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Gesundheit12.08.2011

Wie die SRH Kliniken das Leid der Patienten lindern

SCHMERZ, LASS NACH

In Deutschland leiden rund 15 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. An erster Stelle stehen dabei Rückenschmerzen.

Schmerzen sind oft eine Art Notruf des Körpers, der uns auf Erkrankungen und Verletzungen hinweisen will. Ein Tumor oder eine Operation können unerträgliche Schmerzen verursachen. Ein effektives Schmerzmanagement in den SRH Kliniken hilft, diese zu reduzieren oder sogar zu vermeiden.

In Deutschland leiden täglich rund 15 Millionen Menschen unter Schmerzen. Experten unterscheiden dabei akute Schmerzen, wie sie nach Unfällen oder Operationen auftreten, und chronische Schmerzen. Besonders Letztere schränken die Lebensqualität der Betroffenen stark ein und machen auf Dauer krank.

So beeinflussen sie unter anderem den Stoffwechsel, indem sie die Ausschüttung von Adrenalin fördern. Ein erhöhter Pegel des Hormons im Blut verengt die Gefäße und beeinflusst die Blutgerinnung. Das Thromboserisiko steigt und damit die Gefahr, einen Herzinfarkt oder eine Lungenembolie zu erleiden. Schmerzen stören außerdem den Heilungsprozess, denn sie beeinträchtigen oder verhindern eine rasche Mobilisation der verletzten Körperregion. Letztlich kommt der Betroffene auch nachts nicht zur Ruhe. Die anhaltende Schlaflosigkeit wirkt demoralisierend und zermürbend.
Ärzte stufen heute den Schmerz neben Puls, Blutdruck, Temperatur und Atemfrequenz als fünftes Vitalzeichen ein. „Er sollte nicht nur adäquat gemessen, sondern auch entsprechend behandelt werden“, erläutert Dr. Andreas Eichler, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach.

Allerdings können Schmerzen nur von den Patienten selbst beurteilt werden. Deshalb ist es wichtig, sie regelmäßig zu befragen, etwa bei der Erstaufnahme, bei der Übernahme auf die Station und mehrfach nach der Gabe von Schmerzmitteln: Wie stark ist der Schmerz? Wo ist er lokalisiert? Tritt er nur bei entsprechenden Bewegungen auf oder auch in Ruhelage?

Sogenannte numerische Schmerzskalen von null bis zehn helfen den Betroffenen, die Schmerzstärke zu beurteilen. Null bedeutet keinerlei Schmerz, zehn steht für den maximal vorstellbaren Schmerz, der beispielsweise eintreten würde, wenn man die Hand auf eine glühende Herdplatte presst.

Schmerzempfinden bis Stufe drei hält ein Patient meist ohne fremde Hilfe aus, ab Stufe vier ist der Schmerz aus ärztlicher Sicht behandlungsbedürftig, ab Stufe sieben würde man den Notarzt rufen, und bei neun würde der Arzt eine sofortige Narkose einleiten. Bei Kindern haben sich Smileys als Orientierungshilfe bewährt, deren Mundwinkel je nach Befinden nach oben oder unten zeigen.

SCHMERZEN STUMPFEN NIE AB

Verletzt sich ein Mensch, erzeugen Rezeptoren und ¬Nervenfasern in der Haut, den Muskeln, den Blutgefäßen oder den inneren Organen elektrische Reize. Diese werden über das Rückenmark ans Gehirn weitergeleitet.
Puls und Atem gehen schneller, die Muskeln spannen sich, Schweiß bricht aus; gleichzeitig schüttet der Körper Endorphine aus, die den Schmerz hemmen.

Im Unterschied zu anderen Emotionen stumpft Schmerz nicht ab. Im Gegenteil: Dauerhafte Schmerzen verändern die Übertragung der Schmerzsignale zwischen den ¬Nervenzellen ins Gehirn, es laufen ähnliche Vorgänge ab wie beim Lernen. Die Nervenzellen reagieren empfindlicher und registrieren selbst leichte Reize. Betroffene empfinden sogar normale Berührungen oder Wärme als unangenehm.

Aufklärung nimmt Ängste

Dr. Andreas Eichler ist seit Oktober 2007 Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Zuvor war er leitender Oberarzt der Anästhesie an der Orthopädischen Universitätsklinik Frankfurt. Eichlers Spezialgebiet ist die Regionalanästhesie.

Schmerzen nach der Operation sind auch der meistgenannte Grund, aus dem Patienten Angst vor einem Klinikaufenthalt haben. „Mit einem offenen Aufklärungsgespräch vor der Operation lassen sich bereits viele Bedenken zerstreuen“, erklärt Dr. Lars-Olaf Felthöfer, Oberarzt und Leiter der Schmerztherapie am SRH Wald-Klinikum Gera. „Zudem sind die medizinischen Hilfsmittel heute besser und sicherer als noch vor zehn, zwanzig Jahren.“ Tatsächlich sind mittlerweile Anästhesietechniken wie das Anlegen von Kathetern selbst bei größeren Eingriffen an der Wirbelsäule Routine, und die Auswahl an Darreichungsformen für Schmerzmittel ist größer. Sie reicht von Infusionen, Pflastern, 24-Stunden-Tabletten und Säften bis hin zu Lutschern. Die Zusammensetzung der Schmerzmittel richtet sich nach der Schmerzstärke. Bei stärkeren Schmerzen werden auch Opiate zugemischt wie Morphin. Da einzelne Narkotika heute besser kombiniert werden als noch vor Jahren, sind niedrigere Einzeldosen möglich, was die Nebenwirkungen erheblich mindert.

