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Bildung20.12.2013

SRH Hochschule Heidelberg unterstützt Einführung

NONVERBALER IQ-TEST

Nonverbaler IQ-Test (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Professor Dr. Andrés Steffanowski macht der Testkandidatin Anna Abelein die Aufgabe einmal vor. Dann ist sie dran.

Die kognitive Leistungsfähigkeit lässt sich unter anderem über Intelligenztests bestimmen, vorausgesetzt der Kandidat versteht die Aufgaben. Denn Intelligenztests sind in der Regel sprachbasiert. Verständnisprobleme können die Ergebnisse verfälschen. Sprachfreie Tests sollen dies vermeiden. Die SRH Hochschule Heidelberg ist bei der Einführung eines entsprechenden Verfahrens für den deutschsprachigen Raum mit im Boot.

Passt der Bewerber auf die ausgeschriebene Stelle? Bin ich eigentlich für meinen Traumberuf geeignet? Ist mein Kind schulreif, oder hat es Förderbedarf? Antworten auf diese und ähnliche Fragen können Intelligenztests liefern. Sie messen den persön­lichen Intelligenzquotienten (IQ). Liegt dieser bei 100, so weist dies auf eine durchschnittliche Intelligenz hin. Bei einem Wert von 130 und mehr kann von Hochbegabung ausgegangen werden: Nur zwei Prozent aller Testpersonen erreichen diesen Bereich. 

„Ein IQ-Test gibt also Aufschluss über die geistige Fitness, neben sprachlichen Fähigkeiten gehören die numerisch-mathematische, die räumlich-figurale und die logisch-schlussfolgernde Intelligenz sowie die Merkfähigkeit dazu“, verdeutlicht Professor Dr. Andrés Steffanowski von der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH Hochschule Heidelberg. Allerdings nur dann, wenn die Aufgaben von den Testpersonen auch verstanden werden. Das ist längst nicht immer der Fall. So hapert es beispielsweise bei Menschen mit Migrationshintergrund zuweilen am Sprachverständnis, und hörgeschädigte Personen verstehen rein akustisch oft nur einen Teil der Aufgabenstellung. Auch Probanden mit Lese-Rechtschreib-Schwäche haben Probleme mit herkömmlichen Intelligenztests. „Dies kann das Testergebnis – und damit die Folgeentscheidungen – natürlich gravierend verfälschen“, verdeutlicht der Wissenschaftler.

Gestik und Bilder zählen

Nonverbaler IQ-Test (Foto: Timo Volz, Mannheim)

Aufgabenstellungen werden durch Illustrationen, Piktogramme oder Gestik klar erläutert.

Abhilfe schaffen können sprachfreie IQ-Tests, die im Kindergarten und Vorschulbereich bereits seit Jahren eingesetzt werden. Bei Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird dagegen meist vorausgesetzt, dass sie verbal geäußerten Aufgabenstellungen folgen können. „Was jedoch längst nicht immer der Fall ist“, weiß Steffanowski. Der Wechsler Nonverbal Test of Ability (WNV) schließt diese Lücke. Er richtet sich in zwei unterschied­lichen Versionen an vier- bis 21-jährige Menschen und kommt ganz ohne Sprache aus. „Die Testpersonen müssen also weder aktiv sprechen noch Sprache verstehen“, unterstreicht SRH-Forschungsreferentin Barbara Menke. Stattdessen kommt Bildern, Gestik und Mimik eine große Bedeutung zu. Das heißt: Die Tester erklären den Teilnehmern nicht verbal die Aufgabe, sondern beispielsweise anhand von Bildkarten oder durch eindeutige Gesten. Die Aufgaben selbst sind herkömmlichen IQ-Tests entnommen. „Deshalb sind die sprachfrei erzielten Ergebnisse auch mit denen traditioneller Tests vergleichbar“, sagt Steffanowski. So können Stärken und Schwächen von Kindern und Jugendlichen verlässlich eingeschätzt werden – auch wenn diese Sprachschwierig­keiten haben.

Der Einsatz nonverbaler Verfahren ist im englischsprachigen Raum bereits weit verbreitet. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Franz Petermann vom Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR) der Universität Bremen will nun unter anderem in Zusammenarbeit mit der SRH Hochschule Heidelberg das WNV-Testverfahren für den deutschsprachigen Raum adaptieren. Um kognitive Fähigkeiten sprachfrei zuverlässig erheben zu können, braucht es dabei entsprechende repräsentative Vergleichswerte aus der Bevölkerung. Bundesweit wurden deshalb zwischen Mai und Oktober dieses Jahres rund 1.500 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 21 Jahren getestet, um verlässliche Normdaten zu ermitteln. 

Die SRH Hochschule Heidelberg war im Projekt für die Normierung in der Region Südwestdeutschland zuständig. 20 speziell geschulte Testleiter, zumeist Studierende der SRH Hochschule Heidelberg, führten innerhalb von sechs Monaten 450 Testungen durch und besuchten dabei Gymnasien, Kindergärten, Grund-, Haupt- und Berufsschulen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz sowie im Rhein-Erft-Kreis. „Die Unterstützung der Eltern, Lehrer und Erzieher im Rahmen des Projektes war bemerkenswert“, erinnert sich Forschungsreferentin Barbara Menke. Und das, obwohl die Projektteilnahme durchaus zeitintensiv war: Jeder einzelne Test dauerte zwischen 30 und 45 Minuten, zudem mussten die Erziehungsberechtigten einen begleitenden Fragebogen ausfüllen. „Wie in anderen IQ-Testverfahren sollten die Kinder im Rahmen der Testnormierung gezielt Aufgaben lösen, wie etwa ein fehlendes Teil in ein Muster einfügen oder eine Bildergeschichte in die richtige Reihenfolge bringen“, erklärt Menke. Als Entgegenkommen für ihren Aufwand haben die Eltern die Möglichkeit, bei der Universität Bremen die Testergebnisse für ihr Kind kostenlos postalisch anzufordern, sobald das Projekt abgeschlossen ist.

Ausführliche Validierung

 

Anfang November übermittelte die SRH Hochschule Heidelberg die im Rahmen der Testung erhobenen Daten an das ZKPR der Universität Bremen. Hier werden die Informationen derzeit mit den Ergebnissen anderer Regionen gebündelt, ausgewertet und validiert. „Schließlich soll eine möglichst große und repräsentative Stichprobe für die Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung stehen, damit die Ergebnisse der sprachfreien Testung auch zuverlässig sind“, erläutert Professor Steffanowski. Hierzu werden von der Uni Bremen bei Kindern und Jugendlichen ergänzend weitere Stichproben erhoben, die sowohl den nonverbalen als auch einen herkömmlichen IQ-Test absolvieren. Stimmen die Testergebnisse überein, steht einer flächendeckenden Einführung des WNV im deutschsprachigen Raum nichts mehr entgegen. Anfang 2014 soll es so weit sein.

Kirsten Schmidt

KOOPERATION

Das Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation (ZKPR) der Universität Bremen arbeitet eng mit mehreren Fakultäten der SRH Hochschule Heidelberg zusammen. Die Ende 2012 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung bezieht sich vor allem auf:

  • Psychologische Diagnostik und Testentwicklung 
  • Klinische Kinderpsychologie 
  • Rehabilitationswissenschaften

Ziel ist auch, exzellente Studierende der SRH Hochschule Heidelberg im Rahmen von Drittmittelprojekten, Graduiertenförderung und Promotionsbetreuung gezielt zu fördern und zu unterstützen.

SRH Hochschule Heidelberg

Sechs Fakultäten mit mehr als 30 Studiengängen

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