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Gesundheit18.09.2013

Halswirbel-OP beeinflusst Sprachqualität

Wenn die Stimme versagt

Wenn die Stimme versagt (Foto: Martin Burkhardt)

Nach Eingriffen an der Halswirbelsäule leiden viele Patienten an Heiserkeit. Das hat ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Bielefeld und des SRH Klinikums Karlsbad-Langensteinbach ergeben. Für Chirurgen ist daher beim Operieren höchste Sorgfalt geboten. 

Wer in der Kommunikationsgesellschaft mitreden will, muss sich Gehör verschaffen – eine funktionierende, kraftvolle Stimme ist dazu unerlässlich. Gerade nach operativen Eingriffen an der Halswirbelsäule leiden viele Menschen jedoch an Sprach-/Sprechstörungen. Das kommt nicht von ungefähr: „Eingriffe, etwa bei hohen Bandscheibenvorfällen oder Tumoren an der oberen Halswirbelsäule, operieren wir von vorne. Da in diesem Bereich auch der Stimmnerv verläuft, besteht durchaus ein Verletzungsrisiko“, erklärt PD Dr. Tobias Pitzen, Leiter der Sektion Wirbelsäulenchirurgie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Der sogenannte Sperrer, der das Operationsfeld offen hält, drückt während des Eingriffs auf den Stimmnerv; im schlimmsten Fall kann der Nerv versehentlich durchtrennt werden. So entstehen Schwellungen und Reizzustände, die die Stimmqualität beeinflussen. Wie bei einer Erkältung kann die Stimme deshalb nach der Operation heiser, krächzend oder schwach klingen. Laut Übersichtsstudien können um die zehn Prozent der Patienten nach Eingriffen am Hals ihre Stimme zumindest temporär nur eingeschränkt nutzen. 

Wie genau operative Eingriffe an der Halswirbelsäule die Stimmqualität beeinflussen, das untersuchte die Universität Bielefeld gemeinsam mit dem SRH-Klinikum Karlsbad-Langensteinbach. Dazu hat Jenny Griffel, Studentin der klinischen Linguistik, im Rahmen ihres Masterstudiengangs eine Testreihe entwickelt, bei der die Patienten nach der Operation unterschiedliche Stimmaufgaben lösen mussten. Darüber hinaus konnten die Patienten ihre Stimme per Fragebogen auch selbst einschätzen – ein Instrument, das in Übersichtsstudien meist nicht berücksichtigt wird. „Gerade die subjektive Sicht stellt bei Untersuchungen der Stimmqualität eine wichtige Dimension dar“, so Griffel. Das Ergebnis der Analyse: Bei jedem der gefragten Patienten traten nach der Operation Veränderungen der Stimmqualität auf, vor allem Heiserkeit machte vielen zu schaffen. Darüber hinaus konnten viele Patienten bestimmte Tonhöhen nicht mehr erreichen. 

Für Wirbelsäulenchirurg Tobias Pitzen ist diese Häufung überraschend. Gleichzeitig leitet er daraus einen klaren Arbeitsauftrag ab. „Wir müssen bei chirurgischen Eingriffen an der Halswirbelsäule zukünftig den Stimmnerv noch effektiver schonen“, sagt er. Zudem gelte es, Patienten bereits im Vorfeld detaillierter darüber aufzuklären, dass postoperative Stimmstörungen auftreten und auch länger bestehen bleiben können. So trägt das gemeinsame Forschungsprojekt dazu bei, die Behandlungsqualität bei chirurgischen Eingriffen an der Halswirbelsäule weiter zu optimieren – und kommt somit den Patienten am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach direkt zugute. 

Kirsten Schmidt

SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach

Das Klinikum – Fachkrankenhaus und Akutklinik in einem – verfügt über 538 Betten in den Bereichen Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie, Neurologie, Innere Medizin, Gefäßchirurgie und Psychiatrie.

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