Im Zentrum der postoperativen Schmerzbekämpfung steht die Regionalanästhesie: „Dazu muss man die Anatomie der Glieder genau kennen“, sagt Eichler, der mit seinem Team für Orthopädie und Gefäßchirurgie zuständig ist und etwa zehn verschiedene Kathetertechniken routinemäßig anwendet. „Die lokale Betäubung hat den Vorteil, dass sie den Schmerz, aber nicht den Muskel blockiert. Dadurch sind die Patienten nach der Operation schneller wieder mobil, was den Heilungsprozess beschleunigt. Heute steht ein Patient nur einen Tag nach einer Aortaoperation wieder auf den Beinen.“

Auch für Dr. Michael Schwabe, leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie am SRH Zentralklinikum Suhl, geht der Trend ganz klar zur Lokalanästhesie. „Daher ist es für uns wichtig, nach einem Unfall schnell zu wissen, was passiert ist, damit wir den Schmerz lokalisieren und entsprechend handeln können.“ Je nach Verletzung und Schwere des Eingriffs stehen für die Schmerztherapie nach der Operation verschiedene Optionen bereit. Gerade Schmerzpflaster mit integrierten patientenkontrollierten Pumpen seien bei den Patienten beliebt, meint Schwabe. Damit kann der Patient unabhängig von Arzt und Schwester die Schmerzmitteldosis variieren. „Das gibt dem Patienten Sicherheit. Denn gerade nachts kann einige Zeit vergehen, bis die Schwester den Arzt informiert und die Schmerzmittel verabreicht hat.“

IN DEN KÖRPER GEBRANNT

Schmerzen haben ein eigenes Gedächtnis. Was der Kopf vergisst, speichert der Leib. Der schweizerische Neurologe und Psychologe Edouard Claparède schildert den Fall ¬einer Patientin, die aufgrund einer Hirnschädigung keine neuen Gedächtnisinhalte aufnehmen konnte. Jeden Tag musste er sich ihr aufs Neue vorstellen, nie konnte sie sich an ihn erinnern. Eines Tages verbarg er in seiner Hand -einen Reißnagel, mit dem er die Patientin stach. Am nächs¬ten Tag weigerte sie sich, ihm die Hand zu geben. Sie konnte jedoch nicht sagen, weshalb. Offenbar hatte ihr Körper die Hand des Arztes als Gefahr assoziiert.
Ein besonderes Phänomen sind Phantomschmerzen.

Diese treten noch Jahre nach dem Verlust eines Armes oder Beines auf. Solche Schmerzen entstehen direkt im betroffenen Nerv. Die Schmerzimpulse werden vom ¬Körper nicht unterdrückt. Vielmehr senden die durchtrennten Nerven weiterhin Reizströme zum Gehirn.

 

Rückenschmerzen am häufigsten

Dr. Michael Schwabe, leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie am SRH Zentralklinikum Suhl, hat das Leid, das mit Schmerzen einhergeht, im engsten Angehörigenkreis kennengelernt und beschloss daher, Schmerztherapeut zu werden. Er ist seit acht Jahren in Suhl; davor war er am Krankenhaus in Arnstadt tätig und Leiter der Anästhesie in Bad Salzungen.

Besonders unangenehm ist es, wenn Schmerzen immer wiederkehren. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes (DGSS) leiden bundesweit circa 15 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen, circa 500.000 bis 600.000 Patienten sind von einem schwer therapierbaren Schmerzsyndrom betroffen. Rückenschmerzen stehen an erster Stelle, gefolgt von Kopf- und Tumorschmerzen.

Die Ursachen sind vielfältig: Oft ist es eine Operation, aber auch seelische Belastungen und Ängste lösen mitunter chronische Schmerzen aus. Wetter sowie Stress können die Schmerzen zusätzlich verstärken. „Leider begeben sich nur ¬etwa 60 Prozent der betroffenen Patienten in ärztliche Behandlung“, schätzt Eichler. Sein Team etabliert in Karlsbad-Langensteinbach zurzeit das Konzept der multimodalen Schmerztherapie. Patienten mit Schmerzen an der Wirbelsäule werden für zehn Tage in die Klinik aufgenommen und von ¬einer interdisziplinären Expertengruppe untersucht und ¬behandelt.

Interdisziplinär ausgerichtete, multimodale Projekte laufen auch in den SRH Kliniken in Gera und Suhl. „Bei der Behandlung chronischer Schmerzen muss der gesamte Körper einbezogen werden. Beteiligt sind unter anderem Orthopäden, ¬Psychiater, Chirurgen oder Internisten und ein Schmerztherapeut“, erläutert Schwabe.

Eichler, Felthöfer und Schwabe sind sich sicher, dass ein effektives Schmerzmanagement künftig als Wettbewerbsfaktor immer wichtiger wird. Die Ausbildung von Kranken- zu Schmerzschwestern, die eigenständig schmerztherapeutisch arbeiten können, hat daher oberste Priorität. Schmerzschwes¬tern sind beispielsweise geschult im Umgang mit Schmerzpumpen und Kathetern.

Ein schmerzfreies Krankenhaus, da sind sich die Experten einig, wird es nie geben. Vielmehr gehe es bei einem effektiven Schmerzmanagement darum, Schmerzen vorzubeugen, sie schneller auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und im Idealfall möglichst rasch zu beseitigen.

Georg Haiber



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SRH Zentralklinikum Suhl

Mit 666 Planbetten und 20 eigenständigen Fachbereichen ist das SRH Zentralklinikum Suhl die größte Klinik in der Region Südthüringen.

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