzer. Neue Technologien und Big Data – die immer größeren Informationsmengen zu einem Thema – werden neue Geschäftsmodelle und Produkte hervorbringen.Auch unsere Job-Bedingungen ändern sich. Schon heute arbeiten 14 Millionen Menschen nicht mehr an einem festen Arbeitsplatz, sondern als Co-Worker in wechselnden Projekten. Diese neue Arbeit – wenn Sie so wollen Arbeit 4.0 – braucht auch neue Bildung. Ich nenne sie Bildung 4.0.

Wie muss Bildung 4.0 aussehen?

Im Zuge von Industrie 4.0 wird Lernen – stärker als bisher – unser ständiger Begleiter sein. Deshalb muss ­Bildung digitaler, flexibler und mobiler werden. Aber es wird nicht d i e eine Bildung 4.0 geben. Bildung gilt als Schlüssel für sehr viele Entwicklungen, seien es der Fachkräftemangel, alternde Belegschaften, die Technisierung oder die Lenkung von Flüchtlingsströmen. Das sind sehr heterogene Themen. Deshalb brauchen wir verschiedenste Formen von Bildungsangeboten. Meiner Meinung nach stehen wir vor einer weiteren Bildungsrevolution. 

Unsere Bildung hat Revolutionen hinter sich?

Die erste fand im 14. Jahrhundert mit der Gründung der Universitäten statt. Damit kam erstmals Wissen in die Welt. Die zweite Bildungswelle hat  Alexander von Humboldt angestoßen. Er brachte sein universelles Wissen in Büchern heraus und machte Bildung so ganz neuen Bevölkerungsschichten zugänglich. Der nächste große Einschnitt, der Bologna-Prozess, ist erst wenige Jahrzehnte alt. Die europäische Studienreform vereinheitlichte zum Beispiel die Bewertung von Studienleistungen, sodass nun über Hochschul- und Ländergrenzen hinweg studiert werden kann. Mit Bildung 4.0 steht nun die nächste Bildungsrevolution an. Und es wäre gut, wenn sich in ihr auch die humboldtschen Ideale wiederfänden. 

Warum sind Humboldts Bildungsideale heute noch aktuell?

Alexander von Humboldt steht für globales, vernetztes Wissen und Wertfreiheit. Werte, die wir auch künftig nötig haben. Ich bin zum Beispiel sicher, dass wir unsere Wissensvermittlung in Schulen und Hochschulen globaler denken müssen. Die Auswirkungen des eigenen Tuns auf andere – und nicht nur in der unmittelbaren Umgebung – müssen thematisiert werden. Wenn man etwa ein synthetisches Finanzprodukt in einer Finanzierungsvorlesung beschreibt und lernen lässt, muss man dort auch gleich mögliche gefährliche Folgen reflektieren, um keine erneute Finanzkrise zu riskieren. Und Humboldts Streben nach Vernetzung ist in der Arbeitswelt 4.0 geradezu Pflicht. Wir sind gut beraten, über den Tellerrand hinauszublicken. Studiengänge müssen Wissen vernetzen, wie zum Beispiel beim Wirtschaftsingenieurwesen, bei dem ökonomischer Sachverstand mit technischem Wissen kombiniert wird. Oder wie in der Wirtschaftspsychologie. Warum bilden wir nicht auch den Rechtsbiologen oder den Theologiechemiker aus? Unsere Bildung kann mehr Vernetztheit gut gebrauchen. Das Gleiche gilt für die Wertfreiheit. 

Ist Bildung zurzeit nicht wertfrei?

Da ist auf jeden Fall Luft nach oben. In unserer Zeit wird bei jeder Nachricht sofort bewertet und gewertet. Für ein Abwägen, ein genauer Hinschauen und ein Sowohl-als-auch ist kaum noch Raum. Wahrheit ist aber bis auf wenige physikalische Phänomene meist relativ, sodass wahre Bildung eben auch den Diskurs voraussetzt, den wir uns leisten müssen.

Was macht Bildung 4.0 anders?

Während es bislang an den Hochschulen meist um spezifische Lernziele ging – welches konkrete Fachwissen benötigt jemand an seinem Arbeitsplatz? –, geht es zum Beispiel nun mehr um übergreifende Kompetenzen. An den SRH Hochschulen nennen wir es das  CORE-Prinzip. Über die rein fachlichen Spezifikationen hinaus vermitteln wir den Studenten generalistische Fähigkeiten, die sie im (Arbeits-)Leben benötigen. Diese Kompetenz­orientierung ist ein wichtiger Baustein der Bildung 4.0. Und natürlich Qualität. Bestes Studienmaterial, bester Service, beste Professoren sollten Standard sein. Diese Qualität lässt sich nur durch ständige Aktualisierungen erreichen.

Was wären weitere Beispiele?

Wichtig ist zum Beispiel der direkte Transfer von Wissen. Angebote, die es einem ermöglichen, Stoff nicht nur aufzunehmen, sondern ihn gleich im Alltag anzuwenden. So wie es das berufsbegleitende Studieren möglich macht. Oder: Jemand erhält im Stu­dium Kompetenzen, aus denen er sein eigenes Start-up entwickelt. Ich denke, Studieren neben dem Job, der Familie oder dem Spitzensport wird deutlich üblicher werden.

Wie wird die neue Bildung in der Praxis aussehen?

Die Menschen werden flexibler, zeit- und ortsunabhängiger lernen. An der Mobile University können Sie zum Beispiel an jedem beliebigen Tag mit Ihrem Studium starten und müssen nicht bis zum nächsten Semesterbeginn warten. Oder ein anderes Beispiel: Sie können bei uns aus einer breiten Palette von Online- und Offline-Medien – von Studienbriefen über Videos und Animationsfilmen bis zu Wochenendseminaren – wählen, wie, was und wann Sie studieren wollen. Diese Freiheiten haben Sie mit Bildung 4.0. 

Text Ulrike Heitze  Foto: Jacob Lund/shutterstock

„Bildung muss digitaler, flexibler und mobiler werden.“

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Rektor der SRH Fernhochschule – The Mobile University

SRH Fernhochschule – The Mobile University


Die SRH Fernhochschule ist spezialisiert auf mobiles Studieren. Die Fächerpalette reicht von Wirtschaft und Management über Psychologie und Gesundheit bis zu Naturwissenschaft und Technologie in zehn Bachelor- und sechs Masterstudiengängen. Zusätzlich gibt es drei Hochschulzertifikate in der Weiterbildung. Drei weitere Bachelor- und zwei Masterstudiengänge werden im Laufe des Jahres folgen. Virtuelle Hörsäle und Online-Lerngruppen ermöglichen das Studieren wann und wo man will. Bundesweite Studienzentren für Präsenztermine und Partnerhochschulen im Ausland sichern den direkten Austausch zwischen Studenten und Dozenten. 

www.mobile-university.de

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